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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Glossen
„Sie sagen ja jetzt...“
Alles steht wie gemalt
Von Ulla Lessmann

Manche haben ja Wohnungen! Da merkt man gar nicht, dass die da wohnen. Da liegt nichts rum und alles steht wie gemalt. Da traut man sich nichts und erfährt nichts. Was die lesen beispielsweise oder wo sie überall waren.
Bei mir ist das anders, da steht alles offen, die Andenken von meinen Reisen und die Bücher, die ich gerade lese. Manchmal lege ich auch extra eines so zufällig hin, wenn Besuch kommt, das ich gar nicht lese, was sich aber gut macht, weil es was hermacht. Bei mir kann jeder sehen, dass ich da wohne. Es ist nicht immer so sauber, das nicht, aber doch aufgeräumt in dem Sinne, dass die Sessel frei sind, und ins Schlafzimmer geht ja keiner.

Meine Nachbarin will mir eine Putzfrau einreden, weil ich nicht mehr so dahinter her bin, aber die Ecken, die macht Ihnen sowieso keine Putzfrau, habe ich gesagt! Ich gehe selber auch nicht mehr so in die Ecken, aber dann bezahle ich auch nicht dafür. Ich sehe nicht mehr jeden Flusen, aber das tun meine Freundinnen auch nicht mehr und trotzdem fühlen die sich bei mir wohler als in diesen weggeräumten Wohnungen. Sicher, meine Wohnung ist ziemlich groß, und manche finden, man soll sich im Alter verkleinern wegen dem Putzen und der weiten Wege, aber das kann ich nun gar nicht einsehen.


„Wohnst du noch oder lebst du schon?"
Quelle: H.-D. Hey, arbeiterfotografie.com


Je älter ich werde, um so mehr Platz brauche ich ja schließlich für die ganzen Sachen, die man so hat. Ob man die alle braucht, ist eine andere Frage, aber man hat sie eben über die Jahre hin gesammelt und sich schließlich was dabei gedacht. Und dann plötzlich Ausmisten? Das kann ich nicht.

Manche machen das schon zu Lebzeiten, damit die Kinder nicht mehr so viel Arbeit damit haben. Aber ehrlich gesagt, das finde ich nicht richtig. Denn letztendlich ist vielleicht das eine oder andere dabei, das sie gerne hätten haben wollen, und dann ist es weg. Und noch im Nachhinein wird schlecht über einen geredet, weil da was war, auf das sich ein Kind gefreut hat, und man hat es weggeworfen!

Das mit den Wegen in den großen Wohnungen kann ich auch nicht einsehen. Man hat doch Zeit und kann suchen, und es wird nie langweilig, weil man mal in dieses und mal in jenes Zimmer geht. Treppen, das sehe ich ein, wenn ich Treppen in der Wohnung hätte, das wäre vielleicht irgendwann mühsam, aber wer hat das schon? Und die Fenster putzt meine Nichte, weil meine Leiter so wackelig ist, und in kleinen Wohnungen gibt es auch Fenster und die sind meistens komplizierter, weil sie kleiner sind und man nicht mal so in einem drüberwischen kann.

Ich glaube, die reden uns Alten das mit den kleinen Wohnungen ein, damit wir unsere Sachen alle weggeben und die dann damit auf den Flohmarkt gehen und was dran verdienen können. Da können die bei mir lange drauf warten. (PK)

Online-Flyer Nr. 102  vom 04.07.2007

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Von Kostas Koufogiorgos
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