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Medien
Meisner, Stadt-Anzeiger, EXPRESS und
"Die Jungs mit Kondomen"
Von Peter Kleinert
Richtig Kasse gemacht haben dürfte die Verleger-Familie Neven DuMont - auch mal ohne Unterstützung durch die Oppenheim-Bank und ihren KölnArena-Fonds - in der Woche des WJT mit ihren unter Auflagenschwund leidenden Blättern. Waren doch angeblich eine Million junge Katholiken in Köln, die zwar weder die Pille und Kondome, dafür aber "Stadt-Anzeiger", "Rundschau" und EXPRESS kaufen durften. Da lag es nahe, dass "Stadt-Anzeiger"-Chefredakteur Franz Sommerfeld sich bei dem selbsternannten "Stellvertreter des Papstes in Deutschland", Kölns Kardinal Meisner, mit einem Interview nachträglich artig bedankte. Und der sonst so Sex-kritische Kardinal war genau so nett zum MDS-Verlag.
Sommerfeld, das wissen die wenigsten KölnerInnen, weil der Verlag es ihnen bei seiner Einstellung im Jahr 2000 diskret verschwiegen hat, ist selbst ein doppelt Bekehrter: Ursprünglich Theologiestudent, wurde er Mitglied im DKP-nahen Marxistischen StudentenBund Spartakus, dann Chefredakteur der MSB-Zeitschrift "Rote Blätter" und MSB-Sekretär, bis er schließlich vom DKP-Parteivorstand zum Chefredakteur der "Deutschen Volkszeitung" gemacht wurde, weil die DVZ-Redaktion Ende der 80er Jahre gelegentlich allzu selbstbewusst die Politik von DKP, SED und KPdSU kritisiert hatte. Doch dann kam die "Wende", und Sommerfeld wurde so brav, dass ihn Alfred Neven DuMont zum Chefredakteur machte.
Nach einigen freundlichen Worten über seinen ehemaligen Kollegen Ratzinger, der sich mit seiner Hilfe "auf diesem Weltjugendtag freigeschwommen" und ihm dafür auf dem Roncalliplatz zugeflüstert habe: "Ich habe von dir schon etwas gelernt", kommt Meisner mit Hilfe des ehemaligen Theologiestudenten endlich zur Sache und zu seinem wichtigsten Gegner in der deutschen Bischofkonferenz:
Meisner: Da hat es viele junge Menschen getroffen, dass selbst ein Bischof gesagt hat, dass die Jugendlichen auf dem Petersplatz in Rom dem Papst zujubeln - die Jungs mit Kondomen, die Mädchen mit der Pille in der Tasche.
Sommerfeld , der auch will, dass der Name des Übeltäters genannt wird: Von wem sprechen Sie?
Meisner: Wie mir tief verletzte Jugendliche gesagt haben, hat sich Kardinal Lehmann in einem Interview so geäußert. Mit dieser Bemerkung hat er viele Jugendliche tief getroffen.
Keineswegs "tief getroffen" fühlt sich der strenge "Stellvertreter des Papstes" offenbar hingegen durch einen Artikel, den Sommerfelds EXPRESS-Kollege Rudolf Kreitz verantwortet und der auch erst ein paar Tage zurückliegt. Jedenfalls hat er deshalb das Interview nicht verweigert.
Unter der Schlagzeile "Sommerloch im Puff" erfuhren da nämlich die Jungs mit und ohne Kondome: "Viele Freier sind im Urlaub". Und deshalb betrage der "Liebeslohn" im Ehrenfelder "Römerbad" nur noch 80 anstatt 100 Euro. Im Leverkusener "Penthouse" könne "der gierige Freier gleich zwei Frauen zum Preis von einer buchen." Und im "Pascha", das dafür mit einem entsprechenden Foto schleichwerben darf, gibt es laut EXPRESS sogar "Gratis-Sex".
Um dem Kardinal nicht Unrecht zu tun: Vielleicht haben die beiden Gesprächspartner den EXPRESS-Artikel ja doch diskutiert. Sogar mit dem Kollegen Kreitz? Off the records? Das Puff-Foto des EXPRESS wurde jedenfalls, wie wir exklusiv zeigen können, schon verändert.

Anstatt Rüge lieber Interview: Meisners Verhältnis zu "Stadt-Anzeiger" und EXPRESS - Fotomontage: Jan Brune und Hady Emami
Einig sind sich die beiden Gesprächspartner auf jeden Fall in einem Punkt. Meisner möchte nämlich, "dass wir jedes Jahr eine Woche lang eine große Dom-Wallfahrt durchführen. Möglichst im Herbst. Der Dom gibt geistig so viel her, und wir machen so wenig daraus. In drei Jahren ist der nächste Weltjugendtag. Wir können aber nicht so viel Zeit vergehen lassen. Wir dürfen uns nicht aus den Augen verlieren. Darum wünsche ich mir ein Treffen der europäischen Jugend, um uns auf Australien vorzubereiten."
Da kann Sommerfeld natürlich nicht widersprechen, auch wenn es den meisten KölnerInnen nach dem gerade überstandenen WJT vor einem jährlichen EJT gruseln dürfte. Jedes Jahr eine Woche lang hunderttausende Köln-Wallfahrer: Das wird der verkauften Auflage der DuMont-Zeitungen weiter auf die Sprünge helfen.
