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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
FORMOSA-Konzern kommt in Berlin wegen PVC-Produktion an den Pranger
„Black Planet Award 2009“
Von Peter Kleinert

Am 21. November werden in Berlin die Verantwortlichen des multinationalen Chemie-Konzerns FORMOSA PLASTICS GROUP für ihr verantwortungsloses Handeln in Umwelt- und Sozialfragen mit dem "Black Planet Award 2009" der Stiftung ethecon an den internationalen Pranger gestellt. Die Aktualität und Bedeutung dieser Schmähung wird durch einen "Offenen Brief" von FORMOSA-Arbeitern an die US-Aufsichtsbehörde OSHA unterstrichen. Die Schmährede wird die US-amerikanische Aktivistin Diane Wilson von Injured Workers United halten.

Diane Wilson bei ihrer Verhaftung nach einer gewaltlosen Demonstration gegen Dow Chemical im Januar 2006
NRhZ-Archiv
 
In ihrem "Offenen Brief" berichten Arbeiter US-amerikanischer Niederlassungen des FORMOSA-Konzerns der US-Behörde für Arbeit, Sicherheit und Gesundheit (OSHA) von Umweltverseuchung im großen Stil, von Verletzungen gesetzlicher Auflagen bis hin zur Fälschung von Büchern und von vielem anderen mehr. Sie beschreiben, wie zugleich die Verantwortlichen bei FORMOSA PLASTICS alles leugnen und mit Umweltverseuchung und Missachtung der Arbeitssicherheit weitermachen, obwohl sie bereits mehrfach und auch aktuell mit Millionen-Strafen vom Staat belangt worden sind. Sie verweisen auf die massenhaften und durchgängig schweren, durch die Arbeit bei FORMOSA verursachten Erkrankungen der ArbeiterInnen. "Die Krankenhäuser in Taiwan nennen das Krankheitsbild der FORMOSA-Arbeiter ,FORMOSA Syndrom'. Wir haben hier in Texas die gleichen Probleme.", schreiben sie.


Demonstration von FORMOSA-Arbeitern vor der Umweltschutzbehörde Taiwan
Quelle: ethecon
 
Dieser "Offene Brief" aus Texas unterstreicht die Berechtigung, mit der die Stiftung “ethecon“ mit dem "Black Planet Award 2009" die Verantwortlichen, die auf ein Vermögen von bis zu 70 Milliarden Euro geschätzte Besitzerfamilie Wang, den Geschäftsführer Lee Chih-tsuen und das Management der FORMOSA PLASTICS GROUP (FPG)/Taiwan, international anprangert. Die milliardenschwere FORMOSA PLASTICS GROUP (gegründet 1954) ist einer der weltweit größten Produzenten des berüchtigten Stoffes PVC, der u.a. für schwere Gesundheitsrisiken wie Krebs, Gefäßerkrankungen und Durchblutungsstörungen sowie für Fehlgeburten und Geburtsfehler verantwortlich gemacht wird. Der Konzern ist zudem bekannt für seinen weltweiten unverantwortlichen Umgang mit Umwelt- und Gesundheitsschutz.


FORMOSA-Gründer Wang – gestorben 2008
Quelle: ethecon
Die Schmährede zu FORMOSA Plastics wird die US-Aktivistin und Trägerin des “ethecon“- "Blue Planet Award 2006" Diane Wilson halten. Sie wird dies am 21.11. in Berlin tun, obwohl sie sich seit 6. November in einem unbefristeten Hungerstreik befindet, mit dem sie zusammen mit tausenden anderen Hungerstreikenden im Rahmen der Aktion Climate Justice Fast auf allen Kontinenten der Welt auf die Notwendigkeit schneller Lösungen beim aktuellen Klimagipfel in Kopenhagen aufmerksam macht. Auch “ethecon“-Stiftungsvorstand Axel Köhler-Schnura und Stiftungskuratorin Christiane Schnura beteiligen sich in Düsseldorf anlässlich der Proteste zum Klimagipfel an diesem Hungersteik.


