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Aktueller Online-Flyer vom 25. September 2016  

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Inland
Auch der IslamhasserInnen-Blog "Politically Incorrect" gratuliert Kristina Köhler
"Hoffnungsstrahl" für die Rechten
Von Hans Christoph Stoodt und Peter Kleinert

Am 30. November 2009 soll Kristina Köhler (32) zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ernannt werden. Die Kölner Presse ist begeistert, denn: "Kristina Köhler ist jung, attraktiv und erfolgreich. Die Benennung der dynamischen Soziologin zur Familienministerin gibt der schwarz-gelben Koalition neuen Glanz", weiß der Kölner Stadt-Anzeiger. "Jung, telegen und aus Hessen", so die KR. Aus Hessen ist auch der evangelische Pfarrer Hans Christoph Stoodt, engagiert in der Anti-Nazi-Koordination Frankfurt. Für KStA- und KR-Leser hier seine von der Redaktion ergänzten Informationen über die Soziologin, die laut Angela Merkel "bislang eher im Bereich Integration tätig gewesen sei", so die ZEIT.

Merkel: "Bislang eher im Bereich Integration 
tätig" – Kristina Köhler
Quelle: http://www.kristina-koehler.de/
Begeistert von der Fähigkeit von Frau Köhler, in kürzester Zeit von der Innen- zur Familienpolitik zu wechseln, sind auch die KommentatorInnen auf dem IslamhasserInnen-Blog "Politically Incorrect", in Insiderkreisen boshaft "PIpifanten" genannt: "Hoffnungsstrahl", "Glücksfall", "Bravo!" - das sind die Charakterisierungen der Mehrheit in den Kommentaren. Und einer ihrer Fans schreibt ein bißchen "incorrect": "Frau Köhler ist eine Islamkritikerin, alleine das ist schon Positiv. Eventuell hat man da eine Ansprechpartnerin und schön das so jemand auf solchem Posten sitzt." Mehr aus ihrer Fan-Gemeinde unter http://www.pi-news.net/2009/11/kristina-koehler-wird-bundesfamilienministerin/.

Kristina Köhler ist schon früh politisch aufgefallen, war aber nie für längere Zeit im klassischen Sinn des Wortes erwerbstätig: mit 14 Eintritt in die Junge Union, Abitur, Studium der Soziologie, Diplom, Dissertation, ein Volontariat bei der FAZ, Bundestagsabgeordnete. Dort stieg die junge Frau rasch auf: "Fachpolitikerin Innenpolitik" (Köhler über Köhler), Expertin für "Extremismus", und natürlich deshalb auch für "Islam(ismus)". Das bewies


Cartoon: Ursula Behr
 
sie unter anderem in einer Panorama-Sendung vom Januar 2008, in der sie die ARD-Zuschauer darüber aufklärte, es sei ja nicht zufällig, “dass sich ein Täter mit Migrationshintergrund ein deutsches Opfer sucht, sondern, dass er sich gezielt ein deutsches Opfer sucht, weil es eben ein Deutscher ist und weil er die Deutschen für "Scheiß-Deutsche“, für "Schweinefleischfresser“ oder für ähnliches hält und eben deswegen diesem Opfer Gewalt antut.“

Holte Broder in den Innenausschuß


Köhler war treibendes Element der CDU im BND-Untersuchungsausschuß, in dem es vor allem um den damaligen Chef des Kanzleramtes Frank Walter Steinmeier ging. Und sie dürfte als diejenige Politikerin in die Annalen eingehen, die es geschafft hat, eine Persönlichkeit wie Henryk M. Broder im Innenausschuß des Bundestages sprechen zu lassen. Dreimal darf man raten, worüber. - Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden fragte anschließend entsetzt: "Machen ihn seine verleumderischen Aussagen gegen alle Israelkritiker bereits zum Antisemitismusexperten? Ich hoffe nur, dass Henryk M. Broder nicht Bundesbeauftragter für Antisemitismus wird.“
 
Verehrerin von Backes & Jesse

Es existiert - außer Dissertation und einer kurzen Rezension - kein längerer Aufsatz, kein Buch, nichts greifbar-programmatisch Schriftliches von Köhler, sieht man von Pressemitteilungen und Ähnlichem ab. Schon gar nichts Wesentliches zu den Ressorts Familie, Senioren, Frauen und Jugend ihres künftigen Ministeriums. Politikwissenschaftlich ist sie aber offenbar eine glühende Verehrerin der beiden "Extremismusforscher" Backes & Jesse, die auch im Hintergrund des jüngsten politischen Erfolges Köhlers stehen dürften: Sie erreichte im Bundestag die Zusammenstreichung staatlicher Mittel gegen Rechtsextremismus-Projekte sowie deren Zusammenlegung zu Mitteln gegen "Links-, Rechts- und Islam-Extremismus" (also potentiell gegen alle, die politisch etwas gegen die CDU haben. Nein, das war jetzt übertrieben!).
 
