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Aktueller Online-Flyer vom 28. August 2016  

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Lokales
Seit sieben Jahren alle 14 Tage auf der Domplatte
Juttas Suppenküche
Von Rudi Rute

Erster Weihnachtstag 12.40 Uhr. Es ist kalt auf der Domplatte, dennoch stehen rund drei Dutzend Obdachlose und bedürftige Mitbürger/innen vor dem Domforum und warten. Plötzlich kommt Unruhe auf, und verhaltene Jubelrufe verwehen im scharfen Winterwind. Mit großem Hallo wird "Jutta " schon von weitem begrüßt, als sie schwer bepackt mit Taschen und einem großen Topf aus der Tiefgarage kommt und sich die kaputte Rolltreppe heraufschleppt.

Sofort eilen ihr einige aus der Gruppe entgegen, um ihr den Rest des Weges zu helfen. Dann geht alles ganz schnell: ruckzuck steht der Topf auf einem Klapptisch, zügig zieht sie Teller und Suppenkelle aus den Taschen, derweil die Gruppe schon anfängt, sich in einer Reihe hintereinander aufzustellen. Kaum fünf Minuten später hat der Erste bereits seinenTeller warme Suppe in der Hand und dazu auch gleich drei Tafeln Schokolade, die Jutta von einem namenlosen Sponsor mitgebracht hat.

Keine großen Gesten oder Reden begleiten das Geschehen, und auch die Disziplin der "Straßenleute" erscheint angesichts ihrer zum Teil wilden Erscheinungen erstaunlich. 20 Minuten später ist alles vorbei, der Topf ist leer, und Jutta packt die "Küche" wieder ein. Gleichzeitig zieht sie noch ein paar Handschuhe, Decken und allerlei brauchbare Kleinigkeiten aus den Taschen, die zum Überleben auf der "Platte" in dieser Jahreszeit wichtig sind. Zielsicher verteilt sie die Sachen mit Fachfrauenblick an die Umstehenden, die es am dringendsten brauchen. Keiner murrt oder fühlt sich zu Unrecht übergangen. Jeder weiß, Jutta kann nur verteilen, was sie hat.

Suppenküche auf der Domplatte
Suppenküche auf der Domplatte
Foto: Rudi Rute



Jutta erzählt, dass normalerweise nun alle ihrer Wege gehen, nur heute verweilen die Leute etwas länger wegen der Musik. "Magic Street Voices" hatte sich an diesem Morgen eingefunden um zu Juttas Ehren und für ihre obdachlosen Freunde ein kleines Ständchen zu geben. "Partytime op d´r Plaat!" Lauter Jubel und Beifall für Jutta bedacht, als die Straßenmusiker stellvertretend für alle Anwesenden ihr für ihren jahrelangen ehrenamtlichen Einsatz Dank aussprechen. An gefangen hat das alles einmal damit, dass sie in der Vorweihnachtszeit einen Obdachlosen mit einem Schild in der Hand, Aufschrift: "Keine Wärmestube für Obdachlose" sah und ihn angesprochen habe, erzählt Jutta. Spontan kam der selbständigen Gastwirtin dadurch die Idee, zu Weihnachten einen großem Topf warme Suppe auf die Domplatte zu bringen. Das hieß: für rund 80 Leute Suppe kochen. Aus der einmaligen Unterstützung wurde inzwischen eine regelmäßige Sache!

Seit sieben Jahren kommt Jutta nun alle 2 Wochen auf die Domplatte und wird dabei immer sehnsüchtiger erwartet. Ein Teil der Obdachlosen steht meistens bereits unten im Parkhaus, um Suppe, Brot, Teller, Löffel und die restlichen Lebensmittel zu tragen. Oben am Domforum stehen dann die anderen und warten auf das warme Essen. Ein gelbes Schild mit der Aufschrift "Jutta´s Suppenküche für Obdachlose" macht auch die, die ihre "Institution" bisher noch nicht kannten, darauf aufmerksam. Inzwischen wird sie von großen Unternehmen mit Lebensmitteln unterstützt, sagt Jutta. Außerdem bekommt sie von Freunden und Bekannten Kleidung, Decken, Schlafsäcke, Isomatten und vieles mehr geschenkt. Was sie nicht bekommt, aber dringend benötigt wird, kauft sie von den erhaltenen Geldspenden. Da das nicht reicht, bezahlt sie viele Sachen auch aus der eigenen Tasche.

Ein Tierarzt aus engagiert sich ebenfalls seit kurzer Zeit und kümmert sich um die Hunde der Straßenleute, und eine Firma schenkt ihr regelmäßig Hundefutter für die Tiere. Einmal war der Arzt bereits mit ihr auf der Platte, um sich die Hunde genau anzusehen und um sie zu impfen. Einige der Obdachlosen kommen inzwischen zu ihm in die Praxis, um die Tiere dort für einen geringeren Preis behandeln zu lassen.

Jutta: 'Mit Leib und Seele dabei.'Selbst in der Weihnachtszeit, in der vermehrt Beschwerden von Passanten kommen, drücke die Stadt Köln, in Person von Polizei und Ordnungsamt, beide Augen zu, erzählt Jutta stolz. Also eine "Kölsche Lösung" die unser viel gescholtenes Ordnungsamt mal in ein positives Licht rückt. Die vorbeilaufenden Passanten hingegen spalten sich in drei Gruppen. Den einen ist es einfach egal, und die anderen beschimpfen sie mit Sprüchen wie "...und das alles von unseren Steuergeldern", obwohl Jutta alle Kosten selbst trägt. Die dritte Gruppe hilft ihr durch aufmunternde Worte, kleine Sach- oder Geldspenden oder die Leute sprechen ihr Mut zu, weiterzumachen.

Auch Alkohol ist vor Ort kaum ein Thema; sagt Jutta, denn die allermeisten Obdachlosen seien keine "Alkis", sondern distanzierten sich stark davon. Zum Abschluss sagt sie: "Ich bin mit Leib und Seele dabei und habe es bis heute nicht bereut, dies angefangen zu haben." Die NRhZ dankt Jutta für ihr ehrenamtliches Engagement an der Basis und wünscht ihr weiterhin viel Glück.

Wer für die "Suppenküche" spenden will oder Sachspenden hat, kann sich unter der e-mail Adresse ds@yupp.de melden .

Spendenkonto:
Schulte / Tafel,
Degussa Bank,
Kontonummer 221641,
BlZ 500 10 700


letztes Bild:
Jutta: "Mit Leib und Seele dabei."
Foto: Rudi Rute


Online-Flyer Nr. 26  vom 11.01.2006

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