"ethecon“-Preisverleihung 2006 an Diane Wilson durch Axel Köhler-Schnura, einer der Gründer der Coordination gegen BAYER-Gefahren
NRhZ-Archiv
 
Die "ethecon“-Stiftung Ethik & Ökonomie" verleiht - begleitet von wachsendem öffentlichen Interesse - bereits seit 2005 zwei internationale Preise: Der Positiv-Preis "Blue Planet Award" würdigt herausragenden Einsatz zum Erhalt und zur Rettung des "Blauen Planeten". Der Schmähpreis "Black Planet Award" stellt herausragende Verantwortung für die Heraufbeschwörung eines "Schwarzen Planeten", also für den Ruin und die Zerstörung der Erde, an den internationalen Pranger. Der "Blue Planet Award 2009" geht an den israelischen Friedens- und Menschenrechtsaktivist Uri Avnery, dessen Beiträge zur Situation in Palästina die NRhZ seit 2008 veröffentlicht (siehe: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13003).
 
Der öffentliche Festakt zur Verleihung der beiden ethecon-Preise 2009 findet am 21. November, 14. Uhr, im Pfefferwerk "Großer Saal", Schönhauser Allee 176, 10199 Berlin statt.
 
Offener Brief der FORMOSA-Arbeiter
 
An die US Behörde für Arbeit, Sicherheit und Gesundheit
(US Department of Labor Occupational Safety & Health Administrations)
Wilson Plaza 606 N Carancahua Ste. 700
Corpus Christi, Texas 78476
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die „Injured Workers United“ aus dem Bezirk Cahoun, Texas, wenden uns an Sie, um unserer Sorge über das Werk von FORMOSA PLASTICS GROUP in Point Comfort/Texas Ausdruck zu verleihen. Wir sind ehemalige Arbeiter der FPG, einige von uns sind noch bei diesem Konzern beschäftigt. Wir haben uns zusammengeschlossen und diese Initiative gegründet, um uns gegenseitig zu unterstützen im Rahmen unserer erlittenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, unserer Krankheiten, unserer finanziellen Nöte und den Erfahrungen, dass wir bei einem Konzern arbeiten, der ein hohes Maß an Missachtung seiner Arbeiter, der Gesellschaft und der Umwelt an den Tag gelegt hat und noch immer legt.
 
Einige von uns haben bei FORMOSA in Point Comfort/Texas gearbeitet, seit das Werk 1981 errichtet wurde. Viele von uns waren 18, 20, 25, 27 Jahre bei FPG beschäftigt und haben eine andauernde Gleichgültigkeit der Firma gegenüber ihren Beschäftigten und ein gefährliches Unvermögen in der Geschäftsführung erfahren müssen.
 
Aktuell hat die US-Umweltbehörde (Environmental Protection Agenca/EPA) FORMOSA PLASTICS GROUP mit einer Strafe von 13 Millionen US-Dollar belegt. Das überrascht uns nicht. Keiner von uns hat davor zurückgeschreckt, sich mal zu beschweren, aber zumeist waren unsere Beschwerden über nicht dokumentierte Einleitungen (von Abfall-Giften), unsichere Anlagen, reparaturbedürftige Stiegen und Arbeitsbühnen und offene Vinylchloid-Lecks derart gewichtig, dass sie im „Kontrollraum“ unter Verschluss genommen wurden.
 
Unsere Beschwerden wurden an das Management von FPG geschickt, wo sie im Nichts verschwanden. Einige von uns haben sich auch bei Behörden auf Staats- und Bundesebene beschwert und halfen 2001 mit Informationen bei den Abwasser-Nachforschungen, in deren Verlauf das FBI (Staatspolizei/Federal Bureau of Investigation) Abwasser-Unterlage bei FORMOSA beschlagnahmte. Auch diese Beschwerde verlief im Sande, einer der Untersuchungsagenten sagte beim letzten Treffen, dass die Untersuchung beendet wurde, obwohl die Sondereinheit des EPA/FBI eine Anklage gegen FORMOSA vorbereitet hatte.
 
Die Missstände wurden nicht beendet. Und das ist, so nehmen wir an, der Grund für die aktuell gegen FORMOSA verhängte Vergleichszahlung von 13 Millionen US-Dollar. Wir nehmen an, dass sogar die EPA es mit FORMOSA satt hat. Neuerliche Ergebnisse der EPA-Untersuchungen im FORMOSA-Werk Point Comfort/Texas zeigten erhöhte Schadstoff-Emissionen und Verletzung der Reparatur-Pflichten, fehlerhafte Aufzeichnungen bei undichten Anlagen (allein 500 undichte Stellen in einer Einheit), (PK)

Online-Flyer Nr. 224  vom 18.11.2009

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