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Aktueller Online-Flyer vom 10. Juni 2026  

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Literatur
Zur Montagsdemo in der Bütt in Brandenburg
ELF
Von Rainer Weigt

Zum Rosenmontag grüß ich heute,
mit Helau die Montagsdemo Leute.
Die montags hier zur Demo gehen,
weil  sie die Welt nicht mehr verstehen.
Sie hören viele große Worte
und kriegen nichts ab von der Torte.
 
Im Gegenteil, sie werden belogen,
am Ende mit Hartz IV betrogen.
Merkel will Freiheit, Recht und Menschlichkeit verbuchen,
während wir dies vergeblich suchen.
Doch diese Suche ist schon alt
und macht auch vor den Narrn nicht halt.
 
Die Narrenzahl, das ist die ELF.
Wisst ihr warum? Na gut ich helf.
Die Buchstaben der ELF, so die Idee,
stehen für Egalité, Liberté, Fraternité.
Das war 1789 ein großes Ideal.
Wo ist’s geblieben? Rate mal.
 
Denn mit der Freiheit ist’s nicht weit,
da gibt dir schon der Chef Bescheid.
Entweder tust du dich schön ducken
und denkst nicht mal dran aufzumucken,
sonst fliegst du. Was ist schon dabei?
Dafür bist du von Arbeit frei.
 
Die Gleichheit wird dir ausgetrieben,
wenn du mal wirst aufs Amt beschieden.
Erst wartest du, die Zeit vergeht,
bis man dich durch die Mangel dreht.
und bist du dran, dann hab gut Acht,
sonst wirst du klitzeklein gemacht.
 
Und was ist nun mit brüderlich?
Na warme Brüder sind wir nicht,
doch haben wir dafür, stattdessen,
die Ellenbogen nicht vergessen.
Der Starke nimmt noch von dem Schwachen,
so hat derselbe nichts zu lachen.
 
Wie ist es denn mit den Reformen?
Die Lügen brechen alle Normen.
Um Vielverdiener zu entlasten,
macht man’s wie Tetzel mit dem Kasten.
Mit Schwindel beutelt man die Schwachen,
um noch mehr Kapital zu machen.
 
So lügt man uns die Hucke voll
und feiert den Erfolg wie toll.
Ist die Erfahrung mit Hartz IV
nun auch ein Chaos im Revier.
Das sei normal, heißt es ganz offen.
Die Herrschaft ist ja nicht betroffen.
 
Beispiel: Reform – ist besser machen.
Bei uns geht der Sozialstaat krachen.
So ist es heute weit und breit.
Worthülsen hört man allezeit.
Und fragst du nach des Wortes Grund,
dann war’s ein Test doch nur – na und?
 
Mit Demo-Leut, macht’s gut, Helau
gehe ich heim zu meiner Frau.
Wir trinken einen Schluck, zum Wohle,
auf das Hartz IV der Teufel hole.
Zur nächsten Demo, glaubet mir,
da sind wir sicher wieder hier.

                                                                               

Rainer Weigt wurde 1943 in Dresden geboren und wuchs in Leipzig auf. Als Christ war er nicht Mitglied in der Pionierorganisation, was ihm den Zugang zu höherer Schulbildung verwährte und ihm den Akteneintrag „Staatsfeind" bescherte. Nach seiner Zeit als Bausoldat fiel er dem System durch seine Aktivitäten während des „Prager Frühlings“ auf. Nach Unterzeichnung des „Anschlussvertrages“ an die BRD wurde Weigt vom Arbeitsamt als „Ungelernter“ geführt, danach war er als Elektriker tätig und seit Dezember 2005 wegen seines Gesundheitszustandes gekündigt.

Seit dem Jahre 2004 ist Rainer Weigt aktiver Montagsdemonstrant und Mitglied verschiedener sozialer Initiativen. Seit 2006 ist er parteiloser Mitarbeiter im Redaktionsteam von „Die Linke aktuell“.

Foto: Kaspar von Loeben

Online-Flyer Nr. 132  vom 06.02.2008

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