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Lokales
Schokolade und weiße Sahne – Rassismus in der Grundschule
„Körnerstraße 77“ – Folge 5
Von Gilan, Micha, Martine und Matin
Gilan: Wie findest Du es in Deutschland? Hast du Freunde in der Schule?
Micha: Ja ich habe Freunde in der Schule, auch wenn die mich nicht so richtig respektieren wegen meiner Hautfarbe. Dann sagen die immer: „Hej komm, die Schokolade ist da.“ Also dann fand ich das nicht so gut. Dann habe ich gesagt, ich will wieder nach Kongo, einmal bin ich heulend zu meinem Vater und dann habe ich das so gesagt: „Ich will wieder nach Kongo. Es gefällt mir in der Schule überhaupt nicht. Immer wenn ich irgendwo mit Menschen bin, die Weißen kucken mich so doof an. Ich respektiere das nicht.“
Martine: Ich überhaupt nicht
Micha: Und dann bin ich total traurig und dann werde ich wütend. Ich kann auch nichts dafür, wenn ich nicht weiß bin, Hauptsache die haben auch eine Hautfarbe. Sonst finde ich schon Deutschland schön, ich habe auch schon Freunde, die mich respektieren wie ich bin, ich habe auch Freunde, die mich nicht respektieren, das finde ich ganz doof.

Foto: Körnerstraße 77
Gilan: Du hast vielleicht eine andere Hautfarbe als ich, aber ich habe dich trotzdem als beste Freundin.
Martine: Zuerst war es bei mir auch so, dass die mich als Ausländerin geärgert haben, aber die Zeit hat sich geändert, und dann haben sie sich mit mir befreundet, das wird bestimmt mit dir auch passieren
Micha: Bei mir ist das so, bei uns haben wir nur Türken an unserer Schule und Jugoslawen und, glaube ich, Deutsche. Und da ist es so, wenn derjenige ärgert, dann kommen die alle mit ihrer Gruppe und verprügeln dich. Wenn du jetzt in die Schule gehst und hast einem aus Versehen wehgetan, dann verprügelt der dich. Einmal habe ich einen Jungen getreten, ich habe das aus Versehen getan, ich bin so durchgerannt und habe seinen Stift zerknickt, und dann hat er gesagt: „Du wirst schon sehen, was in der Pause mit dir passiert.“ Dann bin ich in die Pause gegangen und dann hat er mich verprügelt zuerst. Und dann bin ich zur Lehrerin gegangen, und dann hat die Lehrerin gefragt, und dann habe ich das gesagt, und dann lügen die, dass ich das war. Das fand ich auch nicht so gut.
Klaus: Wie hat er dich denn verprügelt?
Micha: Der hat zuerst seine Freunde geholt, dann ist er mit mir gegangen, dann hat er mich gehauen, dann hat er mich getreten, auf den Fuß, ganz stark, dann hat ich einen blauen Fleck hier und hier, einen ganz, ganz dicken blauen Fleck, das fand ich nicht so gut. Er hat getreten und gebissen und dann noch so gezwickt.
Gilan: Aber wenn einer zu dir Schokolade sagt, dann sag doch einfach weiße Sahne zu dem.
Micha: Ich kümmere mich nicht darum
Matin. Was die sagen, musst du gar nicht hören, ignoriere sie.
Micha: Das ist ja doof, ich weiß, ich gehöre einfach nicht dazu, ich gehe dann einfach weg. Aber wenn ich weggehe, dann kommen die hinterher und verprügeln mich.
Matin: Wenn die dich ärgern, und du ignorierst die, und wenn die dich dann weiter ärgern, dann werden die schon sehen, dass es langweilig für die wird und dann gehen die eh weg. Du musst so tun, als wären die nicht da.
Gilan: Ich habe noch eine Frage. Hast du eigentlich Freunde in deiner Klasse?
