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Aktueller Online-Flyer vom 10. Dezember 2016  

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Inland
Wie der Terrorkrieg nach Deutschland kam
Brandherd Pakistan
Von Christoph R. Hörstel

Kämpfe, Anschläge, Parteienstreit – Taliban, »Al-Qaeda« und andere Gruppen werden auch in Pakistan immer stärker. Der »Krieg gegen den Terror« ergreift aus dem Grenzgebiet zu Afghanistan immer weitere Teile des Landes – bis schließlich auch Europa und Deutschland ins Visier der kämpfenden Parteien geraten. Pakistans Wohl und Wehe wird damit für uns weit wichtiger als bisher angenommen. Christoph R. Hörstel, einer der besten Kenner des Landes, deckt die Hintergründe der „Partnerschaft im Anti-Terror-Krieg“ auf und sagt im Detail, was geschehen muss, um dem seit Jahrzehnten von Kriegen an den Grenzen, innerem Streit und Geheimdienstaktionen gebeutelten Land endlich Frieden und stabilen Aufbau zu bringen. – Die Redaktion.

Afghanistan und Pakistan bilden längst eine Schicksalsgemeinschaft; ganz neue Lösungswege müssten in beiden Ländern gleichzeitig angegangen werden. Ansätze dazu bietet das vorliegende Buch – und setzt die im Werk „Sprengsatz Afghanistan“ begonnene Arbeit für Pakistan fort.
 
„Pakistan hat eine Schlüsselposition, um die Stabilität dieses Landes und Afghanistans zu erreichen. Dafür wird die Einbeziehung der Taliban und des Iran unentbehrlich sein.“ - Egon Bahr
 
„Wir sollten mit Pakistan ehrlich umgehen. Das wird auf lange Sicht allen zugute kommen – auch uns selbst.“ - H. C. Graf Sponeck, ehem. UN-Koordinator Pakistan/Afghanistan, Indien, Irak
 
    Weltweit, gerade auch jetzt wieder, wird viel spekuliert über das angebliche Doppelspiel Pakistans. Mein Buch „Brandherd“ bietet erstmals weltweit in einer aus Geheimdiensten, Islamischer Bewegung, höchsten Regierungsstellen, Militärspitzen, eigener Erfahrung und weltweit vorhandenen Informationen erstellten Übersicht ein Diagramm zur Funktion des angeblichen „Kriegs gegen Terror“, den ich bereits in meinem Bundeswehr-Coaching für ausgewählte Führungskräfte der ISAF-Truppe als „Terrormanagement“ gebrandmarkt hatte.
 
Indizien und Quellen bis ins Bundeskanzleramt belegen:
-          Die USA gehen in Pakistan/Afghanistan nach einer „Eskalationsstrategie“ vor
-          Dabei streben die USA eine nachhaltige Unterminierung beider Staaten an
-          Heimlich unterstützen die USA über CIA und pakistanische Geheimdienste nicht nur die Taliban sondern auch Al-Qaeda – die Bundesregierung ist informiert!
-          Zahlreiche Einzelheiten des Terrormanagements in allen Facetten werden erstmalig aufgedeckt – mit Praxisbezügen und Namen!
-          Nach Aussage eines höheren Polizeioffiziers im Gespräch mit mir sind deutsche Sicherheitsorgane selbst in die Organisation von Terror in Deutschland verwickelt.
-          Ein Tagesablauf im Terrorcamp
-          Betrugsfall IJU (Islamische Dschihad Union): Terrortruppe aus der CIA-Retorte
-          Insgesamt streben die USA vor allem eine starke Truppenpräsenz und völlige Beherrschung der Großregion auf Jahrzehnte an
 
