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Lokales
Kölner Filmprojekt über alternative Konzepte zu Arbeit und Einkommen
Hartz IV-Betroffene gesucht
Von Christoph Schlee

Was kann man Sensations- oder Skandalberichten zum Thema Hartz IV in den üblichen Medien entgegensetzen? "allmende-film" - eine Gruppe von Kölner Film- und Fernsehmachern - will Mißstände aufzeigen, die im System liegen, und sucht dafür Hartz IV-Betroffene. Die Redaktion.


Arbeiter in China - Tageslohn 3 bis 4 Euro
Arbeiter in China - Tageslohn 3 bis 4 Euro
Foto: Christoph Scheer


Dass die Medien zum Thema Hartz IV nicht viel Erbauliches beizutragen haben, ist hinlänglich bekannt. Selbst ehemals kritische Magazine wie Panorama bringen Beiträge mit Headlines wie "Die Hartz-IV-Falle - Arbeiten lohnt sich nicht" (4.8.2005), auch wenn Ungerechtigkeiten im Detail auch immer mal wieder berichtenswert sind. Wenn nämlich die Leistungen, die nach Hartz IV den Betroffenen zustehen, aus irgendeinem Grund nicht gezahlt werden, wenn Ämterwillkür die berechtigten Ansprüche nicht zur Geltung kommen lässt. Eine andere Facette: Spiegel TV berichtet am 23.5.2005 vom "Milliardengrab Hartz IV" - eine Tendenz, die bei vielen Beiträgen zum Thema zu beobachten ist. Hartz IV sei "schlampig umgesetzt" oder "stümperhaft geplant", dabei war es doch eine ganz passable Idee...

Die Medien sind immer schnell dabei, wenn es darum geht, den Ämtern oder Politikern mangelnde Professionalität anzukreiden - hier werden gern Vokabeln aus der "freien Wirtschaft" verwendet - als ob nicht gerade der Versuch, die Arbeitsämter mit ökonomischen Instrumenten zu Agenturen zu machen, das neuerliche Scheitern mitbedingt hat. Auch das entsprechende Vokabular, ob "case management", "profiling" oder der in diesem Zusammenhang seltsame Begriff vom "Kunden" hat keine neuen Arbeitsplätze hervorzaubern können. Die Aufgabe, sinnvolle Tätigkeiten mit Menschen, die sie machen wollen, zusammenzubringen, ist mit Effizienzoffensiven dieser Art nicht zu bewerkstelligen.

Marktwirtschaft ist nicht per se an sinnvoller Arbeit interessiert - das erscheint als Binsenweisheit. Wobei es ein Kuriosum ist, dass die Politik nach wie vor die Sozialabgaben an die Arbeit hängt, anstatt das Soziale über Konsumsteuern bzw. Mehrwertsteuer zu finanzieren. Einen diskussionswürdigen Vorschlag dazu stellt das Grundeinkommensmodell von Götz Werner dar, Senior-Chef und Gründer der Drogeriekette dm. Wenn sich ein bekannter Unternehmer wie er dazu äußert, gibt es sogar ein paar Beiträge im Fernsehen. Dass andere Initiativen seit Jahren ähnliches fordern, blieb lange Zeit ein Randthema. Überhaupt steht in den Medien Hartz IV zwar vage in der Kritik, Alternativen bleiben aber merkwürdig unpräsent. Hier reflektieren die Medien die Dumpfheit der herrschenden Politik, die wie das Kaninchen vor der Schlange auf die Hartz IV-Reformen schaut, als ob es vor denen kein Entrinnen gäbe. Dass Erwerbsarbeit für jeden "Pflicht" und selbst durch Zwang herbeizuführen sei, bleibt selbstverständliches Grunddogma. Genauso wie Erwerbslose immer noch weitgehend als "faule Menschen" angesehen werden, die "aktiviert" werden müssen.

Diese Absurditäten reizen uns von der Kölner Filmproduktion "allmende-film", nach Alternativen zu suchen - in der Realität und in der Berichterstattung. "allmende-film" gibt es seit Sommer 2006. Das Team besteht aus fernseherfahrenen Redakteuren und Kameraleuten aus Köln und Düsseldorf. Ich selbst, der Firmengründer, habe seit 1996 als "freischaffender" Autor für das Auslandsfernsehen Deutsche Welle TV gearbeitet, von 1999 bis 2003 beim WDR, derzeit arbeite ich auch für Formate wie 3Sat nano/kulturzeit oder K1-Magazin.

Konzepte wie die "sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit" der Berliner Kampagne gegen Hartz IV oder zum Grundeinkommen bzw. Bürgergeld wollen wir genauer vorstellen und filmisch betrachten - zumindest wenn es materiell nicht unter die Hartz-Sätze abrutscht wie bei Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus. Dazu gehört es natürlich, eine ehrliche Bestandsaufnahme zu beginnen, die nicht beim Lamentieren über einzelne Punkte der Hartz-Regelungen stehen bleibt.

Um diese Kritik zu verdeutlichen, suchen wir Menschen - vorzugsweise aus Köln und Umgebung - die von ihren Ämtererlebnissen anhand ihrer eigenen biographischen Situation erzählen, aber auch zum Beispiel Erwerbslose, die Nischen suchen, um sinnvollen Tätigkeiten nachzugehen. Auch Erfahrungen aus und mit Integrationsjobs wollen wir einbeziehen, um zu zeigen, was vielleicht schon funktioniert und an welchen Punkten Alternativen gesucht werden müssen.

"allmende-film" produziert Filme und Fernsehbeiträge, einer der Schwerpunkte neben China und Umwelt ist das Thema Arbeit. Kontakt: c.schlee@allmende-film.de; Tel. 0221 12090616 / 0163 1906166.

Online-Flyer Nr. 72  vom 28.11.2006

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