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Aktueller Online-Flyer vom 10. Juni 2026  

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Lokales
Interview mit den Skaterjungs nach ihrer Rückkehr nach Leverkusen
„Wenn man was ändern will, dann kann man das auch“
Von Peter Kleinert

21 Tage lang waren die Skaterjungs Adrian Löffler und Dennis Schmid für ihre Sport- und Solidaritätsaktion von Augsburg nach Leverkusen unterwegs (siehe NRhZ 102 bis 104). Ihre erfolgreiche Rückkehr wurde mit einer Willkommensparty im Skaterpark unter der Stelzenautobahn in Leverkusen-Wiesdorf gefeiert. Vorher hatten sie die auf ihrer Skatingtour gesammelten Unterschriften gegen Arbeitsplatzvernichtung und Jugendarbeitslosigkeit bei der Sprecherin des BAYER-Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning abgegeben.
 
„Es war manchmal knochenhart“
 
Frage: Ihr seid - sieht man von den beiden durch äußere Umstände erzwungenen Ruhetagen ab - 21 Tage lang auf Euren Skateboards unterwegs gewesen. Das war ja ganz schön anstrengend, nicht zuletzt wegen der vielen Regentage. Würdet Ihr so eine Tour noch einmal machen?
 
Antwort: Ja, auf jeden Fall, aber nicht so schnell. Erstmal ausruhen. Aber erlebt haben wir ja doch viel.
 
Aber habt Ihr Euch die Tour wirklich so hart vorgestellt, wie ich das ja auch mitbekommen habe?
 
Ein klares NEIN. Wir dachten halt, wir skaten die Strecken bei schönem Sommerwetter, und es wäre viel einfacher. Aber es war wegen des Regenwetters und manchmal wegen dem Verkehr knochenhart: viel Wandern, viele Umwege und viele Strapazen. Also das hatten wir ein wenig unterschätzt. 


Ankunft vor der BAYER-Konzernzentrale 

Adrian, Dein Vater war ja per Telefon und am PC über Eure Homepage sozusagen ständig dabei. Wäre das auch ohne ihn gegangen?
 
Auf keinen Fall. Die Tour wäre ohne seine Arbeit nicht möglich gewesen. Schließlich hat er ja schon teilweise Wochen vorher alle Übernachtungen besorgt, die Organisation gemacht und alle Mails und die Homepage und all das. Also wenn wir auf eigene Faust gefahren wären, das hätte nicht so geklappt.
 
„Vielleicht bewegen sich jetzt die Jugendlichen“
 
Abgesehen davon, dass ich den Eindruck habe, Ihr landet demnächst im Guinness-Buch der Rekorde: Grund für Eure Reise war ja - wegen entsprechender Erfahrungen in der Familie - etwas gegen Arbeitsplatzvernichtung und Jugendarbeitslosigkeit zu tun. Habt Ihr den Eindruck, Ihr habt bei den Menschen, die Ihr getroffen habt, in dieser Hinsicht was erreicht?
 
Das ist unterschiedlich. In einigen Regionen war das Thema voll akut, so bei Bosch, die ja die Azubis nicht übernehmen und so was. Aber in anderen Gebieten da wollten die nichts mit zu tun haben. Wir hatten den Eindruck, die haben alle voll resigniert. Die sagten: Das bringt ja doch nichts, schöne Idee, aber da kann man nichts machen usw. Also die haben einfach den Kopf in den Sand gesteckt. Die Probleme gibt es überall, aber in Deutschland gibt es wohl keine Organisation, wo alle voll dahinter stehen und zusammen was machen; die sind alle Einzelkämpfer und haben Angst. Erreicht haben wir daher vielleicht nur was zum Nachdenken und bei den Jugendlichen, die sich vielleicht jetzt bewegen, damit diese Generation das eben anders sieht und sich organisiert.
 
Könnt Ihr mal ein paar konkrete Beispiele von Äußerungen Eurer GesprächspartnerInnen nennen?
 
Also da gab es welche die gesagt haben, dass die Idee gut ist, aber man eben nichts machen kann. Dann gab es welche die gesagt haben dass man das vergessen könnte, weil es nichts bringt. Und dann wieder gab es welche die gesagt haben: Toll, das Beispiel sollte Schule machen und so, also schon recht unterschiedlich.


