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Literatur
Filmkritik zu „The Transformers“: Michael Bay bringt die Kult-Comicserie ins Kino
Die Welt verwandelt sich
Von Gerrit Wustmann

Einfache Formel „schützen – zerstören", Filmplakat
Quelle: www.transformersmovie.com
Das Konzept ist seither ein Bestseller, auf den nun auch Hollywood aufmerksam wurde. Seit dem 2. August läuft Michael Bays Realfilmadaption der Animeserie im Kino (www.transformersmovie.com). Produzent Steven Spielberg hält schon seit Jahren die Rechte an dem SciFi-Stoff, wollte ihn aber erst realisieren, wenn die technische Umsetzung überzeugend möglich ist.
Die Story der Transformers ist schnell erzählt: Zwei verfeindete Rassen hochentwickelter intelligenter Roboter kämpfen um die Vorherrschaft auf ihrem Heimatplaneten Cybertron. Als dessen Ressourcen aufgebraucht sind brechen die diktatorisch organisierten „Decepticons“ auf, um andere Planeten zu schröpfen – sie landen auf der Erde. Die „Autobots“ (autonomous robots), unter ihrem Anführer Optimus Prime, folgen ihnen, um das Schlimmste zu verhindern; soweit eine typisch-japanische Gut-Böse-Story.
Das Besondere an der Serie war das Konzept der Hauptcharaktere, das seit über zwanzig Jahren nun eine weltweite Fangemeinde begeistert und Kinderherzen höher schlagen lässt: Roboter, die sich zur Tarnung in Fahrzeuge, Flugzeuge, Waffen oder gar Musikanlagen verwandeln können. Die Zeichentrickserie, Comics, Spielzeuge und allerlei Merchandise bescherten Hasbro und Takara einen Dauerbrenner. Der erste (animierte) Kinofilm debutierte 1987. Orson Welles war von der Geschichte derart begeistert, dass er eine Sprechrolle übernahm, Weird Al Yankovic steuerte das Seinige zum Soundtrack bei.
Der Film brach damals so ziemlich alle Schranken seines Genres und setzte neue Maßstäbe, gleichzeitig wurde aber auch schon klar, wohin der Weg in Zukunft gehen würde. Hasbro und Takara hatten großes Mitspracherecht beim Drehbuch, und so mokierten die Fans, dass bereits in den ersten zehn Minuten des Films sämtliche aus der Serie liebgewonnenen Helden abgeschlachtet und durch gänzlich neue Charaktere ersetzt wurden. Nun konnte Hasbro haufenweise neue Spielzeuge auf den Markt werfen. Diese Taktik hat sich bis heute bewährt. Allerdings setzt TakaraTomi mittlerweile mehr auf das erwachsene Publikum, etwa mit der Masterpiece-Edition, sogenannten Reissues (Neuauflagen der Originalfiguren aus den 80er Jahren) oder solch kuriosen Dingen wie sich in Roboter verwandelnde Schuhe. So werden mittlerweile zwei Märkte abgegrast: Zum einen das reine Spielzeug für die Kids, zum anderen Sammlerstücke für erwachsene Comicfans.

Michael Bay bei Filmaufnahmen
Quelle: www.transformersmovie.com
Mit dem Film aber hat die Serie offensichtlich ihre kindliche Unschuld endgültig verloren. Dass Michael Bay (The Rock, Armageddon, Pearl Harbor) sich seine Special-Effects-getränkten und vor unreflektiertem Patriotismus triefenden Bombastreißer immer wieder gerne vom US-Militär mitfinanzieren lässt, ist kein Geheimnis. Schon im Vorfeld der Produktion, die schweres militärisches Gerät am Set benötigte, ließ Bay verlauten, dass man ihn im Pentagon gut leiden könne.
„The Transformers“ ist der erste Film, der das neue US-Kampfflugzeug F-22 Raptor präsentiert, worunter der Charakter Starscream leiden muss (in der Serie eine F-14). Und so gerät auch dieser Film, davon abgesehen, dass er ansonsten ganz nettes Popcornkino ist, zu einem 135-minütigen Werbespot: Für die eigens geschaffene Spielzeugreihe, für General Motors (offenbar haben die Roboter heutzutage feste Verträge, die bestimmen, in welche Autos sie sich verwandeln dürfen) und, leider, für die US-Armee und ihren Krieg im Irak.
In den ersten Staffeln der Zeichentrickserie war es noch so, dass die Decepticons das menschliche Militär gnadenlos dahingemetzelt haben, ohne mit ernsthafter Gegenwehr rechen zu müssen. Die menschenfreundlichen Autobots haben es dann meist herausgerissen. Der Film beginnt an sich ähnlich. Ein sich als Decepticon entpuppender Hubschrauber legt eine US-Base in Katar in Schutt und Asche, ein riesiger Roboterskorpion mischt eine Armeeeinheit in einer nahöstlichen Wüste auf. Nachdem die sympathisch-kumpelhafte Truppe, die einen neuen Coolnessrekord auf der Leinwand aufstellt, sich vom ersten Schrecken erholt hat, schlägt sie natürlich zurück.

