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Arbeit und Soziales
Im November 6,2 Millionen oder "unter 4 Millionen" Erwerbslose?  
Kölner "Express" hebt ab
Von Hans-Dieter Hey

Offensichtlich berichtet der Kölner "Express" gern über "Job-Raketen". Die Suche auf seiner Internetseite ergab 1360 Treffer. Am Freitag wurde den verblüfften LeserInnen des Neven DuMont´schen Printmediums auf der ersten Seite mitgeteilt: "Job-Rakete: Deutschland hebt ab". Man berief sich auf die am gleichen Tag veröffentlichten Zahlen der Bundesregierung. Soviel positive Presse hat die schwarz-rote Koalition von Merkel und Müntefering bestimmt erfreut.

Was an solchen Meldungen wirklich dran ist, erhellt regelmäßig das "Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jungendberufshilfe". Danach gab es im November 2006 nach der offiziellen Statistik der Bundesarbeitsagentur 6,2 Millionen als Erwerbslose registrierte Menschen und nicht erstmals wieder "unter vier Millionen", wie die ZDF-Heute-Redaktion und ähnliche Medien behaupteten. Gegenüber 2005 sank ihre Zahl also lediglich um 163.000. Von einer "Job-Rakete" zu sprechen, ist dann schon mehr als waghalsig, wenn ein Teil des Rückgangs auf Konsumkäufe zurückzuführen ist, die wegen der Umsatzsteuererhöhung auf 19 Prozent im nächsten Jahr vorgezogen wurden.

Express: Job-Raketen - Bundesarbeitsagentur: Realität
Express: Job-Raketen - Bundesarbeitsagentur: Realität
Foto: Hans-Dieter Hey


Nicht einmal der stark gestiegene Export - erwartet wird ein Plus von sieben Prozent in diesem Jahr mit entsprechenden Gewinnen - hat dazu geführt, dass mehr Menschen in Arbeit kamen. Und was die Bundesregierung und ihr Job-Raketen-Express außerdem verschweigen: Nach der neuen Hartz-IV-Zählmethode werden viele Erwerbslose einfach gar nicht mehr mitgezählt. Darunter allein 339.000 ALG-II-EmpfängerInnen und außerdem - laut isw-Konjunkturbericht 3/06 - rund 281.000 Ein-Euro-JobberInnen oder Erwerbslose, die in meist unsinnige Fortbildungsmaßnahmen gesteckt wurden.

Seit diesem Jahr kommt noch eine gesetzliche Regelung dazu, die zusätzlichen Treibstoff für die "Job-Raketen" darstellt: In die Erwerbslosigkeit Entlassene sollen nun gar nicht mehr arbeitslos werden. Man steckt sie sofort in "Auffanggesellschaften". Die Folge: Auch sie werden nicht mehr als arbeitslos mitgezählt.

Diese merkwürdige "Hartz-Zählerei" führt zum Beispiel in Hamburg zu einem Zahlenwirrwarr, über den das "Hamburger Abendblatt" am Freitag ehrlich berichtet hat. In dieser Stadt schwanken danach nämlich die Erwerbslosenzahlen zwischen 92 und 146 Tausend - je nachdem wie man zählt. Warum man sich in der Köln-Presse bei solchen Möglichkeiten lieber zugunsten der Unternehmer und ihrer Großen Koalition verzählt, ist dieser Redaktion leider nicht bekannt.

Online-Flyer Nr. 73  vom 05.12.2006

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