Der Lösungsplan für Pakistan, der nur bei gleichzeitiger Einsetzung des Lösungsplans für Afghanistan („Sprengsatz“, Kap. 5) funktionieren kann, enthält drei Teile:
1.         Lösungsplan für das unruhige Grenzgebiet zu Afghanistan, mit einer Kombination aus hoher, lokal bestimmter Entwicklungshilfe und einem elaborierten Mediationsplan (Methodik: Prof. J.P. Lederach, USA)
2.         Lösungsplan für den seit 60 Jahren andauernden Kaschmirkonflikt – Indien muss einen kleineren Teil Kaschmirs, das sogenannte „Valley“, an Pakistan abtreten, das Gesamtgebiet wird entmilitarisierte Zone, Pakistan muss unter scharfer Sanktionsdrohung jede Unterstützung für Terrorgruppen einstellen
3.         Nachhaltiger Aufbauplan für Pakistans (Land-)Wirtschaft, Umweltschutz und Bildungssystem

Hier nun zum Vorabdruck aus meinem Buch:

Im Zentrum der pakistanischen Hauptstadt Islamabad liegt die „Rote Moschee“, die den Namen ihrem auffälligen Außen- und Innenanstrich verdankt. In unmittelbarerer Umgebung hatten sich in den letzten Jahren zunehmend radikale Madrassa-StudentInnen niedergelassen, die in der ebenfalls radikalisierten Moschee regelmäßig beteten. Nach Ausschreitungen und Zusammenstöße mit Ordnungskräften verschanzten sich die Schülerinnen in der Moschee – und am 10. Juli 2007 ließ Militärdiktator Musharraf das Gebäude gewaltsam räumen. Über 100 Menschen kamen zu Tode.


Christoph Hoerstel
Christoph R. Hörstel | Foto:privat

… In der Roten Moschee durften wichtige Freunde von «Al-Qaeda» und den Taliban Reden halten, wie zum Beispiel Maulana Masood Azhar, Führer der Kampfgruppe Jaish-e-Mohammad (= Armee Mohammeds), der dort, gemeinsam mit manchen anderen, auch zur Ermordung von Präsident Musharraf und zum Krieg gegen die USA aufrief.

Noch wichtiger ist, dass die Moschee traditionell und auch nach dem 9/11 regelmäßig vom Establishment der Regierung, insbesondere von hohen Militärs besucht wurde und ganz in der Nähe der Zentrale des Militärgeheimdienstes ISI (Inter Services Intelligence) liegt, dessen Mitarbeiter dort immer wieder bei Gebet und Gottesdienst gesichtet wurden – und ganz offensichtlich nicht zu Überwachungszwecken gekommen waren…
 
An dieser Stelle muss einiges klargestellt werden: Nicht weit von der US-Botschaft entfernt, in fast direkter Nachbarschaft mit der ISI-Zentrale, wo jeden Tag die Mitarbeiter der Nato-Geheimdienste ein- und ausgehen, mitten in einem Stadtbereich höchster Sicherheit und Überwachung, verkehren ständig prominente Köpfe mit «Al-Qaeda»-Verbindungen in einer bestimmten Moschee, schwingen wilde öffentliche Reden, gewinnen Anhänger, fordern die USA und ihre lokalen alliierten Eliten heraus. Und das soll übersehen worden sein? Das sollen wir glauben? Da sind die Folterlager in Guantánamo oder Bagram bei Kabul verstopft mit Taxifahrern, Straßenverkäufern und anderen Unwissenden – und hier laufen die Mörder-Jackpots und Terror-Goldnuggets frei herum – und keinen schert das? Weshalb denn: aus Dummheit? Faulheit? Ignoranz? In diesem Ausmaß nicht denkbar.

Oder liegt es vielleicht doch daran, dass das Kontakt-Angebot einfach zu gut ist, dass Top-Angehörige des politisch-militärischen Establishments ja sowieso jederzeit mit den Herren Osama, Omar und Hekmatyar oder entsprechend die rangniedrigeren Chargen mit den Pendants in den Kampfgruppen in Kontakt stehen, sodass es nicht nötig ist, hier mit „ferner liefen“ die Zeit zu verschwenden?
 