Micha: Ja, die habe ich, das ist die Einzigste und die Allerbeste, das ist die Ayse. Vielleicht ist die auch wie meine Hautfarbe. Also eigentlich passt die immer auf mich auf, die ist immer für mich da, wenn ich Probleme habe, ist die immer für mich da, wenn ich Schwierigkeiten habe, ist die immer für mich da. Die ist irgendwie eine Freundin, die ich sehr mag und wenn ich Probleme habe, dann kommt die und hilft mir. Und dann habe ich noch die Gilan, die ist auch für mich da, auch wenn ich Probleme habe, auf dem Spielplatz. Einmal waren da zwei Jungs, da war sie auch da mit Martine und haben mir geholfen. Solche Freundinnen mag ich zu haben. Die sagen mir nicht „Ausländer, Ausländer, du bist ein Ausländer, geh doch in dein Land wieder zurück.“ Und das sagen die Arschlöcher immer zu mir: „Du bist ein Ausländer, bei euch ist es arm, ihr seid arm, kuck mal wie du aussiehst, deine Hautfarbe ist scheiße.“ Dann sage ich zu denen: “Du bist doch auch ein bisschen braun wie Schokolade.“ Dann sagen die: „Nein, ich bin schöner als du, ich habe eine weiße Farbe und du hast eine schwarze Farbe.“
Eigentlich ist es mir egal, wenn die mir sagen, dass ich eine andere Hautfarbe habe. Ich weiß schon die Leute, die mich respektieren können, aber ich weiß auch die Leute, die mich nicht respektieren können, aber eigentlich ist es mir schon egal, wenn die sagen: „Geh doch in dein Land zurück.“ Aber bei uns ist das komisch, da gibt’s ein Mädchen, sie gibt an. Die sagt: “Ich kann gut schlagen.“ Sie denkt, dass sie gut schlagen kann, die hat mich mal beleidigt, dass ich eine Zigeunerin bin, obwohl ich keine Zigeunerin bin, dann sagt die: „Ihr stinkt, ihr habt immer dieselben Sachen an“, obwohl ich nicht immer dieselben Sachen anziehe. Ihr habe ich schon mal gesagt: „Pass auf, wenn du das Jungen sagst.“ Da hat sie auch Ärger gekriegt, da hat sie gesagt: „Ausländer, ihr seid Ausländer, ihr seid Türken, aber ihr wisst ja nicht: Allah ist kein Gott, Gott ist Gott, Allah ist kein Gott.“ Da war der Junge so sauer und hat seine Freunde geholt, und dann hat die so Schläge bekommen.
Die „Körnerstraße 77“-Redaktion wüsste gern, was Euch an den Beiträgen aus dem Heft nicht gefällt und was Euch gefällt und was Ihr Euch für eine Kinder- und Jugendzeitschrift für Ehrenfeld wünscht. Adresse: Körner Str. 77 – 79, 50823 Köln, Tel: 0221-9521198 – 99, Fax: 0221-9521197, e-mail: koelnerappell@t-online.de, Homepage: www.koelnerappell.de
Spenden zur Unterstützung des Projekts an Kölner Appell, KontoNr. 7042000 bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00)
Online-Flyer Nr. 81 vom 07.02.2007
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Schokolade und weiße Sahne – Rassismus in der Grundschule
„Körnerstraße 77“ – Folge 5
Von Gilan, Micha, Martine und Matin
Gilan: Wie findest Du es in Deutschland? Hast du Freunde in der Schule?
Micha: Ja ich habe Freunde in der Schule, auch wenn die mich nicht so richtig respektieren wegen meiner Hautfarbe. Dann sagen die immer: „Hej komm, die Schokolade ist da.“ Also dann fand ich das nicht so gut. Dann habe ich gesagt, ich will wieder nach Kongo, einmal bin ich heulend zu meinem Vater und dann habe ich das so gesagt: „Ich will wieder nach Kongo. Es gefällt mir in der Schule überhaupt nicht. Immer wenn ich irgendwo mit Menschen bin, die Weißen kucken mich so doof an. Ich respektiere das nicht.“
Martine: Ich überhaupt nicht
Micha: Und dann bin ich total traurig und dann werde ich wütend. Ich kann auch nichts dafür, wenn ich nicht weiß bin, Hauptsache die haben auch eine Hautfarbe. Sonst finde ich schon Deutschland schön, ich habe auch schon Freunde, die mich respektieren wie ich bin, ich habe auch Freunde, die mich nicht respektieren, das finde ich ganz doof.

Foto: Körnerstraße 77
Gilan: Du hast vielleicht eine andere Hautfarbe als ich, aber ich habe dich trotzdem als beste Freundin.
Martine: Zuerst war es bei mir auch so, dass die mich als Ausländerin geärgert haben, aber die Zeit hat sich geändert, und dann haben sie sich mit mir befreundet, das wird bestimmt mit dir auch passieren
Micha: Bei mir ist das so, bei uns haben wir nur Türken an unserer Schule und Jugoslawen und, glaube ich, Deutsche. Und da ist es so, wenn derjenige ärgert, dann kommen die alle mit ihrer Gruppe und verprügeln dich. Wenn du jetzt in die Schule gehst und hast einem aus Versehen wehgetan, dann verprügelt der dich. Einmal habe ich einen Jungen getreten, ich habe das aus Versehen getan, ich bin so durchgerannt und habe seinen Stift zerknickt, und dann hat er gesagt: „Du wirst schon sehen, was in der Pause mit dir passiert.“ Dann bin ich in die Pause gegangen und dann hat er mich verprügelt zuerst. Und dann bin ich zur Lehrerin gegangen, und dann hat die Lehrerin gefragt, und dann habe ich das gesagt, und dann lügen die, dass ich das war. Das fand ich auch nicht so gut.
