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Medien
US-Serienoffensive zur psychologischen Kriegsführung bei SAT 1
Star-Power und „Haudrauf-Patriotismus“
Von Hans-Detlev v. Kirchbach
Der Privatkanal Sat 1 scheint eine Vorliebe für militaristisch geräucherte Propagandaschinken zu hegen. Das in der sendereigenen Werkstatt entwickelte PR-Format „GSG 9“, eine mit naivem Gemenschele und aufgesetzter Action klobig zusammengekloppte Heldenserie um die zu Recht umstrittene gleichnamige Spezialeinheit der paramilitärischen „Bundespolizei“, ist zwar - einstweilen - ausgelaufen. Eine zweite Staffel wird laut Sat1 gedreht. Man darf skeptisch bleiben. Denn selbst dröhnender Werberummel konnte die durchsichtige Imagepolitur nicht zum Straßenfeger hochjubeln; kein Wunder angesichts krampfiger Plots und hölzerner Schauspielkünste in dieser liebedienerischen Lobhudelei. Professioneller als solch treudeutsche Hausmannskost aus der SAT1-Gulaschkanone präsentiert sich da schon, was in den Labors der US-amerikanischen psychologischen Kriegsführung, zum Kampfeinsatz an der Heimatfront als „spannende Fernsehunterhaltung“ getarnt, zusammengerührt wird.

Dennis Hopper – das war einmal
Quelle: peacecorpsonline.org
Kommißköppe alias „Military Minds“
US-Produzent Jerry Bruckheimer, erfolgreich u.a. mit der Forensik-Serie „CSI“, langte in diesem Genre anno 2005 richtig fetzig zu, wenigstens, was unverblümten Militarismus und schamlose Propaganda betrifft. „E-Ring - Military Minds“ spielt in einem studiosimulierten „Pentagon“, also dem US-Kriegsministerium. Dieses ist - daher auch die Bezeichnung „Pentagon“ - in Form von fünf Ringen aufgebaut. „E-Ring“ gaukelt mithin Louisa Miller in den USA und, dank SAT 1, seit dem 15. November auch Lieschen Müller in der BRD vor, einen echten Blick in den „innersten Ring“ des geheimnisvollen Zentrums der US-Militärmacht zu werfen.
Tagelang warb Sat1 für die Reihe; im zigfach wiederholten PR-Trailer verkündete der Top-Star der Serie martialisch: „Wir können zwar eine Schlacht verlieren, aber wir werden den Krieg gewinnen.“ So wird die Zielbotschaft ins Hirn des Zuschauers gehämmert: Unser Krieg gegen das Böse, gegen den Terrorismus, ist notwendig, und wir werden siegen.

".....aber wir werden den Krieg gewinnen", so warb Sat1
Quelle: www.militaryplaques.com
Easy Rider's neue Kluft: Full Metal Jacket
Bei jenem „Top-Star“ handelt es sich um einen gewissen Dennis Hopper. Ja, liebe 68er-Freaks und Vietnam-Demo-VeteranInnen, eben jener. Ein weiter Weg führte den „Easy Rider“ von der Born-to-be-wild-Anarchie mit Vollbart und frohsinnigen Kifferpausen zum stahlgrau glattrasierten Chefheroen-Image in ordensglitzernder Generalsuniform. Was auf den ersten Blick als glanzvolle Rollenkarriere erscheinen mag, deprimiert den Rezensenten freilich im Gegenteil als menschliche Degradierung, als tragisches Symbol künstlerischen Abstieges. „Das pustet das Gehirn recht kräftig durch“, erkannte in „Easy Rider“ Jack Nicholson, als er mit Peter Fonda und Dennis Hopper an der Tüte zog. Vierzig Jahre später aber ist nicht „Gehirn durchpusten“ angesagt, sondern Gehirnwäsche im Stil der 50er Jahre. Der wohl auch Jahrhundert-Schauspieler Hopper zum Opfer gefallen ist und mit ihm ein Großteil der exliberalen US-Bourgeoisie. Jener „Haudrauf-Patriotismus“, den die Fernsehillustrierte „TV Today“ als hervorstechendes Merkmal dieser Pentagon-Propaganda ausmacht, ist in den USA selbst bei Intellektuellen und Künstlern wieder salonfähig.
Aus der Geschichte lernen stets die Falschen
Doch ist das öffentliche Nein zum weltweiten Bush-Krieg „gegen den Terror“, also für Einflußsphären und ungehinderten Rohstoffzugang, noch nicht ganz verstummt. Immer wieder bricht Kritik am Irak-Desaster und den Bombardements in Afghanistan unter dem hohnvollen Signum „Enduring Freedom“ auf; gerade in den letzten Wochen gab es in den USA große Friedensdemonstrationen. Als Dennis Hopper noch eine der Ikonen pazifistischer Gegenkultur war, entzogen bekanntlich Massenproteste dem US-Krieg in Vietnam die Zustimmung im eigenen Land. Aus dieser Erfahrung hat der militärisch-industrielle Komplex seine ganz eigenen Konsequenzen gezogen. Zu den zeitgemäßen Strategien, die mentale „Wehrbereitschaft“ zu fördern, gehört daher neben Verschleierung durch „embedded journalism“ auch Propaganda-Entertainment wie „E-Ring - Military Minds“.

