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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Größte Aktion zur Ausweitung des Mehrwegsystems gestartet
Für Umwelt- und Klimaschutz
Von Hildegard Miensopust

Allianz für Mehrweg erwartet, dass mehr als 5.000 Betriebe bei der Aktion „Mehrweg ist Klimaschutz 2009“ teilnehmen. Eine Eindeutige Kennzeichnung von Mehrweg- und Einweg und eine Lenkungsabgabe zusätzlich zum Einwegpfand sollen den Vormarsch der Ex- und Hopp- Verpackungen umkehren. Laut Deutsche Umwelthilfe (DUH) stärkt Mehrweg die regionale Wirtschaft und schafft damit Arbeitsplätze 
Die „Allianz für Mehrweg“ aus Wirtschafts- und Umweltvertretern fordert von der Politik eine stärkere und schnell kommende Unterstützung für das klimafreundliche und den Mittelstand fördernde Mehrweg-Getränkesystem. Einweg- und Mehrweg-Getränkeverpackungen müssten für Verbraucherinnen und Verbraucher eindeutig gekennzeichnet werden. Außerdem sei es angesichts des mit Hilfe von Einweg-Dumpingpreisen geführten Verdrängungskampfes der Discounter gegen den Mehrweg-orientierten Mittelstand notwendig, das Einwegpfand um eine wirksame Lenkungsabgabe von mindestens 20 Cent pro Flasche zu ergänzen. Anders werde das in der Verpackungsverordnung verbindlich festgeschriebene Ziel eines Anteils von 80 Prozent ökologisch vorteilhafter Verpackungen 
nicht erreicht. Mit der Vorstellung ihrer bisher
größten gemeinsamen Verbraucherkampagne „Mehrweg ist Klimaschutz“ will die „Allianz für Mehrweg“ gerade auch die Kunden darüber informieren, wie sie mit ihrer Entscheidung für Getränke in Mehrwegverpackungen einen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
 
1,25 Millionen Tonnen CO2 im Jahr weniger
 
„Die Politik muss Mehrweg effektiver als bisher schützen. Vor allem Discounter wie Aldi und Lidl versuchen, das einst Ideen gebende System für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft sturmreif zu schießen. Wir brauchen zusätzlich zum Pfand eine Lenkungsabgabe auf Wegwerfverpackungen und eine klar unterscheidbare Kennzeichnung von Einweg und Mehrweg“, fordert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Eine politische Unterstützung des Mehrwegsystems sei eine handfeste klimapolitische Entscheidung. Würden allein die rund 21 Milliarden Liter alkoholfreie Getränke, die in Deutschland jährlich konsumiert werden, ausschließlich in Mehrwegflaschen abgefüllt, würde das die Atmosphäre im Vergleich zur Abfüllung in Einwegverpackungen um jährlich 1,25 Millionen Tonnen CO2 entlasten, rechnet Resch vor. Das entspräche dem jährlichen CO2-Ausstoß von rund 575.000 Mittelklasseautos (15.000 km/Jahr).
 
An die Verbraucherinnen und Verbraucher appelliert Resch, sich beim täglichen Einkauf an ihre Verantwortung für das Klima zu erinnern. „Mehrwegflaschen helfen gegen den Klimawandel, Wegwerfflaschen aus Plastik heizen ihn an“, sagte er anlässlich des Neustarts der Kampagne „Mehrweg ist Klimaschutz“ der Allianz für Mehrweg. In der Allianz haben sich Unternehmen und Verbände der Getränkewirtschaft und die DUH zusammengeschlossen. Die Kampagne 2009 soll die Sensibilität der Verbraucherinnen und Verbraucher für die Umweltauswirkungen von Getränkeverpackungen stärken.
 
Regierung muß endlich handeln
 
Da die Mehrwegquote seit Jahren insbesondere bei alkoholfreien Getränken sinkt, haben sich sowohl der Bundestag als auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel für eine klare und eindeutige Unterscheidung von Einweg- und Mehrwegverpackungen stark gemacht. „Die unerklärliche und über Jahre durchgehaltene Weigerung der Politik, eine verbindliche und verbrauchergerechte Kennzeichnung sowohl von Einweg- als auch von Mehrwegflaschen einzuführen, geht hoffentlich zu Ende“, sagte der frühere Umweltstaatssekretär und heutige Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg (SIM) Clemens Stroetmann. Eine klare Kennzeichnung sei überfällig, nachdem 45 Prozent der Verbraucher sechs Jahre nach Einführung des Einwegpfandes nicht wissen, dass es neben Mehrweg-Pfandflaschen auch Einweg-Pfandflaschen gibt. Überraschend sei das allerdings angesichts der „herrschenden Kennzeichnungs-Camouflage“ nicht. Die derzeitige Kennzeichnung von Einwegflaschen reiche von versteckt und schlecht lesbar über gezielt zweideutig formuliert bis hin zu eindeutig falsch und gesetzeswidrig. Eine künftige Kennzeichnung müsse vor allem unmissverständlich und leicht lesbar sein. Neben einer Bildmarke seien die klare Ausweisung als „Einweg“ bzw. „Mehrweg“ erforderlich sowie die Angabe der Pfandhöhe.
 
Stroetmann nannte die neue Kennzeichnungsregelung „einen notwendigen aber nicht hinreichenden Schritt“ zur Stärkung ökologisch vorteilhafter Getränkeverpackungen. Die Mehrwegallianz fordere deshalb zusätzlich zum Einwegpfand, das bei der Rückgabe erstattet wird, eine Lenkungsabgabe auf Einwegverpackungen in Höhe von mindestens 20 Cent.
 
