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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Glossen
Für die unbeobachteten Momente des Lebens...
Terrorist in Köln
Carl H. Ewald

Haben Sie´s gesehen?! Die Terroristen waren unter uns: In Köln, mitten in Ehrenfeld. Und dort sind sie anscheinend... nun ja, ER, auch noch in die Moschee gegangen. Sie wissen schon, in die auf der Venloer Straße... Wenn ich das geahnt hätte... vielleicht bin ich dem ja schon mal begegnet, also nicht in der Moschee... aber in der Dönerbude um die Ecke zum Beispiel, oder im Supermarkt an der Fleischtheke, wie er gerade Hammelfleisch bestellen wollte. Oh, mir graut es jetzt noch...
Nee, nee, nicht vor dem Fleisch - vor diesen Lybiern oder Libanesen oder wie auch immer. Das waren ja richtige Terroristen. Das konnte man ja im Fernsehen sehen.  Da haben die auch noch am Bahnhof in die Kameras gelächelt... was für eine Dreistigkeit!! Und nicht mal richtig Bomben bauen können die - solche die auch explodieren, meine ich... Vollkommen unfähig diese angeblichen Terroristen! Ist ja klar, dass im Ausland nix funktioniert.
 
Und dann haben die auch noch ihre Telefonnummern in den Koffern hinterlassen. Das war dann ja wohl klar, dass sogar der deutsche Geheimdienst die im Libanon aufspüren konnte...
 
Wenn ich bedenke, ich wäre so einem auf der Straße begegnet. So ein Terrorist könnte ja wirklich jeder sein. Ihr Nachbar... Sie... ich... Man kann heutzutage ja niemandem mehr trauen. Sich selbst noch am allerwenigsten.
 
Also, ich habe auch schon angefangen, mich jetzt selbst intensiver zu beobachten. Ja, ja, ich weiß, überall stehen schon Kameras herum, in der U-Bahn, am Bahnhof, in der Einkaufsstraße... auch bei mir zu Hause. Aber, wer weiß?! Vielleicht plane ich ja, in einem unbeobachteten Moment... eine Sache... Ich weiß jetzt selbst nicht was, aber da fällt mir sicher schon noch etwas ein...
 
Also, um ehrlich zu sein, ich fühle mich, so ganz unbeobachtet... ziemlich... ziemlich... unsicher! Was könnte ich da alles anstellen, in den unbeobachteten Momenten des Lebens?! Ich könnte ja heimlich, also ohne mein Wissen, einen Anschlag auf unsere Regierung planen - wegen Hartz IV, der dreitausendsten Gesundheitsreform oder wegen der Mehrwertsteuererhöhung...
 
Na, ja, vielleicht nicht gleich auf die Regierung... das ist vielleicht ne Nummer zu groß, aber sagen wir wenigstens auf den Schramma. Wegen... wegen... zum Beispiel wegen dem Klüngel mit Oppenheim und der Messe und dem Barmer Viertel... Oder, vielleicht bin ich ja ohne mein Wissen, heimlich sozusagen, zum Islam übergetreten, und jetzt plane ich einen Anschlag auf den Kölner Dom... weil... weil... weil ich die Reden von Benedetto in Bayern ziemlich dämlich fand. Und der Meisner ist ohnehin ein Grund für sich...
 
Na, ja, was auch immer ich plane, Anlässe gibt es ja glücklicherweise genug! Danke schön, liebe Regierung, lieber Herr Schramma, liebe Kirche für diese... äh... steilen Vorlagen! - In diesem Sinne - bis zum nächsten Anschlag!

Online-Flyer Nr. 65  vom 10.10.2006

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Von Kostas Koufogiorgos
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