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Medien
MZ-Verleger Lensing-Wolff: „Brüder in Eins nun die Hände!“
Anleihen von der SED
Von Peter Kleinert

Protestkundgebungen der Journalisten-Gewerkschaft dju in ver.di und des Deutschen Journalisten-Verbandes sowie eine breite Solidarität der Abonnenten der Münsterschen Zeitung mit der von ihrem Verleger Lambert Lensing-Wolff geschassten Lokal- und Sportredaktion scheinen diesen zum Nachdenken gebracht zu haben (siehe NRhZ 81 und 84). Im  WDR-Fernsehen versprach Lensing-Wolff jedenfalls persönlich, er werde seiner „sozialen Verantwortung gerecht werden“. Und im Lokalteil der MZ bewies er nun, wie ernst er dieses Versprechen meint - indem er sich als heimlicher Sympathisant der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) offenbarte.



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SED-Orden in Münster?
Foto: NRhZ-Archiv


Diese Vermutung bei seinen Lesern erregte jedenfalls die blauweisse Danke-Medaille, die Lensing-Wolff neuerdings in einer Aktion für selbstlose „Stille Engel der Nachbarschaft“ in der Münsterschen Zeitung ausloben lässt. Inhalt und Aufmachung dieser Medaille, wie sie in der MZ vom 7. März den verdutzten LeserInnen vorgestellt wurde, erinnerte einen von ihnen, der vor Jahren Arbeit suchend aus Sachsen ins Münsterland gezogen war, heftig an das Parteiemblem der SED. Und er mailte MZ-Medaille und SED-Abzeichen der NRhZ-Redaktion.

Begründung: Die verschlungenen Hände erinnerten zu DDR-Zeiten symbolisch an den historischen Händedruck zwischen dem Sozialdemokraten Otto Grotewohl und dem Kommunisten Wilhelm Pieck, die 1946 unter dem Motto „Brüder in Eins nun die Hände“ SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands vereinigten – ein Foto, das in keiner historischen Betrachtung oder Publikation zu diesem Thema in der DDR fehlen durfte. Hundert Jahre früher, während der 48er Revolution war dieser Händedruck schon im Correspondenzblatt „Die Verbrüderung“ zu finden, das von den Mitgliedern der größten damaligen Arbeiterorganisation gelesen wurde – der „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung“, die als einer der Ursprünge der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung gilt.

Auf NRhZ-Anfrage, was er als Gewerkschaftsvertreter der immer noch im Münsteraner Kirchenasyl ausharrenden, freigestellten MZ-KollegInnen von diesem Signal aus dem Hause des Verlegers halte, antwortete Frank Biermann, Sektionschef der Deutschen Journalisten-Union (dju) im Münsterland lakonisch: „Wir wundern uns bei Herrn Lensing-Wolff schon länger über gar nichts mehr. Aber dass er sich jetzt auch vor Handreichungen der alten SED nicht scheut, überrascht uns dann doch noch.“

Immerhin, so Biermann: „Personelle Einschnitte, die wir für die Lensing-Zeitungen im Kreis
Steinfurt befürchtet hatten, werden trotz der Einführung eines Newsdesks nach aktuellen Aussagen des Verlegers auf einer Belegschaftsversammlung in Emsdetten, wohl ausbleiben. Da hat der Proteststurm in Münster wohl erstmal schlimmeres verhindert.“ Dass Lensing Wolff seinen Verlag nun im nächsten Schritt gleich seinen Arbeitern, Angestellten und Redakteuren übergeben wird, wie er das als SED-Bewunderer eigentlich tun müsste, hält Frank Biermann allerdings doch für „einigermaßen unwahrscheinlich“. Aber sagt er: "Wir kaufen ihm die Zeitung auch gerne für einen symbolischen Euro ab".


Online-Flyer Nr. 86  vom 14.03.2007

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