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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Arbeit und Soziales
Arbeits(un)recht in Deutschland und die Zukunft der Arbeit
Menschen im Reißwolf
Von Hans-Dieter Hey

Mit einer rigorosen Bestandsaufnahme der sich verschlechternden Arbeitsbedingungen und Lebensperspektiven der Menschen und den ihnen zunehmend verweigerten sozialen Rechte beschäftigen sich zwei Veranstaltungen in Köln am 14. und 16. März. Denn wachsendes „Arbeits(un)recht“ in Deutschland und die „Zukunft der Arbeit“ macht mehr und mehr Menschen Angst. Es ist wohl auch aufzuräumen mit dem Mythos des sozialen Rechtsstaats, der noch in manchen Hirnen festsitzt.


ver.di-Protest gegen Abbau von Mitbe-
stimmungsrechten in NRW
Bereits seit Helmut Kohls Zeiten geht der Ruf von der „Bananenrepublik Deutschland“, 1984 wurde der Begriff zum Wort des Jahres erklärt. Seit dem ist es nicht besser geworden. Während man sich in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen offensichtlich alles erlauben kann, werden bei der Deutschen Bahn AG ohne Konsequenzen sämtliche Beschäftigten generalverdächtigt und überwacht, als wären sie alle Straftäter. Arbeitnehmer werden aus nichtigen Anlässen und ohne Beweise durch Arbeitsrichter um ihre Existenz gebracht. Erwerbslose werden entmündigt, gedemütigt und zu Menschen 2. Klasse abgestempelt und ausgegrenzt. Immer mehr Menschen werden mit Hungerlöhnen zur Arbeit gezwungen, von denen sie nicht existieren können oder die sie immer öfter dauerhaft krank macht. Politiker von FDP bis CDU fordern die weitere Entmachtung der Gewerkschaften und die Verschlechterung betrieblicher Mitwirkung von ArbeitnehmerInnen.  

Seit Jahren wird die gesetzliche Ordnung nicht mehr der demokratischen Willensbildung, sondern ohne rechtliche Legitimierung neoliberaler Heilsversprecher, Lobbyisten und „Stiftungen“ wie der Bertelsmann Stiftung überlassen – mit den entsprechenden Folgen für die Betroffenen. Bei „Agenda 2010“ und „Hartz IV“ haben sie deutlich ihre Handschrift hinterlassen. Während 100te Milliarden von Steuergeldern zur „Rettung“ profitgieriger und nun maroder Banken und Firmen ohne große Not verschleudert werden, wird Erwerbslosen die längst überfällige Anpassung des Arbeitslosengeldes an das Existenzminimum verweigert. Hartnäckig verhindert die Bundesregierung von CDU und SPD ein durchschlagkräftiges Gesetz zur Abgeordnetenbestechlichkeit, das Aushandeln von Strafmaßen z.B. wegen Bestechung oder Korruption wird als „Deal“ für gutbezahlte Juristen rechtlich legitimiert. Man könnte diese Liste fortsetzen und sie fände kein Ende.


Lohndruck macht erpressbar
Privateigentümer und Staat“, heißt es in einer Einladung von Business Crime Control zum Thema „Arbeits(un)recht“ in Deutschland am 14. März. Corporate Crime und State Crime scheinen weiter auf dem Vormarsch.

Dr. Werner Rügemer, Publizist und Vorsitzender von Business Crime Control spricht in seinen Einführungsreferat über die gesamte Dimension des gegenwärtigen Wirtschaftssystems, Detlef Hensche, Rechtsanwalt und Gewerkschafter stellt die Frage, ob nicht irgendwann das gesamte Arbeitsrecht im Reißwolf der Globalisierung landet. Die Ergebnisse der Veranstaltung sollen in einem Buch veröffentlicht werden. In der Veranstaltung am 16. März wird Prof. Dr. Thomas Münch über die Zukunft der Arbeit referieren, die mehr und mehr Menschen in Not bringen und mit den Teilnehmern über Möglichkeiten der Gegenwehr diskutieren. In einer Schwerpunktausgabe wird die Neue Rheinische Zeitung ab 18.3. über die beiden Veranstaltungen berichten, zu der auch beteiligte Fachreferenten beitragen. (HDH)

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Dr. Werner Rügemer, BCC
Fotos: arbeiterfotografie.com
Veranstaltung 1: Arbeits(un)recht in Deutschland

Samstag, 14.3., 10-18 Uhr
Bürgerhaus Stollwerk, Köln, Dreikönigenstr. 23


Teilnehmergebühr incl. Beköstigung 25 EUR (erm. 12 EUR). Anmeldung erforderlich unter BCC, Pfälzer Str. 2-4, 50677 Köln, oder bcc@text-buero.de, 0221-16829925.
Mehr bei BCC.

