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Lokales
“Ich musste meine Heimat Iran aus politischen Gründen verlassen”
„Körnerstraße 77“ – Folge 4
Von Shilan und Micha
In einem ehemaligen Verwaltungsgebäude Ecke Innere Kanal-Straße / Subbelrather Straße war jahrelang ein Flüchtlingsheim, überwiegend bewohnt mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, die vor dem Krieg in die Bundesrepublik geflüchtet waren. Heute steht an dieser Stelle ein supermodernes Bürogebäude und nichts erinnert mehr daran, dass hier über viele Jahre Hunderte von Flüchtlingen eine Zuflucht in Ehrenfeld fanden.
So ähnlich könnte es auch mit dem Flüchtlingsheim in der Gutenbergstraße laufen, das sich in einem Hinterhofgebäude befindet und Ende Dezember geschlossen werden soll. Da das Leben von Flüchtlingen in Heimen mitten unter uns in Ehrenfeld den meisten Menschen völlig unbekannt ist, haben wir von der Zeitungs-AG des Kölner Appell gegen Rassismus einen politischen Flüchtling über das Leben dort interviewt.

Shilan interviewt Abdi im Flüchtlingsheim
Foto: "Körnerstraße 77
Shilan: Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Abdi: Ich musste meine Heimat Iran aus politischen Gründen verlassen. Um nicht ins Gefängnis zu kommen, bin ich nach Deutschland geflüchtet. Meine Frau und mein Kind musste ich zurücklassen.
Shilan: Wie ist das Leben im Flüchtlingsheim gewesen?
Abdi: Es ist unerwartet. Ich habe sehr darunter gelitten, dass es in den Gemeinschaftstoiletten und im Bad, das viele andere auch benutzen, so schmutzig war. Bevor ich nach Köln gekommen bin, war ich zwei Jahre in einer Sammelunterkunft in Ostdeutschland. Dort war es noch schlimmer. Hier ist es etwas vernünftiger.
Shilan: Mussten Sie ein Zimmer mit anderen teilen oder hatten Sie ein Zimmer für sich allein?
Abdi: Am Anfang hatte ich ein Zimmer mit vier anderen jungen Männern. Zwei kamen aus arabischen Ländern und zwei kamen aus der Türkei.
Shilan: Gab es manchmal Streit zwischen Ihnen?
Abdi: Bei mir nicht, aber bei den anderen. Da gab es Streit wegen dem Fernsehen oder wegen dem Kühlschrank. Wir hatten nur einen Kühlschrank für fünf Leute. Wenn von einem das Essen weg kam, gab es immer Streit: wer hat mein Essen gegessen, wer war das? Oder beim Fernsehen, die einen wollten bis nach Mitternacht fernsehen, die anderen wollten schlafen. Einige haben im Zimmer geraucht, andere wollten nicht, dass da geraucht wird.
Shilan: War das Leben schwer in dem Flüchtlingsheim?
Abdi: Ja, es war so, wie ich es nie gedacht hatte. Manchmal war ich verzweifelt und dann habe ich gedacht, vielleicht wäre es in der Heimat im Gefängnis besser, als hier im Flüchtlingsheim. Man kann das nicht akzeptieren. Man lebt in Europa, aber unter ganz schlimmen Umständen.

Kölner Flüchtlingsheim von Innen
Foto: "Körnerstraße 77"
Shilan: Haben Sie jetzt eine eigene Wohnung?
Abdi: Ja, weil ich schon länger als 3 ½ Jahren hier bin, konnte ich mir eine eigene Wohnung suchen.
Shilan: Wie fühlen Sie sich jetzt in Deutschland?
Abdi: Ich freue mich, dass ich in Sicherheit bin. Aber ich bin noch ein Fremder hier. Ich darf zum Beispiel nicht arbeiten.
Shilan: Möchten Sie manchmal wieder zurück in den Iran?
Abdi: Selbstverständlich, das ist meine Kindheit, meine Vergangenheit, meine Familie, meine Freunde, sie alle sind noch da. Wenn da alles wieder in Ordnung kommt, will ich gerne nach Iran zurück.
Shilan: Kriegen Sie hier in Deutschland auch Hilfe?
Abdi: Ich bekomme eine Asylleistungshilfe. Ich bin noch nicht als Flüchtling anerkannt. Ich darf nicht arbeiten, ich darf auch nicht studieren, einen Deutschkurs kann ich nur besuchen, wenn ich ihn selbst bezahle.