Wie von ihm bestellt: Propaganda-Entertainment
Quelle: wikipedia
Abwehrabschaltung der Gehirnwaschmaschine
Welche, sagen wir, Denkvorgänge oder auch äußeren Anstöße mögen aber den Generalstab des deutschen Werbesenders Sat1 veranlaßt haben, diese Stimmungsmache anzukaufen, aufwendig zu synchronisieren und auszustrahlen? Vielleicht jedoch führt wenigstens die Propagandapenetranz beim Publikum zu angemessener Abwehr nach dem Motto: Man fühlt die Absicht und ist verstimmt. Gegen derlei militaristische Agitationsattacken empfiehlt sich eine denkbar simple und überdies völlig pazifistische Defensivwaffe: Fernbedienung mit Abschaltknopf. Ausnahmsweise gilt diesmal sogar: Von Amerika lernen heißt siegen lernen. Denn, so „TV Today“: Der „Patriotismus-Mief war selbst den Amis zuviel“, so daß die schmissige Schmonzette nach einer Staffel mangels Quote eingestellt wurde. (PK)
Online-Flyer Nr. 122 vom 17.11.2007
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Medien
US-Serienoffensive zur psychologischen Kriegsführung bei SAT 1
Star-Power und „Haudrauf-Patriotismus“
Von Hans-Detlev v. Kirchbach
Der Privatkanal Sat 1 scheint eine Vorliebe für militaristisch geräucherte Propagandaschinken zu hegen. Das in der sendereigenen Werkstatt entwickelte PR-Format „GSG 9“, eine mit naivem Gemenschele und aufgesetzter Action klobig zusammengekloppte Heldenserie um die zu Recht umstrittene gleichnamige Spezialeinheit der paramilitärischen „Bundespolizei“, ist zwar - einstweilen - ausgelaufen. Eine zweite Staffel wird laut Sat1 gedreht. Man darf skeptisch bleiben. Denn selbst dröhnender Werberummel konnte die durchsichtige Imagepolitur nicht zum Straßenfeger hochjubeln; kein Wunder angesichts krampfiger Plots und hölzerner Schauspielkünste in dieser liebedienerischen Lobhudelei. Professioneller als solch treudeutsche Hausmannskost aus der SAT1-Gulaschkanone präsentiert sich da schon, was in den Labors der US-amerikanischen psychologischen Kriegsführung, zum Kampfeinsatz an der Heimatfront als „spannende Fernsehunterhaltung“ getarnt, zusammengerührt wird.

Dennis Hopper – das war einmal
Quelle: peacecorpsonline.org
Kommißköppe alias „Military Minds“
US-Produzent Jerry Bruckheimer, erfolgreich u.a. mit der Forensik-Serie „CSI“, langte in diesem Genre anno 2005 richtig fetzig zu, wenigstens, was unverblümten Militarismus und schamlose Propaganda betrifft. „E-Ring - Military Minds“ spielt in einem studiosimulierten „Pentagon“, also dem US-Kriegsministerium. Dieses ist - daher auch die Bezeichnung „Pentagon“ - in Form von fünf Ringen aufgebaut. „E-Ring“ gaukelt mithin Louisa Miller in den USA und, dank SAT 1, seit dem 15. November auch Lieschen Müller in der BRD vor, einen echten Blick in den „innersten Ring“ des geheimnisvollen Zentrums der US-Militärmacht zu werfen.
Tagelang warb Sat1 für die Reihe; im zigfach wiederholten PR-Trailer verkündete der Top-Star der Serie martialisch: „Wir können zwar eine Schlacht verlieren, aber wir werden den Krieg gewinnen.“ So wird die Zielbotschaft ins Hirn des Zuschauers gehämmert: Unser Krieg gegen das Böse, gegen den Terrorismus, ist notwendig, und wir werden siegen.

