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Aktueller Online-Flyer vom 04. Dezember 2016  

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Wirtschaft und Umwelt
Weil Konzerne und Politik zu wenig tun, müssen die BürgerInnen handeln
Wasser – kostbar und krankmachend
Von Gudrun Kaufmann

In regelmäßigen Abständen wird die Bevölkerung von den dafür zuständigen Behörden darüber informiert, dass unser Trinkwasser „sauber“ und „rein“ ist und sogar für Babys geeignet sei. Forschungs- und Messergebnisse sprechen da eine andere Sprache und fordern zum schnellen Handeln auf!


Sauberes Wasser - die Brüschenquelle am Fuße des Dinkelbergs
Quelle: www.geologie-des-dinkelbergs.de
 
Das Wasserforum in Wiesbaden, dessen Veranstalter das Hessische Umweltministerium war, zeigte bereits 2006, dass der Zustand der meisten Fließgewässer in Südhessen besorgniserregend ist. Dies wurde an der besonders belasteten Gersprenz erläutert. Der Odenwald beteiligte sich aus finanziellen Gründen nicht an der Untersuchung. Die Messprotokolle konnten somit nur für den Bereich bis Reinheim / Spachbrücken gemacht werden. Die Ergebnisse dürften allerdings für ganz Deutschland gelten, denn:
 
Unsere Kläranlagen sind zwar ganz gut, aber sie sind bedauerlicherweise bis zum heutigen Tag nicht in der Lage, Herbizide, Pestizide, Fungizide, Medikamente und diverse andere chemische Stoffe heraus zu filtern, für die es noch nicht einmal „Grenzwerte“ gibt! So kommt es, dass sich Medikamente wie Psychopharmaka, Immunsuppressiva, Zythostatika,
Antiphlogistika, Antiepilektikum, Betablocker, Lipidsenker, Analgetika und Antibiotika - um nur einige zu nennen - in unserem Wasser befinden! Die Mittel können über die oberirdischen Gewässer versickern und in das Grundwasser gelangen. Damit kann eine Gefährdung des Trinkwassers gegeben sein.
 
"Medikamente"
 
Was sind das eigentlich für Stoffe, die in unserem Wasser sind und dieses so belasten? Psychopharmaka sind Substanzen, die das zentrale Nervensystem beeinflussen und so Wahrnehmung, Stimmung und Verhalten verändern.
> Zythostatika sind Krebsmittel.
> Immunsuppressiva sind Medikamente, welche die Funktionen des Immunsystems vermindern.
> Antiphlogistika sind entzündungshemmende Arzneimittel
> Antiepilektika (oder Antikonvulsiva) sind Arzneimittel, die zur Behandlung oder Verhinderung von epileptischen Krampfanfällen eingesetzt werden. Sie greifen zum Beispiel über eine Hemmung der Erregbarkeit von Neuronen oder über eine Hemmung der Erregungsweiterleitung im Zentralnervensystem ein.
> Betablocker hemmen die Wirkung einiger Stresshormone (insbesondere Noradrenalin und Adrenalin). Sie führen durch Herabsetzen der Basalaktivität zu einer Senkung von Pulsfrequenz und Blutdruck, außerdem zu einer geringeren Schlagkraft und Erregbarkeit des Herzens. Sie blockieren die Stimmung unterhalb des Bewusstseins.
> Lipidsenker sind Arzneimittel, die die Blutfette senken und in der pharmakologischen Therapie bei Fettstoffwechselstörungen eingesetzt werden.
> Analgetika sind Schmerzmittel.
> Hormonpräparate wie zum Beispiel die „Antibabypille“, sind Mittel zur Verhütung einer Schwangerschaft.
> Antibiotika, Medikamente, mit denen Infektionskrankheiten behandelt werden.
 
