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Aktueller Online-Flyer vom 10. Juni 2026  

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Lokales
Interview mit dem Grünen Ossi Helling und dem Streetworker Necmi Serefoglu
Medienthema Jugendgewalt
Von Franco Clemens

Das Thema Jugendgewalt beschäftigt nach einigen schlimmen Vorfällen seit Wochen die Medien.  Ein vielschichtiges Thema, das die Bürger/innen, Sozialarbeiter und Parteien inzwischen öffentlich zum Teil konträr auch in der NRhZ diskutieren. Den Fragen unseres Gastautors Franco Clemens nach Gründen und verwertbaren Lösungsansätzen stellten sich Ossi Helling, sozialpolitscher Sprecher der Grünen im Rat der Stadt Köln, und der neue Streetworker in Porz-Finkenberg, Necmi Serefoglu. Die Interviews werden auch im Bürgerfunkmagazin "Stadtgespräche" des Radioclub Böcklerplatz gesendet.

Franco Clemens: Herr Helling, das Thema Jugendgewalt war die letzten Wochen und Monate sehr präsent in der Öffentlichkeit und viele Bürger haben sich berechtigt aufgeregt über die Gewaltdelikte die stattgefunden haben fragen sich welche Konsequenzen die Politik da raus zieht. 

Ossi Helling: Die Politik muss zunächst mal darauf achten, wie die objektive Situation in Köln ist. Ohne Zweifel gibt es eine Reihe sehr spektakulärer Straftaten von Jugendlichen, ich erinnere nur an das Zerschlagen eines Familienvaters vor den Augen seiner vier Kinder, der sofort danach lebensgefährlich verletzt auf die Intensivstation geliefert wurde. Das hat zu recht zu Empörung bei vielen, vielen Bürgern geführt und hat zu recht auch zu der Forderung an die Politik geführt, jetzt endlich zu handeln. Eine andere Frage ist, was nötiges und vorausschauendes Handeln bedeutet. Dazu müssen wir uns zunächst einmal klarmachen, wie die tatsächliche Situation in Köln in der Entwicklung der letzten Jahre ist. Ohne Zweifel haben wir eine Entwicklung hin zu mehr Jugendkriminalität. Allerdings sind das Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik, und diese Kriminalstatistik ist mit Vorsicht zu genießen, insofern als sie nicht etwa das tatsächliche Ausmaß von Kriminalität zeigt, sondern nur das Anzeigenverhalten der Bevölkerung, was bestimmten Schwankungen unterliegt. Und entsprechend sind die Aussagen aus dieser Statistik nur mit Einschränkungen anzusehen.
 
Haben Sie da Beispiele?
 
Ein Beispiel ist die Gewalt gegen Frauen, ein sehr unerfreuliches Phänomen. Köln liegt da seit Jahren in einer Spitzenstellung. Dort haben wir die Erkenntnis, dass das ständig steigende Anzeigenverhalten nicht automatisch Ausdruck von stetig steigender Gewalt gegenüber Frauen ist, sondern wir haben die Erkenntnis, dass die Frauen, die bisher Opfer waren, einfach mutiger geworden sind. Heute noch ist es so, dass in kleineren Mittelstädten geschlagene oder sexuell bedrängte Frauen sich aus verschiedenen Gründen überhaupt nicht trauen zur Polizei zu gehen. In den Großstädten - natürlich unter anderem gestützt durch das Netz von Frauenberatungsstellen -haben wir mehr Selbstsicherheit der Frauen als Opfer und wir haben einen hohen Anteil von Frauen, die nach solchen Gewalt- und sexuellen Übergriffen sofort die Polizei aufsuchen und entsprechend Anzeigen erstatten. Das ist ein Beispiel. Ein anderes Beispiel könnte man aus dem Drogenbereich benennen. Dort ist natürlich die Tatsache, dass die Polizei verschiedene Razzien über mehrere Monate macht, immer automatisch verantwortlich dafür, dass die Straftaten im Bereich der Drogenkriminalität innerhalb des Jahres enorm ansteigen. Das heißt nicht, dass die Drogenkriminalität zunimmt, sondern dass auf Grundlage der Razzien diese Kriminalität anzeigenmäßig erfasst ist.

