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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Filmclips
Stop Ilisu
Von Hans-Dieter Hey



Gern lässt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihren weltweiten Reisen medial als Klima- und Umweltschützerin feiern. Doch trotz vollmundiger Versprechen werden gelegentlich mit deutscher Hilfe – beispielsweise ihres Außenministeriums – andere Tatsachen geschaffen. Ein umstrittenes Staudammprojekt am Tigris in Südostanatolien hat ein Desaster für Menschen, Kultur und Umwelt zur Folge, damit anderswo die Kasse klingelt. Am 3. September wird in einer Köln-Premiere ein Dokumentarfilm von Christoph Walder gezeigt, der uns wachrütteln soll.  

Seit 10.000 Jahren existiert die Stadt Hasankeyf im Südosten Anatoliens, dem alten Mesepotamien, der Heimat seltener Pflanzen und bedrohter Tierarten, die es nur dort gibt. Eine gewachsene Kulturlandschaft und Weltkulturerbe ohne Beispiel. Dass das Gebiet trotzdem kein UNESCO-Kulturerbe wurde, hat Gründe. Die türkische Regierung verweigerte das notwendige Ersuchen darum, obwohl sie von der Europäischen Gemeinschaft im Jahr 2004 dazu aufgefordert wurde.

Das ganze Gebiet ist nämlich dem kulturellen Tod geweiht, obwohl seit zehn Jahren die dort lebenden Menschen und viele in der übrigen Türkei gegen eins der umstrittensten Staudammprojekte der Welt kämpfen. Die Bewohner von Hasankeyf und weiteren 198 Orten mit insgesamt 55.000 Menschen sollen nämlich vertrieben werden. Im Jahr 2007 hat die türkische Regierung mit den Enteignungen begonnen, ohne sich um international getroffene Vereinbarungen zu scheren. Ihr wird zur Last gelegt, dass für die Menschen keine Umzugsplätze vorgesehen wurden, auch keine neuen Einkommensperspektiven. Es gibt weder einen Plan, wie mit dem Kulturerbe umgegangen werden soll, noch wurden die ebenfalls davon betroffenen Staaten Syrien und Irak einbezogen, was eindeutig gegen das Völkerreicht verstößt.

Ulrich Eichelmann von Eca-Watch Österreich ist der Projektleiter von „Stop Ilisu – Rettet Hasankeyf!“. Seit 20 Jahren engagiert er sich für den Schutz der Flüsse und kennt sich mit Staudämmen aus. Für ihn stellt das türkische Staudammprojekt alles bisher Erlebte in den Schatten. Ihn erschüttert vor allen das Vorgehen von Deutschland, Österreich und der Schweiz und ihrer Banken und Baufirmen, die das Ilisu-Projekt weiter vorangetrieben haben möchten. Bereits im Jahr 2002 hatten sich die Schweden, Briten und Italiener aus dem Projekt wegen der unkalkulierbaren sozialen und ökologischen Konsequenzen zurückgezogen. In Europa wäre ein solches Projekt unmöglich durchführbar gewesen. Inzwischen empfehlen Experten immerhin eine Aufschiebung von zwei Jahren.

Wie die Zehntausende, die gegen das Staudamm-Projekt Widerstand leisten, hätte auch Ulrich Eichelmann gern eine Wirtschaft und Politik gestoppt, „die den finanziellen Gewinn über alles stellt und Umwelt- und Sozialstandards maximal als Behübschung akzeptiert“. Deshalb wünscht er sich sehr, dass man sich auch in Deutschland zur Rettung dieser einmaligen Kulturlandschaft genauso einsetzt, wie seinerzeit in Wackersdorf, in Zwentendorf in Österreich oder in Nagymaros in Ungarn.

Wer sich ein Bild von dieser einmaligen Kulturlandschaft machen will, um die ökologische und kulturelle Bedeutung einzuschätzen, kommt um diesen Film nicht herum. Vielleicht wird sie ja doch irgendwann ausgelöscht. Vor allem wird so für jeden besser vorstellbar, was für diesen gigantischen Staudamm geopfert werden soll, und begreifbar, dass man sich ebenfalls gegen das Projekt stellen muss – wie die, die im Film zu Wort kommen. Der hier anliegende Trailer dauert sieben Minuten.

Konzept und Umsetzung des Films sind von Christoph Walder und Ulrich Eickelmann. Sie wurden unterstützt durch Chris Vano, Eca-Watch Österreich, Ecotone OEG, KoKa-Studio, MediaTirol, Manfred-Hermsen-Stiftung, WWF Österreich und ZZAPP TV. (CH)

Die Kölner Premiere findet am Mittwoch, den 3. September um 20.00 Uhr, im Filmforum NRW e.V. im Museum Ludwig, Bischofsgartenstrasse 1, statt. Siehe auch unseren Terminkalender.

Unser Anreißerbild stammt von Christian Kaiser

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Online-Flyer Nr. 160  vom 18. Dezember 2017



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