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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Sport
Leverkusen ist Fußballmeister…
...der Verbandsliga Mittelrhein
Von Hermann

Entschuldigung, die Überschrift ist recht albern, ich wollte nur einmal wissen, wie das geschrieben aussieht. Kommt nicht wieder vor, versprochen. Aber weder oben angesprochene Tatsache, noch die Lizenzvergabekriterien für die neue NRW-Liga sollen hier das Thema sein, sondern eine andere Neuerung, die eigentlich gar nicht neu ist, bei mir aber sehr gemischte Gefühle auslöst: Relegationsspiele.  
Gegen diese Art der Relegationsspiele hätte ich natürlich nichts einzuwenden, doch der Begriff bekam 1981 mit der Einführung der eingleisigen zweiten Liga eine neue Bedeutung. Da sich die Entscheidungsspiele in der Vergangenheit zwischen den Zweitplazierten der zweiten Liga Nord und Süd bei Volk und DFB scheinbar großer Beliebtheit erfreuten, durfte der Tabellensechzehnte, also der Drittletzte, der ersten Liga künftig noch nach dem eigentlichen Saisonende zu mindestens zwei Entscheidungspartien gegen den Dritten der zweiten Liga antreten. Der Sieger aus diesen Begegnungen wurde dann mit der Teilnahme im Oberhaus in der kommenden Saison belohnt. Da diese Spiele aus einer gewissen Tradition heraus erdacht wurden, störte sich damals auch kaum niemand daran. Doch ab der Saison 91/92 wurde auf Relegationsspiele verzichtet, nach einem weiteren Jahr zweigleisiger zweiten Liga mit jeweils nur einem Aufsteiger, um die wegen der Eingliederung der DDR-Oberligamannschaften auf zwanzig Plätze vergrößerte erste Liga wieder in die gewohnte Form zu bringen, sollte fortan ein dritter Tabellenplatz in der zweiten Liga unumstößlich den wohlverdienten Aufstieg mit sich bringen. In den zehn Jahren Relegation stiegen lediglich drei Mal alle drei Zweitligisten auf, sieben Mal konnte der Erstligist die Spiele für sich entscheiden.
 
Ab der kommenden Saison werden die Relegationsspiele beim Wechsel von der ersten in die zweite, sowie von der zweiten in die dritte Liga wieder ganz erheblich an den Nerven der Vereinsvertreter, Spieler und der Fans zerren dürfen. Zwei Spiele werden also in der Lage sein, eine recht erfolgreiche Zweitligasaison, die mit dem dritten Tabellenplatz belohnt wurde, zu zerstören, oder einen Abstieg auf dem drittletzten Platz, mit kaum mehr als dreißig Punkten, zu verhindern. Laut DFL sollen durch die Relegationsspiele feine Fernsehübertragungen und zusätzliche Einnahmequellen geschaffen werden. Die Vereine, die dann künftig durch umstrittene Elfmeterentscheidungen um ihre Lorbeeren gebracht werden, werden in der darauf folgenden Saison im Unterhaus wahrscheinlich verrückt vor Freude über die zusätzliche Fernsehpräsenz. Zumal die Relegation selbst für den Gewinner Nachteile mit sich bringt.
 
In der Vergangenheit musste die Relegation drei Mal durch ein drittes Spiel entschieden werden, 1988 endete auch dieses torlos und ein Elfmeterschießen ermittelte den sportlichen Werdegang der austragenden Mannschaften in der darauf folgenden Spielzeit. Dadurch konnte eine Entscheidung in manchen Fällen erst vierzehn Tage nach Saisonende ermittelt werden. Vierzehn Tage, in denen beide Teams nicht wissen, wo die Reise hingeht, in denen die anderen Vereine aber schon nach der ein- oder anderen Verstärkung die Fühler ausstrecken. Das könnte also auch für den Sieger der Relegationsspiele einen echten Wettbewerbsnachteil darstellen.
 
Hier in Köln werden wohl noch einige Fortuna-Fans ein (herzzerreißendes) Lied davon singen können, wie eine gemeine Grippewelle vor dem Entscheidungsspiel Aufstiegsträume vernichten kann. Künftig sollten Vereine also besser die Keimfreiheit ihrer Spieler gewährleisten, Angriffe des Relegationsgegners mit Viren sind, in Anbetracht dessen, worum es auch finanziell geht, wohl nicht ganz auszuschließen.

Ich als FC-Fan
Ich als FC-Fan...
Quelle: www.bundesliga.de


Eigentlich könnte ich als FC-Fan zwar unbesorgt aus der Perspektive der ersten Liga auf die Relegation kommendes Jahr blicken. Wäre sie schon in der vergangenen Spielzeit eingeführt worden, hätte ich in den letzten zwei Wochen Spiele gegen Nürnberg miterleben müssen, die der Gesundheit meiner Herzkranzgefäße sicher nicht zuträglich gewesen wären. Der Rahmenterminkalender für kommende Saison sieht das zweite Relegationsspiel allerdings genau für meinen Geburtstag vor. Ich kann mich nur an einen meiner Ehrentage an einem Spieltag erinnern, das war vor elf Jahren und die Reise führte nach Dortmund. Der FC kam gegen noch restalkoholisierte BVB-Spieler, die vor Anpfiff noch ihren frisch gewonnenen Champions League-Pokal im Stadion taumelnd spazieren führten, nicht über ein 2:1 aus Dortmunder Sicht hinaus. Das lässt nichts Gutes hoffen, falls uns der Kelch des sechzehnten Tabellenplatzes kommende Saison treffen sollte.
 
Früher war nicht alles besser. Nicht mal beim Fußball. (PK)

Online-Flyer Nr. 150  vom 11.06.2008

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