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Arbeit und Soziales
BenQ-Arbeiter: Widerstand gegen Siemens zusammen mit der IG Metall
"Wir werden nicht leise sterben!"
Von Markus Grolms
Hatten die Herren etwa geglaubt, es würde Ihnen gelingen uns klammheimlich über die Klinge springen zu lassen? Dieser Plan wird nicht aufgehen, dafür werden wir KollegInnen in Bocholt, Kamp-Lintfort und München sorgen. Der Plan von Siemens und nicht zuletzt der von Heinrich von Pierer, Klaus Kleinfeld und Joe Kaeser war offenbar, uns zu benutzen, um der Lüge Vorschub zu leisten, mit Lohnverzicht und Verlängerung der Arbeitszeit könnte das schier unglaubliche Missmanagement ausgebügelt werden.
Wir wurden beim Abschluss des ETV schlicht erpresst von Siemens, wir gerieten aber auch unter Druck durch weite Teile der politischen und wirtschaftlichen Eliten in unserem Land. Diese erklärten in einer Mischung aus infantiler Leichtgläubigkeit und gezielter Desinformation die schlichten Weisheiten der Manager zu unverrückbaren Glaubenssätzen. Sie wurden getäuscht, genau so wie auch wir getäuscht wurden. IG Metall und betriebliche Interessenvertreter hingegen brachten immer wieder zum Ausdruck, dass das Lohndumping die Probleme von Siemens Mobile nicht lösen würde, blieben aber weitgehend ungehört.
Am Ende des Tages blieb uns nur darauf zu vertrauen, dass es Siemens ernst war mit der Sanierung des Geschäftes. Wir schluckten alle Pillen, doch das Siechtum setzte sich fort.
Monate vergingen ohne dass das Siemens Management einen einzigen sinnvollen Schritt unternahm, um Mobile wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Schließlich standen die Optionen verkaufen, sanieren oder schließen im Raum.
Zum Schließen fehlte der Führungsriege der Mut, hätte sie doch erklären müssen, warum die von Ihnen verordneten Heilmittel auf Kosten der Belegschaft nicht funktioniert hatten. Eine Sanierung hätte erfordert, Geld in die Hand zu nehmen und mit erfolgreichem Unternehmertum die Sparte nach vorne zu bringen. Diese Sanierung hätte Klaus Kleinfeld abverlangt, etwas zu erschaffen statt es zu zerstören. Doch das ist die Sache der Siemens Manager nicht. Die Hosen gestrichen voll vor der Herausforderung, unternehmerisches Können beweisen zu müssen, suchten sie verzweifelt einen Bestatter und fanden ihn bei BenQ.
Dass bei der Schenkung an BenQ die Abfindungen der Manager in einer eigenen GmbH gesichert wurden, dokumentiert hinreichend, wie groß der Wille war, die Perspektiven für die Standorte in Deutschland zu sichern. Dass man in Deutschland Handys bauen kann, ist unstrittig, Nokia und Motorola beweisen es.
Wir KollegInnen sind uns sicher, dass wir von Siemens über den Tisch gezogen und fallen gelassen wurden.
Doch eines ist klar, wir werden nicht leise sterben! Wir werden weiter kämpfen um unsere Zukunft und wir werden nicht aufhören Deutschland und der Welt klar zu machen, welche Sauerei sich hier abgespielt hat. Unser ehemaliger Personalleiter Sebastian Prinzing erklärte bei der Überleitung zu BenQ (er selbst freilich verblieb im Hause Siemens), er sei davon überzeugt, dass das neue Unternehmen ein Erfolg werde, "das Ding wird fliegen" so Prinzing damals. Recht hatte er, das Ding wird jetzt wirklich fliegen. Ein Bumerang zwar, aber das hätten die Herren ahnen können. Unsere Bereitschaft einen Beitrag zur Sanierung der Handysparte zu leisten, als Unentschlossenheit zu interpretieren, war ein weiterer fataler Fehler des Managements.
Wir sind entschlossen zu kämpfen und wir haben nichts mehr zu verlieren. Das ist so sicher wie die Verkommenheit der Managementkultur. Die personalpolitischen Massaker bei Siemens setzen sich einstweilen fort: Com in der Auflösung, Streik bei Bosch-Siemens, Verhandlungen bei SBS und FSC. Klaus Kleinfeld betätigt sich als ökonomischer warlord und ein Ende ist nicht absehbar - wie viel ist genug? Höchste Zeit also sich zu organisieren und gemeinsam mit der IG Metall den Protest auszuweiten.
Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende, wir fangen gerade erst an.
Brief von Markus Grolms, Metaller, BenQ Mobile, Fabrik Kamp-Lintfort, vom 3.10.2006 an Labournet Germany
Online-Flyer Nr. 65 vom 10.10.2006
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Arbeit und Soziales
BenQ-Arbeiter: Widerstand gegen Siemens zusammen mit der IG Metall
"Wir werden nicht leise sterben!"
