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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Sport
Interview mit Nationalspielerin Sarah Günther vom 1.FFC Frankfurt
NACH DEM SPIEL OHNE BALL – Folge 4
Von Johann Blaha

In dieser Folge interviewt der Fußballexperte und Ex-Bayernliga- Spieler Johann Blaha Sarah Günther vom 1.FFC Frankfurt, die seit 2001 sechsundzwanzig Mal für die deutsche Nationalelf spielte, bis eine Verletzung diese Karriere im DFB-Team unterbrach. Inzwischen ist sie wieder fit und bekam auch ihren Vertrag bei 1. FFC um zwei Jahre bis zum 30. Juni 2011 verlängert.

Sarah Günther
Foto: A2 Bildagentur
Johann Blaha: Sie sind am 25.Januar geboren und sind Sternzeichen Wassermann. Laut meteorologischer Information vom Wetteramt Offenbach hat es an Ihrem Geburtstag in Bremen geschneit. Uns würde interessieren, ob Ihre Mutter Ihnen etwas davon erzählt hat?
 
Sarah Günther: Soweit ich mich erinnern kann nicht. Aber vielleicht erklärt der Schnee zu meiner Geburt warum ich so gerne den Winter und die Kälte mag. Wenn es richtig verschneit draußen ist, finde ich es mit am schönsten.
 
Sie kommen aus der Hansestadt Bremen, sagen Sie uns einige Auffälligkeiten über die Mainmetropole Frankfurt.
 
Bremen ist die Heimat der Bremer Stadtmusikanten und Frankfurt die Stadt des Struwelpeter. Die Größe der Stadt finde ich sehr angenehm, sie ist ähnlich groß wie Bremen. Aber ansonsten sagt sie mir nicht so zu. Ich kann der Skyline nicht so viel abgewinnen, es ist immer sehr voll und hektisch und sie ist nicht so gemütlich. Vielleicht passt die hessische und speziell die frankfurterische Mentalität auch nicht zu mir. Aber natürlich habe auch ich ganz schöne Ecken gefunden, wo ich gerne hingehe.
 
Sie studieren Sport und befinden sich in einer Ausbildung als Psychotherapeutin. Erklären Sie uns bitte, wie Sie die Ausbildung mit ihren Trainingseinheiten organisieren?
 
Das war beziehungsweise ist gar nicht so leicht. Da wir einen festen Stundenplan haben und pro Semester nicht mehr als zehn Fehlstunden haben dürfen, musste ich für mich eine Lösung finden. Die ersten fünf Semester bin ich morgens um 7:00 Uhr in die Schule, um 15:00 Uhr für eine Stunde nach Hause und dann ins Training. Es blieb also kaum Zeit für irgendwas. Das letzte Examenssemester durfte ich von der Schulleitung aus in zwei Semester aufteilen. Dadurch habe ich viel Zeit gewonnen um mich auf die Schule und den Fußball gleich gut zu konzentrieren.
 
Tracy Chapman unterstützte Barack Obama im Wahlkampf. Sie hören gerne die Musik der schwarzen Sängerin. Was beeindruckt Sie an dieser Musik und der Lyrik?
 
Erst einmal mag ich Ihre Stimme und die Melodien sehr gerne. An Ihren Texten gefällt mir, dass Ihre Themen sehr breit gefächert sind und mitunter auch zum nachdenken anregen. Das wusste ich gar nicht mit der Unterstützung von Obama. Danke für den Hinweis.

Sie haben eine Zwillingsschwester, spielt Ihre Doppelgängerin auch Fußball?
 
Meine Schwester Judith, die mir kaum ähnelt, hat mit mir das Fußballspielen angefangen. Heute spielt Sie bei Werder Bremen in der zweiten Frauenmannschaft. Wir haben zehn Jahre immer zusammen gespielt.
 
Ihre FFC Teamkollegin Ally Krieger wurde von der US Trainerin Pia Sundhage zu den Olympischen Spielen Peking 2008 wegen einer anderen US Spielerin knapp nicht nominiert. Ihnen passierte ähnliches mit der deutschen Nationalelf bei der Nominierung zur Weltmeisterschaft 2003 in den USA. Was würden Sie einer jüngeren Spielerin empfehlen, um so eine Entscheidung zu akzeptieren?



Sarah Günther in der Offensive bedrängt von Annemieke Kiesel, rechts
davor Sonja Fuss (FCR 2001 Duisburg)
Foto: A2 Bildagentur
 
In so einem Moment kann man, glaube ich, keine guten Ratschläge geben. Man ist enttäuscht, wütend und denkt sich: wofür die ganze Arbeit. Das braucht Zeit. Ich denke wichtig ist für die Spielerin und für alle die verantwortlich für sie sind, dass sie nicht aufhört an sich und Ihre Leistung zu glauben, denn natürlich fehlt einer jungen Spielerin die nötige Erfahrung, aber die wird sie, wenn sie genauso weiter macht, automatisch bekommen und mit ihr dann auch weitere Chancen. Das musste ich aber auch erst lernen, weiter an mich zu glauben und stolz auf mich zu sein.
 
Der Frauenfußball ist seit den Olympischen Spielen in China schneller und härter geworden. Das Fallen wie Mimosen, welches wir bisher nur von Männern kennen, haben wir jetzt auch in Bundesligaspielen beobachten können. Können Sie das bestätigen?
 
