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Inland
Unsoziale Eliteorientierung im deutschen Schul- und Bildungssystem
Sechs minus!
Von Oswald Pannes

Prof. Dr. Anne Ratzki – früher
Gesamtschulleiterin in Köln-Holweide
In seinem einführenden Referat zum Veranstaltungsthema arbeitete Prof. Dr. Clemens Knobloch von der Universität Siegen die bedrohliche Schieflage des gesamten Bildungs- und Erziehungssystems heraus. Insbesondere beleuchtete er die Entwicklung an den immer stärker nach ökonomischen Gesichtspunkten ausgerichteten Hochschulen. Indem die Studieninhalte zunehmend auf rein berufsbezogene Employability reduziert würden, könne das Hochschulwesen seinem eigentlichen Auftrag von Forschung und Lehre nicht mehr gerecht werden. Massiver Leistungsdruck, Fachidiotentum und Minderqualifizierung seien die unabdingbaren Folgen.
Kontraproduktiv
Mit der hochselektiven Struktur des deutschen Schulwesens befasste sich Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Anne Ratzki, die frühere Leiterin der Gesamtschule Köln-Holweide. Jahr für Jahr werde in diesem zergliederten Schulsystem tausenden von Kindern ein begabungsgerechter Bildungsweg abgeschnitten. Anne Ratzki forderte dagegen eine Schulform, die - wie in den meisten anderen Ländern - für alle Kinder offen sein soll. Die Eliteorientierung sei kontraproduktiv, unsozial und weit entfernt vom wissenschaftlichen Stand der Schulforschung. Schließlich wies Anne Ratzki nach, dass auch der sich in immer mehr Bundesländern abzeichnende Weg eines Zweisäulenmodells - Haupt- und Realschulen als die eine, Gymnasien als die zweite Säule - die Selektion nicht verhindern kann.
Unhaltbare Studienbedingungen
Im Abschlussreferat ging Dr. Wolfgang Lieb, einer der Macher des kritischen Internetjournals www.nachdenkseiten.de, noch einmal auf die Hochschulentwicklung ein. Auch er beleuchtete die rasante Beschleunigung der streng ökonomischen Ausrichtung der jetzt explizit als unternehmerisch bezeichneten Hochschulen. Mit so genannten Hochschulfreiheitsgesetzen wie in NRW werde die Freiheit von Forschung und Lehre zu Grabe getragen und dem mehr als fragwürdigen Weg der Neoliberalisierung geopfert. Während sich in den Hochschulräten immer stärker der Einfluss der Wirtschaft breit mache, gerieten die Studierenden unter zunehmenden Leistungsdruck und würden Opfer unhaltbarer Studienbedingungen.
Die Öffentlichkeit aufrütteln
In sieben zweistündigen Workshops wurden zwischen den beiden ersten Referaten und dem Abschlussreferat wichtige Einzelaspekte vertieft. Unter anderem ging es um die Misere der Kindergärten, um die Verweigerung der Integration behinderter Kinder an den Schulen, um die Verkümmerung der immer notwendigeren Jugendarbeit sowie um das ständige Absacken des Niveaus und der Substanz der Weiterbildung.
Mit dieser Tagung wollten das Friedensbildungswerk und der Attac-Arbeitskreis Bildung und Erziehung die Öffentlichkeit aufrütteln. In der Gesamtsicht auf alle Ebenen des Bildungs- und Erziehungssystems wurde deutlich herausgestellt, dass das umfassende Elend von Kinderbetreuung bis hin zu Studium, Ausbildung und Jugendarbeit zunehmend verhängnisvolle Auswirkungen hat. Sie äußern sich in einer Qualifikationsstruktur, die immer weniger den Erfordernissen entspricht, aber auch in sozialen Folgen wie Jugendgewalt und Langzeitarbeitslosigkeit, die ernsthafte Bedrohungen für die gesellschaftliche Zukunft des Landes darstellen. (PK)
Online-Flyer Nr. 197 vom 13.05.2009
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Unsoziale Eliteorientierung im deutschen Schul- und Bildungssystem
Sechs minus!
Von Oswald Pannes

Prof. Dr. Anne Ratzki – früher
Gesamtschulleiterin in Köln-Holweide
Kontraproduktiv
Mit der hochselektiven Struktur des deutschen Schulwesens befasste sich Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Anne Ratzki, die frühere Leiterin der Gesamtschule Köln-Holweide. Jahr für Jahr werde in diesem zergliederten Schulsystem tausenden von Kindern ein begabungsgerechter Bildungsweg abgeschnitten. Anne Ratzki forderte dagegen eine Schulform, die - wie in den meisten anderen Ländern - für alle Kinder offen sein soll. Die Eliteorientierung sei kontraproduktiv, unsozial und weit entfernt vom wissenschaftlichen Stand der Schulforschung. Schließlich wies Anne Ratzki nach, dass auch der sich in immer mehr Bundesländern abzeichnende Weg eines Zweisäulenmodells - Haupt- und Realschulen als die eine, Gymnasien als die zweite Säule - die Selektion nicht verhindern kann.
Unhaltbare Studienbedingungen
Im Abschlussreferat ging Dr. Wolfgang Lieb, einer der Macher des kritischen Internetjournals www.nachdenkseiten.de, noch einmal auf die Hochschulentwicklung ein. Auch er beleuchtete die rasante Beschleunigung der streng ökonomischen Ausrichtung der jetzt explizit als unternehmerisch bezeichneten Hochschulen. Mit so genannten Hochschulfreiheitsgesetzen wie in NRW werde die Freiheit von Forschung und Lehre zu Grabe getragen und dem mehr als fragwürdigen Weg der Neoliberalisierung geopfert. Während sich in den Hochschulräten immer stärker der Einfluss der Wirtschaft breit mache, gerieten die Studierenden unter zunehmenden Leistungsdruck und würden Opfer unhaltbarer Studienbedingungen.
Die Öffentlichkeit aufrütteln
In sieben zweistündigen Workshops wurden zwischen den beiden ersten Referaten und dem Abschlussreferat wichtige Einzelaspekte vertieft. Unter anderem ging es um die Misere der Kindergärten, um die Verweigerung der Integration behinderter Kinder an den Schulen, um die Verkümmerung der immer notwendigeren Jugendarbeit sowie um das ständige Absacken des Niveaus und der Substanz der Weiterbildung.
Mit dieser Tagung wollten das Friedensbildungswerk und der Attac-Arbeitskreis Bildung und Erziehung die Öffentlichkeit aufrütteln. In der Gesamtsicht auf alle Ebenen des Bildungs- und Erziehungssystems wurde deutlich herausgestellt, dass das umfassende Elend von Kinderbetreuung bis hin zu Studium, Ausbildung und Jugendarbeit zunehmend verhängnisvolle Auswirkungen hat. Sie äußern sich in einer Qualifikationsstruktur, die immer weniger den Erfordernissen entspricht, aber auch in sozialen Folgen wie Jugendgewalt und Langzeitarbeitslosigkeit, die ernsthafte Bedrohungen für die gesellschaftliche Zukunft des Landes darstellen. (PK)
Online-Flyer Nr. 197 vom 13.05.2009
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