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Inland
Der Fern-Seher – Folge 24
So bleiben denn Glaube, Liebe, Hoffnung…
Von Ekkes Frank

Seit letztem Donnerstag glaubt die SPD auch nicht mehr an den Weihnachtsmann. Der erschien in diesem Jahr 2007, verkleidet als Jörg Schönenborn, in den „Tagesthemen“, und er hatte heuer keinen Sack voller Geschenke, sondern nur die Rute dabei.
Und besonders schmerzhaft war es eben für die Sozen, die sich doch solche Mühe geben, seit Jahren, keine mehr zu sein, sondern einfach eine Partei wie jede andere, ein bisschen christlich angehaucht, ein bisschen liberal, ein bisschen national und um Gottes Willen bloß nicht mehr links. Gerade mal noch 28 Prozent würden sie zurzeit wählen, diese, diese – ja, wie könnte man sie denn nennen?
 
Somnambuldemokraten vielleicht? Egal. Tiefer gesunken waren sie nur noch im September, auf 27 %. Ja, woran liegt das denn, um Himmels Willen?! Nun, es könnte sein, dass inzwischen nur noch die Menschen SPD wählen, für die diese Partei (auch diese Partei natürlich) Politik macht: jene Menschen nämlich, bei denen der viel zitierte Aufschwung angekommen ist. Auch der Nikolaus Ohnebart, Künstlername Schönenborn, war bass erstaunt: 81 %, die nichts von dem Aufschwung verspüren, so sagte er sichtbar erschüttert, „das sind fast alle“.
 
Dann sind es ja sogar noch mehr als alle, die dafür sind, die gerade auch von den S-Demokraten fleißig mitveränderte Rentenregelung möglichst schnell wieder zu kippen – 91 % sind gegen die Rente mit 67. Für einen Mindestlohn hinwiederum, nicht bloß bei der Post, sondern auch in anderen Branchen, sprechen sich ebenfalls um die 80 % der Deutschen aus. Nimmt man dann auch noch das Ergebnis dazu auf die Frage „Geht es in Deutschland gerecht zu?“ – 57 % meinen Nein, nur 38 % Ja – dann vergeht auch dem Fern-Seher das lockere Scherzen. Das ist ja furchtbar! Was ist denn bloß los mit diesem einst so braven, zufriedenen, fleißigen, bescheidenen, vorbildlichen Volk? Und wie kann dieser grauenhaften Entwicklung wohl abgeholfen werden?
 
Aber keine Bange, liebe Leserinnen und Leser! Wir sind ja nicht nur immer noch wieder wer, wir sind vor allem auch weiterhin Papst, und so haben wir uns ganz passend zur Stimmungslage eine entzückende Enzyklika geliefert. „Spe salvi“, so heißt sie, und das heißt auf deutsch so viel wie „Gerettet durch die Hoffnung“. Was der Mensch brauche, sei Gott. Also nicht etwa diese ganzen komplizierten Theorien da, die uns seit Jahrhunderten von (auch) deutschen sogenannten Denkern verzapft werden, ob sie nun Immanuel Kant heißen oder Karl Marx oder Francis Bacon. Nichts hilft uns alle Wissenschaft, schon gleich gar nicht ein „wissenschaftlicher Sozialismus“ (igitt, ähbäh), sondern allein der Glaube. Und die Hoffnung. Sagt der Papst.
 

Unser Fern-Seher
 Foto: NRhZ-Archiv
Also hofft auch der Fern-Seher, nämlich dass die Deutschen endlich wieder glauben lernen, was ihnen doch zum Beispiel auch die kluge Kanzlerin so eindringlich nahe bringt, dass nämlich der Aufschwung eben doch für alle da ist, so wie der Herr Jesus, und eben nicht nur für die 18 %, die das heute schon glauben bzw. wissen, weil sie ihre Jahres-Einkünfte um gut eine Million Euro auf 13,5 Millionen gesteigert haben wie z.B. der Herr Ackermann von der Deutschen Bank.
 
Andererseits – irgendwie ist das ja doch ein bisschen sehr protestantisch angehaucht, dieses „allein durch den Glauben“ und so. Für alle, die ähnliche Zweifel haben, gibt es zum Glück eine Alternative, und die kommt – wie so vieles Gute – aus den USA. Keine Enzyklika, sondern eine Anzeige, eine ganze Seite groß in der SZ vom 1. Dezember. Und sie soll nicht nur die Deutschen glücklich machen: „Was die Welt jetzt braucht“, steht da fett und groß als Überschrift, „ist ein starker Dollar.“ Die Annonce kommt von – nein, nicht von George W. Bush und seinen Glaubensbrüdern, sondern von den anderen Hackfleischproduzenten Burger King, die versprechen „eine neue, stabile Währung auszugeben: den WHOPPER Dollar“.
Und dann kommt der wirklich denkwürdige Satz: „Mit einem appetitlichen ‚In Beef we trust’ grüßt…“ Das ist großartig! Weiter so, kann der Fern-Seher da nur sagen! Wir vertrauen auf das Rindvieh. Unsere Hoffnung ist das Rindvieh. Was kein deutscher Kabarettist sich zu sagen trauen würde, wenn er überhaupt darauf käme, ruft uns der „Secretary of Taste, UNITED STATES OF BBQ – Unterschrift unleserlich“ zu.
 
Beruhigt lehnt sich der Fern-Seher in seinem Sessel zurück, so wie wahrscheinlich auch alle SPD-Mitglieder, die das hier lesen, sowie alle sonstigen zutiefst an der traurigen Realität Verzweifelten, in der Gewissheit: Alles wird gut, Rindvieh sei Dank! (PK)

Online-Flyer Nr. 125  vom 12.12.2007

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