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Medien
Kaum jemand weiß, wie gefährlich Sprays werden können
Schnüffeln mit Günther Jauch
Von Gisela Segieth

Im Stern TV berichtete Günther Jauch am 31. Januar von einem Dreizehnjährigen, der durch „Schnüffeln“ sein Leben verlor. Jeder, der die Sendung verfolgte, erfuhr, wie gefährlich flüchtige Lösungsmittel und Gase im Hochdosisbereich sind. Doch dass heute in den Wohlstandsländern fast jeder zum Dauerschnüffler im Niedrigdosisbereich wird, wurde in der Sendung verschwiegen. Ebenso wenig wurde auf die sich daraus ergebenden Gefahren für jeden von uns hingewiesen. Schließlich finanzieren sich die Privatsender ja durch Werbung.
Blickt man hinter die Wohnungstüren des Normalbürgers, stellt man nämlich fest, dass sich in den meisten Haushalten unserer scheinbar so zivilisierten Welt jede Menge Sprays befinden. Viele davon enthalten flüchtige Lösungsmittel und Gase, die sich frei setzen und somit auf den Organismus der Menschen wirken können. Denn diese Stoffe halten nicht bei der Kleidung an, sondern gelangen über Haut und Atemwege in die Organe, wo sie sich ungebremst anreichern können. So kommt es dazu, dass immer mehr Menschen erkranken. Je nachdem wie sensibel der Organismus des Einzelnen ist, reagiert er darauf. Den einen trifft es früher, den anderen später, manche härter, manchen weniger hart.

Collage
Fotocollage: Gisela Segieth

Auch die Art und Weise der Reaktionen kann unterschiedlich verlaufen. Während ein Mensch eine Allergie entwickelt, weil das Immunsystem in diesen Stoffen „einen feindlichen Angriff“ wittert, entwickeln andere eine multiple Sensibilität für diese Chemikalien: es kommt zu chronischer Müdigkeit, dauerhaften Schmerzen und mehr. Geschieht das, werden die Betroffenen in vielen Fällen weder von ihrem Umfeld noch von Medizinern ernst genommen. Bei manchen Allergien lässt sich die Ursache ja noch beweisen, doch bei vielen anderen Krankheitssymptomen ist das nicht der Fall. Also gilt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: Die Betroffenen gelten dann als „moderne Hypochonder“, die man nicht ernst zu nehmen braucht. Sie erfahren oft genug Ausgrenzung und Diffamierung. Familien brechen auseinander, der Arbeitsplatz wird zum Spießrutenlauf, sofern man ihn nicht verliert. Freunde und Bekannte wenden sich ab. Hilfe jedoch erfahren diese Menschen nur in den seltensten Fällen. Dabei kann es jeden Einzelnen treffen.

Denn die Anzahl der Sprays nimmt nicht ab, sondern eher zu. Auf einen Hinweis darauf wurde jedoch bei Günther Jauch verzichtet. Ebenso verzichtete man darauf zu erwähnen, dass sich die gleichen flüchtigen Lösungsmittel und Gase bei stillenden Müttern sogar in der Muttermilch anreichern. Das wiederum bedeutet, dass das gerade geborene Kind diese Stoffe in einer derart hohen Konzentration über die Nahrung aufnimmt, dass es kaum verwundert, wie viele Kinder schon sehr früh erkranken. Immer mehr Kinderärzte klagen über Babys mit atopischen Erkrankungen wie Neurodermitis, Asthma und auch Allergien. Hyperaktivitäten der Kleinen und die Zahl der Schreibabys nehmen zu. Nicht selten sind dafür genau diese Stoffe in den Sprays verantwortlich.

Hinter die jeweils konkrete Ursache zu kommen, bedeutet jedoch, die berühmte Nadel im Heuhaufen zu finden. Doch bis man sie im konkreten Fall gefunden hat, schreitet die andauernde Vergiftung durch flüchtige Lösungsmittel und Gase der Menschen in unserer „hoch entwickelten“ Konsumgesellschaft fort. Aus diesem Grund kann man nur raten, soweit wie möglich auf die Anwendung von Sprays zu verzichten, die flüchtige Lösungsmittel und Gase enthalten. – Nicht wahr Herr Jauch???


Online-Flyer Nr. 83  vom 21.02.2007

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