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Lokales
„Zu groß, zu laut, zu fremd“ – der WDR über die Kölner Moschee
Gut gemeint, stellenweise schlecht getroffen
Von Fred Schierlinge

„Zu groß, zu laut, zu fremd“ unter diesem Titel sendete der WDR am 13.August einen Dokumentarfilm zur aktuellen Diskussion über die geplante Moschee der türkisch-islamischen Union (DITIB) im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. „Die aktuelle Dokumentation zeigt ein Stimmungsbild und sammelt Argumente, lässt Befürworter und Gegner zu Wort kommen“  – so versprach es zumindest die Ankündigung auf den WDR-Internetseiten. Unter dem Strich: ein Film mit tiefgehendem Anspruch, der teilweise nicht eingelöst wurde. 


„Wenn ich irgendwas sage, bin ich gleich rassistisch“, so lassen die Filmemacher Mareike Wilms und Ahmet Senyurt einen offenkundig deutschen Hausmeister gleich zu Beginn ihrer 45-minütigen Dokumentation zu Wort kommen. Bereits der Einstieg legt sie fest: Denn den eigenen Film als rassistisch zu outen, dürfte genauso wenig in ihrem Sinne liegen, wie zu schweigen – und doch trifft es den Kern der verzwickten Debatte: „Kritik gleich rassistisch“ und „Schweigen gleich tolerieren“. Aus dieser Falle kommt der Film über 45 Minuten nicht heraus, auch wenn die besten Absichten in der ausgewählt ausgewogenen Mischung der Interviewten und Filmszenen sichtbar bleiben. 


Moschee-Entwurf – Anlaß einer verzwickten Debatte in Köln
Quelle: www.koeln.de

Relativieren als filmisches Prinzip
 
Deshalb ist es auch konsequent, wenn im Film durchgängig der Meinungsproporz gewahrt wird und eine plakative Umsetzung erfährt: Wenn beispielsweise der Fernsehturm mit 260 Metern Höhe angeführt wird, um die Höhe der geplanten Minarette von 55 Metern zu relativieren. Ebenso relativiert der Film die latente Fremdenfeindlichkeit in der Bevölkerung durch die ihr eigene volkstümliche Unschuld oder Dummheit, wenn in einer Straßenszene das Gerücht kolportiert wird, der Fernsehturm Colonius sei „an die Leute verkauft – so wird halt geredet in Ehrenfeld“. Auch die Sorgen der Anwohner lassen sich relativieren, wenn offenes Unverständnis durch die rhetorische Frage einer Türkin blitzt: „Wenn die Moschee steht, dann fragen sich die Leute, warum haben wir uns die Köppe heiß geredet“ oder ein Jugendlicher vorträgt: „Dass sie das (die Moschee) auch akzeptieren werden, eine andere Wahl haben sie ja nicht.“ Im Nebeneinander der Filmszenen verwischt der Konflikt, der mittlerweile für bundesweites Aufsehen sorgt und die Kölner Stadtgesellschaft vor eine Probe stellt.
 
Einordnen statt Belehren
 
Es kann bei einem solchen Film nicht um eine öffentlich-rechtliche Belehrung gehen, die dem Zuschauer holzschnittartig und moralinsauer die „Guten“ und die „Bösen“ auf der Mattscheibe serviert, aber Zusammenhänge herauszuarbeiten, Einordnungen vorzunehmen, und die Verwerfungen auf türkischer wie auch auf deutscher Seite stärker zu betonen, hätte dem Film gut getan. Die Moscheegegner von Pro Köln in einem Halbsatz als Rechtsextreme zu benennen, ist zu wenig, um deren ausdauernd fremdenfeindliches Zündeln transparent zu machen. Manfred Rouhs von Pro Köln in einem städtischen Ausschuss redend zu zeigen, ohne den Hinweis, wer da gegen die Moschee spricht, und auf eine Untertitelung zu verzichten, ist fahrlässig. Ebenso grenzwertig die Warnung an einen türkischen Moscheekritiker „Leg dich nicht mit DITIB an – leg dich nicht mit dem türkischen Staat an.“ Warum er das lieber lassen sollte, erfährt der Zuschauer nicht. 


Moschee-Istzustand – Wegen Platzmangel Predigten über Bildschirme
Foto: Carl H. Ewald

Unbekannte Einblicke
 
Eine der großen Stärken des Films ist die dokumentierende Beschreibung des Lebens in der derzeitigen Moschee. Die Kinder, die in einem provisorisch hergerichteten Kellerraum betreut werden, der Platzmangel im Gebetsraum, der erfordert, dass Predigten über Bildschirme in andere Räume übertragen werden – der Hinweis, dass Frauen den Prediger nur über einen Bildschirm sehen dürfen. Hier öffnet der Film die Welt der Moschee und erlaubt Einblicke. Dazu völlig passend die Frage an einen der unmittelbaren deutschen Nachbarn, „ob er schon einmal in der Moschee gewesen sei“. Seine ehrliche Antwort „Nein“ verblüffte für einen Moment, denn zuvor hatte er über das parallele Leben der Kulturen räsoniert. (PK)

Online-Flyer Nr. 108  vom 15.08.2007

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