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Aktuelles
„Wer sich mit der Südstadt anlegt, zieht den Kürzeren“
Solidaritätsfest für Gottfried Schweitzer
Von Peter Kleinert

Gottfried Schweitzer auf dem Fest für die Edelweißpiraten im Juni
Quelle: Schweitzergarde
„Wir wollen unseren Gottfried zurück!“
Organisiert hatte das Protestfestival das aufgrund der Kündigung gegründete „Solidaritätskomitee Schweitzergarde“. Zusammen mit Eltern und „Baui“-Kindern - darunter auch viele „Ehemalige“ aus den vergangenen 30 Jahren - protestierten „Klaus der Geiger + Freunde“, Kozmic Blue, der Spielmann Bijan, der Liedermacher Rolly Brings, der Singersongwriter Johannes Stankowski, der Feuerkünstler Lemmi, der Performer „Herr Tarzer“, eSteffania mit einem Stelzenwalkact, der Trompeter Bruno Leicht, Die Erben, die Eierplätzchenband und die Südstadtlatinos.

Fröhliches Solidaritäts- und Protestfest mit mehr als tausend Menschen
Foto: r.ehricke
Das Programm mit vielen, auch spontanen Wort-, Musik- und Artistikbeiträgen machte den über tausend Besuchern an diesem Nachmittag einen Riesenspaß. An den Aktionsständen wurden T-Shirts mit dem Schriftzug „Wir sind Baui“ bedruckt und verkauft, um für die möglicherweise lang anhaltende Auseinandersetzung mit der Geschäftsführung der städtischen Jugendzentren GmbH auch eine finanzielle Grundlage zu schaffen. „Wir wollen unseren Gottfried zurück!“ forderten Kinder auf einem Transparent.
Bijan trug als "mittelalterlicher" Spielmann ein Lied aus den Carmina Burana „in neuhochdeutscher Übersetzung“ vor: „Sieh´ es darbt die Redlichkeit, Tugend wird begraben, arm sind ja die Reichen heut, Arme Reiche laben...“. Nach der Veranstaltung sagte er der NRhZ: „Es hat auch gezeigt, dass Solidarität DOCH möglich ist und prima funktioniert, wenn sich genug Menschen betroffen fühlen und begriffen haben, dass der Vorfall vom "Baui" eben nicht nur eine interne Angelegenheit der Mitarbeiter ist, sondern in direktem Bezug zur (aktuellen) Lebenssituation vieler steht und dass genau an solchen Punkten die Öffentlichkeit erreicht und sensibilisiert werden muss. Insofern war die Veranstaltung ein Erfolg.“
Breite Solidarität in der Südstadt
„Lieber Gottfried, mir kommt die [...] hoch“, heißt es in einem offenen Solidaritätsbrief von Hans Mörtter, Pfarrer der Kölner Lutherkirche, der inzwischen neben zahlreichen weiteren Briefen auf der homepage www.schweitzergarde.de eingetroffen war. Und weiter: „Und da Linke (von denen es ja nicht mehr viele gibt) und Protestanten (von denen es auch nicht viele gibt) in ihrer Echtheit eine lange Geschichte miteinander haben, stehe ich völlig an Deiner Seite. [...] Auf meine Unterstützung kannst Du zählen. Ich stehe bedingungslos zu Dir, Deiner irren Arbeit. [...] Regel bisher war und auch jetzt und in Zukunft: Wer sich mit der Südstadt anlegt, zieht den kürzeren.“
Gut drauf – Klaus der Geiger (links) und Gottfried Schweitzer (Mitte) am Samstag auf dem „Baui“ Foto: r.ehricke
Schweitzer war, wie berichtet, am 5. August fristlos gekündigt worden. Gleichzeitig hatte ihm die Geschäftsführung der Jugendzentren GmbH das Betreten des Bauspielplatzes und ein Hausverbot für die Einrichtung überreicht - ohne Begründung. Gegenüber dem Betriebsrat erklärte die Geschäftsführung der JugZ gGmbH, Träger des Baui: Ein Strahler, der seit vielen Jahren im Außenbereich den Platz beleuchtet, sei zerstört worden und unter gewissen Umständen hätte sich da ein Kind tödlich verletzen können. Deshalb - obwohl Gottfried in der Zeit davor Urlaub hatte, und danach mit 60 „Baui“-Kindern und Jugendlichen zwei Wochen in Dänemark war - kündigte man ihn mitten in der Ferienmaßnahme in Dänemark - die man ihn aber noch zu Ende führen ließ.
