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Lokales
„Ich arbeite als Bildungsbegleiterin“
„Körnerstraße 77“ – Folge 16
Von Gilan und Klaus

„Ende August 2006 fing alles mit einem kleinen Plakat an, mit dem wir für die Zeitungs-AG im Viertel geworben haben. Darin stand, dass wir eine Zeitschrift von und für Kinder und Jugendliche in Ehrenfeld machen wollen – über alles, was Kinder und Jugendliche interessiert“, hieß es im Editorial der ersten Ausgabe von „Körnerstrasse 77“. Interviews und Artikel der ersten beiden Heft waren so ideenreich, interessant und spannend, dass wir daraus eine fünfzehnteilige Serie gemacht haben, damit sie auch andere Kölner Kinder und Jugendliche kennen lernen können. Inzwischen gibt es die dritte Ausgabe der „Körnerstrasse 77“ – also auch eine Fortsetzung der Serie in der NRhZ. Die Redaktion.
Gilead
Gilan: "Ich werde lieber Polizistin"

Gilan: Hallo, ich bin die Gilan, ich bin zwölf Jahre alt und wollte Sie fragen, wie Sie heißen?

Frau Reinshagen: Mein Name ist Nicole Reinshagen und ich arbeite beim Internationalen Bund in Frechen. Das ist ein Bildungsinstitut, das unter anderem für Jugendliche da ist, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.

Gilan: Was für einen Beruf haben Sie?

Frau Reinshagen: Von Beruf bin ich Sozialpädagogin und ich arbeite als Bildungsbegleiterin.  

Gilan: Wie viele Jugendliche kommen zu Ihnen?

Frau Reinshagen: Wir haben 84 Teilnehmer pro Maßnahme, die ein Jahr lang bei uns bleiben, also genauer 10 Monate. Und das dann jedes Jahr.

Gilan: Ich bin jetzt in der fünften Klasse und ich mache mir schon jetzt Gedanken, dass ich, wenn ich in der zehnten Klasse die Schule aus habe, ob ich dann eine Ausbildung finden  werde. Bisher habe ich in der Schule sehr gute Noten.

Frau Reinshagen: Das ist natürlich schon mal von Vorteil, wenn man in der Schule gut ist. Welche Schule besuchst du, die Hauptschule oder die Realschule?

Gilan: Die Hauptschule.

Frau Reinshagen: Dann wäre es natürlich schön, wenn du es bis zur 10. Klasse schaffst. Es ist natürlich immer gut, wenn man einen guten Schulabschluss hat, gute Noten. Ganz wichtig ist auch, dass man ganz wenig Fehlzeiten hat, daran sehen die immer schon, dass man fleißig ist. Dann hat man eigentlich ganz gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Gilan: Meine Lehrerin hat gesagt, wenn ich am Ende der sechsten Klasse immer noch so gut bin, dann kann ich auch auf die Real gehen und dann kannst du auch schnell einen Job finden.

Frau Reinshagen: Da hat sie Recht, das stimmt. Je besser der Abschluss, desto besser die Chancen. Was möchtest du mal werden?

Gilan: Ich möchte Polizistin werden.

Frau Reinshagen: Polizistin. Nicht schlecht. Da hast du viel vor.

Gilan: Ich freue mich auf die Schule. Das macht mir alles Spaß. Meine älteste Schwester hat jetzt keine Schule mehr und ich weiß nicht, wie die jetzt einen Job findet.

Frau Reinshagen: Wenn sie noch keinen Job gefunden hat und sie nicht weiß, was sie machen soll, dann ist der erste und beste Schritt immer, wenn man zur Arbeitsagentur geht. Da dem Berufsberater sagt, was man machen möchte und dass man nichts gefunden hat. Und wenn man Glück hat, dann kommt man direkt in so eine Berufsvorbereitungsmaßnahme, wie bei uns.

Gilan: Meine Schwester macht auch ein Praktikum, aber sie weiß nicht, ob daraus richtige Arbeit wird. Mir macht eigentlich Kindergarten auch viel Spaß, aber ich werde lieber Polizistin.

Frau Reinshagen: Du kannst ja alles ausprobieren. Praktika macht ihr ja in eurer Schule bestimmt auch. Und umso mehr du dir anguckst, umso genauer findest du raus, was du machen willst.

Handeren
Handeren: „Bisher nur Aushilfsjobs"

Klaus: Handeren, wie bist du denn zum Internationalen Bund gekommen?

Handeren: Bei mir war das so:  ich habe vor zwei Jahren mein Fachabitur angefangen, habe das aber nur bis zum ersten halben Jahr gemacht, bin dann eine Stufe nach unten versetzt worden, habe da angestrebt, meine Qualifikation zu machen und bin an einer Note gescheitert, und dann bin ich vom Arbeitsamt dahin vermittelt worden. Die haben mir das empfohlen, weil die die meisten Jugendlichen, die noch nichts haben, dort hin vermitteln.

Frau Reinshagen: Auch für Jugendliche, die noch nicht wissen, was sie werden wollen, für die ist das auch ganz gut, die können sich dann in verschiedenen Berufsfeldern ausprobieren, Praktika machen.

Klaus: Und sie helfen den Jugendlichen direkt?

Frau Reinshagen: Ja, ich arbeite als Bildungsbegleiterin, so nennt sich das. Wir haben auch noch Pädagogen, die Bewerbungstrainings machen und bei allen möglichen Problemen helfen, und Anleiter für praktische Sachen.

Klaus: Wie ist der Erfolg?

Frau Reinshagen: Da ich selbst erst im September angefangen habe, und die Jugendlichen auch im September angefangen haben, kann ich dazu noch nicht viel sagen. Aber ich habe jetzt schon einige in Ausbildungsplätze vermittelt, das sieht schon ganz gut aus.

Klaus: Handeren wie alt bist du?

Handeren: 19, ich werde im Dezember 20.

Klaus: Hast du schon mal eine Arbeit gehabt, wo du auch versichert warst?

Handeren: Ich hatte bisher nur Aushilfsjobs gefunden. Auf dem Bau, bei Umbauten, im Lager. Da musste ich keinen Papierkram erledigen.

Klaus: Bis du hier geboren?

Handeren: Ich bin im Irak geboren. Als ich ein Jahr alt war, ist meine Familie nach Deutschland gekommen. (PK)


Die „Körnerstraße 77“-Redaktion wüsste gern, was Euch an den Beiträgen aus dem Heft nicht gefällt und was Euch gefällt und was Ihr Euch für eine Kinder- und Jugendzeitschrift für Ehrenfeld wünscht.

Adresse: Körner Str. 77 – 79, 50823 Köln
Tel: 0221-9521198 – 99, Fax: 0221-9521197
E-mail: koelnerappell@t-online.de
Homepage: www.koelnerappell.de und www.internationaler-bund.de

Spenden zur Unterstützung des Projekts an Kölner Appell
    Konto-Nr. 7042000
    bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00)


Online-Flyer Nr. 113  vom 19.09.2007

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