Workshop A - Arbeit und Arbeitslosigkeit machen krank

Klaus Weber
(Psychologe, FH München): Neue
Krankheitsbilder unter Arbeitenden und ihre Ursachen
Verena Herzberger (Sozialarbeiterin, BCC) - Krankheiten von
Arbeitslosen. Krankheit durch Arbeitslosigkeit?
Hermann Abmeyr (Publizist) - Arbeitsplatzsicherheit und
Leiharbeit: vom Tod eines Arbeiters in der Mülltrennung
Harro Schultze (Rechtsanwalt, Business Crime Control):
Mobbing am Arbeitsplatz- Bedingungen und Auswirkungen

Workshop B - Die Struktur "moderner" Wirtschaft und
ihr Kriminalitätspotential


Werner Rügemer – Das Sub-Unternehmer-System am
Beispiel Hoch-Tief
Norbert Cyrus (Migrationsforscher, Hamburger Institut für
Sozialforschung) – Gewinner und Verlierer der Wanderarbeit.
Herausforderungen für eine mobile Solidarität
Joern Boewe (Redakteur, Junge Welt) – Zeitbetrug –
Mehrarbeit ohne Kompensation
Irina Vellay (Stadtplanerin und Sozialwissenschaftlerin, FH
Dortmund) - Vertragslose Arbeit: Workfare im Kontext
gesellschaftlicher Reproduktion
Michael Wolf (Sozialwissenschaftler, FH Koblenz): Der gewollte
Feind. Die Geburt des Sozialschmarotzers aus dem Geiste des
Staatsrassismus
Thomas Münch (Sozialwissenschaftler, FH Düsseldorf) - Die
ARGE als Exklusions-Maschine und die Profession soziale Arbeit.

Workshop C - Gewerkschaftsfreie Zonen - Die Erosion des
Gegenpols


Elmar Wigand (Autor, BCC) - Der Stand der Dinge. Wo gibt es
noch Mitbestimmung am Arbeitsplatz? Zahlen, Fakten,
Tendenzen.
NN NGG – Systematische Betriebsratsverhinderung in der
Systemgastronomie
Robert Fuß (IG Metall, Frankfurt a.M.) – Gleiche Arbeit? Gleiches
Geld! - Die IG-Metall-Kampagne gegen Leiharbeit
Barbara E. (Arbeiterin, angefragt) - Die "Verdachtskündigung" am
Beispiel der Kette Kaiser's in Berlin
Daniel Behruzi (Autor, junge welt) – Gelbe Gewerkschaften –
Wenn Unternehmer Gewerkschaften gründen oder gründen
lassen.  
Guido Arnold (Aktivist, agenturschluss köln)- Von
Agenturschluss zu Zahltag XXL - Wie sich Kölner Erwerbslose seit
2005 gegen ARGE und Arbeitsagentur wehren.   
Hans-Gerd Oefinger (Journalist, Sprecher "Bahn von unten") –
Das "System Hansen" und die Folgen für die Beschäftigten - Über
Co-Management zur Selbstkastration einer Gewerkschaft?
Rolf Gössner (Publizist) - Beschäftigte als Risikofaktoren -
Sicherheitsüberprüfungen und betriebliche Kontrollsysteme
Programm

Veranstaltung 2: Zukunft der Arbeit

Montag, 16.3., 18 Uhr
DGB-Haus, Großer Saal, Köln, Hans-Böckler-Platz 1
für gewerkschaftlich Interessierte und erwerbslose Gewerkschaftsmitglieder
Eintritt frei



Prof. Dr. Thomas Münch
Quelle: Privatfoto
Arbeit und Arbeitslosigkeit müssen immer zusammen gesehen werden. Doch unsere Gesellschaft ist in vielfältiger Hinsicht gespalten: In Menschen, die Arbeit haben und solche, die „freigestellt“ wurden. Die noch arbeiten dürfen, werden „Leistungsträger“ genannt, die Ausgegrenzten werden oft als „Sozialschmarotzer“ diffamiert. Und die Zukunft der Arbeit verheißt nichts Gutes. Wird die Arbeit so sein, dass es nur noch Chancen für Hochqualifizierte gibt und immer mehr „Niedriglöhner“? Müssen die Menschen der Arbeit als „vernetzte Nomaden“ weltweit hinterherlaufen? Wird dies zu verstärkter verdeckter Arbeitslosigkeit und Armut führen, die in offiziellen Statistiken nicht mehr zu finden ist? Wird unsere Gesellschaft insgesamt inhumaner? Vieles davon ist längst im Gange und es stellt sich die Frage, ob dadurch unsere Demokratie und unsere Gesellschaft insgesamt gefährdet ist. Zu klären ist also, inwieweit jede und jeden von uns die Veränderung der Arbeitsgesellschaft betrifft und wie Gegenstrategien entwickelt werden müssen. Im Anschluss an den Film „Vernetzte Nomaden – die Zukunft der Arbeit“ (Autor W. Seiter, Produktion: C. Burlage, ZDF/3Sat) diskutiert Prof. Dr. Thomas Münch mit den Gästen.

Online-Flyer Nr. 188  vom 11.03.2009

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