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Lokales
„Ich möchte einen Laden und Kleider verkaufen“
„Körnerstraße 77“ - Folge 6
Von Micha

Ende August 2006 fing alles mit einem kleinen Plakat an, mit dem wir für die Zeitungs-AG im Viertel geworben haben. Darin stand, dass wir eine Zeitschrift von und für Kinder und Jugendliche in Ehrenfeld machen wollen - über alles, was Kinder und Jugendliche interessiert”, heißt es im Editorial der “Körnerstrasse 77”. Interviews und Artikel des ersten Hefts sind so ideenreich, interessant und spannend, dass wir ab dieser NRhZ-Ausgabe Teile daraus in einer Serie vorstellen wollen, damit sie auch andere Kölner Kinder und Jugendliche kennen lernen können - diesmal ein Gespräch mit Kindern in einer Grundschule. Die Redaktion
Micha: Wie haben Sie es gebracht, so einen Laden zu eröffnen?

Frau M: Ich habe eigentlich was ganz anderes gelernt, das wollte ich dann aber gar nicht mehr so richtig machen, dann habe ich ein Kind bekommen und dann habe ich mir überlegt, was kann ich jetzt mit einem kleinen Kind machen. Da habe ich gedacht, ich mache mich selbstständig, da kann ich das Kind mitnehmen. So habe ich angefangen erstmal ein Kinder-Second-Hand aufzumachen.

Im Laden

Micha: Das ist auch für Kinder oder nur für Erwachsene?

Frau M: Diese Sachen hier sind nur für Erwachsene. Mit dem Kinder-Second-Hand das ist schon lange her, das war ein anderes Geschäft.

Micha: War das schwer, wo Sie früher gearbeitet haben, und ist es jetzt hier leichter?

Frau M: Es ist eigentlich beides gleich. Die Kinder-Sachen waren ein bisschen aufwändiger, weil es einfach mehrere und kleinere Sachen waren, aber an sich ist beides machbar, es ist nicht so schwierig.

Micha: Wo bekommen Sie denn die Kleidung her?

Frau M: Das ist ein Kommissions-Geschäft. Das heißt, es gibt Frauen - es handelt sich ja um Frauen-Bekleidung - Frauen kommen in den Laden und bringen die Sachen hier rein und fragen, ob ich die hier verkaufen kann. Dann kuck ich die Sachen an und wenn ich denke, das kann man noch ganz gut verkaufen, dann wird jedes einzelne Teil aufgeschrieben und wenn es verkauft wird, wird das eingetragen. Dann bekommt die Frau, die mir das gebracht hat, Geld, und die Sachen, die nicht verkauft worden sind, werden nach zwei Monaten zurückgegeben.

Micha: Also da kommt kein Wagen, der euch Kleider bringt?

Frau M: Nein, das sind immer einzelne, private Leute, die was vorbeibringen. Das ist auch ganz gut, weil dadurch hat man nicht so ein großes Verlustgeschäft, auf dem man dann quasi hängen bleibt.

Der Laden
Fotos: Körnerstrasse 77

Micha: Was ist denn hier am Teuersten?

Frau M: Oh, am Allerteuersten? Vielleicht der eine oder andere Anzug oder vielleicht mal ein teurer Mantel, aber im Grund ist hier alles ganz erschwinglich.

Micha: Sie verkaufen hier auch Schmuck. Haben Sie den selber gemacht?

Frau M: Das stimmt, der Schmuck ist jetzt wirklich was, was keine Kommissionsware ist. Das habe ich auf der Messe eingekauft und das wird hier dann weiterverkauft. Ein paar wenige Teile sind auch selbst hergestellt worden.

Micha: Wenn Sie das hier machen, wann haben Sie denn mal frei?

Frau M: Also den Sonntag sowieso, und dann habe ich auch noch den Montag und den Dienstag frei, weil das Geschäft nur mittwochs, donnerstags, freitags und samstags geöffnet ist.

Micha: Dann haben Sie auch Zeit für Ihre Kinder.

Frau M: Die Zeit habe ich, die können auch gerne mal mit hier hinkommen, das ist der Vorteil der Selbstständigkeit.

Micha: Kommen immer Leute hier her und sagen, ich habe was zum Verkaufen oder kommen die nur manchmal?

