NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 11. Juni 2026  

zurück  
Druckversion

Lokales
Unser Bolzplatz soll bleiben
„Körnerstraße 77“ - Folge 8
Von Dennis, Gilan, Klaus, Lukas und Martin

„Ende August 2006 fing alles mit einem kleinen Plakat an, mit dem wir für die Zeitungs-AG im Viertel geworben haben. Darin stand, dass wir eine Zeitschrift von und für Kinder und Jugendliche in Ehrenfeld machen wollen - über alles, was Kinder und Jugendliche interessiert“, heißt es im Editorial der „Körnerstrasse 77“. Interviews und Artikel des ersten Hefts sind so ideenreich, interessant und spannend, dass wir nun schon zum achten Mal Teile daraus in einer Serie vorstellen, damit sie auch andere Kölner Kinder und Jugendliche kennen lernen können. - Die Redaktion

Gilan: Wieso ist euer Fußballplatz bedroht?

Dennis: Die Erwachsenen sagen, dass wir da alles kaputt gemacht haben. Jetzt wollen die einen Zaun bauen, damit wir dort nicht mehr Fußball spielen. Wir wissen aber nicht, wo wir sonst Fußball spielen können.

Martin: Das ist nicht gerecht. Wem gehört eigentlich dieser Platz?

Dennis: Der Hof gehört zu den ganzen Häusern, jeder darf den benutzen. Bevor wir da hingezogen sind, hab ich schon von meinen Freunden gehört, da haben die früher sogar Tore gehabt. Plötzlich sind neue Mieter gekommen, die haben dann Stress gemacht, dass der Bolzplatz nicht mehr existieren soll.

Gilan: Wer benutzt denn den Platz?

Dennis: Eigentlich alle Mieter, zum Beispiel zum Grillen, oder wir spielen da Fußball. Die wollen einfach das Stück zwischen den beiden Häusern, das gehört nicht nur zur Herkulesstraße, das gehört auch zur Fritz-Figge-Straße. Die Mieter aus dem anderen Haus, die wollen nicht mehr, dass wir da Fußballspielen, weil der Rasen angeblich schon so kaputt war.

spielplatz
bolzen verboten?
Foto: Kölner Appell


Martin: Das finde ich irgendwie doof, es können doch nicht immer die Erwachsenen entscheiden.

Dennis: Die Erwachsenen haben gesagt, wir sollen uns einen neuen Platz suchen, zum Beispiel es gibt den Eintracht-Köln-Platz, das ist eine Fußball-Mannschaft, die haben drei Plätze, da sollen wir spielen, oder es gibt die öffentlichen Parks, da sollen wir spielen. Da haben wir gesagt, dahaben auch meine Freunde gesagt, wir spielen da schon länger, es hat noch niemand was gesagt. Seit neuestem sagen die, der Spielplatz soll jetzt nicht mehr benutzt werden als Fußball-Platz, weil der Rasen schon so kaputt ist, deswegen sollen wir nur noch auf der einen Seite bleiben. Aber so lange der Zaun noch nicht da ist, dürfen wir da noch Fußball spielen. Manche Leute sagen, zum Beispiel aus unserem Haus, da hab ich einen Freund, dem seine Mutter sagt auch, ihr könnt doch dort spielen, ihr seid doch noch Kinder. Von allen Freunden die Eltern sagen das. Und manche sagen, dass sie das gut finden, einer zum Beispiel sitzt auf dem Balkon und kuckt uns zu beim Fußball spielen. Manche wollen es, manche nicht.

Klaus: Was ich schön finde, ist dass bei euch Mädchen und Jungen zusammen Fußball spielen.

Dennis: Ja, das passiert manchmal, dass wir mal gemeinsam was spielen, zum Beispiel „Ball-verstecken“. Das ist auch wie Fußball, da muss man den Ball wegschiessen und man kann sich verstecken. Wir machen manchmal alles gemeinsam, aber manchmal sind auch die Mädchen so frech und so, dann wollen die nicht mit uns spielen, dann spielen wir auch alleine.

Klaus: Spielt ihr auch Fußball?

Gilan: Ja, bei uns gibt es auch Häuser mit einem Fußballplatz, die Mieter, die da wohnen, sagen nichts, die finden das auch gut. Es gibt einen Spielplatz für die Kleinen und noch einen Fußballplatz für die Großen.

Klaus: In diesem Jahr ist die deutsche Männermannschaft nicht Weltmeister geworden, aber die Frauen.

Lukas: Die Männer sind auch Weltmeister geworden, bei der Behinderten-Weltmeisterschaft.

Klaus: Ich dachte bei der Behinderten-WM hätte Saudi-Arabien gewonnen.

Dennis: Doch, Saudi-Arabien. Aber beim Hockey, da haben die Männer gewonnen.

Martin: Unser Fußballplatz ist auch schön, aber was ich doof finde, wenn wir da spielen, sind die Großen, die lassen uns da nicht spielen. Die werfen einfach Steine und ärgern uns. Das finde ich doof, denn der Platz gehört doch denen nicht. Ein Junge hat schon mal extra einen Stein auf meinen Fuß geschmissen. Meine Schwester hat mit denen geschimpft.

Klaus: Sind in der Straßenmannschaft auch Mädchen?

Dennis: Nein, die wollen nicht. Auf jeden Fall wollen wir den Platz gerne behalten, weil wir wissen sonst nicht, wo wir spielen sollen. Da können wir spielen wie wir wollen. Bei den anderen öffentlichen Plätzen geht das nicht, da lassen sie uns nicht immer spielen, da ärgern die uns.



Die „Körnerstraße 77“-Redaktion wüsste gern, was Euch an den Beiträgen aus dem Heft nicht gefällt und was Euch gefällt und was Ihr Euch für eine Kinder- und Jugendzeitschrift für Ehrenfeld wünscht.
Adresse: Körner Str. 77 - 79, 50823 Köln,
Tel: 0221-9521198 - 99
Fax: 0221-9521197
e-mail: koelnerappell@t-online.de,
Homepage: www.koelnerappell.de

Spenden zur Unterstützung des Projekts an Kölner Appell,
KontoNr. 7042000
bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00)


Online-Flyer Nr. 84  vom 28.02.2007

Druckversion     



Startseite           nach oben

KÖLNER KLAGEMAUER


Für Frieden und Völkerverständigung
FILMCLIP
FOTOGALERIE