Die pakistanischen Taliban und ihr Führer Beitullah Mehsud
 
Für die ferneren Beobachter tauchte Beitullah eher unvermittelt auf. Dabei hatte er bereits 2005, beim erwähnten Nord-Waziristan-Abkommen, sein Debut als einer der Zeichnungsberechtigten auf Seiten des Widerstandes. Damals schloss der pakistanische Staat, vertreten durch den zuständigen Bundesverwalter der Stammesgebiete („Political Agent“) und zahlreiche hochrangige Militärs bis in Generalsränge, mehrere davon beim ISI, ein weltweit umstrittenes Abkommen mit den Taliban und lokalen Kräften, das monatelange Kämpfe mit pakistanischen Truppen beenden und offiziell auch den Grenzverkehr der Kämpfer mit Pakistan beenden sollte. Aber, wie vorherzusehen war, die Sache funktionierte nicht wie dargestellt, sondern ganz anders: Die grenzübergreifenden Militäraktionen des afghanischen Widerstandes verdreifachten sich, die Nato musste wieder einmal ihre Truppen verstärken. Während der Friedensphase jedoch hatten die Widerstandskämpfer in Nordwaziristan berechtigte Aussicht auf einen warmen und trockenen Winter im vertraglich geschützten pakistanischen Reservat. Bis heute gibt es kaum eine öffentliche Debatte über diesen Riesenskandal im sogenannten „Antiterrorkrieg“. Die öffentliche Entrüstung der USA ist nicht ernst zu nehmen: Zu eindeutig hat die US-Regierung in der Vergangenheit das Ausmaß ihrer doppelbödigen Pakistan-Politik verschleiern helfen.
 
Beitullah Mehsud stammt aus dem Dörfchen Landidog und den Unterordnungen der Shabikhel und Broomikhel in Südwaziristan. Sein Stamm, die Mehsud, hat schon zu Zeiten der britischen Besatzung so viel Ärger gemacht, dass er den Beinamen „die Wölfe“ erhielt – und britische Besatzungstruppen sich fernhielten. Beitullah ist 1974 geboren und hat keine religiöse Ausbildung. Statt dessen verfügt er über einen guten Draht zum ISI, schreibt die New York Times. Die NYT zitiert außerdem einen alten Stammesführer und hochrangigen Ex-Soldaten, der erklärt, bei Abschluss des Abkommens mit Mehsud habe er gewusst, dass die Armee ihren Kampf gegen die Extremisten in Waziristan nicht ernst meine. Schließlich genügten zwei Monate, um so einen wie Mehsud fertigzumachen, wenn man richtig hinfasse. Aber der ISI habe Mehsud bisher wohl „in Reserve gehalten“.

Diese Aussage müssen wir sehr ernst nehmen. Denn aus allen Richtungen hören wir heute in Afghanistan und Pakistan die Botschaft, die in diesem Buch noch oft auftaucht: Es wird nicht getan, was man tun müsste, um das öffentlich erklärte Ziel zu erreichen. Wenn jedoch ständig festgestellt wird, dass systematisch, an vielen Stellen, immer wieder, immer stärker und über sieben Jahre hin das erklärte Ziel verfehlt oder gefährdet wird, dann ist das erklärte Ziel eben nicht das tatsächliche. Dann muss irgendwann untersucht werden, wohin denn die tatsächlichen Aktionen führen – und dann wird schließlich ganz empirisch und mit aller Konsequenz festgestellt werden müssen: DAS ist offenbar das heimlich anvisierte Ziel – und nicht etwa das aus der letzten Kongress-Rede von George Bush. „Wenn sie die Offiziersliste durchgehen, würden fast alle festen ISI-Mitarbeiter über die Taliban sagen: ‹Das sind meine Jungs.›“, erklärte ein pakistanischer Ex-Diplomat dem US-Autor Seymour Hersh - mit Bezug auf die „alte“ afghanische Truppe. Zu den neuen pakistanischen Taliban ist der Draht kaum weniger eng, nur hat der ISI jetzt auch Konkurrenz vom IB (Intelligence Bureau, Paksistans Inlandsgeheimdienst)…
 