Micha: Waren Sie in der Schule?
Abdi: Ich habe im Iran zwölf Jahre die Schule besucht und ich habe sechs Jahre an der Universität studiert.
Micha: Wie viel ist zwei und zwei?
Abdi: Eine schwere Frage, bei uns ist das fünf.
Micha: Wie war denn das in der Gutenbergstraße im Heim, wenn Sie duschen wollten?
Abdi: Das war ein großes Problem. Dort ist nur eine allgemeine Dusche. In der dritten und der vierten Etage in dem Heim wohnten nur ledige Männer. Einige beachteten nicht die Sauberkeit, weder in der Dusche noch in der Küche. Es war ein Chaos und sehr unsauber. Wenn es ging, habe ich es vermieden, dort zu duschen und bin zu Bekannten gegangen. Es gibt auch keine Schlüssel für die Duschräume. Wir hatten da einmal drei Monate keinen Hausmeister und es gab nur einen Wachmann, der sich dafür nicht interessierte. Er sagte mir, ich sei der einzige, der sich beschwert.
Micha: Jetzt, wo Sie eine Wohnung haben, sind Sie jetzt zufrieden da?
Abdi: Ja, wenn man eine eigene Wohnung hat und eine eigene Dusche, dann kann man merken, wie schön das Leben manchmal ist.
Micha: Haben Sie Kontakt mit ihrer Familie?
Abdi: Leider nur telefonisch.
Micha: Ich habe auch meine Mutter seit drei Jahren nicht gesehen.
Abdi: Mein Sohn ist jetzt fünfeinhalb Jahre alt, er kann sich an mich nicht mehr erinnern. Ab und zu kann ich mit ihm telefonieren. Aber dadurch kennen wir nur unsere Stimmen. Ich finde es nicht gut, dass ich hier lebe und meine Frau und mein Kind dort.
Shilan: Haben Sie schon versucht, ihre Familie zu holen?
Abdi: Ein Bundestagsabgeordneter wollte sie einladen, aber es hat leider nicht geklappt. Aber jetzt warte ich auf die Entscheidung des Gerichts über meine Anerkennung. Wenn ich als Flüchtling anerkannt bin, kann ich meine Familie legal nachkommen lassen.
Online-Flyer Nr. 80 vom 31.01.2007
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“Ich musste meine Heimat Iran aus politischen Gründen verlassen”
„Körnerstraße 77“ – Folge 4
Von Shilan und Micha
In einem ehemaligen Verwaltungsgebäude Ecke Innere Kanal-Straße / Subbelrather Straße war jahrelang ein Flüchtlingsheim, überwiegend bewohnt mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, die vor dem Krieg in die Bundesrepublik geflüchtet waren. Heute steht an dieser Stelle ein supermodernes Bürogebäude und nichts erinnert mehr daran, dass hier über viele Jahre Hunderte von Flüchtlingen eine Zuflucht in Ehrenfeld fanden.
So ähnlich könnte es auch mit dem Flüchtlingsheim in der Gutenbergstraße laufen, das sich in einem Hinterhofgebäude befindet und Ende Dezember geschlossen werden soll. Da das Leben von Flüchtlingen in Heimen mitten unter uns in Ehrenfeld den meisten Menschen völlig unbekannt ist, haben wir von der Zeitungs-AG des Kölner Appell gegen Rassismus einen politischen Flüchtling über das Leben dort interviewt.

Shilan interviewt Abdi im Flüchtlingsheim
Foto: "Körnerstraße 77
Shilan: Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Abdi: Ich musste meine Heimat Iran aus politischen Gründen verlassen. Um nicht ins Gefängnis zu kommen, bin ich nach Deutschland geflüchtet. Meine Frau und mein Kind musste ich zurücklassen.
Shilan: Wie ist das Leben im Flüchtlingsheim gewesen?
Abdi: Es ist unerwartet. Ich habe sehr darunter gelitten, dass es in den Gemeinschaftstoiletten und im Bad, das viele andere auch benutzen, so schmutzig war. Bevor ich nach Köln gekommen bin, war ich zwei Jahre in einer Sammelunterkunft in Ostdeutschland. Dort war es noch schlimmer. Hier ist es etwas vernünftiger.
Shilan: Mussten Sie ein Zimmer mit anderen teilen oder hatten Sie ein Zimmer für sich allein?
Abdi: Am Anfang hatte ich ein Zimmer mit vier anderen jungen Männern. Zwei kamen aus arabischen Ländern und zwei kamen aus der Türkei.