Interview mit Radio Leverkusen

„Jeder weiß ja, was passiert“
 
Ihr hattet ja auch Gespräche mit Lokalpolitikern, Bürgermeistern, die zum Teil CDU-Mitglieder, also nach üblichem Verständnis „arbeitgeberfreundlich“ sind. Wie seid Ihr denn bei denen mit Eurem Vorhaben angekommen?
 
Das war sehr unterschiedlich. Die haben einfach alle die Aktion gelobt, fanden es gut, etwas gegen Jugendarbeitslosigkeit zu machen. Es gab keine konkreten Aussagen die man zitieren könnte. Aber es gab so den Eindruck, dass die Politiker es auf die Wirtschaft abwälzen, und wenn wir mal mit jemanden von der Wirtschaft geredet haben, dann schoben die es auf die Politik. Wir haben auch darüber diskutiert und wir denken einfach, dass es auch Heuchelei war, denn jeder weiß ja was passiert, und wenn man was ändern will, dann kann man das auch. Aber der Egoismus in diesem Lande ist zu groß.
 
Und wie war die Reaktion der Journalisten und deren Medien? Es gab laut Tagebuch ja einige Treffen mit Presseleuten. Habt Ihr mitbekommen, was dann in deren Medien gedruckt oder gesendet worden ist? Und war das im Sinne Eures Ziels, dass Arbeitnehmer und Arbeitslose sich mehr als bisher gegen Arbeitsplatzvernichtung wehren sollten?
 
Also das mit den Journalisten war so eine Sache...... die haben gut und gerne darüber berichtet, was wir machen, also von der sportlichen Leistung, auch eben dass wir Jugendliche so was machen; aber es war irgendwie auch wertfrei. Also die fanden das gut, keine Frage, aber die haben nicht jetzt ins Horn geblasen und gesagt: Steht auf ihr Leute und schließt Euch an. So weit ging es nicht. Wir waren aber zufrieden mit den Berichterstattungen und wir denken, dass es viele Leute gelesen haben, und das ist Ziel genug.
 
„…oder die sind von der Wirtschaft gekauft“
 
Nun seid Ihr ja aus Leverkusen. Wie haben sich denn die lokale Medien, also z.B. der Leverkusener Anzeiger, oder – als Ihr in Köln-Deutz angekommen seid – der Kölner Stadt-Anzeiger, die Kölnische Rundschau, der EXPRESS, der WDR verhalten? Haben die was veröffentlicht?
 
Leider kam da nichts. Die Rheinische Post ja, aber Kölner Stadt-Anzeiger kam nicht, Express hat sich dafür nicht interessiert, der WDR auch nicht. Also denken wir einfach mal, es ist für die nicht interessant, was Jugendliche für Probleme haben, oder aber die sind von der Wirtschaft gekauft. Also trauen sie sich nicht, so was zu schreiben, weil sie dann von den Konzernen einen auf den Deckel kriegen. Das Schlimme dabei ist ja, man erschreckt sich als Jugendlicher, wenn man merkt, wie weit es schon in Deutschland gekommen ist. Wenn selbst die Presse nicht mehr schreibt, was interessant ist, weil sie Angst vor der Wirtschaft hat. Aber es kann natürlich auch sein, dass die das einfach zu unwichtig fanden. Hier in Köln und Leverkusen passieren ja „viel wichtigere Dinge“. Z.B. steht dann da auf Seite Eins, dass ein Dackel überfahren worden ist, oder dass eine Schauspielerin künstliche Brüste hat. Also das ist ja viel wichtiger als Jugendarbeitslosigkeit und Stellenabbau...
 
Es hat sicher auch damit zu tun, wie groß die Städte sind. In Köln passiert mehr als in Kleinkleckersdorf. Das ist klar. Aber es hat vielleicht auch einfach was mit der menschlichen Seite zu tun. Hinter jedem Bericht steht ja auch ein Mensch der ihn schreibt, und wenn ihn das nicht interessiert, dann wird das nicht geschrieben. Und hier in Köln und Leverkusen scheint das eben niemanden zu interessieren. Was aber noch viel wahrscheinlicher ist: BAYER ist hier zuhause, und da ducken sich die Herren von der Presse wohl ein wenig.
 
„Die waren nett, aber…“
 
Ihr habt ja am Ziel in Leverkusen mit der Pressesprecherin von BAYER reden können. Anlass Eurer Tour war konkret die drohende Arbeitsplatzvernichtung bei BIS. Konntet Ihr darüber sprechen, als Ihr die Solidaritätsunterschriften für Konzernchef Wenning abgegeben habt? Und wie war die Reaktion der Dame und ihres Kollegen?