Defekte Lampe oder politische Gründe?
Eltern und Kinder können sich die Kündigung nicht erklären. Die defekte Lampe sei vorgeschoben, vermuten sie, wie die „Schweitzergarde“ mitteilt. Über die Hintergründe werde viel spekuliert. Es heiße, die Jugendeinrichtung mit Bauspielplatz solle umgestaltet oder verkleinert werden, was die Geschäftsführung aber bestreitet. Weder der Stellenplan noch die Finanzmittel würden eingeschränkt. Kommunalpolitiker haben laut „Schweizergarde“ durchblicken lassen, dass seine Zusammenarbeit mit linken Gruppen in Leverkusen - seinem Wohnort - der Hintergrund für die Kündigung sein könne. Die Geschäftsführung selbst weist auch „... die Unterstellung - es handle sich um eine politische Einflussnahme - schärfstens zurück. Die JugZ gGmbH als städtische Gesellschaft ist weltanschaulich und politisch neutral.“ Kommentar der „Schweizergarde“: „Es ist deshalb völlig unverständlich, dass Politiker die Unterstützung von Schweitzer in dem Kündigungsprozess verweigern, weil dieser außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit links aktiv sei.“
Gottfried Schweitzer selbst hat Kündigungsschutzklage eingereicht. Der Termin für die „Güteverhandlung“ vor dem Arbeitsgericht steht fest: Dienstag, der 19. September, um 9.30 Uhr im Arbeitsgericht Köln, Pohligstraße 9. Das Solidaritätskomitee rechnet bei diesem Termin mit einem starken Besucherandrang und einer Kundgebung vor dem Gericht, es sei denn, bei einem "klärenden Gespräch" zwischen ihm und Geschäftsführerin Almut Gross wird seine Kündigung zurückgenommen.
Bisher haben nämlich 1.700 Leute (allein 600 auf der Veranstaltung am Samstag) die Forderung nach sofortiger Rücknahme der Kündigung von Gottfried Schweitzer unterschrieben. Sollte am Dienstag die Kündigung nicht zurückgenommen werden, wird sich die „Schweitzergarde“ zusammen mit „Baui“-Kindern und allen Unterstützern aus der Südstadt am Dienstag, 2. September zu einem Demonstrationsbesuch bei der Geschäftsstelle der Jugendzentren GmbH in der Christianstraße 82 in Ehrenfeld aufmachen. Dort sollen dann in geeigneter Form die Unterschriftenlisten überreicht werden. Treffen dafür ist am Dienstag um 14 Uhr vor dem Bauspielplatz Friedenspark.