Düngemittel und Herbizide
 
Auch chemische Stoffe, die bei der Haarwäsche oder durch Dauerwellenflüssigkeit ins Wasser geraten, werden nicht herausgefiltert durch die Kläranlagen. Hinzu kommen Düngemittelrückstände aus der Landwirtschaft, deren zulässige Grenzwerte, die bei Düngemitteln bestehen, überschritten wurden, und Stoffe, die in der Landwirtschaft, in Kleingärten und zum Beispiel als Herbizid als Zusatz von Farben eingesetzt  werden. Sie alle finden sich wieder in unserem kostbaren Wasser! Terbutryn war solch ein Herbizid auch mit algizider Wirkung, das häufig in der Farbenindustrie verwendet wird. Es wurde 2007 in der Kläranlage Nieder-Ramstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, in hohen Konzentrationen nachgewiesen. (1)
 

Prof. Dr. Klaus Kümmerer
Quelle: www.edc-com.eu/bilder_web
Prof. Dr. Klaus Kümmerer von der Universität Freiburg lehrt Chemie und leitet seit 2001angewandte Umweltforschung am Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene. In seinem Vortrag „Schadstoffe in der Umwelt – Einnehmen, Ausscheiden und was dann?“, der auch in der SWR-„Tele-Akademie“ gezeigt wurde, macht Prof. Dr. Kümmerer klar, dass
alleine bei Antibiotika 250 verschiedene chemische Wirkstoffe verzeichnet werden. 75 % (3/4 der verbrauchten) Antibiotikamenge geht ins Abwasser (u. a. eine Tonne Psychopharmaka)!
 

Ein gefährliches Gemisch!
 
Gefährlich an den Stoffen, die sich in unserem Wasser befinden, sind auch die Mischungen. Bei einer Beurteilung der Schadstoffgefährdung dürfen nicht nur die einzelnen Werte gesehen werden, sondern auch die Addition vieler Schadstoffe, die sich im Körper akkumulieren (s. auch Studie von Witte et.al.). Hinzu kommt eine lebenslange Aufnahme durch das Trinkwasser. Gefährdungen bestehen außerdem für Kinder und Ungeborene, so Prof. Dr. Kümmerer, sowie für Ältere, die bereits Medikamente nehmen. Winzigste Mengen des Hauptwirkstoffes der Antibabypille wirken schon bei Fischen und können zu Unfruchtbarkeit führen.
 
Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Abfälle der Pharmazeutischen Industrien und der Krankenhäuser ins Abwasser gehen, und schließlich ist es auch der Mensch selber, der mit zur Vergiftung beiträgt: Die aktiven Wirkstoffe befinden sich im ausgeschiedenen Urin und
gelangen somit ins Abwasser. (2)
 
Es geht um Ihre Gesundheit!
 
Es kann nicht sein, dass Firmen wie COCA-COLA, NESTLÉ und andere die Wasservorräte, Quellen dieser Erde aufkaufen und teuer als Mineralwasser an die Bevölkerung verkaufen, weil das Leitungswasser bald nicht mehr trinkbar ist! Im Übrigen ist auch das Quellwasser von der Vergiftung mit chemischen Stoffen betroffen.
 
Wie kann es nur sein, dass Pharmafirmen und andere Konzerne sowie Krankenhäuser Wasser vergiften, ohne sich darum zu kümmern, dass das kostbarste Gut, das wir auf dieser Welt haben - das Wasser - sauber bleibt? Es handelt sich hierbei um Körperverletzung! Und trotzdem werden immer wieder Gerichtsurteile zum Beispiel f ü r die Industrie gefällt (s. Buchttipps)! 
Sauberes Wasser sollte doch im Interesse aller sein. Wasser bedeutet Leben! Also ist Eigenverantwortung gefragt!
 
Mögliche Lösungen:
 
> Die Industrie muss vermehrt an nachhaltigen Arzneimittelwirkstoffen arbeiten, bei der auf die Abbaubarkeit in der Kläranlage geachtet wird. (3)
> Es gibt Spezialfiltersysteme, die auch in Kläranlagen eingesetzt werden können und müssen. Sie bestehen aus einem Spaltfilter, einem Ultrafilter und einem Nanofilter. Durch eine Umkehrosmose können auch Hormone durch ein elektrolytisches Verfahren heraus gelöst werden. Das ewige Argument, das alles sei zu teuer, darf nicht mehr akzeptiert werden. Es geht hier um die Gesundheit jedes Einzelnen. Dabei ist auch jeder Bürgermeister sowie die gesamte Politik gefordert!
> Es gibt leider nur sehr wenige Konzerne und auch Kleinfirmen, die genügend Selbstverantwortung tragen. Also müssen strengere Gesetze erlassen werden. Es reicht nicht aus, dass Industrien u. a. momentan nur soweit reagieren, wie die zurzeit recht lasche Gesetzesgebung es verlangt.
>  Die Industrie muss sich finanziell bei Projekten für die Wiederherstellung der Sauberkeit des Wassers beteiligen und dazu ebenfalls gesetzlich verpflichtet werden.
> Die Bevölkerung ist aufgerufen, ihre Medikamentenreste n i c h t in die Toilette zu werfen, sondern in der Apotheke abzugeben. Dort werden sie zur Vernichtung weiter gegeben.
> Und schließlich muss die gesamte Bevölkerung über diese Probleme unterrichtet werden! Denn den meisten Menschen ist es beispielsweise nicht bewusst, dass die Kläranlage die Mittel zur Unkrautbekämpfung im Rasen nicht abbauen kann. Die Gießkanne wird ausgespült und das Abwasser in die Kanalisation gegeben. Dieses fließt unbehandelt durch die Anlage und belastet unsere Gewässer.