Abgeben der Solidaritätsunterschriften bei BAYER

Da gab es schon eine Diskussion, aber wir sind nicht nur für BIS gefahren, sondern auch für Telekom, Siemens, eben überall wo solche Schweinerein passieren, dass die Leute, die gute Arbeit machen, einfach weniger Geld bekommen und mehr arbeiten müssen, damit sich die Manager ein paar Millionen oben drauf schlagen können. Wir haben das bei Bayer auch angesprochen, aber die wussten keine Zahlen, keine genauen Infos, wie der Stand bei Bayer ist, und es wurde vom Thema abgewichen. Die haben auch erzählt, dass Bayer ja doch so viel ausbildet und doch so viel für die Jugendlichen macht. Also die waren nett, aber wir denken, das war doch am Thema vorbei. Adrians Vater war ja dabei, er hat auch gesagt, dass wir jetzt hier an diesem Tisch keinen neuen Tarifvertrag erschaffen werden können und uns somit einfach auf die Übergabe der Unterschriften beschränken sollten, eine Diskussion würde da nichts bringen. Wir denken auch, dass die Aktionen Erfolg haben sollten, gesehen werden sollten, eine Diskussion mit Pressesprechern oder so was ist nett, bringt aber nicht wirklich etwas!
 
Was war denn das schönste Erlebnis, an das Ihr Euch erinnert? Oder waren es mehrere?
 
Ja, da gab es wohl einige. Der Tag in Bad Honnef war geil, dann gab es auch so schöne Erlebnisse, wenn wir gut aufgenommen wurden, wenn wir einen tollen Empfang hatten, aber auch unterwegs gab es schöne Momente die wir nie vergessen werden. Nicht politisch oder so, einfach tolle Erlebnisse. So z.B. als wir uns mal an eine Pferdekutsche drangehangen haben, und die uns gezogen haben. Oder wenn wir einfach mal eine Pause machten und in einen See gesprungen sind. Das waren tolle Momente.
 
„Wir, die neue Generation, sollten uns das wieder holen“
 
Adrian, Dein Vater hat auf der Bühne, bevor die Party losging, gesagt, Eure Aktion könne der „Anfang einer neuen Bewegung“ sein. Was stellt er, was stellt Ihr Euch konkret darunter vor?
 
Wir haben ja schon mit ihm geredet, und er hat uns erzählt, was ihm vorschwebt. Das sind aber nicht genau unsere Ziele, weil er da mit Jugendverbänden schon in Kontakt ist. Sicher, wir werden immer wieder versuchen, dann mitzumachen, aber im Moment brauchen wir mal Ruhe. Mein Vater möchte gerne, dass sich die Jugendlichen in GANZ Deutschland bewegen. Er hat es so gesagt: Wenn schon die Arbeitnehmer, die betroffen sind, sich nicht richtig wehren, dann wird es Zeit, dass die Jugendlichen in Deutschland dafür sorgen, dass sie später gute Bedingungen für einen Arbeitsplatz haben. 


Leverkusens Bürgermeisterin Irmgard Goldmann begrüßt Adrian und Dennis im Skaterpark
Fotos: www.skaterjungs.sagbaybay.de


Also was unsere Opas erkämpft haben, das haben sich unsere Väter wieder abnehmen lassen, und wir, die neue Generation, sollten uns das wiederholen. Ich denke aber, dass da mehr dahinter steckt. Ich kenne meinen Vater, der denkt immer so 20 Schritte voraus und möchte gerne, dass die künftige Generation nicht so übers Leder gezogen wird, also dass wir einen Arbeitsplatz bekommen, der auch so bezahlt ist, das wir unsere eigenen Familien ernähren können. Da wird ja jetzt immer weiter der Lohn gekürzt, und irgendwann arbeiten wir für einen Appel und Ei wie man sagt. Also da bleibt nichts fürs Leben. Miete, Auto, Strom, Möbel, Frau, Kinder... das klappt nicht mit diesen Löhnen. Und dafür kämpft er wohl, er möchte, dass auch wir die Chance haben, genug zu verdienen, um unser Leben bestreiten zu können, ohne wie in Amerika 3 oder 4 Jobs zu haben. Mein Vater ist da sehr aktiv, der hängt manchmal bis tief in der Nacht am PC und arbeitet da Pläne und so was aus.....(PK)
 
 
Das Tagebuch der Skaterjungs finden Sie unter www.skaterjungs.sagbaybay.de

Online-Flyer Nr. 105  vom 25.07.2007

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