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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Lokales
Ungewohntes Bild im Beethovenpark
Pferdestärke
Von Hans-Dieter Hey

Vergangene Woche bot sich Kindern und Eltern im Beethovenpark ein ungewohnter Anblick, der heute nicht einmal mehr in Schulbüchern zu finden ist. Kräftig bemuskelte, bis zu zwanzig Zentner schwere Belgier mähten dort den Rasen. Und selbstverständlich handelte es sich dabei nicht um unsere geografischen Nachbarn der menschlichen Art. Vielerorts wird die gutmütige und lebendige Pferderasse – schon seit der Römerzeit bekannt – wieder eingesetzt, um uns bei der Arbeit zu unterstützen. Und das hat Vorteile.

Den Beethovenpark im Blick

Und diese Vorteile kennt Fuhrmeister Elmar Stertenbrink aus Erkrath bei Düsseldorf sehr genau, denn er und seine Kollegen müssen mit dem Einsatz ihrer Pferde  – die Karla, Max Wilhelm und Oskar heißen – ihr Auskommen bestreiten und in den Sommermonaten nach Aufträgen bei den umliegenden Gemeinden nachfragen. Im Winter dagegen werden die Pferde regelmäßig wie in alten Zeiten in der Forstwirtschaft eingesetzt. Der Einsatz ist vielfältig: von der Holzernte über die Bewässerung, bei der Waldkalkung, bei der Gefahrbaumfällung oder bei Maschinenrückung unterstützen die kräftigen Tiere die Arbeit oder bereiten Menschen Freude bei Planwagenfahrten. Auch die Stadt Köln kann durchaus in dieser Hinsicht positiv erwähnt werden, denn sie greift auf die Unterstützung von Elmar Stertenbrink zurück.

Dem Naturschutz eine Chance

Es gibt sehr viele Naturschutzprogramme, die meist feuchtere Flächenwiesen oder Magerstandorte unter einen besonderen Schutz stellen, die deshalb schonend behandelt werden müssen. Solche Flächen haben oft einen Baum- und Buschbestand, und deshalb ist der Einsatz von Traktoren dort häufig nicht möglich. Elmar Stertenbring hat sich in den letzten Jahren eine Vielzahl von Geräten angeschafft, die sozusagen mit Pferdekraft „angetrieben" werden und sich für das Flächenmähen und die Flächenräumung eignen. Deshalb ist er auch auf Aufträge aus den Gemeinden angewiesen, damit sich die Anschaffung lohnt.


„Belgier": Gutmütig und lebendig...

Vom Vorteil seiner „Mähwerke" ist er überzeugt. In Zeiten, in denen der Umweltschutz groß geschrieben werden muss, ist seine Art des Mähens schonend für allerlei Kriechtiere in Wald und Flur. „Wenn der Kreiselmäher da war, springt hier kein Frosch mehr, hat kein Kleintier mehr eine Chance", sagt Stertenbrink. Und so haben auch die vom Aussterben bedrohten einheimischen Schlangen wieder eine Chance, wenn er für die Stadt Düsseldorf die unter Naturschutz stehenden Wiesengebiete mäht.


Umweltfreundlich und zugstark

Die Umweltbilanz seiner Fuhrwerke „Pferd" ist unschlagbar. Manche seiner Arbeitsgeräte haben zwar einen Hilfsmotor, aber die Schonung der Umwelt durch seine Mähgeräte ist dennoch nicht zu übertreffen. Um eine Fläche von 10.000 Quadratmetern zu mähen, braucht er gerade mal zwei Liter Sprit. Der niedrige Verbrauch und die fast gegen „0" gehende CO2-Belastung sind in heutiger Zeit für ihn wichtige Verkaufsargumente. Auch geringere Waldschäden, weniger Fahrspuren und geringer Verlust der Waldanbaufläche hat der Einsatz von Pferden zur Folge. Und während ausrangierte Traktoren auf Hof oder Halde als Altlast nur langsam verrotten, bietet Elmar Stertenbrink seinen mächtigen Kaltblütern Lena und Rosi auf dem Hof die Pferderente.

Kommt das Arbeitspferd zurück?

Was kaum jemand weiß: Weltweit – so wird geschätzt – werden 500 Millionen Tiergespanne eingesetzt, meist in den so genannten Drittweltländern. Ihr Einsatz trägt wesentlich zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei. Sollten diese Länder auf Traktoren umstellen, würde das eine erhebliche zusätzliche Umweltbelastung bedeuten. Selbstverständlich sind moderne Landwirtschaftsgeräte heute nicht mehr wegzudenken. Noch 1949 zählte man in Deutschland rund 26.000 Zuchtstuten. In den 1970er Jahren waren es nur noch einige Duzend – verdrängt durch den technischen Fortschritt. Doch die Kaltblutzucht hat in den letzten Jahren wieder merklich angezogen. Dies ist auch deshalb notwendig, um die Rassen zu erhalten, die fast vom Aussterben bedroht waren. Durch Ausweitung der Zucht und damit Vergrößerung der Genmenge entwickeln sich die Tiere stabiler und haben mehr Schutz vor Schwächen und genetischen Krankheiten.


In Asien völlig normal: Ochsengespann in Myanmar
Fotos: H.-D. Hey, gesichter zei(ch/g)en


Es scheint in vielen Gemeinden aber nicht bekannt zu sein, dass der Einsatz echter „Pferdestärken" durchaus sinnvoll sein kann – auch finanziell. Denn vor einem Kostenvergleich hat Elmar Stertenbrink keine Bange. Einige Kommunen im süddeutschen Raum, beispielsweise Friedrichshafen oder Schwäbisch-Gmünd, nutzen Pferdegespanne, um in den Innenstädten die Blumenrabatten zu bewässern und bieten dabei gleichzeitig eine Touristenattraktion. Bis zu einer Bearbeitungsstrecke von fünf Kilometern sind Pferde die richtigen Partner für diese Arbeiten. Darauf setzt Elmar Stertenbrink auch für die nächsten Jahre, weil seine Pferde „...vieles einfach besser können. Sie machen es pfleglicher, weil wir im Wald pfleglich arbeiten müssen und nicht die Wälder zerstören. Sonst haben wir die Probleme eben später". (PK)

Online-Flyer Nr. 113  vom 19.09.2007

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