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Lokales
Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
Kölner Frauenbewegung im Aufwind?
Von Elmar Klevers
Geschichte und erste Erfolge
Die Geschichte der Kölner Frauenbewegung hat ihre Ursprünge im Spätmittelalter. Auch in Köln wurden Hexen verbrannt. Der Frauenturm an der Bayenstraße war damals das Frauengefängnis. Anfang des 20. Jahrhunderts fand in der Kölner Südstadt der erste Frauenstreik statt, der über Wochen dauerte. In den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine relativ starke Frauen- und Emanzipationsbewegung. Ihre Forderungen bewegten auch die Kölner Parteien und die Kölner Politik. Leider haben die damaligen Forderungen nicht sehr viele Früchte für die Frauen getragen. Was heute noch übriggeblieben ist, sind die Frauenparkplätze in den Parkhäusern.

Foto: Rita Grünewald
Wieder Erwachen?!
Frauenorganisationen haben sich in den letzten Jahren wieder vermehrt gebildet. Einerseits wenn Ehefrauen durch die Gewalt ihrer Männer in die Flucht getrieben wurden. Andererseits wenn Mädchen und junge Frauen Opfer von Gewalt und Vergewaltigung wurden. Hierbei engagierten sich auch kommunale Verwaltungen mit ihren Gleichstellungsstellen, die bei Belästigungen in Betrieben den Frauen beistehen. Kirchliche Gruppen, Polizei und Gerichte, sowie freie Frauenverbände geben ebenfalls Schutz und Hilfe. Vor einigen Wochen - die NRhZ berichtete darüber - fand ein Gespräch von Frauen-Verbandsvertreterinnen bei Bürgermeisterin Spizig zum Thema "Sexistische Werbung in Köln" statt.
Aktionen zum 25. November in Köln
Bereits am Vortag organisierte das Frauenamt der Stadt Köln eine vielbeachtete Standaktion auf der Schildergasse. Die Mitarbeiterinnen verteilten Flugblätter und Brötchen in Tüten mit der Aufschrift: "Gewalt kommt nicht in die Tüte!". Das war eine gute Idee, denn die Tüten gingen weg wie warme Semmeln. Man muß den Damen, die bei ungemütlichem Wetter auf der Schildergasse standen, agitierten und Gespräche führten, schon Beifall zollen für ihren Einsatz.

Aktion des Gleichstellungsamtes auf der Schildergasse
Foto: Rita Grünewald
Am 25. November, dem eigentlichen Kampf- und Gedenktag, versammelten sich um 14 Uhr die Frauen und Sympathisantinnen der Frauenverbände "Frauen helfen Frauen", "Frauenleben e.V.", "Iranisch-Deutscher Frauenverein e.V.", Frauenverband "ÜRI" und "Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser" an der Eigelstein-Torburg zu einer Demonstration. Nach der Auftaktkundgebung, bei der die Frauenforderungen starkbetont herausgestellt wurden, zogen die Frauen zum Friesenplatz und gestalteten dort ihre Abschlusskundgebung.
Kultur- und Podiumsveranstaltung
Zur gleichen Zeit begann im Stadtgartengebäude an der Venloer Straße eine Kultur- und Podiumsveranstaltung zum Thema "Sexualisierte Gewalt in Schulen und Jugendeinrichtungen". Den Auftakt gestaltete die Volksdichterin und Schauspielerin Lilly Walden aus Berlin mit ihrem Stück "Der Schatten der Lawine". Sie spielte darin als Schulleiterin Frau Dr. Berger fünf Männer und vier Frauen. Es ging um eine bevorstehende Elternversammlung in dieser Schule nach einer Vergewaltigung mit Mord an einer Schülerin. Lilly Walden stellte die verschiedenen Lehrpersonen und deren Auftreten vor den Eltern dar. Für jeden, der schon mal hinter die Kulissen einer Schule geschaut hat, war das sehr realistisch was da präsentiert wurde. Ein rauschender Beifall war der Dank.<

