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Aktueller Online-Flyer vom 22. Februar 2017  

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Lokales
Neven DuMont-Solidaritätsaktionen der besonderen Art
Gegen die Linksentwicklung
Von Peter Kleinert

Konstantin Neven DuMont, Geschäftsführer des Verlags M. DuMont Schauberg, hat laut Kölner Stadt-Anzeiger öffentlich “seine Solidarität“ für eine "Revolution" bekundet. Ob er das so meinte wie sein Vater Alfred, der sich vor 40 Jahren laut KStA angeblich für die Ideen der ’68er „aufge- schlossen“ zeigte? Immerhin hatte er ja bei seiner Solidaritätserklärung am Donnerstag gleich neben dem Neven DuMont-Haus die „Bläck Fööss“ und „Brings“ mit im Boot.
Folgt man dem Vorbild des bekannten Historikers und Bundesverdienst- kreuzträgers Götz Aly bei seiner Gleichsetzung der ’68er mit den ’33ern in der ebenfalls zum DuMont-Konzern gehörenden Frankfurter Rundschau, mit der wir uns in dieser Ausgabe weiter unten auseinandersetzen, und nimmt man die zwei Tage danach im KStA per Schlagzeile ausgesprochene „Warnung vor einem Linksruck“ ernst, könnte man schon auf „dumme Gedanken“ kommen – etwa so:

 
Kurt Neven DuMont:
„Auf Hitler kommt es an“
NRhZ-Archiv
Auch die NSDAP nannte Hitlers Putschversuch 1923 in der bayerischen Hauptstadt eine „Revolu- tion“, die sich vor allem gegen die „jüdisch- marxistische Brut“ der Weimarer Republik richtete. Juden spielen in Konstantins „Revolution“ von 2008 natürlich keine Rolle. Es gibt in Köln ja nur noch sehr wenige zurückgekehrte Nachkommen der Kaufleute und Firmenbesitzer, deren Grundstücke – wie nach der 1933 mit Unterstützung von Kapital und Vatikan erfolgreich durchgezogenen Macht- übergabe an Hitler – in den Besitz von „Ariern“ wie NSDAP-Mitglied Kurt und seiner Frau Gabriele Neven DuMont gelangen könnten, deren Kölnische Zeitung schon am 1. Januar ’33 verkündet hatte „Auf Hitler kommt es an“. Linke aber gibt es offenbar zunehmend, und die machen sich gelegentlich sogar bei Beschlüssen im Stadtrat bemerkbar.


Konstantin Neven DuMont – Revolutionsunterstützer
Quelle: NRhZ-Archiv

Nur mit Schaumstoff-Nasen?

Diesmal war laut KStA „eine Solidaritätsaktion der besonderen Art“ gegen so einen unangenehmen Beschluss notwendig – zugunsten von Festkomitee- Präsident Markus Ritterbach, der nicht nur in Konstantin, sondern auch in dessen Geschäftspartner bei MDS, Christian DuMont Schütte, „einen Mit- streiter für die jecke „Revolution“ fand. „Jeck“, weil sie „mit schwarzen Schaumstoff-Nasen auf der Bühne im Zelt neben dem Neven DuMont Haus“  standen, ihrem „Symbol für den Protest gegen das von der linken Rats- mehrheit beschlossene Aus für die Volkssitzung auf dem Neumarkt“. „Wir fordern den Rat auf, den Beschluss zurückzunehmen“, rief Neven DuMont laut KStA. Diesmal also keine braune, sondern eine schwarze Revolution, könnte man erleichtert aufatmen.


Christian DuMont Schütte – auch
Revolutionsunterstützer
Quelle: NRhZ-Archiv

An den Tagen danach jedoch zeigten die Herren des KStA, wie sie demo- kratisch legitimierte  linke Politik aktuell nicht nur in Köln oder Hessen, sondern in der ganzen Berliner Republik verhindern wollen: Unter den Alarm- Schlagzeilen „CDU und Merkel laufen Wähler davon“, „Die SPD als Betriebs- rat der Nation“ und „Warnung vor einem Linksruck“, klärten sie ihre Leser- Innen entsprechend auf – wie immer mal wieder durch Verfälschen und Unterdrücken von Informationen, die diesmal sogar RTL und der SPIEGEL komplett veröffentlichten.  

Klare Hinweise für die SPD

Es ging um Ergebnisse der jüngsten Forsa-Umfrage. „Union verliert an Zustimmung“ warnte der KStA seine LeserInnen, denn: „Das Wahldebakel in Hessen und der Streit um Kochs Wahlkampf“ habe CDU/CSU auf nur noch 35 Prozent abstürzen lassen. Da die SPD laut Forsa aber auch zwei Prozent verlor, müsse sie, so der Redaktionskommentar, „schon genau überlegen, mit welchem Profil sie in die Bundestagswahl 2009 hineingeht: Stützt sie ihre Kampagne vorrangig auf soziale Gerechtigkeit, könnte sie günstigenfalls der lästigen Links-Konkurrenz um Oskar Lafontaine und Gregor Gysi einige Prozentpünktchen abjagen“. Also würde sie besser „Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen, Staatsfinanzen in Ordnung halten“ und dem SPD- Vize Steinbrück folgen, der seine Partei davor warne, „es sich gleichsam als selbst ernannter Betriebsrat der Nation in der linken Kuschelecke gemütlich zu machen“.
 
