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Lokales
Projekt für krebskranke Kinder
Eventmanagement
Von Hans-Dieter Hey

Vergangenen Sonntag, den 20. April, haben 25 SchülerInnen des Josef-DuMont-Berufskollegs einen aktionsreichen Tag für den Verein krebskranke Kinder e.V. Köln durchgeführt, den sie zuvor gemeinsam und projektorientiert geplant hatten. Jede Klasse erhält in ihrer Ausbildung als „Veranstaltungskaufleute" einmal die Möglichkeit, die Theorie in die Praxis umzusetzen.
Professionalisierung gefragt

Hilfe erfuhren die SchülerInnen durch den Event-Köln e.V. Sein Ziel ist die Unterstützung der Projekte der Schülerinnen und Schüler des Medienbereiches im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung am Joseph-DuMont-Berufskolleg. Neun Monate hat die Klasse ET06E gebraucht, um den Event-Tag für „krebskranke Kinder e.V." zu planen, vorzubereiten und schließlich durchzuführen. Für sie steckte eine Menge professioneller Arbeit darin. Und Professionalität ist heute gefragt.


Die „ET06E" – gut gelaunt

Alles wurde bis ins Detail vorbereitet, damit die Veranstaltung am Sonntag auf dem Krewelshof – einem Erlebnisbauernhof in Lohmar – stattfinden konnte. Und der war dafür wie geschaffen. Er verfügt über eine Schau-Käserei, einen Abenteuerspielplatz, einen separaten Streichelzoo, eine Spielhalle mit vielen Aktionen, eine Go-Kart-Rennstrecke, eine Hüpfburg und eine Wasserrutsche. Schließlich wurden Aktionen wie Kistenklettern, Kinderschminken, Luftballon-Kreationen und viel Zauberei zur großen Begeisterung der Teilnehmer geboten.


Vorgabe beim Event: Spass muss sein

Organisierte Erlebniswelt

Die SchülerInnen hoffen mit ihrem Engagement, für die Kinder und ihre Eltern mit diesem „Event" auch eine emotionale Erlebniswelt geschafft zu haben, die noch lange in den Erinnerungen der Teilnehmer für ein Lächeln sorgen soll und ihr Schicksal ein wenig vergessen machen wollte. Eltern sollten zudem die Möglichkeit bekommen, sich untereinander auszutauschen oder auch nur ein wenig Entlastung zu erfahren. Aber auch über den Tag hinaus sollte etwas erreicht werden. So wurde von Anfang an die Öffentlichkeit mit einbezogen, um auf den Verein krebskranke Kinder e.V. aufmerksam zu machen und so dem ein oder anderen interessierten Spender Einblicke in die Arbeit des Vereins zu gewähren.



Kommerzialisierung der Mitmenschlichkeit?

Veranstaltungsmanagement ist ein sehr „moderner" Beruf, entstanden um Bearbeitung der Märkte im Dienstleistungssektor. Dort wird gelernt, wie Tagungen und Kongresse, Firmen- und Verbandsveranstaltungen, Marketingevents, Produktpräsentationen, Aktionärs- oder Mitgliederversammlungen geplant, organisiert und durchgeführt werden. Aber auch in den ursprünglich als „sozial" bezeichneten Bereichen breitet sich das „Eventmanagement" deutlich aus – wie am Beispiel dieser Veranstaltung für „krebskranke Kinder e.V.". Das Projekt der Auszubildendenden wurde zwar gesponsert. Doch auch im Eventmanagement mit sozialem Bezug geschieht letztlich alles nach dem Motto: Warum umsonst, wenn man dafür auch Geld bekommen kann. Was durch Selbstorganisation wie bei den Kölner Senioren, oder durch Ehrenamtliche, gesellschaftlich notwendige Sozialarbeit oder Zivis mit Enthusiasmus und Mitmenschlichkeit durchgeführt wurde, droht heute in die Gefahr der Kälte gänzlicher Kommerzialisierung zu geraten.

Management by Emotions statt Lebensqualität?

Doch auch der Beruf „Eventmanagement" selbst birgt seine Gefahren. Als „moderner" Beruf ist er besonders geeignet, schließlich in eine der neuen Selbständigkeiten zu münden. Hinter den vollmundigen Versprechen der „Selbstverwirklichung" sieht sich der Eventmanager mit keinem Arbeitgeber mehr konfrontiert. Dieses als individueller Lustgewinn verkaufte Prinzip vermeintlicher Freiheit täuscht über die Gefahr dauerhafter Selbstunterwerfung und Marktabhängigkeit hinweg, die heute mit der Management-Strategie des „Management by Emotions" in allen Bereichen durchgesetzt wird. Es wird kein Schutz mehr geboten, weil es das Schützende einer solidarischen Belegschaft, eines Betriebsrates oder einer Gewerkschaft nicht gibt.


Fotos: Philipp Böll

Der ehemalige Sekretär beim Hauptvorstand der IG Medien – Klaus Pickshaus – spricht daher zu Recht von „einem Zugriff auf den gesamten Menschen" und der Soziologe Jakob Schrenk warnt: "Arbeitnehmer beuten sich selber aus." So mag diese wohlwollende Warnung vor der völligen Selbstausbeutung mit dem letztendlichen Ergebnis „burn-out" auch als Rat dienen, dass es noch ein Leben neben der Arbeit gibt. Und alle Schülerinnen und Schüler der Klasse ET06E mögen davor beschützt sein, dass sie vor lauter Selbstausbeutung nicht das Leben verpassen.

Kurioser Schlenker am Schluss

Ganz interessant ist noch ein historischer Schlenker zum Schluss. Der Namenspatron des Berufskollegs – Joseph DuMont, Großvater von Alfred Neven DuMont – war um die Mitte des 19. Jahrhunderts Verleger der „Kölnischen Zeitung", der Vorgängerin des „Kölner Stadt-Anzeiger". Zur gleichen Zeit erschien in Köln die „Rheinische Zeitung", deren Chefredakteur der große deutsche Denker Karl Marx war. Sie hieß nach einem Verbot – wie auch heute – „Neue Rheinische Zeitung". Der Unterschied zwischen beiden: Während der Aufsichtsrat der „Rheinischen Zeitung" freie Hand gab und Karl Marx den Begriff Pressefreiheit ernst nahm und damit das Verbot riskierte, gingen andere Verleger nicht so weit.

In einem Gutachten von 1854 bestätigte der preussische Ministerpräsident Otto Theodor von Manteuffel, dass es keiner weiteren Mittel bedürfe, gegen oppositionelle Tendenzen in der „Kölnischen Zeitung" vorzugehen. Denn die habe sich schon 1851 in einem 14-Punkte-Vertrag mit dem „Leiter der Zentralstelle für Preßangelegenheiten" in Berlin zu einer konservativen Haltung und Zurückhaltung verpflichtet. Sie durfte also weiter existieren, während die „Neue Rheinische Zeitung" – wie ihre Vorgängerin und viele andere kritische Zeitungen – verboten wurde und Karl Marx ins Exil fliehen musste. (PK)


Nach eigenen Angaben erhält der Förderverein weder Subventionen noch staatliche Gelder und ist daher auf Spenden angewiesen. Er ist als gemeinnützig und stellt Zuwendungsbescheinigungen aus. Bei Überweisungen soll der Verwendungszweck und die vollständige Postanschrift angeben werden.

Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98, Konto 84 82 62 2
Kreissparkasse Köln, BLZ 370 502 99, Konto 01 56 00 98 32


Online-Flyer Nr. 143  vom 23.04.2008

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