Online-Flyer Nr. 05 vom 29.08.2005
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Medien
Meisner, Stadt-Anzeiger, EXPRESS und
"Die Jungs mit Kondomen"
Von Peter Kleinert
Richtig Kasse gemacht haben dürfte die Verleger-Familie Neven DuMont - auch mal ohne Unterstützung durch die Oppenheim-Bank und ihren KölnArena-Fonds - in der Woche des WJT mit ihren unter Auflagenschwund leidenden Blättern. Waren doch angeblich eine Million junge Katholiken in Köln, die zwar weder die Pille und Kondome, dafür aber "Stadt-Anzeiger", "Rundschau" und EXPRESS kaufen durften. Da lag es nahe, dass "Stadt-Anzeiger"-Chefredakteur Franz Sommerfeld sich bei dem selbsternannten "Stellvertreter des Papstes in Deutschland", Kölns Kardinal Meisner, mit einem Interview nachträglich artig bedankte. Und der sonst so Sex-kritische Kardinal war genau so nett zum MDS-Verlag.
Sommerfeld, das wissen die wenigsten KölnerInnen, weil der Verlag es ihnen bei seiner Einstellung im Jahr 2000 diskret verschwiegen hat, ist selbst ein doppelt Bekehrter: Ursprünglich Theologiestudent, wurde er Mitglied im DKP-nahen Marxistischen StudentenBund Spartakus, dann Chefredakteur der MSB-Zeitschrift "Rote Blätter" und MSB-Sekretär, bis er schließlich vom DKP-Parteivorstand zum Chefredakteur der "Deutschen Volkszeitung" gemacht wurde, weil die DVZ-Redaktion Ende der 80er Jahre gelegentlich allzu selbstbewusst die Politik von DKP, SED und KPdSU kritisiert hatte. Doch dann kam die "Wende", und Sommerfeld wurde so brav, dass ihn Alfred Neven DuMont zum Chefredakteur machte.
Nach einigen freundlichen Worten über seinen ehemaligen Kollegen Ratzinger, der sich mit seiner Hilfe "auf diesem Weltjugendtag freigeschwommen" und ihm dafür auf dem Roncalliplatz zugeflüstert habe: "Ich habe von dir schon etwas gelernt", kommt Meisner mit Hilfe des ehemaligen Theologiestudenten endlich zur Sache und zu seinem wichtigsten Gegner in der deutschen Bischofkonferenz:
Meisner: Da hat es viele junge Menschen getroffen, dass selbst ein Bischof gesagt hat, dass die Jugendlichen auf dem Petersplatz in Rom dem Papst zujubeln - die Jungs mit Kondomen, die Mädchen mit der Pille in der Tasche.
Sommerfeld , der auch will, dass der Name des Übeltäters genannt wird: Von wem sprechen Sie?
Meisner: Wie mir tief verletzte Jugendliche gesagt haben, hat sich Kardinal Lehmann in einem Interview so geäußert. Mit dieser Bemerkung hat er viele Jugendliche tief getroffen.
Keineswegs "tief getroffen" fühlt sich der strenge "Stellvertreter des Papstes" offenbar hingegen durch einen Artikel, den Sommerfelds EXPRESS-Kollege Rudolf Kreitz verantwortet und der auch erst ein paar Tage zurückliegt. Jedenfalls hat er deshalb das Interview nicht verweigert.
Unter der Schlagzeile "Sommerloch im Puff" erfuhren da nämlich die Jungs mit und ohne Kondome: "Viele Freier sind im Urlaub". Und deshalb betrage der "Liebeslohn" im Ehrenfelder "Römerbad" nur noch 80 anstatt 100 Euro. Im Leverkusener "Penthouse" könne "der gierige Freier gleich zwei Frauen zum Preis von einer buchen." Und im "Pascha", das dafür mit einem entsprechenden Foto schleichwerben darf, gibt es laut EXPRESS sogar "Gratis-Sex".
Um dem Kardinal nicht Unrecht zu tun: Vielleicht haben die beiden Gesprächspartner den EXPRESS-Artikel ja doch diskutiert. Sogar mit dem Kollegen Kreitz? Off the records? Das Puff-Foto des EXPRESS wurde jedenfalls, wie wir exklusiv zeigen können, schon verändert.

Anstatt Rüge lieber Interview: Meisners Verhältnis zu "Stadt-Anzeiger" und EXPRESS - Fotomontage: Jan Brune und Hady Emami
Einig sind sich die beiden Gesprächspartner auf jeden Fall in einem Punkt. Meisner möchte nämlich, "dass wir jedes Jahr eine Woche lang eine große Dom-Wallfahrt durchführen. Möglichst im Herbst. Der Dom gibt geistig so viel her, und wir machen so wenig daraus. In drei Jahren ist der nächste Weltjugendtag. Wir können aber nicht so viel Zeit vergehen lassen. Wir dürfen uns nicht aus den Augen verlieren. Darum wünsche ich mir ein Treffen der europäischen Jugend, um uns auf Australien vorzubereiten."
Da kann Sommerfeld natürlich nicht widersprechen, auch wenn es den meisten KölnerInnen nach dem gerade überstandenen WJT vor einem jährlichen EJT gruseln dürfte. Jedes Jahr eine Woche lang hunderttausende Köln-Wallfahrer: Das wird der verkauften Auflage der DuMont-Zeitungen weiter auf die Sprünge helfen.
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