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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Sport
In der Sportförderung will der Konzern Millionen einsparen
Bittere BAYER-Pille
Von Manfred Demmer und Peter Kleinert

Auch im Sport wollen nun die Konzern-Bosse der BAYER AG klar machen, wer die Herren im Hause sind. Wie beim Umbau des Konzerns, der nur dazu dient, die Verwertungsbedingungen für die Nutznießer – jene kleine Handvoll von Großaktionären und Bankern – zu verbessern, während sie Arbeitern und Angestellten, die durch ihre Arbeit  Höchstprofite schufen, mit Lohnverzicht, Arbeitszeitverlängerung und Arbeitsplatzverlust drohen.

Der Profifußball bleibt ungeschoren

Wenn sich der Konzern schon davon nicht abhalten ließ – obwohl eindeutige Bestimmungen der Landesverfassung von NRW das Wohl der Menschen über wirtschaftliche Interessen stellen,  was kümmert sie da eine jahrzehntelange Sporttradition, die es ja auch nur gab, weil sie sich davon Vorteile bei der Werbung erhofften? Folgerichtig machen BAYER-Chef Wenning und seine übrigen hoch bezahlten Manager jetzt klar, dass der Konzern sich ab Sommer 2008 aus der Imagewerbung durch Sportförderung zurückziehen wird. Treffen soll die Sparmaßnahme vor allem Basketball, Handball, Volleyball und die Leichtathletik mit Athleten wie Speerwurf-Europameisterin Steffi Nerius oder Weltklasse-Stabhochspringern Lars Börgeling und Danny Ecker. Nur etwa 25 Millionen für den Profifußball stehen nicht zur Disposition.

Sportfans im BAYER-Stadion – ziemlich sauer
Sportfans im BAYER-Stadion – ziemlich sauer
Foto: Basisbetriebsräte


Bisher 27 Sportvereine gefördert


Derzeit fördert die Bayer AG laut FAZ noch 27 Sportvereine um die Werksstandorte Leverkusen, Dormagen, Uerdingen und Wuppertal. In diesen Klubs betreiben etwa 50.000 Mitglieder Breiten-, Behinderten-, Nachwuchs- oder Spitzensport in 50 Disziplinen. Knapp 200 hauptamtliche Mitarbeiter, davon ein Drittel Trainer, werden beschäftigt. 18 Erstligamannschaften in 16 Sportarten, die unter dem Namen BAYER antreten, hat die FAZ gezählt. Den gemeinnützigen Vereinssport ließ man sich danach bisher etwa 14 Millionen Euro im Jahr kosten.

Blamable Reaktion der Lokalpolitik

Und wieder einmal kann man an den blamablen Reaktionen der Lokalpolitiker feststellen, wie die Stadt Leverkusen am Tropf des Global Players hängt: Der Oberbürgermeister sieht die Entwicklung zwar „mit großer Sorge“, möchte „allerdings zunächst den positiven Aspekt erwähnen“. Gemeint sind Passagen in der BAYER-Erklärung, in denen man von der Förderung des Breiten-, Jugend- und  Behindertensports spricht. Die verpflichten zwar zu gar nichts, doch OB Küchler findet sie „bemerkenswert“. Und der CDU-Fraktionschef meint, dass ein solcher Einschnitt zwar schmerzhaft sei und dem Image der Stadt schade, doch man müsse die Entscheidung eben hinnehmen. Nun sei  verstärktes Engagement von Bürgern und Vereinen nötig.

Schon 2004 vorausgesehen

Die Kulturvereinigung Leverkusen e.V. sah diese Entwicklung schon am 3.Oktober 2004 voraus und forderte die Kommunalpoltiker auf, aktiv zu werden, als Bayer bekannt gab, die Kulturförderung in bestimmten Bereichen einzustellen. Zitat: „Durchgängig wurde und wird das Sponsoring des Konzerns für die ‚Kultur’, für die ‚Landesgartenschau’, ja auch für den ‚Sport’ gelobt…Wer die Politik der Konzern-Bosse verfolgt, wer sieht, wie den Arbeitern und Angestellten im Konzern immer mehr ihre erkämpften Rechte geraubt  werden, wie Arbeitsplätze vernichtet, wie soziale Leistungen gekürzt werden und ganz verschwinden, wer an die Schließung der Werkskindergärten, der Bayer-Kaufhäuser u.ä. denkt, wer sich an die Schließung des Duisberg-Bades erinnert, wer dies und anderes erkennt, wird in dem jetzigen Beschluss nur einen weiteren Schritt sehen, dem weitere „Spar“maßnahmen folgen werden“.

Andere Sponsoren?

Dem tröstende Hinweis aus dem Rathaus, man müsse sich nun eben andere Sponsoren suchen, kann man getrost vergessen. Wie mühselig die Suche nach „Sponsoren“ ist, erleben gerade die beiden jungen Skater, die mit Ferienbeginn ihre Protestfahrt  für Arbeitsplätze von Augsburg nach Leverkusen starten wollen und bei ihrer Rückkehr am 16. Juli auf der Skaterbahn unter der Stelzenautobahn in Leverkusen begrüßt werden sollen. Einzelne Personen, kleine Geschäftsleute unterstützen zwar die „Skaterjungs“, doch von den üblichen Sponsoren des großen Geldes, die mit ihrer Reklame bei Sportveranstaltungen sichtbar sind, war bisher nichts zu sehen. Was zugleich deutlich macht – Sponsoring wird nur da geleistet – wo es jenen, die auf  dem Geldsack sitzen, nützlich erscheint.

Skaterjungs Adrian und Dennis – brauchen Unterstützung
Skaterjungs Adrian und Dennis – brauchen Unterstützung
Foto: privat


Informationen über die „Skaterjungs“ finden Sie unter skaterjungs.sagbaybay.de und in der NRhZ-Ausgabe Nr. 88


Online-Flyer Nr. 97  vom 30.05.2007

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