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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2018  

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Wirtschaft und Umwelt
Acht Vereine rufen zum Schutz der Hangelarer Heide auf
Gegen Pläne von Sankt Augustin
Von Peter Kleinert

Im Verfahren um den Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt Sankt Augustin hat die Schutzgemeinschaft Hangelarer Heide (SGH) im Rahmen einer „vorgezogenen Bürgerbeteiligung“ ihre Kritik an den Bauvorstellungen der Stadt vergangene Woche im Rathaus abgegeben. In der Stellungnahme, in der sich acht Vereine detailliert zu Wort melden, fasst die Schutzgemeinschaft noch einmal Kernaspekte zusammen, die gegen eine Bebauung auch nur von Teilflächen des letzten großen Freiraumes in Sankt Augustin sprechen. Unterstützt fühlt sich die SGH bei ihren Forderungen durch die Einschätzung der ehemaligen Landesanstalt für Ökologie (LÖBF), die den hohen Naturschutzwert der Hangelarer Heide eindrücklich bestätigt hatte.
Neben der Tatsache, dass die städtischen Bauvorhaben (Menden-Süd, Wohn- und Technologiepark) alle in einem Gebiet höchster Grundwasserempfindlichkeit geplant seien - immerhin gehe es um den Trinkwasserbrunnen in Meindorf - verweisen die Vereine vor allem auf geltende und bindende Artenschutzbestimmungen. Gleichzeitig solle die bestehende Art der landwirtschaftlichen Nutzung weiter möglich sein und sich auf den aktuell bewirtschafteten Flächen mit der Naturschutzausweisung überlagern.

Frosch
Symboltier der Hangelarer Heide: Die Kreuzkröte
Foto: SGH


Die bedauerliche Tatsache, dass die Hangelarer Heide bei der Meldung der europäischen Schutzgebiete nach Brüssel wohl übersehen worden sei, könne nicht ihren Wert verringern, heißt es in der zusammenfassenden SGH-Stellungnahme. Im großen Schutzgebietskomplex Sieg-Aue/Wahner Heide/Kottenforst dürfe die Hangelarer Heide mit ihren Arten und Flächen einfach nicht fehlen. Kraniche, Kiebitze und Weißstörche nutzten die großen, von Menschen wenig gestörten landwirtschaftlichen Flächen zur Rast, die Feldvogelfauna sei besonders reichhaltig, darüber hinaus lebten in dem Gebiet neben Zauneidechsen und verschiedenen Kröten besonders viele, oft seltene Wildbienen, Heuschrecken und andere Insekten wie Weinhähnchen und Gottesanbeterin.

Wir bringen Ausschnitte aus den an die Stadtverwaltung gerichteten Vorschlägen und Forderungen der acht in der SGH-Allianz zusammengeschlossenen Gruppen und Vereine.

Schafe
Ein Faustpfand der Hangelarer Heide: von Fördergeldern unabhängige Schafherde
Foto: SGH


Verein zum Schutz der Wild- und Honigbienen Voreifel e.V.:

Die Grube Bergmann sei dem Verein als Juwel in Sachen Wildbienen bekannt. Dort sei eine hohe Artenzahl auch besonders seltener Wildbienenarten anzutreffen. Solche Sonderstandorte seien nicht ohne weiteres neu zu schaffen. Zugleich bestehe mit den Feuchtstellen und Brachen im Umland eine gute und vielseitige Nahrungsgrundlage für die Wildbienen. Der geplante Wohn- und Technologiepark würde, selbst wenn er die Kerngrube beließe, die Fläche isolieren und von der umgebenden Landschaft abschneiden. Eine weitere und stärkere Isolation würde die Arten letztendlich zum Aussterben verurteilen.

Komitee gegen Vogelmord e.V:

Das Komitee gegen den Vogelmord als vom Bundesumweltministerium anerkannter Naturschutzverein weist auf die besonders gute Ausstattung der Hangelarer Heide mit Feldvögeln hin, die von der Feldlerche über Wiesenpieper und Kiebitz bis hin zum Rebhuhn reichen. Zugleich nutzten sehr wertvolle Arten mit größerem Gebietsanspruch den Gesamtraum der Hangelarer Heide als Nahrungsrevier und als Rastplatz, so etwa Schwarz- und Rotmilan, Baumfalken, Wespenbussarde und auf dem Durchzug sogar Weißstörche und Kraniche. Deshalb sei uneingeschränkter Flächenschutz notwendig, um die Fülle der Arten zu sichern.

Artenreichtum
Der Wechsel von trockenen, sandigen Böschungen und Kleingewässern: ein Grund für den großen Artenreichtum
Foto: SGH


Bergischer Naturschutzverein (RBN):

Nach Überzeugung des Bergischen Naturschutzvereins, der sich unter anderem um die Heimatpflege kümmert, gehört die Hangelarer Heide geologisch zur Bergischen Heideterrasse, also zur Wahner Heide und ergänzt diesen Raum mit einer eigenen spezifischen Artenausstattung, zum Beispiel der seltenen Wechselkröte. Die seltenen und durch Eutrophierung leicht zu zerstörenden Sandbiotope müßten einen strengen Schutz erfahren, einschließlich ihrer Umgebung in diesem großräumigen Biotopverbund. Abgrabungsflächen alleine zu erhalten oder eine Konzentration des Schutzes allein auf die Heidenelkenfluren reiche absolut nicht aus, um das einzigartige Gesamtgefüge bis hin zu den Arten, die aus der Siegaue zur Nahrungssuche einfliegen, dauerhaft zu bewahren.