Mal abgesehen davon, dass die Diffamierung von Gewerkschaftern und der eigenen Partei durch den Finanzminister auch gleich zur Schlagzeile ge- macht wurde: Zu den für Steinbrück und  Konzerne unangenehmen Gewinn- voraussagen durch Forsa für Linkspartei und Grüne fand  man im online- KStA vom 1. Februar kein Wort – wohl weil DIE LINKE danach bundesweit schon auf 14 Prozent kommt, SPD, Grüne und Linkspartei gemeinsam bei 49 landen, während Union und FDP mit 11 zusammen nur 46 Prozent Zustimmung finden. Also doch eine „Revolution“ in Gang bringen – gegen diese für die „Wirtschaft“ fatale Entwicklung? Dann aber keine „jecke“ und nicht nur in Köln, denn hier gilt bekanntlich „Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“.

Nachtrag: „Patrone und Mitstrolche“

Als hätte er durch Schäubles Unterstützung mitbekommen, welch dumme Gedanken ich mir hier am läpptopp über seine Chefs gemacht habe, schiebt ein KStA-Redakteur am Abend des 1. Februar in die online-Ausgabe noch einen Artikel rein, der beweisen soll, dass seine Chefs und das Festkomitee bei ihrem Protest gegen die „linke Ratsmehrheit“ sogar einen echten Kölner Revolutionär auf der Seite haben. Zitat:


Franz Raveaux – Co-Autor von
Karl Marx | Quelle: www.kreis.
aw-online.de
„Der Kölner Karnevalist und Revolutionär Franz Raveaux, wäre er nicht seit 156 Jahren tot, hätte gewiss seine Freude: Tausende Jecke tragen schwarze Schaumstoffnasen und protestieren so gegen das vom Stadtrat beschlossene Verbot der „Volkssitzung“ auf ihrem angestammten Platz, dem Neumarkt. Widerstand gegen die Obrigkeit, das ist eine ursprüngliche Funktion des Karnevals. Und Franz Raveaux steht für das Ziel, jeckes Treiben mit Politik zu verbinden. Der Leitgedanke der von ihm gegründeten Allgemeinen Carnevalsgesellschaft: „Freiheit und Gleichheit im Narren- thum“... Franz Raveaux wurde übrigens wegen seiner revolutionären Um- triebe zum Tode verurteilt. Zu seinem Glück hatte er Köln lange vorher verlassen.“

Mal abgesehen davon, dass Franz Raveaux als einer der Anführer der badischen 48er Revolution und Stadtkommandant von Mannheim von den damals in Köln herrschenden Preußen wegen seiner führenden Teilnahme am Badischen Aufstand zum Tode verurteilt wurde – dieser Kölner Karne- valist hätte sich nie auf die Seite des aktuellen Kölner Festkomitees und seiner Unterstützer aus dem Haus M.DuMont Schauberg gestellt. Der KStA unterschlägt, dass der Revolutionär prinzipiell für „Freiheit und Gleichheit“ kämpfte, weshalb ihn die Kölner Karl Marx und Friedrich Engels am 21./22. Mai 1849 in Mannheim besuchten und aufforderten, zum Schutz der Nationalversammlung – deren Mitglied Raveaux selbst seit 1848 war – mit seinen Truppen nach Frankfurt zu marschieren, um der Konterrevolution zuvorzukommen und eine gesamtdeutsche Erhebung einzuleiten.

Schon 1844 war Raveaux als Journalist in Paris gemeinsam mit Marx Herausgeber der Deutsch-Französischen Jahrbücher gewesen. Und in Texten der 1848 gegründeten und 1849 von der staatlichen Autorität wieder verbotenen Neuen Rheinischen Zeitung, die sich immer mal wieder mit der „Perfidie“ und „Kamarilla“-Nähe des laut Marx „so einfachen Herrn Jusepp Dumont“ von der etablierten Kölnischen Zeitung auseinandersetzen musste, spielt Raveaux eine nicht unwichtige Rolle. Auch in seinen Erinnerungen an diese Zeit würdigt der nach dem NRhZ-Verbot nach England geflüchtete Marx im 14. Band der von ihm und Engels verfassten Werke Raveaux unter der Überschrift „Patrone und Mitstrolche“ als engagierten Kämpfer für Demokratie.

Nach „Jusepp DuMont“ ist übrigens das Kölner Joseph DuMont-Berufskolleg benannt, das im vergangenen Jahr den „Arbeitgeberpreis für Bildung“ von den Preisstiftern Dr. Gerhard F. Braun, Vizepräsident der BDA, und Hartmut Mehdorn, Vorstand der Deutschen Bahn AG, in Berlin überreicht bekam. (PK)

Online-Flyer Nr. 132  vom 06.02.2008

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