Ossi Helling
Ossi Helling und Franco Clemens beim Interview
Quelle: Andreas Baehte
 
Das heißt, dass in erster Linie also mehr zur Anzeige gebracht wird, also auch im Bereich der Jugendkriminalität. Welche Konsequenzen entstehen denn aber jetzt für die Politik aufgrund der extremen Vorfälle, die wir die letzten Monate und Wochen hatten?

Die Politik muss ohne Zweifel Konsequenzen ziehen, ich wollte dennoch darauf hinweisen, dass die Veröffentlichung von Polizeistatistiken einer gewissen Beliebigkeit unterliegt. Ohne das klein reden zu wollen. Wir haben in diesem Jahr bei der Polizeistatistik beispielsweise bei Mord und Totschlag eine Steigerungsrate von 178 Prozent. Wir haben im Bereich beispielsweise des Handtaschenraubes eine Senkung um 20 Prozent, wir haben im Bereich der Körperverletzung eine Steigerung von 18 Prozent, wir haben beim Diebstahl von Krafträdern beispielsweise eine Steigerung von 20 Prozent. Was ich sagen will ist: Die Frage, worüber sich eine Gesellschaft aufregen sollte, folgt nicht automatisch den Prioritäten oder den höchsten Steigerungsraten einer Kriminalstatistik, sondern sie folgt offenbar anderen Geschehnissen. Hier ist insbesondere festzustellen, dass es im unmittelbaren zeitlichen Vorfeld der Veröffentlichung dieser Statistik eine Reihe spektakulärer einzelner Straftaten von Jugendlichen gegeben hat, wie wir eben schon angesprochen haben.

Aber kommen wir jetzt zur Jugendkriminalität selber, dort gibt es in der Tat Zahlen, die beachtet werden müssen. Die Gesamtkriminalität von Jugendlichen ist um 10,28 Prozent gestiegen, die Raubtätigkeit der Jugendlichen ist um 14,85 Prozent gestiegen, die Freiheitsberaubung, Bedrohung, Nötigung ist um 30,33 Prozent gestiegen, die Sachbeschädigung von Jugendlichen ist um 57,86 Prozent gestiegen. Das heißt, wir haben unterhalb der Ebene der Gesamtsteigerung von 10 Prozent eine ganze Reihe von Straftaten, wo einfach ein größeres Ausmaß von Gewalt gegen Personen wie auch von Gewalt gegen Sachen zu verzeichnen ist, und das muss in der Tat Politik zum Handeln zwingen.
 
Sie haben eben schon aufgezeigt, dass Statistik relativ ist - aufgrund dessen was in den öffentlichen Fokus gerät -  und das kann man auch weiter konkretisieren, runter gebrochen auf die Jugendgewalt.
 
Das ist in der Tat so. Es gibt, wie schon gesagt, bedrohliche Zahlen - ich möchte noch eine einzige Zahl abschließend nennen, beim Raub insgesamt in Köln sind 41,83 Prozent aller Straftäter, die Raub begangen haben, minderjährige Tatverdächtige, das heißt Jugendliche bis 18 Jahre. Und das ist eine Zahl, die in der Tat unter anderem zu dem Schluss führen müßte, dass Jugendliche scheinbar Hemmschwellen in größerem Umfang verlieren, um aus Gewaltphantasien Gewaltrealitäten werden zu lassen. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir keine eindimensionalen Lösungen suchen sollten. Zu berücksichtigen ist, dass die Gewalt von Jugendlichen nicht bekämpft werden kann unter den Jugendlichen alleine, sondern zu berücksichtigen ist, dass dieses Phänomen der größeren Bereitschaft, sich in Konflikten gewaltsam auseinanderzusetzen, ein Phänomen ist, was offenbar in der gesamten Gesellschaft steigt. Das heißt, Kampf gegen Jugendkriminalität kann niemals nur bedeuten, Politik gegenüber Jugendlichen zu ändern, sondern muss immer bedeuten, die gesamte Gesellschaft ins Blickfeld zu nehmen und eine Vielzahl von politischen Maßnahmen zu produzieren.
 
Das heißt, die Jugendgewalt ist ein Spiegelbild der herrschenden Erwachsenengesellschaft. Bürger und Bürgerinnen fragen sich natürlich dennoch, was kann Politik im Moment leisten, um erstmal die Symptome abzuschwächen um aber dann an die Ursachen selbst heranzukommen?
 