Brötchentüte 'Gewalt kommt nicht in die Tüte'
Foto: Rita Grünewald
Die nach einer Pause beginnende Diskussionsrunde mit Inge von Bönninghausen als Moderatorin, Hanna Dirk von Lobby für Mädchen, Jakob Klütsch, Familienberatung der Stadt Köln, Lilly Walden, Albert Almering, Lehrer an der Ursula-Kuhr-Schule in Köln-Heimersdorf, Jutta Schreiber, Regierungsschuldirektorin bei der Bezirksregierung Köln und Sebastian Gutknecht, Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Landesstelle NRW hätte sehr kurz werden können, wenn man das Ergebnis an den Anfang gestellt hätte, nämlich: Wir können nichts oder doch nur sehr wenig bewirken, weil Staat und Stadt zuwenig Mittel bereitstellen. Die Fachleute stellten ihre aktuellen und frühere Projekte vor und erläuterten, was heute nötig wäre und was sich aus der heutigen Misere für die Zukunft ergibt, wenn nicht mehr getan wird, um in Schulen und Jugendeinrichtungen der Gewalt von meist männlichen Jugendlichen an Kindern, alten Menschen und besonders Frauen einzudämmen.

Grußwort von Bettina Böttinger im Stadtgarten
Foto: Rita Grünewald
Konsequenzen neoliberaler Politik
Durch die neoliberale Politik von SPD, CDU, Grünen und besonders der FDP konnten viele gesellschaftlich wichtige Projekte zur Gewaltprävention wegen der Mittelkürzungen oder -streichungen nicht mehr fortgeführt werden. Politiker besonders im Land und auf Bundesebene reagieren nun auf die zunehmende Gewalt in Schulen, Straßenbahnen, Stadien und sonstigen Freiräumen der Städte mit Instrumenten, die der Terrorismusbekämpfung dienen sollen. Das verlagert die Gewalt aber nur an die Ränder oder in die unbewachten Nischen der Gesellschaft. Die anwesenden Fachleute halten das für eine falsche Vorgehensweise.
So bleibt den ehrenamtlich tätigen Frauen und den sie unterstützenden gutwilligen Männern für die Zukunft ein steigender Berg an Arbeit im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu leisten.
Online-Flyer Nr. 73 vom 05.12.2006
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Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
Kölner Frauenbewegung im Aufwind?
Von Elmar Klevers
Geschichte und erste Erfolge
Die Geschichte der Kölner Frauenbewegung hat ihre Ursprünge im Spätmittelalter. Auch in Köln wurden Hexen verbrannt. Der Frauenturm an der Bayenstraße war damals das Frauengefängnis. Anfang des 20. Jahrhunderts fand in der Kölner Südstadt der erste Frauenstreik statt, der über Wochen dauerte. In den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine relativ starke Frauen- und Emanzipationsbewegung. Ihre Forderungen bewegten auch die Kölner Parteien und die Kölner Politik. Leider haben die damaligen Forderungen nicht sehr viele Früchte für die Frauen getragen. Was heute noch übriggeblieben ist, sind die Frauenparkplätze in den Parkhäusern.

Foto: Rita Grünewald
Wieder Erwachen?!
Frauenorganisationen haben sich in den letzten Jahren wieder vermehrt gebildet. Einerseits wenn Ehefrauen durch die Gewalt ihrer Männer in die Flucht getrieben wurden. Andererseits wenn Mädchen und junge Frauen Opfer von Gewalt und Vergewaltigung wurden. Hierbei engagierten sich auch kommunale Verwaltungen mit ihren Gleichstellungsstellen, die bei Belästigungen in Betrieben den Frauen beistehen. Kirchliche Gruppen, Polizei und Gerichte, sowie freie Frauenverbände geben ebenfalls Schutz und Hilfe. Vor einigen Wochen - die NRhZ berichtete darüber - fand ein Gespräch von Frauen-Verbandsvertreterinnen bei Bürgermeisterin Spizig zum Thema "Sexistische Werbung in Köln" statt.
Aktionen zum 25. November in Köln
Bereits am Vortag organisierte das Frauenamt der Stadt Köln eine vielbeachtete Standaktion auf der Schildergasse. Die Mitarbeiterinnen verteilten Flugblätter und Brötchen in Tüten mit der Aufschrift: "Gewalt kommt nicht in die Tüte!". Das war eine gute Idee, denn die Tüten gingen weg wie warme Semmeln. Man muß den Damen, die bei ungemütlichem Wetter auf der Schildergasse standen, agitierten und Gespräche führten, schon Beifall zollen für ihren Einsatz.

