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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Lokales
Köln: Aktionen gegen CO-Pipeline zur BAYER-Hauptversammlung
Scharfe Kritik am Vorstand
Von Peter Kleinert

Als „sehr erfolgreich“ wurden im Anschluss an die BAYER-Hauptversammlung am Freitag die öffentlichen Aktionen der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) und der Bürgerinitiativen gegen die BAYER-CO-Pipeline vor der Kölner Messe eingeschätzt. Die CBG hatte bereits im Vorfeld Stimmrechte für ca. 40.000 Aktien übertragen bekommen. Im Saal stimmten dann vor 4.000 angereisten Aktionären bis zu 5 Millionen Aktien zusammen mit den BAYER-Kritikern gegen die Anträge des Vorstands.

BAYER-CO-Pipeline von Dormagen nach Krefeld
BAYERs CO-Pipeline von Dormagen nach Krefeld

Die etwa 4.000 BAYER-HV-Besucher wurden schon vor der Messehalle 7 mit Transparenten und Flugblättern empfangen. Im Saal musste sich der Vorstand eine wahre Flut kritischer Fragen anhören, und zwar nicht nur von den gut vorbereiteten RednerInnen der Bürgerinitiativen und der Coordination gegen BAYER-Gefahren, sondern auch von zahlreichen anderen AktionärInnen.
 
Wenning droht mit Konsequenzen

Dieter Donner und Marlies Elsen von den Bürgerinitiativen gegen die CO-Pipeline und Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren forderten unmissverständlich die Beendung des Projektes "ohne Wenn und Aber".


Dieter Donner: Schluss mit der Pipeline - ohne Wenn und Aber!

BAYER-Vorstandschef Werner Wenning bestand hingegen auf dem
Bau der 67 Kilometer langen Kohlenmonoxid-Pipeline von Dormagen nach Krefeld-Uerdingen, der durch Proteste der BürgerInnen in den betroffenen Städten und den darauf Ende vergangenen Jahres folgenden Beschluss des Oberverwaltungsgerichts in Münster gestoppt wurde (siehe u.a. NRhZ 127), und drohte gar mit Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort, falls die Pipeline nicht zustande käme. Allerdings musste er zugeben: „Wir wissen, dass sich solche Projekte nicht ohne gesellschaftliche Akzeptanz verwirklichen lassen." Wie er die angesichts der massenhaften Proteste gegen die Giftgas-Pipeline erreichen will, denen sich sogar CDU- und SPD-Bürgermeister angeschlossen haben, sagte Wenning allerdings nicht. 
 
Preisanstiege für Lebensmittel…
 
Susanne Gura vom Forum Umwelt und Entwicklung ging auf den Geschäftsbericht 2007 ein, der „neben dem verbesserten Marktumfeld in Lateinamerika gestiegene Preise für landwirtschaftliche Grunderzeugnisse“ und einen verstärkten Anbau „von Pflanzen zur Herstellung von Biokraftstoffen“ ausweist. Zu dieser vom Vorstand stolz verkündeten „Geschäftsbelebung für Bayer CropScience“ erklärte sie: „Weltweit kommt es in vielen Ländern derzeit zu Unruhen aufgrund der Preisanstiege für Lebensmittel, besonders dort, wo nicht wie bei uns, durchschnittlich 12 Prozent des Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben werden, sondern dort, wo bis zu 80 Prozent des Einkommens für Nahrungsmittel ausgegeben werden. Agrarkraftstoffe konkurrieren mit Nahrungsmitteln um Land und Wasser.“
 
…durch Agrar-Chemikalien
 
Erst in der vergangenen Woche habe, so Susanne Gura, der Weltagrar-Rat eine radikale Reform der Landwirtschaft gefordert. Weltweit seien die Böden durch Agrar-Chemikalien geschädigt und daher seit Jahren die Ernten wichtiger Grundnahrungsmittel rückläufig. Die von 400 Wissenschaftlern erarbeiteten Empfehlungen drängten darauf, biologische Methoden anzuwenden. Diese können die Welternährung sicherstellen, wenn der Konsum von Tierprodukten auf der Grundlage von Kraftfutter sich auf ein vertretbares Maß einstelle. Davon profitieren würden Gesundheit, Klima, Tierschutz und die Umwelt. BayerCropScience hingegen sei mit Pflanzenschutzmitteln am nicht nachhaltigen Anbau von Soja-Kraftfutter maßgeblich beteiligt.
 