Ich möchte hier betonen, dass wir nicht nur reden wollen und nicht nur Pläne machen wollen oder Fachdiskussionen führen wollen, sondern dass wir natürlich auch Vorstellungen haben, was gemacht werden muss. Wir haben sehr große Erfahrungen, positive Erfahrungen mit dem so genannten Stufenkonzept gegen die im Jahre 2003 sehr manifest werdende Klaukids-Problematik. Dieses Stufenkonzept bedeutete, eine Vielzahl von sozialpädagogischen Hilfsmaßnamen für Kinder, Jugendliche und deren Familien, aber auch einen enormen strafrechtlichen Druck auf die Familien selber auszuüben. Und dort haben wir in der Tat - mit diesem abgestuften Konzept von Repression und Sozialpolitik - sehr große Erfolge: die Zahl der Intensivtäter als Kinder aus dem Roma-Bereich hat sich in den Jahren seit 2003 dramatisch gesenkt, und das ist gut so. Daraus ziehen wir Lehren, um auch die Zahl der jugendlichen Kriminellen, die bedrohlich sind, in den nächsten Jahren über ein solches Konzept drastisch zu senken.

Nochmal zur Problematik der Klaukids. Nachdem eine sehr einseitige und  oberflächliche Berichterstattung darüber in der Boulevard-Presse stattgefunden hatte, ging es ja im Nachhinein darum, die Probleme die dahinter stehen, zu lösen. Wie ist man denn damals da ganz konkret rangegangen?
 
Der damalige Ansatz war der: einerseits konkrete Hilfestellung für die Kinder, insbesondere für die strafunmündigen Kinder bis vierzehn zu leisten. Zum Beispiel, hatten die Kinder in den Unterbringungsheimen keinerlei Tagesstruktur, keinerlei Möglichkeiten, irgendwo aktiv zu werden. Man hat ihnen ein Angebot gemacht, eine Art Vorschuleinrichtung, eine Mischung zwischen Kindergarten und Grundschule zu besuchen. Dort hat man ihnen Angebote gemacht, Schreiben zu lernen, Sprechen zu lernen, die deutsche Sprache zu beherrschen, musische Angebote gemacht, Gitarrenunterricht und ähnliches. Das hat zu gigantischen Erfolgen geführt. Wir haben über 200 Kinder inzwischen durch diesen Kindergarten geschleust und haben in einer Vielzahl von Fällen die Übernahme dieser Kinder ins normale Grundschulsystem ermöglicht. Gleichzeitig haben wir natürlich den Eltern klargemacht, dass die Situation, Kinder zum Klauen zu missbrauchen, nicht hinnehmbar ist. Wir hatten bis dahin das Phänomen, dass ein Kind nicht nur einmal oder zehnmal von der Polizei beim Klauen erwischt wurde, in städtische Obhut gegeben wurde, am gleichen Tag noch den Eltern wiederum von der Stadt übergeben wurde, was rechtlich vorgesehen ist, sondern das passierte 100, 120, 150 mal. Die Eltern konnten gar nicht anders als zu sagen: das ist offenbar ein Ritual, das mich überhaupt nicht bedroht.

Erst als es geschafft wurde, zusammen mit Familienrichtern den Eltern das Sorgerecht für solche Kinder zu entziehen und sie hunderte von Kilometern außerhalb Kölns unterzubringen - in pädagogisch vernünftig geführten Heimen - erst in dem Moment war einer Vielzahl von Eltern klar, dass die bisherige laisse-faire-Haltung der Stadt und auch der Jugendpolitik ein Ende hatte. Und das hat dazu geführt, dass alle Eltern enorme Bereitschaft gezeigt haben, ihre Kinder in diese Kindergarten- und Schulsysteme einzugliedern und sie tatsächlich vom Klauen abzuhalten.
 
Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht. Bedeutet das also, dass pädagogisch sinnvollere Abstrafung, Grenzen Aufzeigen – in Kooperation mit Richtern, Sozialarbeitern und den entsprechenden Institutionen wie Jugendämtern - zum Erfolg führen kann?