Die Interessenlage der USA
 
Wir müssen uns darüber klar sein, dass am Hindukusch, in Zentralasien, mitten zwischen Iran und China, die Feststellung „mission accomplished“ eine Art Horrorvorstellung für die amerikanische Führungsspitze darstellt: Denn in diesem Fall müssten die USA ihre Truppen zurückziehen. Und dann macht Asien sich sozusagen „selbständig“. Der Iran liefert seine Energierohstoffe an China, abgerechnet wird das bereits heute schon nur noch zu 40% in US-Dollars – und dieser Trend würde sich ohne Nato-Truppen an Irans und Chinas Grenzen deutlich verstärken. Weil derzeit jedoch die Militärdoktrinen und außenpolitischen Weichenstellungen auf „Beherrschung“ der Rohstoffströme und -börsen abzielt, erscheint das in der Nato nicht als hinnehmbar. Rechtliche Grundlage für diese nackte Machtpolitik zum Schaden anderer Völker: gar keine.

Mein Unterrichtsstoff bei ausgewählten Führungskräften unserer Bundeswehr-ISAF-Truppe lautete deshalb (unwidersprochen): Die USA wollen in Zentralasien Iran einkreisen, China und Russland eindämmen, lukrative Wirtschaftspositionen für Energierohstoffkontrolle entwickeln und selbst bestimmen, welche Wege die Islamische Bewegung geht.

Schließlich lässt sich mit dieser ideologisch gefestigten und gewaltbereiten Truppe so manches Land im Umkreis von mehreren tausend Kilometern unter Druck setzen. Man muss nur militärisch in der Lage sein, rasch die geeigneten Verwandten von Kämpfern, die „aus dem Ruder laufen“, deren Gehorsam zu wüschen übrig lässt, zu verhaften und notfalls zu foltern, schon werden die wildesten Männer zugänglich. Ich habe solche Fälle in meiner Bekanntschaft erlebt.

Wenn nun jedoch Washington offenbar kein Interesse daran hat, sofort vom Hindukusch abzuziehen, wie dargelegt – und pakistanische Sicherheitsapparate ihre islamischen Freunde nicht grundsätzlich ausliefern oder „hängen lassen“ wollen, dann neigt dieser Abwehrkampf zur automatischen Selbstverlängerung – oder sagen wir ruhig: Der „Krieg gegen Terror“ ist für die Ewigkeit ausgelegt. … Es ist doch aus dem ganzen bisherigen Vorgehen der USA seit vielen Jahren, nicht nur ihrer verbohrten Regierung sondern auch fast der gesamten „politischen Szene“, einigermaßen klar, dass der „Terrorkrieg“ als weltweites Machtergreifungs- und Erhaltungsinstrument geplant und durchgeführt ist.

Jeder Student der Politischen Wissenschaften weiß, wie sensibel und differenziert Terror-„Szenen“ (das soziale Umfeld von Terroristen) sind und dass daher adäquate Gegenmaßnahmen immer beidseitig ausgerichtet sein müssen: einerseits vernünftiges, politisches Entgegenkommen, also: das ehrliche und echte Eingehen auf berechtigte Forderungen aus dem Kreis der Terror-Sympathisanten, der ja immer das Kämpfer-Potenzial, also den Rekrutierungspool umfasst – sowie andererseits typische Sicherheitsmaßnahmen, die für jeden Tag Zeitgewinn und schlichte „Attentats-Verhinderung“ leisten. Diese beiden Aspekte müssen über einen längeren Zeitraum sensibel verflochten werden. Militär hat in dieser Betrachtung fast gar nichts zu suchen, weil es nichts Positives beitragen und bewirken kann und ist deshalb mit weitem Abstand vor allem anderen im Terrorkontext nur denkbar als Teil einer Eskalationsstrategie, nicht als Weg zur Beruhigung.

