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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Lokales
Verleihung des Kölner Karls-Preises an Werner Rügemer
Engagierter Journalismus hat seinen Preis
Von Carl H. Ewald

Der etablierten Presse war sie keine Nachricht wert, die erste Verleihung des von der Neuen Rheinischen Zeitung vergebenen Kölner Karls-Preises an den weit über die Stadt hinaus bekannten Journalisten Dr. Werner Rügemer. Ausschließlich die „junge Welt“, die Zeitschrift „Glocalist“ und das Internetportal „scharf-links.de“ kündigten die Veranstaltung an oder berichteten im Nachhinein darüber. Doch trotzdem war die Feier mit rund siebzig Anwesenden und anspruchsvollem Kulturprogramm in vielerlei Hinsicht eine runde Sache.
verleihung des kölner karls-preises historisches schild heumarkt fotos: arbeiterfotografie
Plakette der historischen Neuen Rheinischen Zeitungen an „Unter Hutmacher 17“ – heute am Kölner Heumarkt

Als Ort der Verleihung hatte die Redaktion der NRhZ das Café Rosenow am Kölner Heumarkt ausgewählt, wo sich der Sitz der historischen Neuen Rheinischen Zeitung befunden hatte. Diese war in den Revolutionsjahren von 1848/49 eins der wichtigsten Presseorgane der noch jungen sozialen und emanzipatorischen Bewegung und schrieb durch die redaktionelle Mitarbeit von Marx, Engels, Freiligrath, Dronke und Weerth im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte: im Geiste der Aufklärung und Demokratie – einige wichtige Werke des frühen Kommunismus fallen in diese Zeit.

Aufklärung und Demokratie in aktueller Dimension
 
Doch „Aufklärung und Demokratie“ haben eine brennend aktuelle Dimension, und deshalb war es wiederum eine runde Sache, den ersten Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik Werner Rügemer zu verleihen. Der unermüdliche Kämpfer für Aufklärung von Wirtschaftskriminalität und Korruption zeichnet seit fast dreißig Jahren für 18 Bücher sowie zahlreiche Sendungen in Funk und Fernsehen verantwortlich, von denen “, „Colonia Corrupta“, „Der Bankier. Ungebetener Nachruf auf Alfred von Oppenheim“, und „Die Berater“ nur einige der bekannteren sind.

verleihung des kölner karls-preises laudatio ulla lessmann fotos: arbeiterfotografie
Die Kölner Schriftstellerin Ulla Lessmann     
„Was heißt engagierte Literatur und Publizistik?“, fragte die Kölner Schriftstellerin, Journalistin und Moderatorin Ulla Lessmann in ihrer Laudatio, und, wie auf den Preisträger zugeschnitten, erklärte sie: „Ich meine, es heißt vor allem Aufklärung über Missstände, über Korruption und Bereicherung auf Kosten der Gesellschaften, über Machtmissbrauch und undemokratische Methoden – Aufklärung im klassischen, altmodischen Sinne, damit die Aufgeklärten sich gegen diese Missstände wehren können.“
 
Dass diese Aufklärung über Macht und Machenschaften im alles beherrschenden Neoliberalismus nicht ohne erhebliche Reibungen vor sich gehen kann, illustrieren die zahlreichen Gerichtsprozesse und Verfahren, die in den vergangenen Jahren gegen Rügemer und sein journalistisches Engagement angestrengt wurden, wie auch die durch das größte europäische private Bankhaus Sal. Oppenheim, das zahlreiche umstrittene Bauvorhaben in Köln mitfinanzierte.


verleihung des kölner karls-preises werner rügemer publikum fotos: arbeiterfotografie
              Werner Rügemer vor Publikum bei der Preisverleihung

„Den darf er behalten“
 
„Den Kölner Karls-Preis wirst du behalten dürfen...“, sagte Ulla Lessmann und spielte darauf an, dass in der Vergangenheit versucht worden war, Rügemers Preiswürdigkeit in Zweifel zu ziehen. Pikanterweise war es der „Verband kommunaler Unternehmen“, der den „Deutschen Journalistenpreis“ für Beiträge über lokale oder regionale Versorgungs- und Entsorgungsunternehmen ausgelobt hatte. Dem Kölner Journalisten war im Jahre 2003 der Preis für eine Sendung im Deutschlandfunk über „Cross Border Leasing“ verliehen, dann aber „wegen zu großen Engagements in der Sache“ wieder aberkannt worden. Im Nachhinein war Rügemer vor Gericht Recht gegeben worden.
 