Filmausschnitt: Roboter machen Jagd auf Menschen
Quelle: www.transformersmovie.com
In einem weiteren Handlungsstrang mobilisiert der amerikanische Verteidigungsminister alle moralischen Reserven, um die friedliche Nation vor dem außerirdischen Terror zu retten. Hier wird dann auch klar, worin der gravierende Unterschied zwischen Comic und Film liegt: Die Serie setzt auf die kindlich-faszinierende Vorstellung, in jedem Auto, jedem Flugzeug könne sich ein Roboter verbergen, der mein Kumpel wird und mich vor dem Bösen beschützt. Die Filmstory enthält dieses Element zwar auch, baut den Plot aber andersherum auf: Es wird von Beginn an eine subtile Bedrohungssituation erzeugt. Niemandem kann man trauen, und nun wenden sich auch noch die eigenen Autos oder Stereoanlagen gegen uns. Der Feind ist überall, und was ihn so gefährlich macht: Er ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, weil er sich als Element unseres Alltags tarnt.

Realistisch: Politiker und Militärs – so ratlos wie im echten Leben
Quelle: www.transformersmovie.com
Transportiert man diese Botschaft aus der Science-Fiction in die Realität, so kann man darin beispielsweise die Nachbeben der versuchten Anschläge in England erkennen. Sogar Ärzten ist nicht mehr zu trauen, der Feind ist unter uns. Die Proteste gegen den Moscheebau nicht nur in Köln, die von rechten Gruppen instrumentalisiert werden, zeichnen ein Bild ständiger Bedrohung – es könnten ja Schläfer sein, die sich hier einnisten wollen. Kaum jemand merkt, wie widersprüchlich solche Argumentationen sind. Denn wer Verbrechen plant, der versucht selten, sich in der Öffentlichkeit besser sichtbar zu machen. Aber das ist nur ein Aspekt. Auch die mitunter völlig absurden und verfassungs- und demokratiefeindlichen Vorstöße eines Wolfgang Schäuble setzen auf Angst – auf die Befürchtung, dass alles und jeder der Feind, respektive ein potentieller Terrorist sein könnte.
Ob Filme wie Transformers tatsächlich dazu beitragen, die subtile Angststimmung in der Bevölkerung zu stärken, ist eine Frage. Fakt ist aber, dass diese Art Kino, selbst wenn sie gerade nicht die US-Armee glorifiziert, dazu neigt, alles Fremde, alles Unbekannte als potentielle Gefahr darzustellen. Das rührt an menschliche Urängste und ist mitunter höchst unterhaltsam. Es festigt aber auch eine reaktionäre Haltung, die eher kontraproduktiv ist, wenn es darum geht, den von den Medien herbeigeredeten „Kampf der Kulturen“ zu beschwichtigen – etwa durch Dialog. Und nicht zuletzt ist es Michael Bay und seinen Mitstreitern gelungen, einer bisher recht harmlosen Geschichte ihre Naivität und ihre Unschuld zu nehmen. Dass bereits zwei Fortsetzungen geplant sind, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. Denn es zeigt, wie gut sich Angst und Ressentiments nach wie vor verkaufen lassen. (CH)
www.wustmann.blogspot.com
Online-Flyer Nr. 107 vom 08.08.2007
Druckversion
Literatur
Filmkritik zu „The Transformers“: Michael Bay bringt die Kult-Comicserie ins Kino
Die Welt verwandelt sich
Von Gerrit Wustmann