Von Markus Grolms
Hatten die Herren etwa geglaubt, es würde Ihnen gelingen uns klammheimlich über die Klinge springen zu lassen? Dieser Plan wird nicht aufgehen, dafür werden wir KollegInnen in Bocholt, Kamp-Lintfort und München sorgen. Der Plan von Siemens und nicht zuletzt der von Heinrich von Pierer, Klaus Kleinfeld und Joe Kaeser war offenbar, uns zu benutzen, um der Lüge Vorschub zu leisten, mit Lohnverzicht und Verlängerung der Arbeitszeit könnte das schier unglaubliche Missmanagement ausgebügelt werden.
Wir wurden beim Abschluss des ETV schlicht erpresst von Siemens, wir gerieten aber auch unter Druck durch weite Teile der politischen und wirtschaftlichen Eliten in unserem Land. Diese erklärten in einer Mischung aus infantiler Leichtgläubigkeit und gezielter Desinformation die schlichten Weisheiten der Manager zu unverrückbaren Glaubenssätzen. Sie wurden getäuscht, genau so wie auch wir getäuscht wurden. IG Metall und betriebliche Interessenvertreter hingegen brachten immer wieder zum Ausdruck, dass das Lohndumping die Probleme von Siemens Mobile nicht lösen würde, blieben aber weitgehend ungehört.
Am Ende des Tages blieb uns nur darauf zu vertrauen, dass es Siemens ernst war mit der Sanierung des Geschäftes. Wir schluckten alle Pillen, doch das Siechtum setzte sich fort.
Monate vergingen ohne dass das Siemens Management einen einzigen sinnvollen Schritt unternahm, um Mobile wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Schließlich standen die Optionen verkaufen, sanieren oder schließen im Raum.
Zum Schließen fehlte der Führungsriege der Mut, hätte sie doch erklären müssen, warum die von Ihnen verordneten Heilmittel auf Kosten der Belegschaft nicht funktioniert hatten. Eine Sanierung hätte erfordert, Geld in die Hand zu nehmen und mit erfolgreichem Unternehmertum die Sparte nach vorne zu bringen. Diese Sanierung hätte Klaus Kleinfeld abverlangt, etwas zu erschaffen statt es zu zerstören. Doch das ist die Sache der Siemens Manager nicht. Die Hosen gestrichen voll vor der Herausforderung, unternehmerisches Können beweisen zu müssen, suchten sie verzweifelt einen Bestatter und fanden ihn bei BenQ.
Dass bei der Schenkung an BenQ die Abfindungen der Manager in einer eigenen GmbH gesichert wurden, dokumentiert hinreichend, wie groß der Wille war, die Perspektiven für die Standorte in Deutschland zu sichern. Dass man in Deutschland Handys bauen kann, ist unstrittig, Nokia und Motorola beweisen es.
Wir KollegInnen sind uns sicher, dass wir von Siemens über den Tisch gezogen und fallen gelassen wurden.
Doch eines ist klar, wir werden nicht leise sterben! Wir werden weiter kämpfen um unsere Zukunft und wir werden nicht aufhören Deutschland und der Welt klar zu machen, welche Sauerei sich hier abgespielt hat. Unser ehemaliger Personalleiter Sebastian Prinzing erklärte bei der Überleitung zu BenQ (er selbst freilich verblieb im Hause Siemens), er sei davon überzeugt, dass das neue Unternehmen ein Erfolg werde, "das Ding wird fliegen" so Prinzing damals. Recht hatte er, das Ding wird jetzt wirklich fliegen. Ein Bumerang zwar, aber das hätten die Herren ahnen können. Unsere Bereitschaft einen Beitrag zur Sanierung der Handysparte zu leisten, als Unentschlossenheit zu interpretieren, war ein weiterer fataler Fehler des Managements.
Wir sind entschlossen zu kämpfen und wir haben nichts mehr zu verlieren. Das ist so sicher wie die Verkommenheit der Managementkultur. Die personalpolitischen Massaker bei Siemens setzen sich einstweilen fort: Com in der Auflösung, Streik bei Bosch-Siemens, Verhandlungen bei SBS und FSC. Klaus Kleinfeld betätigt sich als ökonomischer warlord und ein Ende ist nicht absehbar - wie viel ist genug? Höchste Zeit also sich zu organisieren und gemeinsam mit der IG Metall den Protest auszuweiten.
Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende, wir fangen gerade erst an.
Brief von Markus Grolms, Metaller, BenQ Mobile, Fabrik Kamp-Lintfort, vom 3.10.2006 an Labournet Germany
Online-Flyer Nr. 65 vom 10.10.2006
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