Vogelschutz-Komitee e.V.:

Das Vogelschutz-Komitee erklärt, es habe bereits mehrfach deutschlandweit auf die Gefährdung der Hangelarer Heide durch Bautätigkeiten hingewiesen. Dabei sei man auf tiefes Unverständnis in der Bevölkerung für die bestehenden Pläne der Stadt gestoßen, die ausgerechnet in dieser wertvollen, so einzigartig und vielfältig ausgestatteten Fläche weitere Gewerbeflächen und sonstige Baufelder erschließen wolle. Deshalb appelliere das Komitee noch einmal mit allem Nachdruck an Verwaltung und Ratsfraktionen, geltende Rechtsnormen ernst zu nehmen und zu beachten.

Lärmschutzgemeinschaft Flugplatz Köln/ Bonn, Ortsverband St. Augustin:

Gerade in Zeiten, wo der Verkehrslandeplatz Hangelar immer mehr in den Fokus ehrgeiziger Verkehrsplaner gerät und mit dem geplanten Bahnausbau mittelfristig steigende Flugbewegungen zu befürchten sind, fühlt sich der Ortsverband St. Augustin der LSG der Vision verpflichtet, die Hangelarer Heide als letzte zusammenhängende Freifläche der ehemaligen St. Augustiner Feldflur vor weiteren Flächenverlusten zu bewahren.

Lebenswerte Siebengebirgsregion e.V. :

Der Verein ist der Sicherung der Wohn- und Lebensqualität im Siebengebirgsraum unter Einbeziehung des Pleisbachtals bis zum linken Siegufer verpflichtet. In diesem Sinne begrüße man zwar das Ergebnis des Strukturentwicklungskonzepts der Stadt St. Augustin. Als Stadt des Wissens rund um die Fachhochschule und als Standort mit hoher Wohnqualität könne St. Augustin aber nur konkurrieren, wenn die landschaftlich und ökologisch hochwertigen Freiräume wirksam entwickelt würden. Die Hangelarer Heide mit ihrer Bedeutung für den Grundwasserschutz und ihren zahlreichen geschützten Arten solle deshalb nicht weiter mit Gewerbe- und Industrieansiedlungen versiegelt, sondern als Lebensraum für Menschen, Flora und Fauna - die Landwirtschaft natürlich eingeschlossen - erhalten und gesichert werden.

Hegering Siegburg/ Sankt Augustin:

Der mit dem Umweltpreis des Rhein-Sieg-Kreises ausgezeichnete Hegering sieht seinen besonderen Schwerpunkt in der Hege von Niederwild und dabei vor allem des Feldhasen sowie des Rebhuhns. Während der Rebhuhnbestand in NRW in den letzten Jahren um 90% zusammensackte, habe er sich in der Hangelarer Heide nicht nur halten können, sondern eine „herausragende Bedeutung“, wie 2004 die LÖBF in einem der Stadt vorliegenden Gutachten aufzeigen konnte. Die bereits erheblichen Einschränkungen für Niederwild oder Bodenbrüter wie den Kiebitz durch Naherholung, Autobahn und Straßen dürften nicht durch weitere Bautätigkeiten verschärft werden.

BUND e.V. Kreisgruppe Rhein- Sieg- Kreis:

Es gehe ihm nicht um einen politischen Streit und auch nicht um eine einseitige Betrachtung allein des Natur- und Artenschutzes, erklärt der BUND in seiner umfangreichen Stellungnahme. Allerdings werbe man für bessere Konzepte und hoffe, damit erfolgreich zu sein.

Im Falle der Baugebiete in der Hangelarer Heide gebe den in der Schutzgemeinschaft zusammen geschlossenen Vereinen auch der Gesetzgeber Recht. Die in der Hangelarer Heide vorkommenden Arten hätten so hohen Seltenheitswert und genössen so umfassenden Schutz, dass der Wille des Stadtrates hier an seine Grenzen stoße. Gerade deshalb wäre man froh, wenn in Zukunft die Naturschutzarbeit in der Hangelarer Heide sachorientiert und ohne politische Hitze möglich werden würde. Mit alternativen Konzepten in einer Stellungnahme vom 12. Februar habe der BUND versucht, dafür die Weichen zu stellen.

Wir werden unsere LeserInnen darüber auf dem Laufenden halten, wie Rat und Verwaltung in Sankt Augustin auf die Forderungen der Vereine und zahlreicher einzelner BürgerInnen reagieren.

Weitere Informationen durch Schutzgemeinschaft Hangelarer Heide (SGH)
c/o Achim Baumgartner, Steinkreuzstraße 14, 53757 Sankt Augustin, Tel.: 02241- 333897

Online-Flyer Nr. 83  vom 21.02.2007

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