Einfache Formel „schützen – zerstören", Filmplakat
Quelle: www.transformersmovie.com
Das Konzept ist seither ein Bestseller, auf den nun auch Hollywood aufmerksam wurde. Seit dem 2. August läuft Michael Bays Realfilmadaption der Animeserie im Kino (www.transformersmovie.com). Produzent Steven Spielberg hält schon seit Jahren die Rechte an dem SciFi-Stoff, wollte ihn aber erst realisieren, wenn die technische Umsetzung überzeugend möglich ist.
Die Story der Transformers ist schnell erzählt: Zwei verfeindete Rassen hochentwickelter intelligenter Roboter kämpfen um die Vorherrschaft auf ihrem Heimatplaneten Cybertron. Als dessen Ressourcen aufgebraucht sind brechen die diktatorisch organisierten „Decepticons“ auf, um andere Planeten zu schröpfen – sie landen auf der Erde. Die „Autobots“ (autonomous robots), unter ihrem Anführer Optimus Prime, folgen ihnen, um das Schlimmste zu verhindern; soweit eine typisch-japanische Gut-Böse-Story.
Das Besondere an der Serie war das Konzept der Hauptcharaktere, das seit über zwanzig Jahren nun eine weltweite Fangemeinde begeistert und Kinderherzen höher schlagen lässt: Roboter, die sich zur Tarnung in Fahrzeuge, Flugzeuge, Waffen oder gar Musikanlagen verwandeln können. Die Zeichentrickserie, Comics, Spielzeuge und allerlei Merchandise bescherten Hasbro und Takara einen Dauerbrenner. Der erste (animierte) Kinofilm debutierte 1987. Orson Welles war von der Geschichte derart begeistert, dass er eine Sprechrolle übernahm, Weird Al Yankovic steuerte das Seinige zum Soundtrack bei.
Der Film brach damals so ziemlich alle Schranken seines Genres und setzte neue Maßstäbe, gleichzeitig wurde aber auch schon klar, wohin der Weg in Zukunft gehen würde. Hasbro und Takara hatten großes Mitspracherecht beim Drehbuch, und so mokierten die Fans, dass bereits in den ersten zehn Minuten des Films sämtliche aus der Serie liebgewonnenen Helden abgeschlachtet und durch gänzlich neue Charaktere ersetzt wurden. Nun konnte Hasbro haufenweise neue Spielzeuge auf den Markt werfen. Diese Taktik hat sich bis heute bewährt. Allerdings setzt TakaraTomi mittlerweile mehr auf das erwachsene Publikum, etwa mit der Masterpiece-Edition, sogenannten Reissues (Neuauflagen der Originalfiguren aus den 80er Jahren) oder solch kuriosen Dingen wie sich in Roboter verwandelnde Schuhe. So werden mittlerweile zwei Märkte abgegrast: Zum einen das reine Spielzeug für die Kids, zum anderen Sammlerstücke für erwachsene Comicfans.

Michael Bay bei Filmaufnahmen
Quelle: www.transformersmovie.com
Mit dem Film aber hat die Serie offensichtlich ihre kindliche Unschuld endgültig verloren. Dass Michael Bay (The Rock, Armageddon, Pearl Harbor) sich seine Special-Effects-getränkten und vor unreflektiertem Patriotismus triefenden Bombastreißer immer wieder gerne vom US-Militär mitfinanzieren lässt, ist kein Geheimnis. Schon im Vorfeld der Produktion, die schweres militärisches Gerät am Set benötigte, ließ Bay verlauten, dass man ihn im Pentagon gut leiden könne.
„The Transformers“ ist der erste Film, der das neue US-Kampfflugzeug F-22 Raptor präsentiert, worunter der Charakter Starscream leiden muss (in der Serie eine F-14). Und so gerät auch dieser Film, davon abgesehen, dass er ansonsten ganz nettes Popcornkino ist, zu einem 135-minütigen Werbespot: Für die eigens geschaffene Spielzeugreihe, für General Motors (offenbar haben die Roboter heutzutage feste Verträge, die bestimmen, in welche Autos sie sich verwandeln dürfen) und, leider, für die US-Armee und ihren Krieg im Irak.
In den ersten Staffeln der Zeichentrickserie war es noch so, dass die Decepticons das menschliche Militär gnadenlos dahingemetzelt haben, ohne mit ernsthafter Gegenwehr rechen zu müssen. Die menschenfreundlichen Autobots haben es dann meist herausgerissen. Der Film beginnt an sich ähnlich. Ein sich als Decepticon entpuppender Hubschrauber legt eine US-Base in Katar in Schutt und Asche, ein riesiger Roboterskorpion mischt eine Armeeeinheit in einer nahöstlichen Wüste auf. Nachdem die sympathisch-kumpelhafte Truppe, die einen neuen Coolnessrekord auf der Leinwand aufstellt, sich vom ersten Schrecken erholt hat, schlägt sie natürlich zurück.

