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Aktueller Online-Flyer vom 11. Juni 2026  

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Medien
Uri Geller schwindelt schneller
Pro 7 eins auf die Löffel
Von Hans-Detlev v. Kirchbach

Einst erhoffte sich Einstein vom Rundfunk einen Siegeszug der Vernunft. Heute aber sehen wir vor allem einen Siegeszug des Okkultismus auf allen Kanälen. Ein Vierteljahrhundert Privatfernsehen hat die Mediensparte „abergläubische Massenverdummung“ als Quotenhit fest etabliert. Jüngstes Beispiel: Die Entmottung des museumsreifen Löffelverbiegers Uri Geller auf Pro 7 („Das Phänomen Uri Geller“ vom 7. Januar). Unser Fernsehkritiker biegt sich vor Lachen. – Die Redaktion
Uri Gaukeley
 
„Dieser Mann ist von dieser Welt. Doch was er tut, wird diese Welt nicht verstehen.“ – Der Off-Sprecher dräut dramatisch, über den Bildschirm schreitet der schwarzgekleidete „Magier“, wie Dracula frisch aus der Gruft, mit seherischem Blick, untermalt von hämmerndem Musikgedröhne.

Mit solchem Geraune soll ein längst abgehalfterter Okkultgaukler als aktueller Medien-Star wiederbelebt werden. Doch dieses Wunder hat mit Übersinnlichem ebenso wenig zu tun wie die schon seit über dreißig Jahren endgültig entlarvte Trickserei des Super-Mediums Uri Geller. Auch die Pro 7-Präsentation ist nichts als suggestiv hingefingerte Illusion. Einst, in den 70er Jahren, scharten sich ganze Armeen naiver, abergläubischer Pseudo-Wissenschaftler um den vermeintlich telepathisch-telekinetischen Mirakel-Mann. Ihnen allen voran der Lehrstuhlinhaber für sogenannte Parapsychologie an der Universität Freiburg, Hans Bender, der seine Karriere in der okkultgläubigen Nazizeit begonnen hatte.


Hält grad mal eine Seilbahn an – Geller zu Beginn seiner Karriere
www.uri-geller.com

Heute geistert Uri Geller, statt durch irregeleitete „wissenschaftliche“ Fachveröffentlichungen, nur mehr durch „Bild“ und „Bunte“ – und natürlich durchs Krawallfernsehen, wie jetzt auf Pro 7. Das allein müßte bei klarem Verstand stutzig machen. Einer, der sämtliche Konstanten der Physik umstürzt, so den Grundsatz, daß ohne physikalische Verursachung keine physikalische Bewirkung möglich ist, müßte eigentlich mindestens 50 Nobelpreise im Sonderpaket erhalten, statt durch elektronische Schaubuden zu tingeln. Er müßte als „Jahrtausendgenie“, als Überwinder Newtons, ja Einsteins gelten. In Wirklichkeit reimt sich der Name Geller außerhalb der Sphären von Unterhaltungsindustrie und Esoterikszene aber nur auf „Scharlatan“.
 
„Staunen statt begreifen“
 
Dieses gegenaufklärerische Motto stellt Pro7 seiner sensationsheischenden Gellerei voran. Die Welt, die dem Dummschwatz des Trailers zufolge „nicht versteht“, was der Hexenmeister fabriziert, soll ja auch tunlichst nichts „begreifen“. Hirn ausschalten ist angesagt, wo es ums „Einschalten“, also um die Quote geht. Da muß man Okkultgerümpel schon als Neuware verhökern, in der berechtigten Annahme, daß heute kaum ein Fernsehkonsument in Zeitungsarchiven oder auch nur im Internet auf historische Berichte über die Entlarvung der Gellerschen Blendwerke stößt. Vergeßlichkeit und die allgemeine Bildungskatastrophe können die Pro 7-Planer denn auch begründet hoffen lassen, daß ein paar Millionen naiver Zeitgenossen wieder mit schafsgläubigem „Staunen“ auf den Bildschirm starren, das der Okkultkritiker Prof. Otto Prokop bereits vor 35 Jahren bei der medienverdummten Anhängerschaft des übersinnlichen Besteckquälers klinisch diagnostizierte. „Gesichter voll dummgläubiger Verblüffung“ beobachtete der streitbare Gerichtsmediziner der Humboldt-Universität bei den Auftritten des Gauklers und fühlte sich an seinen Lateinunterricht erinnert: „So muß der zaubergierige Lucius bei Apuleius dreingeschaut haben, als er sich am Ende in einen Esel verwandelt wiederfand.“