Shilan: Gab es manchmal Streit zwischen Ihnen?
Abdi: Bei mir nicht, aber bei den anderen. Da gab es Streit wegen dem Fernsehen oder wegen dem Kühlschrank. Wir hatten nur einen Kühlschrank für fünf Leute. Wenn von einem das Essen weg kam, gab es immer Streit: wer hat mein Essen gegessen, wer war das? Oder beim Fernsehen, die einen wollten bis nach Mitternacht fernsehen, die anderen wollten schlafen. Einige haben im Zimmer geraucht, andere wollten nicht, dass da geraucht wird.
Shilan: War das Leben schwer in dem Flüchtlingsheim?
Abdi: Ja, es war so, wie ich es nie gedacht hatte. Manchmal war ich verzweifelt und dann habe ich gedacht, vielleicht wäre es in der Heimat im Gefängnis besser, als hier im Flüchtlingsheim. Man kann das nicht akzeptieren. Man lebt in Europa, aber unter ganz schlimmen Umständen.

Kölner Flüchtlingsheim von Innen
Foto: "Körnerstraße 77"
Shilan: Haben Sie jetzt eine eigene Wohnung?
Abdi: Ja, weil ich schon länger als 3 ½ Jahren hier bin, konnte ich mir eine eigene Wohnung suchen.
Shilan: Wie fühlen Sie sich jetzt in Deutschland?
Abdi: Ich freue mich, dass ich in Sicherheit bin. Aber ich bin noch ein Fremder hier. Ich darf zum Beispiel nicht arbeiten.
Shilan: Möchten Sie manchmal wieder zurück in den Iran?
Abdi: Selbstverständlich, das ist meine Kindheit, meine Vergangenheit, meine Familie, meine Freunde, sie alle sind noch da. Wenn da alles wieder in Ordnung kommt, will ich gerne nach Iran zurück.
Shilan: Kriegen Sie hier in Deutschland auch Hilfe?
Abdi: Ich bekomme eine Asylleistungshilfe. Ich bin noch nicht als Flüchtling anerkannt. Ich darf nicht arbeiten, ich darf auch nicht studieren, einen Deutschkurs kann ich nur besuchen, wenn ich ihn selbst bezahle.
Micha: Waren Sie in der Schule?
Abdi: Ich habe im Iran zwölf Jahre die Schule besucht und ich habe sechs Jahre an der Universität studiert.
Micha: Wie viel ist zwei und zwei?
Abdi: Eine schwere Frage, bei uns ist das fünf.
Micha: Wie war denn das in der Gutenbergstraße im Heim, wenn Sie duschen wollten?
Abdi: Das war ein großes Problem. Dort ist nur eine allgemeine Dusche. In der dritten und der vierten Etage in dem Heim wohnten nur ledige Männer. Einige beachteten nicht die Sauberkeit, weder in der Dusche noch in der Küche. Es war ein Chaos und sehr unsauber. Wenn es ging, habe ich es vermieden, dort zu duschen und bin zu Bekannten gegangen. Es gibt auch keine Schlüssel für die Duschräume. Wir hatten da einmal drei Monate keinen Hausmeister und es gab nur einen Wachmann, der sich dafür nicht interessierte. Er sagte mir, ich sei der einzige, der sich beschwert.
Micha: Jetzt, wo Sie eine Wohnung haben, sind Sie jetzt zufrieden da?
Abdi: Ja, wenn man eine eigene Wohnung hat und eine eigene Dusche, dann kann man merken, wie schön das Leben manchmal ist.
Micha: Haben Sie Kontakt mit ihrer Familie?
Abdi: Leider nur telefonisch.
Micha: Ich habe auch meine Mutter seit drei Jahren nicht gesehen.
Abdi: Mein Sohn ist jetzt fünfeinhalb Jahre alt, er kann sich an mich nicht mehr erinnern. Ab und zu kann ich mit ihm telefonieren. Aber dadurch kennen wir nur unsere Stimmen. Ich finde es nicht gut, dass ich hier lebe und meine Frau und mein Kind dort.
Shilan: Haben Sie schon versucht, ihre Familie zu holen?
Abdi: Ein Bundestagsabgeordneter wollte sie einladen, aber es hat leider nicht geklappt. Aber jetzt warte ich auf die Entscheidung des Gerichts über meine Anerkennung. Wenn ich als Flüchtling anerkannt bin, kann ich meine Familie legal nachkommen lassen.
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