Auch die SPD hat inzwischen auf das Protestfest reagiert: „Ich habe heute die kurzfristige Einberufung einer Sondersitzung des Aufsichtsrates beantragt“, erklärte am Montag Ralf Heinen, stellvertretender
Aufsichtsratsvorsitzender der Jugendzentren GmbH und jugendpolitische
Sprecher der SPD-Fraktion. Die Kündigung eines längjährigen
Mitarbeiters bedürfe einer ausführlichen Begründung. Es bestehe zudem
Handlungsbedarf, da auch das Ansehen der Jugendzentren GmbH insgesamt
durch die jüngsten Vorkommnisse tangiert werde. (PK)
Online-Flyer Nr. 160 vom 25.08.2008
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„Wer sich mit der Südstadt anlegt, zieht den Kürzeren“
Solidaritätsfest für Gottfried Schweitzer
Von Peter Kleinert

Gottfried Schweitzer auf dem Fest für die Edelweißpiraten im Juni
Quelle: Schweitzergarde
„Wir wollen unseren Gottfried zurück!“
Organisiert hatte das Protestfestival das aufgrund der Kündigung gegründete „Solidaritätskomitee Schweitzergarde“. Zusammen mit Eltern und „Baui“-Kindern - darunter auch viele „Ehemalige“ aus den vergangenen 30 Jahren - protestierten „Klaus der Geiger + Freunde“, Kozmic Blue, der Spielmann Bijan, der Liedermacher Rolly Brings, der Singersongwriter Johannes Stankowski, der Feuerkünstler Lemmi, der Performer „Herr Tarzer“, eSteffania mit einem Stelzenwalkact, der Trompeter Bruno Leicht, Die Erben, die Eierplätzchenband und die Südstadtlatinos.

Fröhliches Solidaritäts- und Protestfest mit mehr als tausend Menschen
Foto: r.ehricke
Das Programm mit vielen, auch spontanen Wort-, Musik- und Artistikbeiträgen machte den über tausend Besuchern an diesem Nachmittag einen Riesenspaß. An den Aktionsständen wurden T-Shirts mit dem Schriftzug „Wir sind Baui“ bedruckt und verkauft, um für die möglicherweise lang anhaltende Auseinandersetzung mit der Geschäftsführung der städtischen Jugendzentren GmbH auch eine finanzielle Grundlage zu schaffen. „Wir wollen unseren Gottfried zurück!“ forderten Kinder auf einem Transparent.
Bijan trug als "mittelalterlicher" Spielmann ein Lied aus den Carmina Burana „in neuhochdeutscher Übersetzung“ vor: „Sieh´ es darbt die Redlichkeit, Tugend wird begraben, arm sind ja die Reichen heut, Arme Reiche laben...“. Nach der Veranstaltung sagte er der NRhZ: „Es hat auch gezeigt, dass Solidarität DOCH möglich ist und prima funktioniert, wenn sich genug Menschen betroffen fühlen und begriffen haben, dass der Vorfall vom "Baui" eben nicht nur eine interne Angelegenheit der Mitarbeiter ist, sondern in direktem Bezug zur (aktuellen) Lebenssituation vieler steht und dass genau an solchen Punkten die Öffentlichkeit erreicht und sensibilisiert werden muss. Insofern war die Veranstaltung ein Erfolg.“
Breite Solidarität in der Südstadt
„Lieber Gottfried, mir kommt die [...] hoch“, heißt es in einem offenen Solidaritätsbrief von Hans Mörtter, Pfarrer der Kölner Lutherkirche, der inzwischen neben zahlreichen weiteren Briefen auf der homepage www.schweitzergarde.de eingetroffen war. Und weiter: „Und da Linke (von denen es ja nicht mehr viele gibt) und Protestanten (von denen es auch nicht viele gibt) in ihrer Echtheit eine lange Geschichte miteinander haben, stehe ich völlig an Deiner Seite. [...] Auf meine Unterstützung kannst Du zählen. Ich stehe bedingungslos zu Dir, Deiner irren Arbeit. [...] Regel bisher war und auch jetzt und in Zukunft: Wer sich mit der Südstadt anlegt, zieht den kürzeren.“
Gut drauf – Klaus der Geiger (links) und Gottfried Schweitzer (Mitte) am Samstag auf dem „Baui“ Foto: r.ehricke
Schweitzer war, wie berichtet, am 5. August fristlos gekündigt worden. Gleichzeitig hatte ihm die Geschäftsführung der Jugendzentren GmbH das Betreten des Bauspielplatzes und ein Hausverbot für die Einrichtung überreicht - ohne Begründung. Gegenüber dem Betriebsrat erklärte die Geschäftsführung der JugZ gGmbH, Träger des Baui: Ein Strahler, der seit vielen Jahren im Außenbereich den Platz beleuchtet, sei zerstört worden und unter gewissen Umständen hätte sich da ein Kind tödlich verletzen können. Deshalb - obwohl Gottfried in der Zeit davor Urlaub hatte, und danach mit 60 „Baui“-Kindern und Jugendlichen zwei Wochen in Dänemark war - kündigte man ihn mitten in der Ferienmaßnahme in Dänemark - die man ihn aber noch zu Ende führen ließ.
