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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Filmclips
Polizeiübergriff im WDR
Von Peter Kleinert



Filmclip PolizeiuebergriffDieser Magazinbeitrag für die Aktuelle Stunde im WDR entstand 1989. Im Exposé hatten wir beschrieben, wie Kölner Polizisten im Laufe des Jahres immer mal wieder türkische Jugendliche, einen Schwulen und antifaschistische DemonstrantInnen mißhandelt hatten, ohne - trotz Anzeigen der Betroffenen - zur Rechenschaft gezogen zu werden. Anlaß für das Filmprojekt war eine Kundgebung, durch die Schüler und Studenten ein Neonazitreffen in einem Gasthaus verhindern wollten. Unsere Videoaufnahmen von dieser Antifa-Demo beeindruckten den zuständigen AKS-Redakteur. Er gab uns den Auftrag für eine Sendung.

Als wir die Reportage zum vereinbarten Termin - mit dem Kommentartext wie damals üblich für die Sprachaufnahme im Sender auf Papier - abliefern wollten, war unser Redakteur verreist. Sein Vertreter schaute sich den Film mit den Interviews und Polizeiübergriffen an und erklärte: „Das kann ich so nicht senden." Frage: Warum? „Da fehlt eine Stellungnahme des Polizeipräsidenten." Antwort: Die ist laut Exposé nicht vorgesehen. Er: „Dann wird der Film auch nicht abgenommen."

Also vereinbarten wir - ziemlich sauer - einen Termin im Polizeipräsidium. Der Sprecher des PP schaute sich den Film an, antwortete anschließend auf unsere Fragen, wir setzten seine Stellungnahme ans Ende des Films und brachten den wieder ins AKS-Büro des WDR. Der Redakteur schaute ihn anund ließ mich im Tonstudio den Kommentartext einsprechen. Gesendet wurde der Film nicht. Begründung am Telefon: „Der Beitrag ist zu einseitig."

Als sein Kollege von der Reise zurück war und sich den Film im Studio von KAOS Film- und Video-Team anschaute, sagte er - ziemlich sauer: „Natürlich hätte ich das gesendet, ohne Euch wegen der Ausgewogenheit ins Präsidium zu schicken. Denn nach Eurem Interview mit dem Polizeisprecher hat der im Sender angerufen und dafür gesorgt, daß Euer Beitrag nicht gesendet werden durfte."

Den nicht gesendeten Film hat der WDR übrigens bezahlt und die mit dem eingesprochenen Kommentar versehene Fassung wohl ins Archiv für zensierte Sendungen gelegt. Deshalb gibt es hier nur die Fassung mit den O-Tönen ohne Kommentar.

Anmerkung zur aktuellen Fotogalerie über die von Wuppertals Oberbürgermeister Jung verbotene Ausstellung zu Polizeiübergriffen im Januar 2008: Wahrscheinlich hat für das Verbot der Ausstellung auch ein Anruf aus dem Polizeipräsidium genügt - diesmal im Wuppertaler Rathaus. (PK)

Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 130  vom 13. Dezember 2017



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