Klaus: Wie hat er dich denn verprügelt?
Micha: Der hat zuerst seine Freunde geholt, dann ist er mit mir gegangen, dann hat er mich gehauen, dann hat er mich getreten, auf den Fuß, ganz stark, dann hat ich einen blauen Fleck hier und hier, einen ganz, ganz dicken blauen Fleck, das fand ich nicht so gut. Er hat getreten und gebissen und dann noch so gezwickt.
Gilan: Aber wenn einer zu dir Schokolade sagt, dann sag doch einfach weiße Sahne zu dem.
Micha: Ich kümmere mich nicht darum
Matin. Was die sagen, musst du gar nicht hören, ignoriere sie.
Micha: Das ist ja doof, ich weiß, ich gehöre einfach nicht dazu, ich gehe dann einfach weg. Aber wenn ich weggehe, dann kommen die hinterher und verprügeln mich.
Matin: Wenn die dich ärgern, und du ignorierst die, und wenn die dich dann weiter ärgern, dann werden die schon sehen, dass es langweilig für die wird und dann gehen die eh weg. Du musst so tun, als wären die nicht da.
Gilan: Ich habe noch eine Frage. Hast du eigentlich Freunde in deiner Klasse?
Micha: Ja, die habe ich, das ist die Einzigste und die Allerbeste, das ist die Ayse. Vielleicht ist die auch wie meine Hautfarbe. Also eigentlich passt die immer auf mich auf, die ist immer für mich da, wenn ich Probleme habe, ist die immer für mich da, wenn ich Schwierigkeiten habe, ist die immer für mich da. Die ist irgendwie eine Freundin, die ich sehr mag und wenn ich Probleme habe, dann kommt die und hilft mir. Und dann habe ich noch die Gilan, die ist auch für mich da, auch wenn ich Probleme habe, auf dem Spielplatz. Einmal waren da zwei Jungs, da war sie auch da mit Martine und haben mir geholfen. Solche Freundinnen mag ich zu haben. Die sagen mir nicht „Ausländer, Ausländer, du bist ein Ausländer, geh doch in dein Land wieder zurück.“ Und das sagen die Arschlöcher immer zu mir: „Du bist ein Ausländer, bei euch ist es arm, ihr seid arm, kuck mal wie du aussiehst, deine Hautfarbe ist scheiße.“ Dann sage ich zu denen: “Du bist doch auch ein bisschen braun wie Schokolade.“ Dann sagen die: „Nein, ich bin schöner als du, ich habe eine weiße Farbe und du hast eine schwarze Farbe.“
Eigentlich ist es mir egal, wenn die mir sagen, dass ich eine andere Hautfarbe habe. Ich weiß schon die Leute, die mich respektieren können, aber ich weiß auch die Leute, die mich nicht respektieren können, aber eigentlich ist es mir schon egal, wenn die sagen: „Geh doch in dein Land zurück.“ Aber bei uns ist das komisch, da gibt’s ein Mädchen, sie gibt an. Die sagt: “Ich kann gut schlagen.“ Sie denkt, dass sie gut schlagen kann, die hat mich mal beleidigt, dass ich eine Zigeunerin bin, obwohl ich keine Zigeunerin bin, dann sagt die: „Ihr stinkt, ihr habt immer dieselben Sachen an“, obwohl ich nicht immer dieselben Sachen anziehe. Ihr habe ich schon mal gesagt: „Pass auf, wenn du das Jungen sagst.“ Da hat sie auch Ärger gekriegt, da hat sie gesagt: „Ausländer, ihr seid Ausländer, ihr seid Türken, aber ihr wisst ja nicht: Allah ist kein Gott, Gott ist Gott, Allah ist kein Gott.“ Da war der Junge so sauer und hat seine Freunde geholt, und dann hat die so Schläge bekommen.
Die „Körnerstraße 77“-Redaktion wüsste gern, was Euch an den Beiträgen aus dem Heft nicht gefällt und was Euch gefällt und was Ihr Euch für eine Kinder- und Jugendzeitschrift für Ehrenfeld wünscht. Adresse: Körner Str. 77 – 79, 50823 Köln, Tel: 0221-9521198 – 99, Fax: 0221-9521197, e-mail: koelnerappell@t-online.de, Homepage: www.koelnerappell.de
Spenden zur Unterstützung des Projekts an Kölner Appell, KontoNr. 7042000 bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00)
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