Defekte Lampe oder politische Gründe?
Eltern und Kinder können sich die Kündigung nicht erklären. Die defekte Lampe sei vorgeschoben, vermuten sie, wie die „Schweitzergarde“ mitteilt. Über die Hintergründe werde viel spekuliert. Es heiße, die Jugendeinrichtung mit Bauspielplatz solle umgestaltet oder verkleinert werden, was die Geschäftsführung aber bestreitet. Weder der Stellenplan noch die Finanzmittel würden eingeschränkt. Kommunalpolitiker haben laut „Schweizergarde“ durchblicken lassen, dass seine Zusammenarbeit mit linken Gruppen in Leverkusen - seinem Wohnort - der Hintergrund für die Kündigung sein könne. Die Geschäftsführung selbst weist auch „... die Unterstellung - es handle sich um eine politische Einflussnahme - schärfstens zurück. Die JugZ gGmbH als städtische Gesellschaft ist weltanschaulich und politisch neutral.“ Kommentar der „Schweizergarde“: „Es ist deshalb völlig unverständlich, dass Politiker die Unterstützung von Schweitzer in dem Kündigungsprozess verweigern, weil dieser außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit links aktiv sei.“
Gottfried Schweitzer selbst hat Kündigungsschutzklage eingereicht. Der Termin für die „Güteverhandlung“ vor dem Arbeitsgericht steht fest: Dienstag, der 19. September, um 9.30 Uhr im Arbeitsgericht Köln, Pohligstraße 9. Das Solidaritätskomitee rechnet bei diesem Termin mit einem starken Besucherandrang und einer Kundgebung vor dem Gericht, es sei denn, bei einem "klärenden Gespräch" zwischen ihm und Geschäftsführerin Almut Gross wird seine Kündigung zurückgenommen.
Bisher haben nämlich 1.700 Leute (allein 600 auf der Veranstaltung am Samstag) die Forderung nach sofortiger Rücknahme der Kündigung von Gottfried Schweitzer unterschrieben. Sollte am Dienstag die Kündigung nicht zurückgenommen werden, wird sich die „Schweitzergarde“ zusammen mit „Baui“-Kindern und allen Unterstützern aus der Südstadt am Dienstag, 2. September zu einem Demonstrationsbesuch bei der Geschäftsstelle der Jugendzentren GmbH in der Christianstraße 82 in Ehrenfeld aufmachen. Dort sollen dann in geeigneter Form die Unterschriftenlisten überreicht werden. Treffen dafür ist am Dienstag um 14 Uhr vor dem Bauspielplatz Friedenspark.
Auch die SPD hat inzwischen auf das Protestfest reagiert: „Ich habe heute die kurzfristige Einberufung einer Sondersitzung des Aufsichtsrates beantragt“, erklärte am Montag Ralf Heinen, stellvertretender
Aufsichtsratsvorsitzender der Jugendzentren GmbH und jugendpolitische
Sprecher der SPD-Fraktion. Die Kündigung eines längjährigen
Mitarbeiters bedürfe einer ausführlichen Begründung. Es bestehe zudem
Handlungsbedarf, da auch das Ansehen der Jugendzentren GmbH insgesamt
durch die jüngsten Vorkommnisse tangiert werde. (PK)
Online-Flyer Nr. 160 vom 25.08.2008
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