NASA-Prognose zur Arktis
 
„Die jüngste Prognose der NASA, von den Eismassen der Arktis sei in 30 Jahren nichts mehr übrig, hat die Wahl des diesjährigen Kampagnenmotivs mit dem einsamen Eisbären beeinflusst: Er soll das Problembewusstsein der Verbraucher nachdrücklich stärken“, erklärt Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes Getränkefachgroßhandel. „In Zeiten der Krise erwartet der Verbraucher von der Wirtschaft mehr denn je Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit. Unsere Kampagne verstehen wir als Service, mit dem wir den Verbrauchern erläutern, wie jeder Einzelne beim Kauf von Getränken in Mehrwegflaschen einen persönlichen Beitrag für den Umwelt- und Klimaschutz leisten kann“. Die rund 800 Mitgliedsbetriebe des Bundesverbandes Getränkefachgroßhandel hätten die Kampagne in den vergangenen Jahren schon durch eigene Aktionen bereichert. „Ziel ist, dass sich Getränkehändler und Kunden gemeinsam für Mehrweg und Klimaschutz engagieren. Der Kreativität der Beteiligten sind dabei keine Grenzen gesetzt“. Ein gutes Beispiel sei der so genannte „Klimapass“, der Rabatte für den Einkauf von regionalen Produkten in Mehrwegflaschen gewährleiste.
 
2008 hatten sich mehr als 5.000 Getränkefachmärkte beteiligt. Nun gelte es, diese Rekordbeteiligung noch zu übertreffen. „Die Chancen sind gut, viele Betriebe stehen schon in den Startlöchern“, sagt Guder. Dem bereits eingeführten „Mehrweglogo“ komme in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu, weil es laut entsprechenden Ankündigungen von Umweltminister Gabriel als Favorit für eine verpflichtende Mehrweg-Kennzeichnung gilt.
 
„Lebensversicherung“ für regionale Betriebe
 
Der Verband Private Brauereien Deutschland e. V. begrüßte die Zusage von Umweltminister Gabriel, noch vor der Bundestagswahl eine Verordnung zur verpflichtenden Kennzeichnung von Einweg- und Mehrweggetränkeverpackungen durchzusetzen. „Gabriels Initiative wird es den Verbrauchern erleichtern, sich gegen klimaschädliche Einweg- und für umweltfreundliche Mehrweggetränke zu entscheiden. Einfacher kann man als Kunde in seinem Alltag kaum zum Klimaschutz beitragen“, sagt Verbandsgeschäftsführer Roland Demleitner. Glasmehrwegflaschen seien unverändert das ökologisch und auch qualitativ beste Verpackungssystem. Es sei gleichzeitig die Lebensversicherung für mehr als 1.300 regionale Brauereien, Saftkeltereien und Mineralbrunnen, die für die weltweit einzigartige Getränkevielfalt in Deutschland stünden.
 
Im Getränkeeinzelhandel liegt die Mehrwegquote durchschnittlich noch höher als 90 Prozent. „Mehrwegorientierte Abfüller und Händler tragen maßgeblich zur Stärkung der regionalen Wirtschaftskreisläufe bei und sichern regionale Arbeitsplätze“, sagt Sepp Gail, Vorsitzender des Verbandes des Deutschen Getränke-Einzelhandels. Der von den Discountern geprägte Trend zur Plastik-Einwegverpackung sorge jedoch seit Jahren für eine massive Verdrängung der Mehrwegflaschen – mit dramatischen Folgen für mehrwegorientierte klein- und mittelständische Abfüller und den Getränkehandel. Gail: „Für die Abfüllung und den Vertrieb von Einweg über die Discounter werden bis zu 80 Prozent weniger Arbeitsplätze benötigt als beim mittelständisch geprägten Mehrwegsystem“. Die Umstellung auf Einwegflaschen in einigen wenigen Großbetrieben habe den Verlust eines Großteils der 160.000 regionalen Arbeitsplätze in der Getränkewirtschaft zur Folge.
 
Hintergrund:
 
Durch häufige Wiederbefüllung und kurze Transportstrecken von Mehrwegflaschen werden z.B. bei Mineralwasser in Mehrwegflaschen nur 50 bis 60 Prozent des Klimakillers CO2 erzeugt wie bei Wasser in Einwegflaschen aus Plastik. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Ökobilanz des Heidelberger Ifeu-Instituts. 1.000 Liter Mineralwasser in Glasmehrwegflaschen verursachen 84 Kilogramm CO2-Emissionen; die gleiche Menge in Einwegflaschen aus Plastik emittiert 139 Kilogramm. Während Einwegflaschen jedes Mal neu und energieintensiv hergestellt werden müssen, werden die umweltfreundlichen Mehrwegflaschen aus Glas durchschnittlich über 50mal wiederbefüllt und können anschließend vollständig recycelt werden. So ersetzt z.B. ein einziger Mineralwasserkasten mit zwölf Mehrwegglasflaschen (0,75 Liter), die 53 Mal wiederbefüllt werden, 320 PET-Einwegflaschen (1,5 Liter). Ein Großteil der Mehrwegprodukte wird ausschließlich regional – oft im Umkreis von weniger als 60 km – verkauft. Im Durchschnitt wird Mineralwasser in Mehrwegflaschen rund 260 Kilometer bis zum Endkunden transportiert; Mineralwasser in Plastik-Einwegflaschen legt mit mehr als 480 Kilometern fast die doppelte Strecke zurück. (PK)  

Foto Eisbär©Jan Will/fotolia.com

Online-Flyer Nr. 194  vom 22.04.2009

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