Dieses Engagement hat wahrlich seinen Preis, dachten sich auch die Redakteure der NRhZ, denn auf dem Gebiet der Literatur und Publizistik herrsche seit Jahren „Beliebigkeit“, kann man in der Presseerklärung zum Karls-Preis lesen. Denn, „Journalisten im wirklichen Leben decken normalerweise gar nichts auf.“ bemerkte Christian Gottschalk, bekannt durch seine Kolumnen in der Kölner Stadtrevue und der mittlerweile eingestellten „taz-Köln und -NRW“, in seiner humorvollen Ansprache: „Sie schreiben Pressemeldungen um oder betexten Fotos, auf denen man amerikanische Popstars in peinlichen Situationen sehen kann. Die Ehrbaren unter ihnen, besuchen elendlange Bezirksratssitzungen, die ganz Schlimmen lassen sich von der Pharmaindustrie aushalten...“

verleihung des kölner karls-preises an werner rügemer christian gottschalk fotos: arbeiterfotografie
Mit humorigem Blick: der Kölner
Kolumnist Christian Gottschalk            
Eine „Preisaberkennung“ war es nicht, aber doch beispielhaft für die Verhältnisse in der Stadt, in der sich die Mächtigen kennen und helfen, dass dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Jahre 2003 der „Wächterpreis der Tagespresse“ verliehen wurde, kritisierte auch Gottschalk: „Es ist müßig (...) zu erwähnen, wer schon acht Jahre vorher in der Kölner Stadtrevue über – sagen wir mal – gewisse ‚Unregelmäßigkeiten’ beim Bau der MVA ausführlich berichtet hatte...“ Natürlich der Preisträger des Kölner Karls-Preises 2008.
 
„Die Verhältnisse umwerfen“
 
„Um Selbstbestimmung zu erreichen, müssen wir alle Verhältnisse umwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“, zitierte Werner Rügemer in seiner Dankesrede Karl Marx ganz unprätentiös: „Es geht nicht nur um Arbeiter und ‚Workers of all nations’, wie in der Arbeiterbewegung, sondern auch um Arbeiterinnen, um Arbeitslose, um Kinder, um Menschen in sklavenähnlichen Verhältnissen und so weiter – es ist das allgemeinste universeller Menschenrechte.“
 
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Dr. Werner Rügemer bei seiner Dankesrede  
Und, so der Preisträger – wohl auch mit einem Seitenhieb auf die aktuelle politische Diskussion um Menschenrechte in China – das schlösse alle Menschenrechte ein, „nicht nur die sogenannte Meinungsfreiheit, sondern auch Informations-, soziale und Arbeitsrechte. Dessen sich zu vergewissern ist umso notwendiger, als die heute besonders eifrigen und auch gewalttätigen Propagandisten der Menschenrechte nur eine sehr selektive Praxis haben: (Die) allgemeinen Rechte, vor allem für die der Privatinvestoren, und nur für die Gutmenschen der eigenen Kultur, Religions- und rassischen Gemeinschaft.“

Karl Marx wäre dieses Jahr 190 Jahre alt geworden, und so war für den Kölner Karls-Preis ein symbolischer Betrag von 190 Euro ausgelobt worden. Dieses Geld spende er gerne, erklärte Werner Rügemer, und zwar für eine Stiftung für engagierte Publizistik mit demokratischem aufklärerischem Charakter, die er gerne gemeinsam mit der NRhZ initiieren würde. Man darf also gespannt sein, wie oder ob der Preis für engagierte Literatur und Publizistik über die Verhältnisse in einer durch Beliebigkeit und bezahlten PR-Journalismus geprägten Presselandschaft aufklären helfen kann.
 
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Klaus der Geiger singt: „Die Schramma-
Funken“ | Alle Fotos: arbeiterfotografie.com
Aufklärung über Colonia Corrupta leistete an diesem Abend jedenfalls auf seine ganz eigene Weise der Kölner Musiker und Liedermacher Klaus der Geiger, der mit gekonnten Spitzen zu Fritz Schrammas erneuter Oberbürgermeisterkandidatur, unseligen Architekturdebatten zum Beispiel über die Bebauung des Rathausplatzes und zur Investitions- und Betonierungswut im klüngelnden Köln ein musikalische Rahmenprogramm lieferte.

In diesem Zusammenhang gebührt wohl der Laudatorin Ulla Lessmann das letzte Wort: „Spannend finde ich, wie viele Menschen Werner Rügemer nicht verklagt haben, dazu gehören interessanterweise viele Kölner Klüngelgrößen, wie ein ehemaliger Regierungspräsident, ein ehemaliger Oberbürgermeister oder ein Kölner Verleger, die sich jedenfalls öffentlich nicht gegen „Colonia Corrupta“, den „Bestseller zum Kölner Klüngel“, wie Gonski damals warb, gewehrt haben. Offensichtlich stimmt einfach alles, was darin steht.“ (PK)


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Karl Marx-Medaille

zum Kölner Karls-Preis


Weitere Fotos
unter arbeiterfotografie.com

Sehen Sie auch in der aktuellen Ausgabe der NRhZ den Film zur Preisverleihung.












 

Online-Flyer Nr. 161  vom 27.08.2008

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