Wir müssen in diesem Kontext unbedingt den Dialog mit den Staatsanwaltschaften und den Gerichten forcieren. Jeder weiß, dass es eine breite öffentliche Kritik gibt, die unter anderem auch von der CDU im Rat vertreten wurde, die aber meiner Ansicht nach überzogen war, weil sie schon fast die Unabhängigkeit der Gerichte nicht mehr akzeptiert hat. Allerdings sollten wir schon geduldig mit diesen Akteuren zusammenarbeiten und auch Erfahrungen auswerten. Unsere Vorstellung ist jetzt in einem von Grünen und SPD in der letzten Ratssitzung eingebrachten Antrag enthalten: Wir wollen ein mit Fachleuten besetztes Hearing veranstalten, um bisherige Erfolge aber auch bisherige Schwachstellen im Kampf gegen die Jugendkriminalität zu erörtern. Und dazu gehört eben auch die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft und der Richter bezogen auf ihre Praxis jugendlichen Straftätern gegenüber.
 
Hearing heißt Anhörung, das heißt also, Fachleute setzen sich zusammen?  

Fachleute werden sich zusammensetzen, es wird eine begrenzte Öffentlichkeit geschaffen. Das Hearing wird in den entsprechenden Fachausschüssen Jugendhilfe, Soziales und allgemeine Verwaltung stattfinden. Es wird auch einem größerem Zuschauer- oder Teilnehmerkreis möglich sein, mit den Fachleuten zu diskutieren. Wir haben in Köln viele positive Erfahrungen mit Anhörungen, die mit qualifizierten Fachleuten besetzt sind; das hilft der Politik um vernünftige zukunftsorientierte Schritte zu entwickeln.

Gibt es denn im Vorfeld schon erste Ideen oder Ansätze von Seiten der Politik, die man in die öffentliche Diskussion schon einwerfen könnte?
 
Wir haben eine Reihe von Konzepten in diesem Bereich, ich hatte eben das Stufenkonzept bei den Kindern und Jugendlichen aus dem Bereich der unerlaubt eingereisten Flüchtlinge benannt. Wir haben eine Reihe von Konzepten, die teilweise durchaus erfolgreich arbeiten, ich nenne nur das Netzwerk gegen Gewalt an Schulen. Wir haben es inzwischen geschafft, dass Bezirksbeamte sich an allen Schulen als Ansprechpartner vorgestellt haben, wir haben an einzelnen Schulen, insbesondere im Stadtbezirk Porz den Aufbau eines sehr eng geknüpften Netzwerks zwischen Schule, Jugendämtern und Polizei. Wir haben dort durchaus Erfolge, so dass bei enger Zusammenarbeit der Schulen mit der Polizei Bandenbildung und ähnliches an Hauptschulen beispielsweise erst gar nicht entstehen konnte. Diese positiven Erfahrungen müssen in soweit genutzt werden, dass wir solche Modelle generell an allen Hauptschulen, auch an den Realschulen und Gymnasien einführen sollten. Auch dazu wird dieses Hearing dienen, und ich bin sicher: am Ende des Hearings werden wir zu einem sehr langfristig orientierten Handlungsplan gegen Jugendkriminalität kommen.
 
Das Projekt „Mut gegen Gewalt in Porz“ und das Porzer Streetwokermodell wäre ja so eine Vision, wo es für die Stadt insgesamt langgehen könnte. In diesem Sinne Herr Helling, bis hierhin vielen Dank für das ausführliche Interview. Über Porz-Finkenberg rede ich mit Necmi Serefoglu, der mit jetzt gegenüber sitzt. Er hat eine neue erweiterte Streetworkerstelle in Porz-Finkenberg angetreten, finanziert von Jugendamt der Stadt Köln. Da ist er neben der bereits bestehenden Streetworkerstelle jetzt für bestimmte Schwerpunkte zuständig.

Necmi Serefoglu: Hallo Franco.
 
Franco Clemens: Necmi, sozusagen frisch in Finkenberg gelandet. Die ersten Eindrücke?

Meine ersten Eindrücke sind eigentlich, dass es da sehr familiär zugeht, dass eine sehr gute Basisarbeit gerade im sozialpädagogischen Bereich stattgefunden hat, sodass die Kids gar nicht mehr auf der Straße sind, jedenfalls in den Zeiten, wo in der offenen Jugendarbeit etwas angeboten wird. Außerdem sind da noch die soziale Gruppenarbeit und die Jugendwerkstatt, das heißt, es läuft erstmal alles rund, und das ist natürlich eine sehr gute Basis, dort nun einzusteigen.

