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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Fotogalerien
Abgedrängt, weggeschaut, vergessen
Von der Hand in den Mund
Von Hans-Dieter Hey

Die Kölner Fotokünstlerin Karin Richert fotografierte die Hände von Obdachlosen in Köln. Obdachlose – ein verdrängtes Problem bei uns. Keine Statistik weist sie ordentlich aus, weil dies bis heute verweigert wird. Doch in den letzten zehn Jahren hat sich die Obdachlosigkeit verdoppelt. In Deutschland rechnen manche mit 400.000. Mehr als es in Frankreich „Clochards“ gibt. Einen Text zu Karin Richerts Ausstellung schrieb die Historikerin des NS-Dokumentationszentrums Köln, Dr. Barbara Becker-Jákli, die sich mit der Verdrängung von Themen auskennt. Dennoch war die Ausstellung in der Galerie Heinz Bossert gut besucht. Die Redaktion

Von der Hand in den Mund


Karin Richert | Foto: Galerie Heinz Bossert  
"Brot – Wort und Bild wecken viele Assoziationen. Das „tägliche Brot“ zu haben, bedeutet, essen und also leben zu können. Ohne Brot zu sein, heißt hungern, vielleicht verhungern zu müssen. Brot kann mit anderen geteilt werden und wird dann zum Symbol für Gemeinsamkeit, Zugehörigkeit. Wer kein Brot hat, ist gefährdet, wem niemand Brot gibt, der ist aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und ohne Sicherheit.

Hände – auch sie sind mit einer Vielzahl von Bedeutungen verbunden. Hände umfassen und Hände halten, Hände verletzen. Hände drücken Persönlichkeit aus, sie können aber auch verdecken und verbergen.

Brot wird mit Händen berührt, gebrochen und gegessen.

In ihrer in den Jahren 2004/2005 in der Kölner Innenstadt entstandenen Fotoserie verbindet Karin Richert beide Themen: Obdachlose, Menschen am Rand der Gesellschaft, halten Brot in ihren Händen. Was zeigen ihre Hände? Was lassen sie vom Leben des Einzelnen erkennen? Was für Aspekte unserer Gesellschaft werden sichtbar?

Auch hier stellen sich Assoziationen ein. Das Symbolhafte und seine Verbindung zu einzelnen, konkreten Menschen rührt ein Geflecht von Gefühlen, Erfahrungen und Erinnerungen auf und bezieht den Betrachter in das Bild ein.

Wie der Großteil der Arbeiten Karin Richerts sind diese Fotographien Dokumentationen einer Realität, jedoch Dokumentationen, die den Betrachtern Raum geben, die Bilder durch eigene Einordnungen in soziale oder persönliche Zusammenhänge zu erweitern. Karin Richert lenkt den Blick dabei auf Facetten unserer Umwelt, die oft unbeachtet bleiben, weil sie unbequem sind. Sie macht auf Situationen und Zusammenhänge aufmerksam, in dem sie einen kurzen Moment festhält." (HDH)


















Karin Richert, 1950 in Kirchheim/Teck geboren, ist bildende Künstlerin, deren vorwiegende Intention die Darstellung des politischen öffentlichen Raums ist. Neben „Von der Hand in den Mund“ sind bekannte Ausstellungen und Beteiligungen von ihr: „Nahtstellen“, „Kunst im öffentlichen Raum“, „Stolpersteine“, „länger leben!ewig“, „An und auf den Wegen“, „68er Köpfe“, „Rettet den Reichtum“, „d_bilder Rechtsextremismus“, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ oder „Gunter Demnig und sein Projekt“. Zur Aufregung führte eine Zensurmaßnahme des Bezirksrathauses Lindental anlässlich ihrer Ausstellung „An und auf den Wegen, über die die NRhZ berichtet hatte.


Online-Flyer Nr. 207  vom 22.07.2009

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