Und natürlich auch gegen Moschee-Neubau

In diesem Zusammenhang ist ihr Auftritt im Hessen-TV HR ("Stadtgespräch", November 2006) für manche Zuschauer in tiefer Erinnerung. Als es um den Neubau einer Moschee in einem Wiesbadener Vorort ging, spielten sich das CDU-Landesvorstandsmitglied Köhler und ein ihr damals offenbar noch unbekannter junger Mann im Publikum argumentativ die Bälle zu. Der heißt Mario Matthes, war damals wie heute eine zentrale Figur der Nazi-Kameradschaft "Nationale Sozialisten Bingen-Mainz", ist inzwischen Stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Hessen und wurde vor einem Jahr wegen schwerer Körperverletzung und Beleidigung eines Antifaschisten auf der Gelände der Uni Mainz zu elf Monaten auf Bewährung verurteilt. Übereinstimmung mit solchen Leuten qualifiziert natürlich zur Expertin im Kampf gegen Nazis und für die künftigen Aufgaben im Familienministerium, von dessen Politik auch muslimische MigrantInnen abhängig sind.

Koch-Favoritin wie Jung

Vor allem aber qualifizierte sich Frau Köhler wohl im Wahlkampf zur Landtagswahl Hessen 2008 für ihren neuen Job, indem sie, wie oben erwähnt - als Unterstützerin von Roland Koch - die Zunahme "deutschenfeindlicher Gewalt“ von Ausländern auch zu ihrem Thema machte. Dabei berief sich die Diplomsoziologin gegenüber dem Politmagazin Panorama auf angebliche Erfahrungen eines Staatsanwalts und auf Forschungsergebnisse des Kriminologen Christian Pfeiffer. Staatsanwalt Anton Winkler und Christian Pfeiffer wiesen diese Behauptungen als falsch zurück. Pfeiffer erklärte, es gebe von ihm keine Untersuchungen, die belegen würden, dass die “Deutschenfeindlichkeit“ von Migranten zunehme. Frau Merkel sollte sich also - anstatt die Koch-Favoritin heute als Ministerin vereidigen zu lassen - doch noch mal überlegen, ob sie die Dame nicht lieber aus dem noch nicht offiziell angetretenen Amt entlässt. Beim Koch-Spezi Jung hat sie das ja sogar geschafft, nachdem der seinen Amtseid abgelegt hatte. (PK)

Hier einige Links, denen man weitere Informationen zur politischen Haltung von Kristina Köhler entnehmen kann:
 
Panorama-Sendung: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2008/erste1272.pdf

http://antinazi.wordpress.com/2009/11/27/schone-bescherung-zum-bayramfest-is
lamkritikerin-kohler-wird-bundesfamilienministerin/
(mehrere auf YouTube dokumentierte Auftritte sind hier verlinkt)

http://antinazi.wordpress.com/2009/11/27/ein-garten-voller-bocke-kristina-ko
hler-und-die-extremismuspolitik/
(Link zu einer ausführlichen Hintergrundstudie zu Kristina Köhler, verfaßt
von der Wiesbadener "Bildungswerkstatt Anna Seghers").
 
Noch 2007 eine "Abgeordnete aus der dritten Reihe" - Kristina Köhler (CDU)
zu "Extremismusfragen": http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26077/1.html

NPD-Blog.info: Kristina Köhler als Beispiel für Verharmlosung des
Rechtsextremismus:
http://npd-blog.info/2008/09/03/huber-fordert-verantwortung-und-verharmlost-
den-rechtsextremismus/

"Im Kern völkische Ideologie" - NPD-Blog.info zum Vorgehen von Kristina
Köhler in der Auseinandersetzung mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten
Sebastian Edathy zur Frage des Staatsbürgerschaftsrechts:
http://npd-blog.info/2008/08/24/im-kern-volkische-ideologie-union-fordert-ed
athys-rucktritt/

Januar 2008: Kristina Köhler fordert "schnelle Abschiebung straffällig
gewordener Mitbürger ausländischer Herkunft". Bei der NPD heißt das im
gleichen hessischen Landtagswahlkampf: "Kriminelle Ausländer raus!":
http://ad-sinistram.blogspot.com/2008/01/in-nuce_27.html

"Frau Köhler ist scheinbar völlig blind auf dem rechten Auge ..." -
http://sebastianbrux.de/?p=29

Kristina Köhler sieht ein "Sparpotential" bei Regierungsprojekten gegen
Rechtsextremismus:
http://www.welt.de/politik/article212180/Unions_Politiker_wollen_weniger_Vor
beugeprogramme_gegen_Rechtsextremismus.html

140 Zeichen: Köhlers twitternde Botschaften:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31606/1.html

Frankfurter Rundschau zu Positionen der CDU-Extremismusexpertin Kristian
Köhler: "Positionen wie im Kalten Krieg":
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=2072497&em_lo
c=1231 

Online-Flyer Nr. 225  vom 30.11.2009

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