Hat natürlich auch einen Verleger – Uri Geller
www.mtb-news.de



Zauberhaft: Politiker einfach weghexen
 
Würde den Pro 7-Zuschauern bekannt, was „die Welt“, jedenfalls deren informierter Teil, über die Fingereien des Herrn Geller längst weiß, fiele die Quote wohl ganz ohne Zauberei weit nach unten. So muß zwecks möglichst optimaler Placierung von Werbeblöcken die Pro 7-Klientel vom „Begreifen“ abgehalten werden. Folglich kann denn der „Psi“- Illusionist unkorrigiert, von kritischen Experten unbehelligt, im Anheizfilm der zehnteiligen Geller-Serie seine PR-Märchen verbreiten lassen: Legenden über seine parapsychischen Energien, mit denen er unschuldige Löffel, wenngleich sinnlos, nur durch Gedankenströme verbiege, seine magischen Kräfte, mit denen er via Fernsehen tausende von Uhren zum Stehen oder wieder zum Laufen bringe, und seine Mega-Erfolge als Wünschelrutengenie. Denn Öl und Gold will er in Hülle und Fülle für auftraggebende Konzerne gefunden und dabei Millionen verdient haben.
 
In der Uri-Hysterie der 70er Jahre gingen einige, wie Prokop meint, „ganz Dreiste“ das Fernsehen um Schadensersatz an, da sich bei Gellers TV-Auftritt ihr Besteck verbogen habe oder Omas geerbte Standuhr verreckt sei. Doch fehlte es gelegentlich nicht an durchaus vernünftigen Vorschlägen. So regte ein Heilpraktiker in der WELT vom 12. 2. 1974 an, die „Geller-Kräfte im Dienst der Politik“ einzusetzen, nämlich mit telepathischen „Störströmen“ Bundestagsabgeordneten und sonstigen Politikern den „Gedankenfaden“ abzuschneiden“ und sie durch Stottern bloßzustellen. Ja, wenn da aber nur was zum „Abschneiden“ wäre.
 
James Randi: Geller entzaubert
 
Die politische Emanzipation wird gleichwohl ohne Gellerkräfte stattfinden müssen. Denn längst ist gerichtsfest dokumentiert, daß alle Kunststücke, die Uri seinen Gläubigen vorführt, auf Bühnentricks, purer Mechanik, Präparation

Eine Million $ Preisgeld ausgelobt
– James Randi
Quelle: geniusrealms.com
von Materialien, Suggestion und schlichtem Schwindel beruhen. Der wohl unnachsichtigste Geller-Gegner James Randi, ein weltberühmter Bühnenzauberer, hat in unzähligen Vorträgen und TV-Demonstrationen in den USA und Europa Gellers „Effekte“ mit klassischer Artistik nachgestellt. Er hat somit bewiesen, daß für Uris kaputte Uhren ebenso wie für seine krummen Löffel „übersinnliche“ Fähigkeiten nicht erforderlich sind, sondern nur geschickte Hände und suggestive Begabung. Zur „Erklärung“ der Gellerschen Mirakel müssen also „höhere Mächte“ oder auch nur eine bisher unbekannte (para-)physikalische „Kraft“ nicht bemüht werden.

