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Aktueller Online-Flyer vom 18. Januar 2020  

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Lokales
Wessen Interessen vertreten Stadt-Anzeiger-Kommentatoren?
Die von Ross und Reiter
Von Erich Huppertz

Natürlich schreibt beim Kölner Stadt-Anzeiger offiziell niemand den Journalisten vor, wie ein Kommentar auszufallen hat. Und so hätte sich die Kommentatorin am 5. September wohl auch ungestraft darüber freuen können, dass sich Gewerkschaft ver.di und Arbeitgeberverband AGV Postdienste auf die Einführung von Mindestlöhnen für Postzusteller geeinigt haben.
Dass sie diese Vereinbarung aber als „Nacht-und-Nebel-Aktion“ bezeichnete, durch den „neue Anbieter abgedrängt und mögliche neue Jobs verhindert“ würden, dürfte ihren Arbeitgeber sicherlich mehr gefreut haben. Vertritt sie damit doch – ohne dass im Kommentar oder im dazugehörigen Artikel Ross und Reiter genannt werden – dessen Interessen.


Kein Autorenname - Nacht-und-Nebel-Aktion-Kommentar im Kölner Stadt-Anzeiger-online 
Quelle: www.ksta.de

Schließlich mischt DuMont Schauberg, Herausgeber des Kölner Stadt-Anzeigers, selber bei der privaten Postzustellung mit. Die Firmengruppe ist unter anderem mit den Verlagshäusern der Rheinischen Post und der Westdeutschen Zeitung am Zustelldienst Westmail beteiligt. Der wiederum ist Teil der vom Hamburger Springer-Verlag (letzte Zahlen: über 60 Prozent) dominierten Pin-Group. Pin-Group und TNT, ein Tochterunternehmen der niederländischen Post, beherrschen den deutschen Markt der privaten Postzusteller. Beide gehören nicht dem AGV an.

Tarifverhandlungen zwischen ver.di und der Pin-Group führten bislang 
zu keinem Ergebnis, weil, so die Düsseldorfer Gewerkschaftssekretärin 
Beate Mensch, die Arbeitgeber bisher weder Angaben über die Zahl der 
Beschäftigten noch die gezahlten Löhne gemacht hätten. Was aus deren 
Sicht auch nachvollziehbar ist, denn dann wäre öffentlich, dass die 
Gewinne der privaten Zustelldienste oft nur durch „Lohndumping“ (AGV-
Chef Wolfhard Bender) erzielt werden. Die mit der AGV vereinbarten 
Mindestlöhne zwischen 8 und 9,80 Euro wären da nur hinderlich.


Schreiben Redakteuren nichts vor: Konstantin Neven DuMont 
(rechts) und Christian DuMont Schütte
Quelle: www.ksta.de

Zur Zeit sind die Arbeits- und Lohnbedingungen bei den privaten Postzustellern höchst unterschiedlich und unübersichtlich. Sehr oft 
werden sie örtlich und individuell ausgehandelt. Nach ver.di-
Beobachtungen bewegen sich die Stundenlöhne zwischen 5 und 8 Euro. 
Zum Teil werden Fahrräder gestellt, in anderen Fällen müssen die 
Briefträger eigene Fahrräder nutzen und auch auf eigene Kosten reparieren. Stundenlöhne werden umgangen, indem pro ausgeliefertem Brief gezahlt wird – zwischen 8 und 10 Cent. Auf dem Land reicht dies mit dem Privat-PKW oft nur zu einem (umngerechneten) Stundenlohn von 2,50 Euro. 


WEST MAIL-Zustellgebiet - Internetwerbung
Quelle: www.westmail.de

Verstärkt werden auch Zeitungszusteller für die Postzustellung eingesetzt. Keine Seltenheit ist es, dass der Monatslohn so gering ist, dass er durch Hartz IV aufgestockt werden muss. Besonders pikant ist das dann, wenn sich Kommunen der billigen Privaten bedienen: Was sie im Gemeindeetat sparen, muss der Steuerzahler über die Sozialleistungen doch noch zahlen.

Mag ein Mindestlohn, wie es im Kommentar heißt, „weder der Konkurrenz 
noch dem Kunden“ nützen – den Arbeitnehmern nützt er bestimmt. (PK)

Online-Flyer Nr. 112  vom 12.09.2007

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