Da erscheint nur natürlich, dass mein 2006 vorgelegter Plan eines über fünf Jahre laufenden schrittweisen Disengagements bei stark erhöhter Entwicklungshilfe, dem Widerstand und Kabuler Regierung gern zustimmen würden, niemanden in der Nato interessiert – und viel getan wird, damit möglichst niemand von dem Plan erfährt – und wenn, dann nur unter vorher organisierten negativen Vorzeichen.
 
In der aktuellen Situation erscheint es den USA also wieder einmal sinnvoll, ihre Truppenzahlen am Hindukusch zu erhöhen und den Krieg weiter zu eskalieren. Der Unterschied zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten, Obama und McCain, beträgt dabei nicht einmal eine Brigade: Obama will zwei mehr an den Hindukusch verlegen, das wären rund 10.000 Mann, McCain drei, aber nicht nur Amerikaner, sondern auch andere Nato-Soldaten, also etwa 15.000. Pakistan wird weiterhin extrem unter Druck gehalten. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein US-Funktionär mit Bombenangriffen oder Einsatz von Bodentruppen droht. …

Laut Ex-US-Präsident Carter, ist auch künftig im Prinzip nichts Neues zu erwarten, „weil beide Präsidentschaftskandidaten tun müssen, was Israel will“. Und Obama hat es offenbar nötig, sich von einem Rockefeller protegieren zu lassen, Senator Jay Rockefeller, Vorsitzender des Geheimdienst-Ausschusses des US-Senats.
 
Wie Terrormanagement funktioniert
 
Es ist klar: Wir befinden uns in einer Eskalationsphase des Terrors: Hier ist entscheidend, wie im Einzelfall die Steuerungsmechanismen bei den herausgehobenen Akteuren, einzelnen Geheimdienst-Managern und deren Agenten funktionieren.

Da es in den höheren Chargen des Widerstandes Persönlichkeiten gibt, die nicht gut selbst zwischen der pakistanisch-afghanischen Grenze und Büros in Peschawar oder gar Islamabad pendeln können, weil sie dafür viel zu prominent sind, schaffen sie buchstäblich Liaison-Büros, die sie mit Getreuen oder vielfach auch mit nahen Verwandten besetzen. Dazu ein realiter vorhandenes Beispiel: Eine wichtige Führungsfigur der Taliban, Mitglied im obersten Führungsgremium „Rahbari Shura“, sozusagen in Mullah Omars „Regierungskabinett“, hat einen sehr nahen Verwandten in der Widerstandshochburg Miranshah postiert, der Hauptstadt Nord-Waziristans – und einen zweiten in Islamabad, der dort die laufenden Kontakte zum ISI wahrnimmt.

Wenn jetzt die USA kritisieren, dass Taliban-Verteidigungsminister Jalaluddin Haqqani in die beiden spektakulärsten Attentate der letzten Zeit in Afghanistan verwickelt war, nämlich in das Attentat auf Afghanistans Präsident Karzai am 27. April 2008 und auf die indische Botschaft in Kabul am 7. Juli 2008, dann muss ich hier feststellen, dass es sich bei dem eben erwähnten, so hervorragend mit Pakistans Geheimdiensten UND der pakistanischen Talibanführung vernetzten, afghanischen Talibanführer um eben genau diesen Jalaluddin Haqqani handelt – und dass, mit allen Konsequenzen, keine Macht der Welt mich dazu bringen kann, anzunehmen, die CIA hätte von diesen Verbindungen und ihren Inhalten nichts gewusst…
 
            Es gibt überdies eine stattliche Liste von Ungereimtheiten, die in ihrer Gesamtheit bedeuten, dass die USA nicht als ehrlicher Partner eines echten Engagements gegen Terror anzusehen sein können:

-          Ex-Bundeswehrarzt und Afghanistan-Helfer Erös berichtet in seinem neuen Buch „Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen“ von seinem vergeblichen Versuch im Herbst 2001, «Al-Qaeda»-Chef bin Laden an westliche Geheimdienste ausliefern zu lassen: Die Verhaftung war nicht erwünscht.