BAYER-Genreis L L 62
 
Ulla Krajewski von der CBG konzentrierte sich in ihrem Beitrag auf die BAYER-Genreissorte L L 62, für die Bayer einen Importantrag bei der EU gestellt hat. Von der BAYER-Website zitierte sie dazu: „Sicherheit und Umweltverträglichkeit haben auch bei unseren gentechnischen Produkten höchste Priorität. Wir vertreiben gentechnische Produkte oder Verfahren nur, wenn ihre Sicherheit und Umweltverträglichkeit nach dem Stand des Wissens und der Technik gewährleistet sind.“ Tatsächlich aber sei L L 62 gegen das BAYER-Herbizid Liberty resistent, und dieses Herbizid enthalte den wegen seiner auch für den Menschen hohen Giftigkeit umstrittenen Wirkstoff Glufosinat. Während BAYER 2004 bei der EU einen Antrag gestellt habe, dem Import von LL 62 aus asiatischen Ländern die Genehmigung zu erteilen, hätten die CBG und andere Organisationen in einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin mit Recht dagegen protestiert. Abgesehen von den Gefahren für drei Milliarden vom Reis abhängigen Menschen, die in den Entwicklungsländern bei einer Durchsetzung von LL 62 entstehen würden, frage sie den BAYER-Vorstand: „Gibt es schon ein Beispiel, wie eine Genpflanze geholfen hat, den Welthunger zu lindern? Immerhin gibt es den kommerziellen Anbau von Bayer-Genpflanzen im großen Maßstab schon seit 10 Jahren, und da müsste es doch das eine oder andere Beispiel zu berichten geben?“
 
Viele Kleine gegen wenige Große
 
Nachdem die kritischen AktionärInnen der CBG bereits vor der HV Stimmrechte für ca. 40.000 Aktien übertragen bekommen hatten, stimmten im Verlauf der Hauptversammlung dann bis zu 5 Millionen Aktien mit den Kritikern gegen die Anträge des Vorstands.

CBG-Protest - offenbar viele BAYER-Kleinaktionäre überzeugt
CBG-Protest - offenbar viele BAYER-Kleinaktionäre überzeugt

Vor dem Hintergrund, dass sich 90 und mehr Prozent der ca. 472 Millionen anwesenden Aktien in den Händen von wenigen Dutzend Großaktionären wie der Deutschen BANK befinden, ist dies ein beachtlicher Erfolg. Offensichtlich folgten mehrere tausend Kleinaktionäre dem Vorschlag von Axel Köhler-Schnura: "Natürlich ist uns klar, dass die Großaktionäre und Banken mit ihren Multi-Millionen-Paketen in ihrer Profitgier nicht mit uns stimmen werden; aber Sie, die KleinaktionärInnen, sind nur ihrem Gewissen verpflichtet, stimmen Sie mit NEIN."

 
Die Proteste gegen die CO-Pipeline gehen weiter. Flugblätter, Unterschriftenlisten und Protest-Aufkleber "Stoppt die BAYER-Giftgasleitung!" im Durchmesser von 10 cm können bei der Coordination gegen BAYER-Gefahren angefordert werden: eMail CBGnetwork@aol.com.

Passend zur BAYER-HV auch der Artikel über den internationalen Kongress „Für Biologische Vielfalt: regional, fair und gentechnikfrei!“, der vom 12. bis 16. Mai in Bonn stattfindet. (PK)


Fotos: CBG
 
 

Online-Flyer Nr. 144  vom 30.04.2008

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