Die Männer sind da wahrscheinlich unübertroffen, aber klar habe ich auch schon in unserer Liga völlig übertriebene Verletzungsschauspiele gesehen. Das kann schon nerven und ist auch einfach nicht schön. Wir Führungsspielerinnen müssen darauf einwirken, um fairen Sport zu praktizieren.
 
Trug die Ausbildung zur Physiotherapeutin dazu bei, den Heilungsprozess bei Ihrer Verletzung zu beschleunigen?
 
Wirklich schnell ging es ja nicht, aber ich wusste genau über die Strukturen Bescheid, Wundheilungsprozesse und Aufbautraining. Das war schon eine Hilfe, ansonsten ist man ja immer so ahnungslos. Für den Kopf und sicherlich auch für meine Verletzung war es eine Hilfe.
 
Ich sehe Sie als Stammspielerin im Pool der deutschen Nationalmannschaft. Wie sehen Sie in Zukunft Ihre Aufgabe im Team des 1.FFC Frankfurt, welches sich im Umbruch befindet?
 
Natürlich ist es mein Ziel Stammspielerin zu werden und dementsprechend auch in eine Führungsrolle zu schlüpfen. Das ist nicht nur realistisch sondern für mich auch ein Muss. Alles darüber hinaus ist im Moment noch zu weit weg, als das ich mich damit zu eingehend beschäftigen möchte.
 
Ihre Meinung war einmal, dass Sie nur aus Spaß Fußball spielen, wie ist Ihre Meinung im Jahr 2009?
 
Spaß ist mir nach wie vor noch das Wichtigste. Denn wenn Du keinen Spaß mehr hast und es nur noch Arbeit ist, spielt man auch keinen guten Fußball mehr…
 
Bei der Präsentation des WM Slogans "20ELF VON SEINER SCHÖNSTEN SEITE!" während des FIFA Werbe- und Länderspiels Deutschland gegen Brasilien in der Commerzbank Arena in Frankfurt sahen wir auch Sie als Akteurin in diesen ballartistischen Vorführungen. Wie sehen Sie diese Aufgabe?
 
Ich fand es Klasse, dass die ehemalige Bundestrainerin Tina Theune an mich gedacht hat und es hat in erster Linie viel Spaß gemacht!
 
Gibt es Regeln, die Sie im Fußball neu einführen würden? Was würden Sie spontan vorschlagen?
 
Seit einiger Zeit ist die “Orangene Karte“ im Gespräch, die als Zeitstrafe eingesetzt werden soll. Das finde ich, ist eine gute Idee. Außerdem fände ich es gut, wenn jeder Trainer einmal im Spiel die Chance hätte, eine Auszeit von 5 Minuten zu nehmen, um den Spielerinnen oder Spielern neue Anweisungen geben zu können. Dann hätte man als Mannschaft auch die Chance, sich noch einmal zu sammeln und eventuell mit neuen Ideen und Energie noch ein Spiel zu drehen.
 
Sie spielten in den Jahren 2001 bis 2005 sechsundzwanzig Mal für die deutsche Nationalelf. Eine Verletzung unterbrach diese Karriere im DFB-Team. Wir haben im vorletzten Ligaspiel ihren Dropkick Torschuss gegen den FCR 2001 Duisburg beobachten und bewundern können, sie brachten auf der linken Seite des FFC Frankfurt Druck in das Spiel gegen Duisburg. Haben Sie Ihre Spielweise unter Trainer Wegmann verändern können?
 
Ich würde nicht sagen, dass ich sie verändern konnte, ich habe sie stabilisiert. Günter Wegmann hat mir vor allem gerade am Anfang der Saison Vertrauen geschenkt und mir ein Stück weit mein verloren gegangenes Selbstbewusstsein zurückgegeben.
 
Sie sind eine sehr intelligente Bundesligaspielerin mit internationaler Erfahrung. Erklären Sie uns die Begriffe a) technisch stark, b) ruhig am Ball, c) das Spiel lesen können.
 
a) darunter verstehe ich eine saubere Ballbehandlung, ein präzises Passspiel und gute Ballannahme auch unter Druck und natürlich Beidfüßigkeit in jeder Hinsicht.
b) in Situationen, in denen man unter Druck gerät, sei es in der Defensive oder Offensive, den Überblick zu behalten und wenn nötig auch mal das Tempo aus dem Spiel nehmen.
c) man muss im Spiel dem Gegner immer einen Schritt voraus sein. Wenn man erkennen kann, wohin der Gegner den Ball als nächstes spielen wird, dann kann man ein Spiel lesen.
 
Sie haben Ihren Vertrag mit dem Verein bis 2011 verlängert. Was sind Ihre persönlichen Wünsche und Perspektiven für das nächste Jahr?
 
Zunächst einmal haben wir noch ein Spiel gegen Essen-Schönebeck. Das Ergebnis ist aber nicht mehr so entscheidend, jedoch wollen wir es natürlich gewinnen. Für die kommende Saison wünsche ich mir vor allem Verletzungsfreiheit. Ich möchte mich in die Stammelf kämpfen und mit dem Team erfolgreichen Fußball spielen. Der Spaß steht an oberster Stelle. Ich hoffe es wird eine schöne und erfolgreiche Saison.
 
Für nächsten nationalen und internationalen Aufgaben alles Gute und eine erfolgreiche Saison 2009/2010. (PK)

Online-Flyer Nr. 201  vom 10.06.2009

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