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Aktueller Online-Flyer vom 06. Dezember 2021  

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Lokales
Meisner: „Bittet und betet um geistliche Berufe im Erzbistum Köln!“
Glaube, Triebe, Hoffnung
Von Wolfgang Klosterhalfen

Leider sind in Deutschland nur noch wenige junge Männer dazu bereit, sich als Priester in Keuschheit für den Rest ihres Lebens ganz dem Herrn hinzugeben. Dass das nicht gut ist für die Statik des römisch-katholischen Glaubensgebäudes, liegt auf der hohlen Hand. Doch noch besteht Hoffnung.

Kardinal Meisner – hier beim Gebet für Bundeswehrsoldaten
Foto: Arbeiterfotografie
 
“Ratze und Meise“, wie sie 2005 von der “Kölner Stunksitzung“ getauft wurden (1), sind nämlich auf die geniale Idee gekommen, durch eine sogenannte Gebetskette den drohenden Untergang des christlichen Abendlandes abzuwenden. Ausgehend von der Glaubensgewissheit, dass unkoordiniertes Beten nichts bringt, möchten die beiden Oberhirten gemeinsam mit ihren Schäfchen in NRW „am Herzen des Herrn rütteln“ und den Allmächtigen, der anscheinend den Ernst der Lage noch nicht ganz erfasst hat, 960 Stunden am Stück mit Gebeten bearbeiten, wie man in einem Internetaufruf des Kölner Kardinals lesen kann.(2)

Der Herr ist unergründlich
 
Ich glaube, dem wird sich der himmlische Vater nicht entziehen können, so dass die Anzahl der Priesteramtskandidaten im Rheinland bald wieder ansteigen sollte. Andere Diözesen könnten dann - evtl. gegen eine kleine Franchise-Gebühr - diese wohlüberlegte und originelle Beeinflussungsmethode übernehmen. 
 
Andererseits hat sich schon oft herausgestellt, dass der Herr unergründlich ist und keineswegs immer tut, was man ihm sagt. Um eventuellen Enttäuschungen vorzubeugen, erscheint es daher angebracht, Glauben und Vernunft so zu versöhnen, dass auch die Möglichkeit eines weiteren Rückgangs der Bewerberzahlen einkalkuliert wird. Zumal es kürzlich dem lieben Gott gefallen hat, einen Atheisten-Bus unfallfrei durchs Erzbistum Köln fahren zu lassen. Dessen verheerende Wirkung auf die (noch) vorehelich-keusch lebende Generation Benedikt könnte bald offenbar werden. (Es gab schon ein erstes freundliches Gespräch zwischen Philipp Möller von der Buskampagne und Nathanael Liminski von der Generation Benedikt, in dem es der Papsttreue nicht ganz leicht hatte.)

Die mittelfristige Strategie
 
Nicht ganz so ranghohe Statthalter Jesu verfolgen zur Behebung des Nachwuchsmangels indessen eine mittelfristige Strategie. Auf 10.500 Messdiener aus sieben Bistümern warteten am vergangenen Samstag in der Marienstadt Kevelaer „etwa 70 spirituelle, kulturelle und soziale Angebote“ sowie „4,2 Tonnen Nudeln und 1,8 Tonnen Soße“. So das Portal der WAZ-Mediengruppe.(3)
 
Eine Investition in die Zukunft der Römisch Katholischen Kirche in NRW, über die sich außer den kleinen Erbsündern sicherlich auch diverse Busunternehmen, Nudelhersteller, Bischöfe, der liebe Gott, der Heilige Geist und die von ihm so wunderbar überschattete Jungfrau Maria gefreut haben.

Wahre Vater- und Mutterliebe
 
An die Glaubensgeheimnisse der RKK kann man junge Menschen gar nicht früh und behutsam genug heranführen. Damit sie beispielsweise ihre Herzen dafür öffnen, was unter wahrer Vater- und Mutterliebe zu verstehen ist. Denn wie heißt es im aktuellen Katechismus der Katholischen Kirche, den wir den Herren Wojtyla und Ratzinger verdanken, unter Nr. 964 so schön:
 
„Auch die selige Jungfrau ging den Pilgerweg des Glaubens. Ihre Vereinigung mit dem Sohn hielt sie in Treue bis zum Kreuz, wo sie nicht ohne göttliche Absicht stand, heftig mit ihrem Eingeborenen litt und sich mit seinem Opfer in mütterlichem Geist verband, indem sie der Darbringung des Schlachtopfers, das sie geboren hatte, liebevoll zustimmte.“(4)
 
Natürlich ist es nicht ganz leicht, jungen Menschen die frohe Botschaft nahe zu bringen, dass Gott schon vor der Erschaffung der Welt beschlossen hat, uns sündigen Menschen seine Liebe auf so ungewöhnliche - und nicht unbedingt nachahmenswerte - Weise zu zeigen (s. 1. Brief des Petrus, 1,18). Solche höheren Wahrheiten zu vermitteln, bedarf es nicht zuletzt junger Katholiken, die als geweihte Berufschristen im Namen des Herrn bis ans Ende entsprechender Hormonausschüttungen tapfer ihren gottgegebenen Sexualtrieb unterdrücken. (PK)
 
Prof. Wolfgang Klosterhalfen hat als Medizin-Psychologe wissenschaftlich und klinisch gearbeitet, bevor er im Juni 2009 “Die Reimbibel: Die Schreckliche Schrift in Reimen und Versen“ veröffentlichte, aus der wir demnächst eine Serie in der NRhZ bringen werden.

(1) www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=1330
(2) http://www.bittet.de/
(3) siehe http://www.derwesten.de/nachrichten/nrz/niederrhein/2009/8/21/news-130170728/detail.html#926049
(4) http://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P2H.HTM

Online-Flyer Nr. 212  vom 26.08.2009

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