Für den Autor dieses Beitrages war es jedenfalls höchst aufschlußreich, als James Randi im September 2004 bei einer Tagung des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten in Köln-Deutz praktisch vorführte, wie sich ohne Telekinese oder magische „Energien“ nur mit gekonnten Handgriffen Löffel biegen und brechen sowie Uhren anhalten lassen. Daß zudem während einer zweistündigen Sendung irgendwo auch ein paar Uhren stehenbleiben oder wieder anlaufen, entspricht nur der statistischen Wahrscheinlichkeit. Auch für Gellers sagenhafte Öl- und Goldfunde gibt es außer seiner eigenen Behauptung keinerlei Beweise. Das „Ausschlagen“ der „Wünschelrute“ wiederum ist überdies spätestens seit der vorletzten Jahrhundertwende primär als physiologische Reaktion auf die Anspannung durch das Halten der Rute erklärt („ideomotorische Bewegung“, Kohnstamm-Effekt), hat also mit übersinnlichem Empfang geheimnisvoller „Ausstrahlungen“ nichts zu tun. „Treffer“ ergeben sich dann wiederum nach statistischer Wahrscheinlichkeit durch Zufall.

Keine Zauberei: Okkultismus als Markenartike
 

Damit man einschaltet – auf
der Pro 7-Seite kaum erkenn-
bar Quelle: www.pro7
Weniger auf Zufall beruht der Erfolg des Geschäftsmodells Uri Geller. Er ist vielmehr das Resultat eines von Anfang an kühl inszenierten Produktplacements. Uris erster israelischer Manager erinnerte sich im Pro 7-Film, der junge Artist, der zunächst in Israel als Wunderphänomen gefeiert wurde, habe filmreif gut ausgesehen; sein Gesicht sei in Verbindung mit seiner Showbegabung „Millionen wert“ gewesen. Genau darum aber ging und geht es, wie in jeder professionellen Show. Nur mit dem Unterschied, daß „Zauberkünstler“ wie James Randi oder auch David Copperfield nicht mehr beanspruchen als handwerklich geniale Trickkunst. Uri Geller hingegen umgab sich mit „übersinnlicher Aura“ und erschuf sich selbst so als spezifische „Produktlegende“ mit erhöhtem Umsatzpotential.
 
Daran will jetzt auch Pro7 teilhaben, mit höchstmöglichen Quoten für seine zahlende Werbekundschaft. Zwecks überirdischer Euromehrung stehen nun noch neun Folgen einer spiritistischen Casting-Show ins Haus: Als Dieter Bohlen des Übersinnlichen soll Uri aus einer Schar von Bewerbern seinen legitimen Nachfolger auswählen. „The Next Uri Geller“ wird uns also nicht erspart bleiben. Auch Uri II. aber wird sicher nicht die eine Million Dollar gewinnen, die James Randi für denjenigen ausgesetzt hat, dem ein eindeutiger Beweis seiner „paranormalen“ Fähigkeiten gelingen sollte. (PK)

Sendetermine: „The Next Uri Geller“, ab 8. 1. jeden Dienstag 20.15, Pro 7.
 
Info-Tipps:
 
Otto Prokop/Wolfgang Wimmer: Der moderne Okkultismus. Neuauflage des Klassikers – Verlag: Voltmedia, Paderborn 2006, ISBN 3-938478-97-7
 
James Randi: An Encyclopedia of Claims, Frauds, and Hoaxes of the Occult and Supernatural 1995, 2006 komplett ins Internet gestellt

James Randis Homepage: http://www.randi.org
 
Auf Youtube finden sich Videos von James Randi, in denen er die Methoden Uri Gellers und anderer Okkult-Trickser demonstriert (z.B.: „James Randi exposes Uri Geller“; „James Randi explains a Uri Geller performance“). Geller versucht freilich, Youtube zur Entfernung aller Videos zu zwingen, in denen seine Täuschungen vorgeführt werden.

Online-Flyer Nr. 129  vom 16.01.2008

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