Aktion des Gleichstellungsamtes auf der Schildergasse
Foto: Rita Grünewald
Am 25. November, dem eigentlichen Kampf- und Gedenktag, versammelten sich um 14 Uhr die Frauen und Sympathisantinnen der Frauenverbände "Frauen helfen Frauen", "Frauenleben e.V.", "Iranisch-Deutscher Frauenverein e.V.", Frauenverband "ÜRI" und "Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser" an der Eigelstein-Torburg zu einer Demonstration. Nach der Auftaktkundgebung, bei der die Frauenforderungen starkbetont herausgestellt wurden, zogen die Frauen zum Friesenplatz und gestalteten dort ihre Abschlusskundgebung.
Kultur- und Podiumsveranstaltung
Zur gleichen Zeit begann im Stadtgartengebäude an der Venloer Straße eine Kultur- und Podiumsveranstaltung zum Thema "Sexualisierte Gewalt in Schulen und Jugendeinrichtungen". Den Auftakt gestaltete die Volksdichterin und Schauspielerin Lilly Walden aus Berlin mit ihrem Stück "Der Schatten der Lawine". Sie spielte darin als Schulleiterin Frau Dr. Berger fünf Männer und vier Frauen. Es ging um eine bevorstehende Elternversammlung in dieser Schule nach einer Vergewaltigung mit Mord an einer Schülerin. Lilly Walden stellte die verschiedenen Lehrpersonen und deren Auftreten vor den Eltern dar. Für jeden, der schon mal hinter die Kulissen einer Schule geschaut hat, war das sehr realistisch was da präsentiert wurde. Ein rauschender Beifall war der Dank.<

Brötchentüte 'Gewalt kommt nicht in die Tüte'
Foto: Rita Grünewald
Die nach einer Pause beginnende Diskussionsrunde mit Inge von Bönninghausen als Moderatorin, Hanna Dirk von Lobby für Mädchen, Jakob Klütsch, Familienberatung der Stadt Köln, Lilly Walden, Albert Almering, Lehrer an der Ursula-Kuhr-Schule in Köln-Heimersdorf, Jutta Schreiber, Regierungsschuldirektorin bei der Bezirksregierung Köln und Sebastian Gutknecht, Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Landesstelle NRW hätte sehr kurz werden können, wenn man das Ergebnis an den Anfang gestellt hätte, nämlich: Wir können nichts oder doch nur sehr wenig bewirken, weil Staat und Stadt zuwenig Mittel bereitstellen. Die Fachleute stellten ihre aktuellen und frühere Projekte vor und erläuterten, was heute nötig wäre und was sich aus der heutigen Misere für die Zukunft ergibt, wenn nicht mehr getan wird, um in Schulen und Jugendeinrichtungen der Gewalt von meist männlichen Jugendlichen an Kindern, alten Menschen und besonders Frauen einzudämmen.

Grußwort von Bettina Böttinger im Stadtgarten
Foto: Rita Grünewald
Konsequenzen neoliberaler Politik
Durch die neoliberale Politik von SPD, CDU, Grünen und besonders der FDP konnten viele gesellschaftlich wichtige Projekte zur Gewaltprävention wegen der Mittelkürzungen oder -streichungen nicht mehr fortgeführt werden. Politiker besonders im Land und auf Bundesebene reagieren nun auf die zunehmende Gewalt in Schulen, Straßenbahnen, Stadien und sonstigen Freiräumen der Städte mit Instrumenten, die der Terrorismusbekämpfung dienen sollen. Das verlagert die Gewalt aber nur an die Ränder oder in die unbewachten Nischen der Gesellschaft. Die anwesenden Fachleute halten das für eine falsche Vorgehensweise.
So bleibt den ehrenamtlich tätigen Frauen und den sie unterstützenden gutwilligen Männern für die Zukunft ein steigender Berg an Arbeit im Kampf gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu leisten.
Online-Flyer Nr. 73 vom 05.12.2006
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