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Medien
Buchkritik: Milosevic´s Antwort ans Haager Tribunal jetzt als Buch
"Damit nicht die Aggressoren die Geschichte schreiben"
Von Anna Gutenberg und Peter Kleinert

»Die Zerstörung Jugoslawiens - Slobodan Milosevic antwortet seinen Anklägern« - unter diesem Titel erschien im Zambon-Verlag zur Leipziger Buchmesse die ins Deutsche übersetzte Stellungnahme des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten, die er im Herbst 2004 vor dem Haager Tribunal abgegeben hatte.

Krieg gegen Jugoslawien

Mit seinen Ausführungen gelang es Milosevic, den Anklägern des Jugoslawien-Tribunals in Den Haag in wenigen Stunden handfeste Fakten entgegenzusetzen, die deren Anschuldigungen schwer erschüttern. Präziser und strukturierter noch als während seines Plädoyers zum Prozeßauftakt im Februar 2002 stellte Milosevic die Geschehnisse im ehemaligen Jugoslawien in den nötigen Kontext. Schon damals hatte er das Ausmaß der westlichen Einmischung aufgezeigt. Diese heizte nicht nur die Kriege im ehemaligen Jugoslawien an, sondern stellte von Anfang an einen »Krieg gegen Jugoslawien« dar.

Vor allem für die Regierungen unter Helmut Kohl und Gerhard Schröder in Deutschland und US-Präsident William Clinton wäre eine Verbreitung der von Milosevic damals ans Licht gebrachten Hintergründe heikel gewesen. Und so stellten die TV-Kanäle die direkte Übertragung während dieser Rede abrupt ein. Sie hilft nämlich zu verstehen, warum der Haager »Angeklagte Nummer eins« von Politik und Medien mit geballter Kraft dämonisiert wurde und warum dieser sich vor ein »falsches Tribunal« gestellt sah.

"Das Gesetz des Schweigens durchbrechen"

Klaus Hartmann, Vizepräsident und Vorsitzender des Vorstandes des Internationalen Komitees für die Verteidigung von Slobodan Milosevi?, schreibt im Vorwort des im Frankfurter Zambon-Verlag erschienenen Buches unter der Überschrift "Damit nicht die Aggressoren die Geschichte schreiben":

"Dieses Buch geben wir heraus, um die Verteidigungsrede von Slobodan Milosevi? am 31.08. und 01.09.2004 beim so genannten "Internationalen Tribunal für Kriegsverbrechen im früheren Jugoslawien" in Den Haag überhaupt zugänglich zu machen. Nicht, dass sie gänzlich unter Verschluss gewesen wäre, im serbo-kroatischen Original wie in der englischen Übersetzung des "Tribunals" ist sie prinzipiell verfügbar. Es besteht nur seitens der meinungsbildenden Medien kein Interesse, den Inhalt zur Kenntnis zu nehmen oder gar bekannt zu machen.
           
So kommt es, dass eine deutsche Übersetzung des Textes bis dato nicht vorlag, keine Zeitschrift und keine Bildungsinstitution befand es der Mühe wert, eine andere Sicht als die NATO-amtliche auch nur zur Kenntnis zu bringen. Folglich mussten die Herausgeber der vorliegenden Dokumentation diese Übersetzung ins Deutsche mit eigenen, ehrenamtlichen Kräften selbst besorgen. Angesichts einer im Vorhinein als "Jahrhundertprozess" apostrophierten Veranstaltung ein bemerkenswerter Sachverhalt.

Mit der Publikation verfolgen wir die Absicht, das Geschehen in Den Haag publik zu machen und das "Gesetz des Schweigens" durchbrechen, dem sich die meisten Medien seit Jahren, kurz nach Verhandlungsbeginn und von wenigen Ausnahmen abgesehen, bis heute unterworfen haben. Damit soll zumindest im Prinzip die Monopolstellung in Frage gestellt werden, die sich die NATO mit ihrer Sicht der Dinge, ihrer Version der Geschichtsschreibung anmaßt. (...)

Stimmen zum "Tribunal"

Harold Pinter, Literaturnobelpreisträger 2005: "Das US/NATO-Gericht, vor dem Slobodan Milosevi? angeklagt ist, war schon immer völlig illegal. Es konnte nie ernsthaft als Institution der Rechtssprechung bezeichnet werden. Milosevi?s Verteidigung ist kraftvoll, überzeugend, beweiskräftig und unmöglich zu ignorieren."

Prof. Dr. Norman Paech, Völkerrechtler, MdB, außenpolitischer Sprecher der Linkspartei im Deutschen Bundestag: "Man missbraucht das Gericht, ohne sich um den Vorwurf der Siegerjustiz zu kümmern und nimmt die Vergiftung der Justiz selbst in Kauf. Wer nicht bereit ist, den Krieg der NATO gegen Ex-Jugoslawien einer Prüfung durch das Gericht zu unterziehen, hat keine Legitimation, den Gegner in Gestalt seines Präsidenten Milosevi? vor Gericht zu stellen, da es seine Unabhängigkeit nicht nachweisen kann."

Die Zerstörung Jugoslawiens - Slobodan Milosevic antwortet seinen Anklägern

"Die Zerstörung Jugoslawiens - Slobodan Milosevic antwortet seinen Anklägern", Zambon, Frankfurt a. M. 2006, 298 Seiten, 10 Euro. Weitere Informationen im Internet: www.free-slobo.de




Online-Flyer Nr. 38  vom 04.04.2006

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