".....aber wir werden den Krieg gewinnen", so warb Sat1
Quelle: www.militaryplaques.com
Easy Rider's neue Kluft: Full Metal Jacket
Bei jenem „Top-Star“ handelt es sich um einen gewissen Dennis Hopper. Ja, liebe 68er-Freaks und Vietnam-Demo-VeteranInnen, eben jener. Ein weiter Weg führte den „Easy Rider“ von der Born-to-be-wild-Anarchie mit Vollbart und frohsinnigen Kifferpausen zum stahlgrau glattrasierten Chefheroen-Image in ordensglitzernder Generalsuniform. Was auf den ersten Blick als glanzvolle Rollenkarriere erscheinen mag, deprimiert den Rezensenten freilich im Gegenteil als menschliche Degradierung, als tragisches Symbol künstlerischen Abstieges. „Das pustet das Gehirn recht kräftig durch“, erkannte in „Easy Rider“ Jack Nicholson, als er mit Peter Fonda und Dennis Hopper an der Tüte zog. Vierzig Jahre später aber ist nicht „Gehirn durchpusten“ angesagt, sondern Gehirnwäsche im Stil der 50er Jahre. Der wohl auch Jahrhundert-Schauspieler Hopper zum Opfer gefallen ist und mit ihm ein Großteil der exliberalen US-Bourgeoisie. Jener „Haudrauf-Patriotismus“, den die Fernsehillustrierte „TV Today“ als hervorstechendes Merkmal dieser Pentagon-Propaganda ausmacht, ist in den USA selbst bei Intellektuellen und Künstlern wieder salonfähig.
Aus der Geschichte lernen stets die Falschen
Doch ist das öffentliche Nein zum weltweiten Bush-Krieg „gegen den Terror“, also für Einflußsphären und ungehinderten Rohstoffzugang, noch nicht ganz verstummt. Immer wieder bricht Kritik am Irak-Desaster und den Bombardements in Afghanistan unter dem hohnvollen Signum „Enduring Freedom“ auf; gerade in den letzten Wochen gab es in den USA große Friedensdemonstrationen. Als Dennis Hopper noch eine der Ikonen pazifistischer Gegenkultur war, entzogen bekanntlich Massenproteste dem US-Krieg in Vietnam die Zustimmung im eigenen Land. Aus dieser Erfahrung hat der militärisch-industrielle Komplex seine ganz eigenen Konsequenzen gezogen. Zu den zeitgemäßen Strategien, die mentale „Wehrbereitschaft“ zu fördern, gehört daher neben Verschleierung durch „embedded journalism“ auch Propaganda-Entertainment wie „E-Ring - Military Minds“.

Wie von ihm bestellt: Propaganda-Entertainment
Quelle: wikipedia
Abwehrabschaltung der Gehirnwaschmaschine
Welche, sagen wir, Denkvorgänge oder auch äußeren Anstöße mögen aber den Generalstab des deutschen Werbesenders Sat1 veranlaßt haben, diese Stimmungsmache anzukaufen, aufwendig zu synchronisieren und auszustrahlen? Vielleicht jedoch führt wenigstens die Propagandapenetranz beim Publikum zu angemessener Abwehr nach dem Motto: Man fühlt die Absicht und ist verstimmt. Gegen derlei militaristische Agitationsattacken empfiehlt sich eine denkbar simple und überdies völlig pazifistische Defensivwaffe: Fernbedienung mit Abschaltknopf. Ausnahmsweise gilt diesmal sogar: Von Amerika lernen heißt siegen lernen. Denn, so „TV Today“: Der „Patriotismus-Mief war selbst den Amis zuviel“, so daß die schmissige Schmonzette nach einer Staffel mangels Quote eingestellt wurde. (PK)
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