Necmi Serefoglu: Selbstwertgefühl positiv aufbauen
Quelle: Ewa Wawrzyniak



Dennoch gab es Defizite, und diese Defizite darf man beim Namen nennen, denn die sollen durch Dich nun aufgefangen werden. Wo waren diese Lücken, und wo sind Deine Schwerpunkte?

Die Lücken waren speziell in den Abendstunden und auch an Wochenenden, das wird jetzt aber auch durch mich ein bisschen kompensiert.

Wie läuft denn das jetzt in der Praxis genau ab?

In der Praxis sieht es so aus, dass ich an Tagen wie Freitag und Samstag bis 24 Uhr im Viertel bin und da dann bestimmte Stellen abgehe, wo sich die Jugendlichen aufhalten, einfach Präsenz zeige, mit den Jugendlichen auch ein Stück weit Präventivarbeit leiste. Also bevor Delikte entstehen können, versuche ich direkt vor Ort zu sein, Kontakte aufzunehmen und die weiter zu vertiefen. Außerhalb dieser Zeiten versuche ich dann eben auch ursachentechnisch zu arbeiten denn Gewalttaten sind ja nur die Symptome.

Wo liegen die Ursachen deiner Meinung nach?
 
Die Ursachen liegen für mich in der Perspektivlosigkeit, ein Stück weit auch im Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, sodass Gewalt auch ein Stück Kompensation dessen ist, sich vor seinen Freunden ein Selbstwertgefühl aufzubauen. Ich persönlich möchte den Jugendlichen und Kindern Alternativen aufzeigen, wie dieses Selbstwertgefühl auch positiv aufgebaut werden kann. Zum Beispiel durch Musik, medienpädagogische Arbeit und eben auch durch das Ausbauen von Perspektiven ins Berufsleben. Ein persönlicher Schwerpunkt ist also die Schule, dass die Kids dort ihre Schulabschlüsse machen, erfahren was danach passiert, und Hilfe bekommen beim Finden von Praktikumsplätzen und Ausbildungsstellen. 

Das heißt auch Kontakt zwischen Arbeitgebern oder Schulen herzustellen?

Genau. Sich bei den Problemfällen präventiv mit den Schulen kurzzuschließen, um die Schulabschlüsse hinzubekommen und Praktikumsplätze zu vermitteln, damit sie später auch Ausbildungsstellen bekommen. Die Älteren, die keine Abschlüsse haben, versuche ich abseits der bescheidenen Angebote der Arbeitsämter zu motivieren und zu helfen, Jobs zu finden, damit sie Alternativen zur Kriminalität, zu den Drogen und auch zur Gewalt kennen lernen.

Du hattest eben auch so einen medienpädagogischen Ansatz angedeutet. Könntest Du Dir denn vorstellen zum Beispiel im Bürgerfunk oder in der NRhZ mal mit Jugendlichen und Kindern aus Köln-Finkenberg eine Sendung zu machen oder Artikel zu schreiben?

Das könnte ich mir sehr gut vorstellen, da ich auch denke, dass die Jungs einfach eine Menge zu sagen haben und auch mal ihre Seite gerne darstellen würden, wieso und weshalb gewisse Sachen passieren, ihre eigene Verdrossenheit, Ideen und Ansätze auch mal klarzustellen und sich dann auf diese Art und Weise positiv produzieren zu können und nicht nur bei Schlägereien oder irgendwelchen räuberischen Delikten.

Das ist ein klasse Ansatz, denn wir reden sehr viel über Menschen statt mit den Menschen und da können wir in der herrschenden Erwachsenengesellschaft sicherlich noch einiges von lernen. Wir werden das in der Redaktion mal besprechen. Danke für das Interview.


Unser Gastautor Franco Clemens, alias "Don Franco" von den Magic Street Voices, ist Sozialarbeiter/Streetworker/Straßenmusiker und Bürgerfunker bei Radio Flok und dem Radioclub Böcklerplatz

Online-Flyer Nr. 93  vom 02.05.2007

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