Frau M: Eigentlich kommen immer viel mehr Leute, die was bringen, als dass es letztlich gekauft wird. Dann kann ich mich jetzt nicht beschweren, es kommt immer ganz, ganz viel rein. Wenn du jetzt mal hier auf den Stuhl kuckst, dann siehst du, was allein heute schon neu rein gekommen ist. Und soviel kommt jeden Tag rein, so dass man schon auswählen muss: das nehme ich, das nehme ich nicht.

Micha: Ist es denn schwierig zu entscheiden, was man nimmt? Können Sie das selber entscheiden?

Frau M: Da bekommt man mit der Zeit eine gewisse Übung, so dass man weiß, was verkauft man gut und was verkauft sich nicht so gut. Das bringt so die Zeit mit sich. Am Anfang ist es vielleicht etwas schwieriger, aber dann wird das immer einfacher, dann weiß man, was man gut verkauft kriegt.

Micha: Haben Sie den Laden selber gebaut oder haben Sie sich das nur ausgesucht?

Frau M: Du meinst das Geschäft, das habe ich mir hier alles selbst gestrichen. Wenn man da nicht so geschickt ist, kann man auch Freunde fragen, aber mit ein bisschen Phantasie, mit ein bisschen Kreativität kann man das schon selber hinkriegen.

Micha: War es schwer, das hier zu eröffnen? Wie lange hat das denn gedauert, das alles zu arrangieren?

Frau M: Wenn man einmal so ein Ladenlokal hat, dann läuft die Miete, dann muss man sich ein bisschen beeilen, dass der Laden auch eröffnet wird. Das ging relativ schnell.

Micha: Der erste Tag, wie hat er Ihnen denn gefallen? War das leicht?

Frau M: Der allererste Tag war bei mir vor zehn Jahren. Anfangs war das schon so, dass man sich fragte, mache ich das jetzt alles richtig? Aber wie gesagt, da kommt man relativ schnell rein und dann weiß man ganz gut, wie das funktioniert. Das dauert nicht so lange. Man kann ja auch vorher mal so ein Praktikum machen, so ein bisschen kucken, wie das geht?

Micha: Wie geht das denn alles hier so zu machen?

Frau M: Man kommt morgens hier an, setzt sich hier hin, macht den Laden auf, macht alle Lichter an, öffnet, stellt die Sachen raus, stellt die Straßenschilder auf die Straße, und dann geht es seinen Lauf. Dann kommen einmal die Kundinnen, die was kaufen möchten, dann kommen die Kundinnen rein, die Waren bringen möchten, dann komme welche, die Waren abholen. Das macht man dann so den Tag über. Manche Leute berät man, ob es ihnen gut steht oder ob es nicht so gut aussieht.

Micha: Wie alt waren Sie, als Sie das geöffnet hatten.

Frau M: So um die dreißig, einunddreißig

Micha: Wie kann ich denn das machen, wenn ich auch so was mache?

Frau M: Dann machst du mal die Schule zu Ende, dann kommst du vielleicht hierhin und schaust, wie das alles so funktioniert. Dann machst du vielleicht mal ein Praktikum. Ja, und wenn du genau so etwas machen willst, dann könntest du mal zu jemanden gehen, der so was schon gemacht hat, der dir ein paar Tipps gibt, wie man Verträge schreibt oder wie man Kommissionsware in Kommission nimmt. Ich weiß nicht, wo es jetzt Kurse gibt, wo man das alles lernen könnte. Man kann auch eine Ausbildung machen in einem Geschäft, zur Einzelhandelskauffrau

Micha: Gibt es manchmal auch Probleme, wenn Leute hierher kommen?

Frau M: Probleme gibt es glaube ich überall. Es gibt immer mal Kunden, mit denen ist es nicht so gut.


Die „Körnerstraße 77“-Redaktion wüsste gern, was Euch an den Beiträgen aus dem Heft nicht gefällt und was Euch gefällt und was Ihr Euch für eine Kinder- und Jugendzeitschrift für Ehrenfeld wünscht. Adresse: Körner Str. 77 – 79, 50823 Köln, Tel: 0221-9521198 – 99, Fax: 0221-9521197, e-mail: koelnerappell@t-online.de, Homepage: www.koelnerappell.de
Spenden zur Unterstützung des Projekts an Kölner Appell, KontoNr. 7042000 bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00)



Online-Flyer Nr. 82  vom 14.02.2007

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