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Lokales
Initiative für den Umgang mit arbeitslosen Erwachsenen unter 25 Jahren
Neue Wege für die Kölner ARGE
Von Don Franco

Wegen des bisher mäßigen Erfolgs der Kölner Agentur für Arbeit bei der Vermittlung und Weiterbildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 25 Jahren ohne Schulabschluss will, wie vor Monaten bereits angekündigt, das Kölner Sozialdezernat in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt und der ARGE nun die Initiative ergreifen: Mit einem Bündnis für junge Arbeitslose und einer Arbeitskonferenz soll die Beschäftigungssituation junger Menschen verbessert werden.

Stephan Santelmann (rechts) im Gespräch mit 
ARGE-Chef Peter Welters
Quelle:www.kirche-koeln.de
„In Köln gibt es rund 4.000 arbeitslos gemeldete junge Menschen, um die wir uns dringend kümmern müssen. Darüber hinaus gibt es viele junge Menschen in Maßnahmen und in Warteschleifen, die derzeit den Hilfesystemen der Stadt und der Agentur für Arbeit unbekannt sind oder über diese Systeme gar nicht erreicht werden“, so Stephan Santelmann (CDU), Leiter des Amtes für Soziales und Senioren, über den Sinn der Arbeitskonferenz. Von Seiten der Geschäftsführung der ARGE Köln wird überdies darauf hingewiesen, dass insbesondere in sozial schwierigen Stadtteilen viele Jugendliche ohne abgeschlossene Ausbildung sind. Es gäbe zwar Unterstützungsangebote von Elternhaus, Schule, Wirtschaft, Jugendhilfe oder Berufsberatung, jedoch stünden diese häufig unverbunden nebeneinander.
 
Bessere Vernetzung der Angebote gefordert
 
Aus diesem Grunde setzt sich Sozialdezernentin Marlies Bredehorst (Grüne)vor allem für eine bessere Vernetzung der Hilfs-, Weiter- und Ausbildungsangebote ein und erklärt in einem Interview für den Bürgerfunk "Radioclub Böcklerplatz" das Problem der Jugendarbeitslosigkeit zu ihrem persönlichen Anliegen. Um jedoch das grundsätzliche Problem auch im Umgang mit der zum Teil schwierigen Klientel genauer zu erfassen, ist die Arbeitsgruppe zuerst einmal nur im Stadtteil Chorweiler tätig geworden, um praxisnah neue Konzepte zu erarbeiten, die dann gegebenenfalls später als Modell auf das ganze Stadtgebiet übertragen werden könnten.
  
Ein sinnvoller Vorstoß, womit der Realität insbesondere von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den sozialen Brennpunkten Rechnung getragen wird. Auch erscheint es sinnvoll, sich dem Grundproblem erst einmal experimentell auf einen Stadtteil bezogen zu widmen, statt mit Schnellschüssen und öffentlichem Getöse neue kostenintensive Programme vom "Grünen Tisch" herunter anzuregen, die sich später in der Praxis als Pleite erweisen. 


Marlies Bredehorst: „Jugendarbeitslosigkeit persönliches Anliegen“
www.stadt-koeln.de

Mut zum "Querdenken" notwendig
 
Angesichts der anvisierten Klientel braucht es nun Mut zum "Querdenken", da es vor allem auch darum gehen muss, die jungen Erwachsenen wieder mental einzufangen und ihnen Anreize zu geben, sich selbst wieder einzugliedern, da viele von ihnen sich der offiziellen Gesellschaft bereits entzogen haben und als Quote in der Kriminalitätsstatistik schwer bemerkbar machen. Auf der Ebene des Sozialamtes und des Sozialdezernates hat man jedenfalls erkannt, dass der Repressionsansatz an seine Grenzen gestoßen ist und diese Klientel sich ansonsten dem Zugriff völlig entzieht.
 
Es bleibt abzuwarten, ob durch Einstellung von pädagogisch geschultem Personal, Verbesserung der Beratungsatmosphäre, Angebote von Seiten der Arbeitgeber und Vernetzung mit sozialen Trägern die Effizienz erhöht werden kann. Dazu gehört zweifellos auch eine Überarbeitung der zum Teil unsäglichen Satzbausteine im üblichen Umgang der Agentur für Arbeit mit ihrer Klientel, denn diese sind selbst für Menschen, die der deutschen Sprache mächtig sind, oft kaum zu verstehen. Gleichzeitig als präventiver "Hinweis" mit allerlei Androhungen von Sanktionen gespickt, waren diese Formbriefe bisher nicht sehr geeignet, ein Vertrauensverhältnis zur jungen Klientel aufzubauen, das die ARGE bisher eher als Feind anstatt als Helfer ansieht.
 
Wegen der bundespolitischen Vorgaben für die ARGE, die für volljährige wahlberechtigte junge Erwachsene unter 25 Jahren mit Einschränkungen von Leistungen einhergehen, und der ausbeuterischen Realität am Arbeitsmarkt wird dieser Kölner Arbeitskreis sicher auch an seine Grenzen stoßen. Er könnte aber trotzdem Erfolge feiern. Wichtig ist es, auch andere gesellschaftliche Kräfte wie IHK, Arbeitgeber und Gewerkschaften mit einzubinden, um ein solches Programm zu unterstützen. Fazit: Problem erkannt, Ansatz richtig, weiter so. (PK)
 
Das vollständige Interview, das Sozialdezernentin Marlies Bredehorst und Stephan Santelmann, Leiter des Amtes für Soziales und Senioren, dem Bürgerfunk gegeben haben, kann demnächst hier in der NRhZ. als "O-Ton" downgeloadet werden.

Online-Flyer Nr. 118  vom 24.10.2007

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