Wenden Sie sich also an die Presse, an BürgermeisterInnen, an die zuständigen Behörden und machen Sie Druck, dass schneller gehandelt und aufgeklärt wird! In einigen Gebieten haben sich bereits Arbeitskreise gebildet. Es geht nicht, dass Gemeinden den Untersuchungsinstituten nicht den Auftrag geben, unser Wasser auf Medikamente und Pflanzenschutzmittel (PSM) wie Roundup und anderen zu kontrollieren!
 
Selbst etwas tun!
 
Es bleibt die Frage, warum die Bevölkerung vergiftet wird? Denn den Konzernen sind die Wirkungen dieser Chemikalien b e k a n n t! Den Gemeinden mittlerweile auch! Bis wir sie zu den notwendigen Konsequenzen bewegt haben, können wir Bürger und Bürgerinnen in der Zwischenzeit viel tun, um trotzdem gesund zu bleiben (Prophylaxe) oder um Krankheiten zu bremsen oder zu lindern, so dass möglichst wenig Medikamente genommen werden müssen. Vitalstoffreiche Vollwertkost, Bewegung treiben und Stress vermeiden sind wichtig, um die Gesundheit zu unterstützen.
 
Denken Sie daran, dass es neben der Arbeit auch noch so etwas wie „Leben“ gibt! Als Gesundheitsberaterin kann ich nur Alternativmedizin empfehlen! Suchen Sie sich eine Ärztin/einen Arzt, die/der sich mit Themen der Naturheilkunde, Umweltmedizin und Ernährung auskennt! GesundheitsberaterInnen, HomöopathenInnen, NaturheilkundlerInnen, sogar ganzheitlich arbeitende Friseurinnen und Friseure und andere stehen außerdem alle bereit, Sie in Ihrem Bemühen um Gesundheit in einer gesunden Umwelt zu unterstützen! (PK)
 
Buchtipps:
 
Masaru Emoto (Japanischer Wasserwissenschaftler) / Jürgen Fliege, „Die Heilkraft des Wassers“
Sebastian Kneipp, „Die Wasserkur“
Dr. med. M. O. Bruker, „Unsere Nahrung – Unser Schicksal“
Prof. Dr. Erich Schöndorf, ehemaliger Staatsanwalt, Prof. für Umweltrecht an der Fachhochschule in Frankfurt, „Strafjustiz auf Abwegen“.
Dr. med. Ruth Jensen, „Umweltschaden AIDS?“
Rachel Carson, „Der stumme Frühling“ 
 
Gudrun Kaufmann ist ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin GGB und erreichbar unter guka-ernaehrung@web.de / www.gudrunkaufmann.de
 
Quellen:
(1) Europa Fachhochschule Fresenius, University of Applied Sciences, Idstein, Untersuchung
der Klärlagenabwässer, 2007
(2 + 3) Prof. Dr. Kümmerer, Vortrag „Einnehmen, ausscheiden, und was dann?“

Lesen Sie hierzu im NRhZ-Online-Flyer Nr. 165  vom 24.09.2008
„Täglich erkranken auch in Deutschland Menschen durch Trinkwasser“
Interview mit Wilfried Soddemann
Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann wurde als Leiter des Umweltamtes Aachen zwangspensioniert, weil er zu energisch gegen die alltägliche Belastung von Trinkwasser durch Bakterien, Viren und chemische Industrieabfälle vorgegangen war.  

Online-Flyer Nr. 218  vom 07.10.2009

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