-          Die New York Times berichtete am 8. Juli 2007, der damalige US-Verteidigungsminister Rumsfeld habe persönlich die Verhaftung der Nr. 2 von «Al-Qaeda», Ayman al-Zawahiri, im letzten Moment verhindert. Rumsfeld ordnete auch persönlich den verstärkten und flächendeckenden Einsatz der Luftwaffe über Afghanistan an, schreibt Ahmed Rashid – obwohl Rumsfeld wusste, dass die Schäden in der Zivilbevölkerung die Überlebenden massenweise in die Opposition treiben würden.

-          Das Politikerwort von der „uneingeschränkten Solidarität“ mit den USA schließt definitionsgemäß Komplizentum mit ein. Doch angesichts der nachweislich aus der US-Regierung heraus organisierten Anwendung von Folter oder dem nachweislichen Einsatz von Uranwaffen dürfen wir nicht stillhalten, sonst machen wir uns mitschuldig.

-          In Interviews berichten sowohl Afghanistans Präsident Karzai als auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Wimmer, dass Drogenwarlords ein integraler und von den USA und der ganzen Nato intensiv unterstützter Bestandteil des Herrschaftssystems am Hindukusch sind. Ich selbst bekam von hochrangigen Bundeswehroffizieren gleichlautende Aussagen. Die Nato unternimmt exakt gar nichts gegen Lastwagenkolonnen mit Heroin oder Opiummohn, die überall durch Afghanistan rollen.

-          Der weltweit renommierte Experte Ahmed Rashid berichtet in seinem neuesten Buch „Descent into Chaos“, dass die USA jahrelang keinen Aufklärungssatelliten über dem pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet stationiert hatten. Rashid berichtet detailliert über eine „Hüttenindustrie“, in den Dörfern entlang der Grenze, für die Taliban die elektronischen Zünder für Bomben aller Art zusammenbasteln – alles unter den Augen des ISI.

-          Ich selbst habe 2005 und 2006 von „Bestellungen“ eines pakistanischen Geheimdienstes für die für den Zünderbau notwendigen elektronischen Bauteile aus erster Hand erfahren. Kein pakistanischer Geheimdienst kann sich dauerhaft außerhalb der mehrseitigen Überwachung durch US-Dienste bewegen.

-          Unter den Augen der CIA beliefern russische und chinesische Agenten die afghanischen Taliban mit Waffen, berichtete mir ein Talibankommandeur.…
 
Sensation in Merkels Stab
 
Im Juni 2008 sprach ich nach längerem Vorlauf am Telefon und über e-mails schließlich persönlich mit einem regelmäßigen Teilnehmer der wöchentlichen „Geheimdienst-Lage“ im Bundeskanzleramt. Dort berichten alle Dienste über ihre Erkenntnisse. Als ich fragte, ob denn der BND über diese Doppelpolitik der USA informiert sei, den Krieg am Hindukusch heimlich zu befördern, um ihn offen ausweiten zu können, senkte mein Gegenüber den Kopf, sah plötzlich sehr müde aus und gab völlig schnörkellos zu: „Ja, wir wissen das.“ Klar und deutlich. Und es klang nach einem langfristigen Wissen und nach grundsätzlichen Tatbeständen. (PK)
 
Cover Brandherd





Vorabdruck aus Christoph Hörstel: "Brandherd Pakistan - wie der Terrorkrieg nach Deutschland kommt"
Verlag: Kai-Homilius-Verlag, Berlin
Erscheinungsdatum: 4. September 2008
Gebunden, 400 Seiten, € 24,80

Christoph Hörstel wird sein Buch am 5. September, 11 Uhr, in seinem Büro in Berlin,  unter den Linden 23, vorstellen - gemeinsam mit Jürgen Elsässer, aus dessen neuem Buch "Terrorziel Europa: Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste" wir in dieser Ausgabe ebenfalls einen Vorabdruck bringen.


Online-Flyer Nr. 161  vom 27.08.2008

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