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Medien
Warum verschweigt der KStA Gedenkveranstaltung für Kriegsgegner in Porz
Ein offener Brief
Von Manfred Demmer

Guten Tag, Herr Sommerfeld,
ich weiß nicht ob Sie sich noch an mich erinnern können. Aber vor über zwanzig Jahren hatten wir ab und zu miteinander zu tun. Als Mitarbeiter beim Parteivorstand der DKP  kreuzten sich unsere Wege. Allerdings kam es dabei nur zu wenigen Gesprächen, war ich doch nur ein „technischer Mitarbeiter“ und Sie damals Chefredakteur der „Roten Blätter“...

Als dann 1989/90 in der  Auseinandersetzung um die „Erneuerung der DKP“ Sie bei jenen zu finden waren, die vorgaben für eine sozialistische Politik einzutreten zu wollen, die in einer „erneuerten DKP“ zum Tragen kommen sollte, und wo nach der Meinung der „Erneuerer“ nicht mehr die „Betonköpfe“ das Sagen haben sollten, wurde auch von mir diese Position kritisch beantwortet. Auch Sie hatten sich ja in dieser, von mir kritisierten Richtung geäußert...

 
Franz Sommerfeld
Quelle: Kölner Stadtanzeiger

Als langjähriger Mitarbeiter bei linken Presseorganen und Chef der „Deutschen Volkszeitung“ sind Ihnen ja die vielfachen Veröffentlichungen in diesem Sinne bekannt. Immer sollten diese Artikel auch dem Zweck dienen, geschichtliche Ereignisse zu schildern, um damit auch Schlussfolgerungen für das „heute“ ziehen zu können.

Nun fand am Samstag, 8. September, in Porz eine Gedenkveranstaltung für die beiden dort am 5. September 1917 hingerichteten Matrosen Albin Köbis und Max Reichpietsch statt. Aufgrund einer Initiative des Kölner SPD-MdB Dr. Rolf Mützenich beim Bundesverteidigungsministerium kam es dann doch zu einer Kranzniederlegung auf dem Gelände. Dort sprach ein Vertreter der Kulturvereinung Leverkusen e.V. – die zu den Veranstaltern gehörte –, der feststellte, dass die Menschen die sich heute für den Frieden einsetzen würden, im Sinne der beiden ermordeten Kriegsgegner handelten.

Giordano im KStA - TV
Sommerfeld (Mitte) mit Ralph Giordano (links) und
DITIB-Sprecher Bekir Alboga im Gespräch über die Moschee
Quelle: KStA-tv


Auch die anschließende Demonstration machte diese Verpflichtung deutlich. Am alten Kasernen-Haupttor auf der Heidestraße in unmittelbarer Nähe zur Militärgeschichtlichen Sammlung der Luftwaffenkaserne Wahn (wo bei einigen der dortigen Darstellungen intensives Nachfragen notwendig wäre) sprach der Bundestagsabgeordnete Gert Winkelmeier, Mitglied des Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages. Er, wie auch – später bei der anschließenden Saalveranstaltung, wo ein Film über die „Marinemeuterei 1917“ gezeigt wurde – der Dipl.-Historiker Günter Judick nahm sowohl zu den historischen Fakten wie zu aktuellen Schlussfolgerungen Stellung. Die aktuelle Forderung „Bundeswehr raus aus Afghanistan“ war nur eine von vielen, die die Teilnehmer auf Plakaten und Transparenten bei der Demonstration deutlich gemacht hatten. Und im Sinne der ermordeten Kriegsgegner wurde Kritik an dem Einsatz der Bundeswehr in vielen Ländern geübt.


Deserteure und Kriegsgegner auf einer Kölner Friedensdemo
Quelle: NRhZ-Archiv
Obwohl nun die Medien der Region – darunter auch der KStA – mehrfach über die Aktion informiert und eingeladen worden waren, konnte ich keine Berichterstattung über die Aktion bei Ihnen feststellen. Dies wundert mich doch sehr. Angesichts der Tatsache, dass das Thema weit über den Rahmen der Demonstrationsteilnehmer hinaus in der Öffentlichkeit Interesse fand und vielfältige Meinungsäußerungen dazu stattfanden, erlaube ich mir zu fragen:

– Warum war im KStA kein Bericht über die Kranzniederlegung, die Demonstration und die Gedenkveranstaltung  zu finden?
– Ist Ihnen bekannt, dass in der Vergangenheit mehrfach der KStA über Gedenkveranstaltungen für Köbis und Reichpietsch  berichtet hat und dabei auch kritische Worte zur Haltung von Bundeswehrstellen fand?
– Wie stehen Sie zu dem Anspruch der Bundeswehr, über Inhalte und Reden bei Gedenkfeiern für die Kriegsgegner, zu bestimmen?
– Sind Sie auch der Meinung des Bundesverteidigungsministeriums, dass Sonderregelungen für eine solche Ehrung nicht üblich sind und deshalb auch keine „Sonderveranstaltungen“ genehmigt werden sollen?
– Wie stehen Sie zur Feststellung der Bundeswehr, dass bei einer Gedenkfeier für Köbis und Reichpietsch keine „politischen Reden“ gehalten werden dürfen?

In der Erwartung Ihrer Antwort.
Mit freundlichem Gruß
Manfred Demmer
stellv.Vorsitzender
Kulturvereinigung Leverkusen e.V. (PK)

Online-Flyer Nr. 112  vom 12.09.2007

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