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Aktueller Online-Flyer vom 16. Dezember 2017  

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Lokales
Schaffner statt Kontrolleure - Service statt Kriminalisierung
Vorschlag an die KVB
Von Bart Simpson

Tausende Menschen benutzen alltäglich die U- und S-Bahnen der Kölner Verkehrsbetriebe KVB, fahren mit Bussen und Bahnen zur Arbeit, zum Einkauf oder zur Arbeitsagentur. Tausende besuchen unsere Stadt, besichtigen und konsumieren, treffen sich und amüsieren sich. Wer kennt aber nicht die plötzlichen Kontrollen mehr oder weniger streng dreinblickender Agenten der inneren Sicherheit, die mit geschultem Blick erkennen, wer wohl gerade ohne Fahrschein die öffentlichen Dienstleistungen in Anspruch nimmt. „Kontro“ heißen die Kontrolleure sie im Sprachgebrauch, „Fahrgastprüfer“ ist der terminus technicus der Verkehrsbetriebe.

Fahren ohne Fahrschein wird im Volksmund missverständlich „Schwarzfahren“ genannt. Der Gesetzgeber spricht von „Erschleichung von Leistungen – Beförderungserschleichung“. Es ist einfach verboten, auf Kosten der Allgemeinheit und der Verkehrsbetriebe im Besonderen mit Bus und Bahn zu fahren, während andere dafür umso mehr berappen müssen.

KVB
Das waren noch Zeiten – Kölner Straßenbahn von 1956
Quelle: KVB-Museum


Aber – Hand aufs Herz – wie oft ist es Absicht, und wie oft hat man einfach vergessen, das Ticket zu ziehen, den neuen Monatsaufkleber fachgerecht einzukleben, am Eingang des S-Bahnhofs zu entwerten oder beim Wechsel der Jeans das Portemonnaie in der anderen Hose gelassen. Da hofft man dann, nicht „erwischt“ zu werden, obwohl man pflichtgemäß den Dauerauftrag abgebucht bekommt.

Es gibt auch die Fälle, in denen jemand einem Anderen das Dauerticket leiht. Um zu betrügen oder aus Unwissenheit – „die Fälle sind unterschiedlich“, weiß ein Kenner zu berichten, der alltäglich solche Kontrollen durchführt. „Auch meinem Sohn ist das schon passiert, obwohl ich selber bei dem Verein arbeite“, bekennt einer.

Alle landen irgendwann auf dem Schreibtisch des Staatsanwaltes – auch wenn die mit Betreten der Bahn „vereinbarte“ erhöhte Beförderungsbezahlung von 40 Euro pro Kriminalfall bereits bezahlt wurde.

Tausende Arbeitsstunden sitzen nun die Männer und Frauen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht, die jeweiligen Poststellen der Behörden, die Verwaltungsfachkräfte bei den Kommunalbehörden – ganz zu schweigen von den bereitzuhaltenden Papier- und Datenmengen, Briefporto, Aktenkurier, Druckerschwärze und Datenleitungen.... Das alles kostet Unsummen, um einen Verstoß von 2,90 Euro bis ca. 7 Euro im Schnitt pro Kriminalfall zu recherchieren, den Beschuldigten anzuhören, die Zeugen und Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe.... Da gibt’s den mit Maulkorb versehenen Security-Mann (oder Frauen, die sich dem Bild angepasst haben), alles wegen der kriminellen Energie der „Beförderungs- und Leistungserschleicher“.

Was wäre die effizienteste und menschenfreundlichste, die serviceorientierte Lösung? Der gute alte Schaffner, die Schaffnerin. Sie würde nicht mehr mit zu wenig Geld die Bahn benutzen, sondern sie wäre die kundenfreundliche Person, die schlicht die Fahrkarte für eine einfache Fahrt verkauft, an die, welche noch keine haben oder keine dabei haben. Keine Strafanzeige, keine erhöhten Beförderungszwangsgelder, schlicht eine Fahrkarte für’s Benutzen der Bahn.

Und der Nebeneffekt: Ein Mensch, den Du kennst, den Du ansprechen kannst in der jeweiligen Linie. Ein Mann oder eine Frau, die auch darauf achtet, dass niemand mit seinem verschmutzten Springerstiefel auf der Sitzbank den Dreck hinterlässt, der dann an der hellen Jeans haften bleibt. Ein ortskundiger Ratgeber, eine aufmerksame Verhüterin der Zerstörungen durch wildes Graffity und zerschnittene Sitzbänke, herumfliegende leere Flaschen und anpöbelnde Überdosierte.




Online-Flyer Nr. 96  vom 23.05.2007

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Von Kostas Koufogiorgos
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