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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Sport
Was steckt wohl hinter Uli Hoeneß’ Forderung nach GEZ-Erhöhung?
Wurst und Spiele
Von Hermann

Da hatten die Boulevardzeitungen aber schnell ihre Chance wahrgenommen, sich schützend vor die kleine Frau und den kleinen Mann zu stellen, als der „mächtige Bayern-Manager Uli Hoeneß“ eine “Zwangsabgabe“ in Höhe von zwei Euro von “uns“ forderte.

Mit dem Klingelbeutel für die neuen GEZ-Einnahmen – Uli Hoeneß
Quelle: www.bundesliga.de
 
“Wir“, das waren in diesem Falle die 37 Millionen GEZ-pflichtigen Haushalte in diesem Lande und die “Forderung“ des “mächtigen Managers“ bestand aus der Idee, dass die Bundesliga komplett im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden sollte, die Uli Hoeneß in einem Interview für eine Gazette namens WirtschaftsWunderWoche (oder so ähnlich) äußerte. Diese sah vor, dass sämtliche Ligaspiele live in allen Wohnzimmern empfangbar sein sollten, wodurch die Vermarktung nebenbei ähnliche Geldbeträge für die Vereine abwerfen würde, wie in den Großen Ligen in England, Spanien oder Italien, und das Ganze für nur zwei Euro. Pro Monat versteht sich. Andernfalls würde der deutsche Fußball enorme Schwierigkeiten bekommen, „international mitzuhalten und irgendwann noch einmal die Champions League zu gewinnen“.
 
Hätte Wurst-Uli geahnt, dass die Formulierung seiner Idee in der Öffentlichkeit derart hohe Wellen schlägt, dass sich sogar Spitzenpolitiker aus populistischen Splitterparteien zu überspitztem Nachfragen verleiten ließen: „Zahlen wir dann künftig zusätzlich 20 Cent für die Tour de France, 80 Cent für die Formel 1 und 1,20 Euro für die Handball-Bundesliga?“ (Christoph Waitz, kultur- und medienpolitischer Sprecher der FDP), hätte er sich vielleicht noch vorsichtiger ausgedrückt, auch wenn er dafür nicht unbedingt bekannt ist.
 
Fordern hat in München eine lange Tradition
 
Aber all den volksnahen Politikern und Tageszeitungen sei einmal gesagt, dass es zwar im Prinzip nie verkehrt ist, sämtliche Äußerungen eines Uli Hoeneß zu kritisieren, doch sollte man das in besagtem Interview benutze Wort “hoffen“ nicht mit “fordern“ verwechseln. Das Fordern von mehr TV-Geldern hat in München allerdings eine lange Tradition. Meistens wird mit der Wettbewerbsfähigkeit auf europäischer Ebene und mit der Sorge um den deutschen Fußball argumentiert. Gemeint ist damit meist der FC Bayern München, wird dieser doch rund um die Säbenerstraße als der Inbegriff des deutschen Fußballs auf Vereinsebene verstanden. Warum aber eben dieser Verein unterstützenswerter sein soll, als beispielsweise Arminia Bielefeld oder der SV Adler Dellbrück, konnte den Menschen außerhalb Bayerns nie hinreichend begründet werden. Auch nicht, warum es für mich als Kölner wichtig sein sollte, dass sich Vereine, denen ich in der Bundesliga alles nur erdenklich Schlechte wünsche, in europäischen Pokalwettbewerben möglichst erfolgreich präsentieren. Aus Sorge um unseren heiligen Champions-League-Qualifikationsplatz? Was kümmert es mich, ob Hoffenheim, Leverkusen oder Wolfsburg kommende Saison im UEFA-Cup oder in der Königsklasse antreten dürfen?
 
Gründung einer “Superliga“
 
Uli Hoeneß schien als ebenso gut informierter wie mächtiger Manager aber bereits gewusst zu haben, welch umfassende Verlautbarung bald darauf auf die Fußballwelt zukommen sollte, als er erneut das Thema Fernsehgelder ansprach. Wenige Tage nach Veröffentlichung des Interviews war in französischen und spanischen Sportzeitungen zu lesen, dass die Interessenvertretung der europäischen Fußballvereine (ECA) erneut über Plänen zur Gründung einer “Superliga“ brütet. Diese soll sowohl UEFA-Cup als auch Champions League ersetzen und zehnmal höhere Einnahmen erzielen als die aktuellen Pokalwettbewerbe. In drei Staffeln soll gespielt werden, damit auch Vereine aus Ländern, die nicht unbedingt als Fußballnationen bekannt sind, mitmachen können. Diese Information rückt Uli Hoeneß' Diskussionsanstoß in ein ganz neues Licht, denn welch ein Prestigeverlust wäre es für Bayern München im Allgemeinen und den deutschen Fußball im Speziellen, wenn der hiesige Rekordmeister im Europapokal, mangels Reichtum aus den nationalen Fernseheinnahmen, nur zweitklassig antreten und dabei zusehen dürfte, wie die Konkurrenz eine Liga höher die Filetstücke der Fernsehvermarktung unter sich aufteilt.
 
UEFA-Cup nur noch ein Schatten seiner selbst
 
Ähnliche Reformen der Pokalwettbewerbe hatten wir bereits in der Vergangenheit, und diese brachten, außer in den Augen der Vorstände der besser gestellten Vereine beim Blick auf die Kontoauszüge, wenig Glanzvolles mit sich. Der Pokal der Pokalsieger wurde ganz abgeschafft, der UEFA-Cup ist nur noch ein Schatten seiner selbst und auch dem Pokal der Landesmeister ist durch Einführung von Gruppenphase, Zwischenrunde und ähnlichem Schnickschnack all die Spannung genommen worden, die ein KO-System ab dem ersten Spieltag damals mit sich brachte. Natürlich ist mir klar, dass eine Neuregelung mit dem Zusammenbruch des sozialistischen Weltreichs unumgänglich war, da die Regionen, die einst die sowjetischen und jugoslawischen Pokalsieger und Landesmeister entsandten, derer heutzutage gefühlte vier Dutzend beheimaten.
 
Aber wie soll eine geplante dritte Superliga den Verlust eines so prachtvollen Wettbewerbs wie den Europapokal der Pokalsieger aufwiegen, wenn Begegnungen wie Aris Saloniki gegen Slaven Belupo Koprivnica, Cherno More Varna gegen Maccabi Netanya oder FC Honka Espoo gegen Viking Stavanger, die es in der der vergangenen UEFA-Cup-Qualifikation so bereits gegeben hat, schon heute grenzübergreifend auf eher überschaubares Interesse stoßen? Da ist wohl wirklich das Zehnfache der derzeitigen Einnahmen vonnöten, um es einem irischen Erstligisten möglich zu machen, mal eben für ein Ligaspiel in der dritten Superliga-Staffel unter der Woche eine Reise ins asiatische Outback Russlands anzutreten. Die ECA könnte ja mal bei Uli Hoeneß ein paar Ideen zur Finanzierung einholen. Ein paar Euro im Monat sollte die Königsklasse jedem Haushalt mit Fernsehgerät im großen Königreich der UEFA schon wert sein. Auf die Reaktion der BILD-Zeitung dürfen wir gespannt sein. (PK) 

Online-Flyer Nr. 190  vom 25.03.2009

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