Filmausschnitt: Roboter machen Jagd auf Menschen
Quelle: www.transformersmovie.com
In einem weiteren Handlungsstrang mobilisiert der amerikanische Verteidigungsminister alle moralischen Reserven, um die friedliche Nation vor dem außerirdischen Terror zu retten. Hier wird dann auch klar, worin der gravierende Unterschied zwischen Comic und Film liegt: Die Serie setzt auf die kindlich-faszinierende Vorstellung, in jedem Auto, jedem Flugzeug könne sich ein Roboter verbergen, der mein Kumpel wird und mich vor dem Bösen beschützt. Die Filmstory enthält dieses Element zwar auch, baut den Plot aber andersherum auf: Es wird von Beginn an eine subtile Bedrohungssituation erzeugt. Niemandem kann man trauen, und nun wenden sich auch noch die eigenen Autos oder Stereoanlagen gegen uns. Der Feind ist überall, und was ihn so gefährlich macht: Er ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, weil er sich als Element unseres Alltags tarnt.

Realistisch: Politiker und Militärs – so ratlos wie im echten Leben
Quelle: www.transformersmovie.com
Transportiert man diese Botschaft aus der Science-Fiction in die Realität, so kann man darin beispielsweise die Nachbeben der versuchten Anschläge in England erkennen. Sogar Ärzten ist nicht mehr zu trauen, der Feind ist unter uns. Die Proteste gegen den Moscheebau nicht nur in Köln, die von rechten Gruppen instrumentalisiert werden, zeichnen ein Bild ständiger Bedrohung – es könnten ja Schläfer sein, die sich hier einnisten wollen. Kaum jemand merkt, wie widersprüchlich solche Argumentationen sind. Denn wer Verbrechen plant, der versucht selten, sich in der Öffentlichkeit besser sichtbar zu machen. Aber das ist nur ein Aspekt. Auch die mitunter völlig absurden und verfassungs- und demokratiefeindlichen Vorstöße eines Wolfgang Schäuble setzen auf Angst – auf die Befürchtung, dass alles und jeder der Feind, respektive ein potentieller Terrorist sein könnte.
Ob Filme wie Transformers tatsächlich dazu beitragen, die subtile Angststimmung in der Bevölkerung zu stärken, ist eine Frage. Fakt ist aber, dass diese Art Kino, selbst wenn sie gerade nicht die US-Armee glorifiziert, dazu neigt, alles Fremde, alles Unbekannte als potentielle Gefahr darzustellen. Das rührt an menschliche Urängste und ist mitunter höchst unterhaltsam. Es festigt aber auch eine reaktionäre Haltung, die eher kontraproduktiv ist, wenn es darum geht, den von den Medien herbeigeredeten „Kampf der Kulturen“ zu beschwichtigen – etwa durch Dialog. Und nicht zuletzt ist es Michael Bay und seinen Mitstreitern gelungen, einer bisher recht harmlosen Geschichte ihre Naivität und ihre Unschuld zu nehmen. Dass bereits zwei Fortsetzungen geplant sind, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. Denn es zeigt, wie gut sich Angst und Ressentiments nach wie vor verkaufen lassen. (CH)
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Online-Flyer Nr. 107 vom 08.08.2007
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